Sonntag, 15. November 2009

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil IX)

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Mit einer Ausnahme stammen die folgendenSongs allesamt aus den so genannten "Walt Disney Meisterwerken", der Einstiegsdroge der allermeisten Disney-Fans und die Herkfuntsstätte zahlloser Dauerohrwürmer. Die Disney-Meisterwerke sind ein unumstößlicher Grundpfeiler des Disney-Imperiums, und das nicht zu Unrecht. Selbst wenn ich auf dem historisch akkurateren Weg zum Disneyfan wurde (ich wurde durch die Classic Cartoons angefixt) verwundert es mich keinesfalls, dass die meisten durch die abendfüllenden Zeichentrickfilme zu Disney fanden. Sie sind (von manchen Ausfällen abgesehen) sehr gut produziert, die musikalischen unter ihnen leben von fantastischen Kompositionen und der "Wieder-ansehen-will"-Faktor auerordentlich hoch. Da schauckeln sich manche Lieder in der persönlichen Gunst selbstverständlich auch hoch - und dort bleiben sie oft, so lange man es mit dem Wiederansehen nicht maßlos übertreibt.

Trotzdem tröpfeln auch in diesem Bereich meiner Hitliste manche Meisterwerk-Lieder an usn vorbei. Sie sind nicht schlecht, nein, ich finde sie nichtmals mittelmäßig - meine Liebe zu den Filmen aus denen sie stammen rührt allerdings woanders her.

Platz 282: Ein Kerl wie du ("A Guy Like You") aus Der Glöckner von Notre Dame
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Frank Lenart)

Disneys viel diskutiertes Meisterwerk aus dem Jahre 1996. Ganze Bücher ließen sich mit dem Für und Wider einer musikalischen Disney-Zeichentrickadaption von Victor Hugos klassischem Mammutroman füllen. Gary Trousdale und Kirk Wise, die zuvor mit Die Schöne und das Biest einen sehr erwachsenen und hoch gelobten Zeichentrickfilm ablieferten, sollten letztlich das unmögliche möglich machen. Unter der Kunstregie von David Goetz ließen sie einen beeindruckend plastisches Trickepos, dessen düstere, mit lateinischen Chorälen versetzte Musik aus der Feder von Alan Menken und Stephen Schwartz genau die richtige Atmosphäre für eine gelungene Disney-Umsetzung dieses Stoffes verleiht.
Und dann... sind da die Wasserspeier. Ein dreifach manifestierter Bruch in der Stimmung des Films. Und dann singen die auch noch...
Ein Kerl wie du mag in den Augen vieler Kritiker des Films eher unnötig und recht unpassend zu sein, aber Spaß macht das Lied nichtsdestotrotz. Menken kann solche zelebrierenden Melodien a la Unter dem Meer oder Sei hier Gast einfach zu gut schreiben, als dass ich diesen Song verachten könnte.
In der von Michael Kunze überarbeiteten Bühnenfassung wurde das Lied, wie eigentlich sämtliche Titel des Disney-Zeichentrickfilms, übrigens textlich runderneuert. Die Veränderungen halten sich allerdings verhältnismäßig Grenzen, selbst wenn aus dem "Kerl" im deutlich düsteren Berliner Musical "Ein Mann wie du" wurde.

Platz 281: Liebes Kind ("Baby Mine") aus Dumbo
Musik von Frank Churchill, Text von Ned Washington (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Ich bin nicht herzlos, bloß weil mich der Tod von Bambis Mutter vollkommen kalt lässt. Dass ich bei Liebes Kind, dem rührenden Gute-Nacht-Lied aus Dumbo, keine Tränen verdrücke soll mir ebenfalls gestattet sein. Meine Unterstützung braucht das Lied auch keineswegs, schließlich wird es von vielen Disneyfans geliebt, regelmäßig von Künstlern neu interpretiert (darunter Bette Midler für den Soundtrack des Films Freundinnen), Spielberg verwendete es in seinem Film 1941 und es erhielt eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bestes Lied". Da fällt es doch kaum ins Gewicht, dass ich es lediglich süß finde, nicht jedoch Herz zerreißend und überragend.

Platz 280: Ich lach so gern ("I Love to Laugh") aus Mary Poppins
Musik & Text von Robert B. & Richard M. Sherman (dt. Fassung von Eberhard Cronshagen)

Früher fand ich Ich lach so gern mitsamt dazugehöriger Szene in Mary Poppins eher überflüssig. Vor allem fand ich das Lied unvorstellbar unlustig für eins, das so offensichtlich witzig gemeint ist. Die unter der Decke stattfindende Teeparty mochte sich mir als Kind nicht nahtlos in den restlichen Film einfügen - erklären konnte ich meine zarte Abneigung gegen die Sequenz mit Ed Wynn als lachsüchtiger Onkel Albert allerdings nicht.
Mittlerweile dagegen mag ich das Lied und die dazugehörige Sequenz, wenngleich keine meiner Lieblingsstellen im Film, weiß mich zu unterhalten. Die gesungene Darstellung verschiedener Arten zu Lachen (durch die Nüstern, wie ein Auerhahn,...) weiß anzustecken und die schunkelbare, lustige Melodie hebt die Stimmung. Sicherlich kein unsterblicher Klassiker wie manch anderer Song aus Mary Poppins, als Schwachstelle kann man Ich lach so gern allerdings ebenfalls nicht bezeichnen.

Platz 279: Enjoy it aus Die Abenteuer des Kapitän Grant
Musik & Text von Robert B. & Richard M. Sherman

Mit dem Abenteuerfilm von 1962 bot sich den Sherman-Brüdern die Gelegenheit sich am Komponieren von Musicaleinlagen für Disney-Spielfilme zu proben. Einige Jahre später sollten sie es hierin zur Perfektion bringen, in Die Abenteuer des Kapitän Grant wiederum konnten ihre Lieder zwar überzeugen, im Gesamtfluss des Films jedoch wirken sie eher seltsam. Genau genommen funktionieren die Einzelszenen des Films generell besser als der komplette Film, ein Kritikpunkt der die Jules-Verne-Adaption für manche Kritiker zu einer Enttäuschung werden lässt.
Der von Maurice Chavelier und Hayles Mills gesungene Song Enjoy it ist eines von Disneys typischen "Don't worry, be happy"-Liedern, von denen uns im Laufe dieses Countdowns noch (selbstverständlich) einige begegnen werden. Wenn ein Hurricane kommt, dann soll man sich über die Brise freuen, ob man im Dschungel strandet oder sonst irgendwas passiert: Mit etwas Fantasie kann man sich alles schönreden. So ist das Leben, nehmt wie es kommt. Ein sympatisches, kleines Lied, das von Chaveliers charakterlicher Stimme ungemein profitiert.

Platz 278: Mein, mein, mein ("Mine, Mine, Mine") aus Pocahontas
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Lutz Riedl)

Meine Meinung über Pocahontas, Disneys Zeichentrickfilm von 1995, ist wie ihr ja bereits wisst von eher unbeständiger Natur. Meine Meinung über den Bösewicht des Films ist dagegen ziemlich festgefahren. Ratcliff, der nicht auf dem historischen John Ratcliff basiert sondern mit viel fiktiven Zusätzen mehrere reale Personen vereint, gehört für mich zu den schwächsten Disney-Bösewichten des Meisterwerk-Kanons. Möglicherweise liegt es daran, dass der ernsthafte Ton und die Fesseln eines realistisch-historischen Rahmens eine zu schwere Last für das Autorenteam waren und es daran hinderten Ratcliff solche überlebensgroße Züge zu verleihen, die für einen guten Disney-Bösewicht nahezu verbindlich sind. Ratcliff ist vorurteilsbelastet und raffgierig. Doch er lässt das megalomanische missen, das ich an so vielen anderen Fieslingen mag.
Mein, mein, mein ist dennoch ein ganz passabler Bösewichtsong und meiner Meinung nach ganz klar Ratcliffs bester Moment in Pocahontas, schon allein deshalb weil er in seiner von Habsucht getriebenen Vorstellung die Noten spielt, die er im restlichen Film nicht ertönen lässt.
Schön auch die reingemogelte Nummer von John Smith, in der die schnelle, arbeitsame Musik einen harmonisch-epischen Twist verliehen bekommt, was sehr gut ausdrückt, wie Smith "die neue Welt" ausschweifend genießt, während Ratcliffs Blickfeld viel enger gefasst ist.

Platz 277: Das siamesische Katzenlied ("The Siamese Cat Song") aus Susi und Strolch
Musik & Text von Sonny Burke & Peggy Lee (dt. Fassung von Eva-Maria Brock - 1. Synchro - bzw. Heinrich Riethmüller - 2. Synchro)

Wenn man es mehrmals hintereinander hört wird das äußerst stark asiatisch angehauchte Katzenlied mit seiner minimalistischen Instrumentalisierung und dem vielen Rumgeklimpere im Hintergrund schnell nervig. So lange man das im Original von einer akustisch verdoppelten Peggy Lee gesungene Nummer auf eine gesunde Dosis beschränkt ist sie allerdings richtig witzig und macht die Zerstörungstour der siamesischen Katzen durch die fast schon penetrant gleichtönige Musik und den herrlich arroganten Text ("Wir sind Siamesen und zwar echte, wir behandeln andere wie Knechte") zu einer gelungenen Szene. Ohne ein so gut funktionierendes Lied wäre die Szene für mich unerträglich - Susi bemüht sich redlich die Katzen in Schach zu halten, und dennoch ist sie es, die am Ende Ärger bekommt. Da bekomme ich ein ums andere Mal einen kleinen Wutanfall, wenn ich das ignorante Verhalten der Tante mitansehen muss...
Bobby McFerrins Coverversion für das Musikprojekt Simply Mad About The Mouse einige Jahrzehnte später bleibt zwar dem Stil des Liedes treu, multipliziert das Nervpotential allerdings um das zigfache. Daran kann man wieder erkenne, was für eine Gratwanderung das Original meisterte.

1 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Oho, Lieder, die sogar die breite Masse kennt! ;)

Achja , "Ein Kerl wie du"... das war mir damals schon etwas zu bunt und zu unpassend, auch wenn die Nummer als solche schmissig ist und gefällt. Im Film fand ich die Wasserspeier immer etwas störend (vvl. war ich einfach schon zu "alt"^^), konnte aber ganz gut mit ihnen leben. (Hugos Ziegengag find ich aber nach wie vor saukomisch. *g*)

Dumbo hab ich ewig nicht mehr gesehen... aber das Lied ist auch für mich nie Tränenzieher gewesen (hab glaub ich schon an anderer Stelle erwähnt, dass ichs immer ein wenig langweilig fand).

"Mein, mein, mein" so weit unten? Da geh ich nicht d'accord. ;)

Die siamesischen Katzen haben mich auch immer total aufgeregt, was natürlich gewollt ist. Mir tat Susi immer sowas von leid. Das Lied ist richtig passend und kommt im Film gut rüber.

Hach, mir gefällt die Liste.^^

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