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Samstag, 2. Oktober 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil LXV)


Seit beinahe einem Jahr widme ich mich hier im Blog mindestens einmal die Woche meinen liebsten Disney-Liedern. Große Disney-Klassiker drängten sich in meinem Countdown Schulter an Schulter, durchbrochen von übersehenen Kleinjuwelen und liebgewonnen kleinen Sünden. Manche Lieder waren trotz des dazugehörigen Films mit dabei, andere profitierten von ihrer Herkunft. Ich musste Songs, zu denen ich eine enge Bindung haben, in schweren Entscheidungen von allgemein respektierteren überholen lassen, im gleichen Zug lotste ich Lieder, die sentimentalen Wert für mich haben oder die mir einfach einen Heidenspaß bereiten, an beliebten Oscar-Nominierten und -Gewinnern vorbei.
Es war ein bunter musikalischer Reigen, quer durch sieben Jahrzehnte, mehrere Medien und Stilrichtungen. Jetzt befinden wir uns auf der Zielgeraden, wir nähern uns der absoluten Nummer Eins, einem Song, der auf die eine oder die andere Art alle anderen in sich vereint. Zumindest meiner Meinung nach. Es handelt von Freunden und gleichermaßen von Kontrahenten, es geht um Liebe, Spaß, einen besonderen Lebensstil und es ist ein zauberhaftes Lied, das im Film zusammen mit Magie verwendet wird.

Während sich aus der Ferne die ersten Noten meines absoluten Lieblings nähern, ziehen die vergangenen Einträge an unseren Augen vorbei...

333. Von einem Traum entführt ("Enchantment Passing Through") aus Aida
332. The Monkey's Uncle aus Eine Uni voller Affen
331. Lasst euch nicht aufhalten ("Stick-To-It-Ivity") aus Ein Champion zum verlieben
330. Für dich und mich ("Sweet Wings of Love") aus Micky  Donald  Goofy: Die drei Musketiere
329. O-De-Lally aus Robin Hood
328. Ichabod Crane aus Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte
(Ich lieb' dich, Evangeline ("Ma Belle Evangeline") aus Küss den Frosch)
327. Rock, rumble and roar aus A Symposium on Popular Songs
326. Der kopflose Reiter ("The Headless Horseman") aus Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte
325. The Parent Trap aus Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt...
324. Straight to the Heart of Love aus Die Country Bears
323. Mensch wieder sein ("Human Again") aus Die Schöne und das Biest
(Wenn ich Mensch bin ("When We're Human") aus Küss den Frosch)
322. Mein Sinn für Stil ("My Strongest Suit") aus Aida
321. What I've Been Looking For aus High School Musical
320. Hier find'st du das Glück ("Streets of Gold") aus Oliver & Co.
319. Gänge graben ("Digga Tunnah") aus Der König der Löwen 3: Hakuna Matata
318. Nicht ich, ich nicht ("Not Me") aus Aida
317. Any Fool Can See aus Zum Teufel mit Max
316. Lavendelblau ("Lavender Blue") aus Ein Champion zum verlieben
(Wir nehmen euch jetzt mit ("Gonna Take You There") aus Küss den Frosch)
315. Stetig wie der Trommelklang ("Steady As the Beating Drum") aus Pocahontas
314. Wie kann ich sie lieben? ("If I Can't Love Her") aus Die Schöne und das Biest - Das Broadway Musical
313. Schön sein ("Perfect Isn't Easy") aus Oliver & Co.
312. The Old Home Guard aus Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
311. Einer für alle - alle für einen ("All for One") aus Micky  Donald  Goofy:  Die drei Musketiere
310. Fortune Cookie Bakery Man aus A Symposium on Popular Songs
309. Der Hula-Hupler-Sprung ("The Whoop-de-Dooper Loop-de-Looper Ali-Ooper Bounce") aus Tiggers großes Abenteuer
308. Rockin' at the House of Mouse, der Titelsong von Mickys Clubhaus
307. Walk Away aus High School Musical 3: Senior Year
306. Lichtschein auf dem Wasser ("Candle on the Water") aus Elliot, das Schmunzelmonster
305. Upendi aus Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
304. Geh'n wir auf den Kriegspfad ("March of the Lost Boys (Tee Dum Tee Dee)", auch bekannt als "Following the Leader") aus Peter Pan
303. The Tiki, Tiki, Tiki Room aus Walt Disney's Enchanted Tiki Room
302. Supernova Girl (Zoom, Zoom, Zoom) aus Zenon - Die kleine Heldin des 21. Jahrhunderts
301. Look Through My Eyes aus Bärenbrüder
300. Jeder Cowboy hat 'n Pferd ("A Cowboy Needs A Horse") aus The Mickey Mouse Club, bzw. A Cowboy Needs A Horse
299. Die Friedenskonferenz ("The Caucus Race") aus Alice im Wunderland
298. Tonleitern und Arpeggios ("Scales and Arpeggios") aus Aristocats
297. Mister Adebar ("Look Out for Mr. Stork") aus Dumbo
296. Jedes Teil von ihm ("Every Little Piece") aus Elliot, das Schumnzelmonster
295. Wer viel wagt, der gewinnt ("Fortune Favors the Brave") aus Aida
294. Du bist wie Musik ("You Are the Music in Me") aus High School Musical 2
293. Bummeln wir doch ("The Beautiful Briny") aus Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
292. Let it Ride aus Die Country Bears
291. Start of Something New aus High School Musical
290. Hüpfen hier und dort und überall ("Bouncing here and there and everywhere"), das Titellied von Disneys Gummibärenbande
289. Breaking Free aus High School Musical
288. Auf großer Fahrt ("On the Open Road") aus Der Goofy Film
287. Hey, Donald aus Donalds größte Hits
286. High School Musical aus High School Musical 3: Senior Year
285. Solange es Weihnachten gibt ("As Long As There's Christmas") aus Die Schöne und das Biest: Weihnachtszauber
284. Der wahren Liebe Kuss ("True Love's Kiss") aus Verwünscht
283. Schwester Suffragette ("Sister Suffragette") aus Mary Poppins
282. Ein Kerl wie du ("A Guy Like You") aus Der Glöckner von Notre Dame
281. Liebes Kind ("Baby Mine") aus Dumbo
280. Ich lach so gern ("I Love to Laugh") aus Mary Poppins
279. Enjoy it aus Die Abenteuer des Kapitän Grant
278. Mein, mein, mein ("Mine, Mine, Mine") aus Pocahontas
277. Das siamesische Katzenlied ("The Siamese Cat Song") aus Susi und Strolch
276. Ein kunterbunter Tag ("Topsy Turvy") aus Der Glöckner von Notre Dame
275. Der Titelsong von Raw Toonage
274. Ultimate aus Freaky Friday
273. Wie Vater, so Sohn ("Like Father, like Son) aus Aida
272. What Time is it? aus High School Musical 2
271. We're All in This Together aus High School Musical
270. Du brauchst nur zu pfeifen ("Give A Little Whistle") aus Pinocchio
269. Sallys Lied ("Sally's Song") aus Nightmare before Christmas
268. Higitus Figitus aus Die Hexe und der Zauberer
267. Geh'n wir zusammen? ("Let's Get Together") aus Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt...
266. Guten Tag, wie geht's denn? ("How d'ye do and shake hands") aus Alice im Wunderland
265. Mr. Piano Man, Please! aus The Golden Horseshoe Revue
264. Uncle Remus Said aus Onkel Remus' Wunderland
264. Winnie der Puuh aus Winnie Puuh und der Honigbaum
262. Wir malen die Rosen rot ("Painting the Roses Red") aus Alice im Wunderland
261. Portobello Road aus Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
260. Der Wahnsinn von König Scar ("The Madness of King Scar") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
259. Bop Bop Bopbop Bop (Ich lieb dich so) ("Bop Bop Bopbop Bop (I Love You, Too)") aus Elliot, das Schmunzelmonster
258. Ja, die Liebe siegt ("Love Led Us Here") aus Muppets - Die Schatzinsel
257. Der Titelsong von Wochenend-Kids
256. Du bist kein Zufall ("Out of thin Air") aus Aladdin und der König der Diebe
255. Wie schön, dass es das Weihnachtsfest gibt ("The Best Christmas Of All") aus Mickys großes Weihnachtsfest - Eingeschneit im Haus der Maus
254. Roses & Rainbows aus Zum Teufel mit Max
253. Schaumen, spülen und parier'n ("Rappin' Drakken") aus Kim Possible (Episode: Drakken rappt)
252. Bleibt nur eine Hoffnung ("One Last Hope") aus Hercules
251. Wild ist der Westen ("(You Ain't) Home On The Range") aus Die Kühe sind los!
250. Animagique Song aus Animagique
249. Humuhumunukunukuapua'a aus High School Musical 2
248. Aus und vorbei ("This is the End") aus Micky  Donald  Goofy: Die drei Musketiere
247. Timons Hula ("Timon's Hula Song") aus Der König der Löwen
246. Er ist verliebt in Daisy ("Crazy Over Daisy") aus Verrückt nach Daisy
245. Ich bin das Baby, müsst mich lieb haben ("I'm the Baby (Gotta Love Me)") aus Die Dinos (Episode: Pangaea Werwolf)
244. Was das nächste Ufer bringt ("Just Around The Riverbend") aus Pocahontas
243. Die Maus fliegt raus ("It's Our House Now") aus Verschwörung der Superschurken
242. Singen, immer nur singen bzw. Ein Lied will ich Dir singen ("One Song") aus Schneewittchen und die sieben Zwerge
241. Aloha E Komo Mai, das Titellied von Lilo & Stitch - Die Serie
240. Mich halten keine Fäden fest ("I've Got No Strings") aus Pinocchio
239. Don Goofy ("Chains of Love") aus Micky  Donald  Goofy: Die drei Musketiere
238. Always Know Where You Are aus Der Schatzplanet
237. The Kid in You aus Die Country Bears
236. Pretty Irish Girl aus Das Geheimnis der verwunschenen Höhle
235. Vive la France ("Petey's King of France") aus Micky  Donald  Goofy: Die drei Musketiere234. Mr. Duck
233. Das Nichtgeburtstagslied ("A Very Merry Un-birthday (The Un-birthday Song)") aus Alice im Wunderland
232. Quack Quack Quack, Donald Duck aus A Day in the Life of Donald Duck
231. Ich bin unterwegs ("On my Way") aus Bärenbrüder
230. Oh, Rattenzahn ("The World's Greatest Criminal Mind") aus Basil, der große Mäusedetektiv
229. Auf einmal ("For the First Time") aus Tarzan - Das Broadway Musical
228. Boom Shakalaka! aus Muppets - Die Schatzinsel
227. Wie kein Mann auf dieser Welt ("Like No Man I've Ever Seen") aus Tarzan - Das Broadway Musical
226. Nur noch einmal schlafen gehen und dann ist Weihnacht' ("One More Sleep Till Christmas") aus Die Muppets Weihnachtsgeschichte
225. Grasland Chant aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
224. Der Morgenreport ("The Morning Report") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
223. Warum ist die Rothaut rot? ("What Makes the Red Man Red?") aus Peter Pan
222. Die Ballade von Davy Crockett ("The Ballad of Davy Crockett") aus der Disneyland-Miniserie Davy Crockett
221. Need magic? aus Disneyland Paris
220. Die Frau, für die ein Kampf sich lohnt ("A Girl Worth Fighting For") aus Mulan
219. Dig it aus Das Geheimnis von Green Lake
218. Time of your Life aus Das große Krabbeln
217. Digga-Digga-Dog aus 102 Dalmatiner
216. Jagd der Löwinnen ("The Lioness Hunt") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
215. Caroline ("Eglantine") aus Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
214. Castle in Spain aus Aufruhr im Spielzeugland
213. Once Upon a Time in New York City aus Oliver & Co.
212. Das ist das Glück ("So This Is Love") aus Cinderella
211. Work This Out aus High School Musical 2
210. With a Flair aus Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
(Ganz nah dran ("Almost There") aus Küss den Frosch)
209. Manteltanz ("Dance of the Robe") aus Aida
208. Hof der Wunder ("Court of Miracles") aus Der Glöckner von Notre Dame
207. All For Love aus Die drei Musketiere
206. Wer hätt's gedacht? ("Something There") aus Die Schöne und das Biest
205. Freundschaft ist das schönste auf der Welt ("Nothing In The World (Quite Like A Friend)") aus Dschafars Rückkehr
204. Ein Seefahrer, der geladen hat ("A Whale of a Tale") aus 20.000 Meilen unter dem Meer
203. One by One aus Rhythm of the Pride Lands
202. Warum, wieso? ("I Need to Know") aus Tarzan - Das Broadway Musical
201. Sing, sing, Nachtigall ("Oh Sing, Sweet Nightingale") aus Cinderella
200. Ist das verkehrt? ("What's wrong with that?") aus Der glücklichste Millionär
199. Mein Leben, das ist lebenswert ("The Life I Lead") aus Mary Poppins
198. Virginia Company ("The Virginia Company") aus Pocahontas
197. Wie Sonne und Mond ("Sure as Sun Turns to Moon") aus Tarzan - Das Broadway Musical
196. Lights!!! Camera!!! Action!!! aus Walt Disney Studios Park
195. Männer, steigt ihr ein? ("Are You In or Out?") aus Aladdin und der König der Diebe
194. Colonel Hathis Marsch ("Colonel Hathi's March") aus Das Dschungelbuch
193. Eine Pyramide mehr ("Another Pyramid") aus Aida
192. Eine Party steigt in Agrabah ("There's a Party Here in Agrabah") aus Aladdin und der König der Diebe
191. it's a small world (after all) aus it's a small world
190. Der Titelsong von Goofy & Max
189. Der Titelsong von Pepper Ann
188. Kinder des Urwalds ("W-I-L-D") aus Das Dschungelbuch 2
187. Cinderella, Cinderella ("The Work Song") aus Cinderella
86. Hi-Diddel-Di-Dei bzw. Heißa ist das fein ein Komödiant zu sein ("Hi-Diddle-Dee-Dee") aus Pinocchio
185. Saludos Amigos aus Saludos Amigos
184. Rock Shock aus Videopolis
183. Hör auf mich ("Trust in Me") aus Das Dschungelbuch
182. All Around The World aus Disneyland Park Paris
181. Ich hab' ihn im Traum gesehen ("A Dream is a Wish your Heart makes") aus Cinderella
180. Paquamasoddy ("Passamashloddy") aus Elliot, das Schmunzelmonster
179. Ja, so ist der Lauf der Welt ("That's What Makes the World Go Round) aus Die Hexe und der Zauberer
178. Wer ich wirklich bin ("Everything That I Am") aus Tarzan - Das Broadway Musical
177. Bloß niemals Tagelöhner ("A Professional Pirate") aus Muppets - Die Schatzinsel
176. Stand Out aus Der Goofy Film
175. Thomas O'Malley ("Thomas O'Malley Cat") aus Aristocats
174. True to Your Heart aus Mulan
173. Ein Stern geht auf ("A Star Is Born") aus Hercules
172. Der Titelsong von Bonkers
171. Kommt erst mein Prinz zu mir ("Someday My Prince Will Come") aus Schneewittchen und die sieben Zwerge
170. Get'cha Head in the Game aus High School Musical
169. Bibbidi Babbidi Bu ("Bibbidi-Bobbidi-Boo") aus Cinderella
168. Dir gehört mein Herz ("You'll be in my Heart") aus Tarzan
167. Last Chance aus High School Musical 3: Senior Year
166. Anker hoch ("Sailing for Adventure") aus Muppets - Die Schatzinsel
165. Darauf wird einer gezischt ("Let's have a Drink on It") aus Der glücklichste Millionär
164. Dancin' (A Catchy Rhythm) aus Disneyland Park Paris
163. Marley & Marley aus Die Muppets Weihnachtsgeschichte
162. Das Lied der Arbeiter ("Song of the Roustabouts") aus Dumbo
161. Die armen Seelen in Not ("Poor Unfortunate Souls") aus Arielle, die Meerjungfrau
160. Ein Drache, ein Drache (und ich habe ihn gesehen) ("I Saw a Dragon") aus Elliot, das Schmunzelmonster
159. Wilde sind's ("Savages") aus Pocahontas
158. Krach im Lager ("Trashin' the Camp") aus Tarzan
157. Das Farbenspiel des Winds ("Colors of the Wind") aus Pocahontas
156. Schnell weg ("One Jump Ahead") aus Aladdin
155. Das flotte Aufräumlied ("Happy Working Song") aus Verwünscht
154. Wenn hoch ein Drachen fliegt ("Let’s Go Fly a Kite") aus Mary Poppins
153. Es ist nicht einfach ("It's not Easy") aus Elliot, das Schmunzelmonster
152. Ob die Sonne je wieder scheint? ("Will The Sun Ever Shine Again") aus Die Kühe sind los!
151. Sehr seltsame Dinge ("Strange Things") aus Toy Story
150. Uns're Weihnacht ("Making Christmas") aus Nightmare before Christmas
149. So ein wonnig toller Tag ("Brazzle Dazzle Day") aus Elliot, das Schmunzelmonster
148. Ich werd's noch beweisen ("Go the Distance") aus Hercules
147. Ehre für das Haus ("Honor to Us All") aus Mulan
146. Ich sah noch nie wie ein Elephant fliegt ("When I See an Elephant Fly") aus Dumbo
145. Heffalumps und Wusel ("Heffalumps and Woozles") aus Winnie Puuh und das Hundewetter
144. Vater und Sohn ("Father and Son") aus Aladdin und der König der Diebe
143. Du hast'n Freund in mir ("You've Got a Friend in Me") aus Toy Story
142. Vierzig Räuber, die sind wir ("Welcome To The Forty Thieves") aus Aladdin und der König der Diebe
141. Flieg ins Glück ("You Can Fly!") aus Peter Pan
140. Have You Ever Been to Baia? aus Drei Caballeros
139. Der Titelsong von 101 Dalmatiner - Die TV-Serie
138. Gib die Liebe schnell auf ("Forget About Love") aus Dschafars Rückkehr
137. Meine Welt ist das Wunderland ("In a World of My Own") aus Alice im Wunderland
136. Ich zieh' alleine los ("I'm Looking Out For Me") aus Dschafars Rückkehr
135. Baía aus Drei Caballeros
134. Jetzt fang ich an ("After Today") aus Der Goofy Film
133. Jacks Lamento ("Jack's Lament") aus Nightmare before Christmas
132. Mexico aus Drei Caballeros
131. That Darn Cat! aus Dieser verflixte Kater
130. Kleiner Mann aus Holz ("Little Wooden Head") aus Pinocchio
129. Heiho ("Heigh-Ho") aus Schneewittchen und die sieben Zwerge
128. Dschungel-Rhythmus ("Jungle Rhythm") aus Das Dschungelbuch 2
127. Transformation aus Bärenbrüder
126. Kann es wirklich Liebe sein? ("Can You Feel the Love Tonight") aus Der König der Löwen
125. Wer hat Angst vor'm bösen Wolf? ("Who's Afraid of the Big Bad Wolf") aus Die drei kleinen Schweinchen
124. Bet on it aus High School Musical 2
(Du musst nur tiefer in dir graben ("Dig A Little Deeper") aus Küss den Frosch)
123. Heut' bist du nichts mehr wert ("You're Only Second Rate") aus Dschafars Rückkehr
122. Gastons Lied ("Gaston") aus Die Schöne und das Biest
121. Lasst mich euch verwöhnen ("Let Me Be Good To You") aus Basil, der große Mäusedetektiv
120. Küss sie doch ("Kiss the Girl") aus Arielle, die Meerjungfrau
119. Gold'ner Abendstern ("All in a Golden Afternoon") aus Alice im Wunderland
118. Du brauchst einen Freund ("Who Better Than Me") aus Tarzan - Das Broadway Musical
117. Nanu? ("Whats This?") aus Nightmare before Christmas
116. Wir sind eins ("We Are One") aus Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
115. Jedes Wort ist wahr ("The Gospel Truth") aus Hercules
114. Cruella de Vil aus 101 Dalmatiner
113. Die Legende von Pecos Bill ("Pecos Bill") aus Musik, Tanz und Rhythmus
112. I Don't Dance aus High School Musical 2
111. Ers' a Strolch bzw. Strolch ist toll ("He's a Tramp") aus Susi und Strolch
110. Aristocats ("The Aristocats") aus Aristocats
109. Optimistisch sein ("Fortuosity") aus Der glücklichste Millionär
108. Endlose Nacht ("Endless Night") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
107. I Can't Take My Eyes Off of You von der Soundtrack-CD zu High School Musical
106. Putz weg ("Chow Down") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
(In New Orleans / Wünsch dir was ("Down in New Orleans") aus Küss den Frosch)
105. Call Me, Beep Me, das Titellied von Kim Possible
104. Einmal im Traum ("Once Upon a Dream") aus Dornröschen
103. Hallo, wie geht's? ("How Do You Do?") aus Onkel Remus' Wunderland
102. Kajütenfieber ("Cabin Fever") aus Muppets - Die Schatzinsel
101. Ein Traum wird wahr ("A Whole New World") aus Aladdin
100. Le Festin aus Ratatouille
99. Der Titelsong von Chip & Chap - Die Ritter des Rechts
98. Now or Never aus High School Musical 3: Senior Year
97. Gar keine Wahl ("No Other Way") aus Tarzan - Das Broadway Musical
96. Can I Have This Dance aus High School Musical 3: Senior Year
95. Der Titelsong von Käpt'n Balu und seine Crew ("Spin it")
94. Armer Jack ("Poor Jack") aus Nightmare before Christmas
93. Das Titellied von Muppets Tonight
92. Schritt und Tritt ("Step in Time") aus Mary Poppins
91. Stick to the Status Quo aus High School Musical
90. The Boys Are Back aus High School Musical 3: Senior Year
89. Oogie Boogie Lied ("Oogie Boogie's Song") aus Nightmare before Christmas
88. Fabulous aus High School Musical 2
87. I Want It All aus High School Musical 3: Senior Year
86. Der Titelsong von Duck Tales
85. Der Ga-Ga-Cola-Werbesong ("The Coo Coo Cola Jingle") aus Chip und Chap - Die Ritter des Rechts (Episode: Die Ga-Ga-Cola-Sekte)
84. Halloween-Halloween aus Disneyland Park Paris
83. Ohne dich wär' ich des Lebens nicht froh ("If I Didn't Have You") aus Die Monster AG
82. Kick It Into Gear aus Die Country Bears
81. Casey junior aus Dumbo
80. Belles Lied ("Belle") aus Die Schöne und das Biest
79. Wer bei der Arbeit pfeift ("Whistle While You Work") aus Schneewittchen und die sieben Zwerge
78. Scrooge aus Die Muppets Weihnachtsgeschichte
77. Komm, ich schenk dir mein Herz ("You Belong to My Heart") aus Drei Caballeros
76. The Army Is Not The Army Anymore aus Donald in Uniform
75. Jedermann will einen Lachplatz haben ("Everybody's Got a Laughing Place") aus Onkel Remus' Wunderland
74. Donald Duck Song
73. Einmal ("Out There") aus Der Glöckner von Notre Dame
72. Kommt, kleine Kinder ("Come, Little Childen" aka "Sarah's Theme") aus Hocus Pocus
71. Supercalifragilisticexpialigetisch ("Supercalifragilisticexpialidocious") aus Mary Poppins
70. Das Licht des Himmels ("Heaven's Light") aus Der Glöckner von Notre Dame
69. Bop to the Top aus High School Musical
68. Sei hier Gast ("Be Our Guest") aus Die Schöne und das Biest
67. Lilongo aus Drei Caballeros
66. Wir bummeln heute gemütlich zur Main Street U.S.A. ("Main Street U.S.A." aka "Walking Down Right The Middle Of Main Street U.S.A.") aus Disneyland
65. Scream aus High School Musical 3: Senior Year
64. A Night to Remember aus High School Musical 3: Senior Year
63. Goodbye, macht's gut ("Goodbye, So Soon") aus Basil, der große Mäusedetektiv
62. Jacks Dilemma ("Jack's Obsession") aus Nightmare before Christmas
61. Hawaiian Roller Coaster Ride aus Lilo & Stitch
60. Ein Löffelchen voll Zucker ("A Spoonful of Sugar") aus Mary Poppins
59. Verbannung ("One of Us") aus Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
58. Unbekannt ("Different") aus Tarzan - Das Broadway Musical
57. Ich will jetzt gleich König sein ("I Just Can't Wait to Be King") aus Der König der Löwen
56. Ich will keinen Mann ("I Won't Say I'm in Love") aus Hercules
55. i2i aus Der Goofy Film
(Freunde im Schattenreich ("Friends on the Other Side") aus Küss den Frosch)
54. Der Titelsong von Darkwing Duck
53. Was soll ich mich ärgern? ("Why Should I Worry?") aus Oliver & Co.
52. Mein Wiegenlied ("My Lullaby") aus Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
51. Probier's Mal mit Gemütlichkeit ("The Bare Necessities") aus Das Dschungelbuch
50. Grimmige Geister grummeln dir was vor ("Grim Grinning Ghosts") aus Haunted Mansion
49. In Sekunden auf Hundert ("Zero to Hero") aus Hercules
48. Heile Welt ("Perfect World") aus Ein Königreich für ein Lama
47. Hakuna Matata aus Der König der Löwen
46. Fütter die Vögel (Zwei Penny die Tüte) ("Feed the Birds (Tuppence a Bag") aus Mary Poppins
45. Der Fuehrer's Face aus Der Fuehrer's Face
44. Der Geist der Weihnacht ("It Feels Like Christmas") aus Die Muppets Weihnachtsgeschichte
43. Hier in Halloween ("This is Halloween") aus Nightmare before Christmas
42. Der Titelsong von Quack Pack
41. Willkommen ("Welcome") aus Bärenbrüder
40. So ein Mann ("Son of Man") aus Tarzan
39. Leinen los ("Shiver My Timbers") aus Muppets - Die Schatzinsel
38. Sei ein Mann ("I'll Make a Man Out of You") aus Mulan
37. Unter dem Meer bzw. Unten im Meer ("Under the Sea") aus Arielle, die Meerjungfrau
36. It's Halloween-lo-ween aus Disneyland Park Paris
35. Arabische Nächte ("Arabian Nights") aus Aladdin
34. Ein schöner Ferientag ("Jolly Holiday") aus Mary Poppins
33. Gott, deine Kinder ("God Help the Outcast") aus Der Glöckner von Notre Dame
32. Ein Mensch zu sein bzw. Arielles Traum ("Part of Your World") aus Arielle, die Meerjungfrau
31. Götter der Ewigkeit ("Great Spirits") aus Bärenbrüder
30. Down to Earth aus WALL•E
29. Happy, Happy Birthday to You (Donald Duck Version) aus Donald Duck's 50th Birthday
28. Auf diesen Tag hab' ich gewartet ("Waiting for This Moment") aus Tarzan - Das Broadway Musical
27. Yo-ho, Piraten haben's gut ("Yo Ho (A Pirate's Life for Me)") aus Pirates of the Caribbean
26. Kein Weg zurück ("No Way Out") aus Bärenbrüder
25. Wie zeigst du deine Liebe? ("That's How You Know") aus Verwünscht
24. So nah ("So Close") aus Verwünscht
23. Prinz Ali ("Prince Ali") aus Aladdin
22. Ich wär' so gern wie du ("I Wan'na Be Like You (The Monkey Song)") aus Das Dschungelbuch
21. He Mele No Lilo aus Lilo & Stitch
20. Wenn ein Stern in finst'rer Nacht ("When You Wish Upon A Star") aus Pinocchio
19. Die Glocken Notre Dames ("The Bells of Notre Dame") aus Der Glöckner von Notre Dame
18. Die Schöne und das Biest ("Beauty and the Beast") aus Die Schöne und das Biest
17. Bella Notte aus Susi und Strolch
16. I’m Still Here aus Der Schatzplanet
15. Zip-A-Dee-Doo-Dah aus Onkel Remus' Wunderland
14. Nur ein kleiner Freundschaftsdienst ("Friend Like Me") aus Aladdin
13. Er lebt in dir (“He Lives in You”) aus Rhythm of the Pride Lands
12. Schattenland (“Shadowland”) aus Der König der Löwen - Das Broadway-Musical
11. Die drei Caballeros (“The Three Caballeros”) aus Drei Caballeros
10. Zwei Welten (“Two Worlds”) aus Tarzan
9.  Rosa Elefanten (“Pink Elephants on Parade”) aus Dumbo
8.  Chim-Chim-Cheree aus Mary Poppins
7. Katzen brauchen furchtbar viel Musik (“Ev’rybody Wants to Be a Cat”) aus Aristocats
6. Seid bereit (“Be prepared”) aus Der König der Löwen
5. Fremde wie ich (“Strangers Like Me”) aus Tarzan
4. Das Feuer der Hölle (“Hellfire”) aus Der Glöckner von Notre Dame
3. Hisst die Flagge (“Hoist the Colours”) aus Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt
2. Der ewige Kreis (“Circle of Life”) aus Der König der Löwen





... und endlich sind wir am Ziel angekommen. Die Musik schwillt langsam an, eine Stimme umlockt uns und wir wissen endlich, welches Stück sich dort befindet, dort droben auf Platz 1:









Os Quindins De Yayá aus Drei Caballeros
Musik und Text von Ary Barroso

Unser geliebter Pechvogel Donald erhielt zu seinem Geburtstag ein gewaltiges Geschenkpaket von seinen südamerikansichen Freunden. In diesem Paket befinden sich drei weitere Geschenke und eins davon ist ein magisches Pop-up-Buch, mit welchem sich Donalds brasilianischer Kamerad José Carioca selbst verschickte. José schwärmt gegenüber dem Geburtstagserpel von der malerischen Stadt Baia und schlägt einen spontanen Ausflug vor. Mit einem stilisierten Pop-up-Zug fahren sie in die Bilderbuchvariante Baias und begegnen dort der Gebäckwarenverkäuferin Yayá, deren Bann sich Donald und José nicht verwehren können. Sie buhlen um ihre Gunst und müssen nicht nur einander konkurrieren, sondern auch mit einigen männliche Passanten, manche von ihnen musikalisch talentiert, die sich dazugesellen. Es entsteht eine spontane Sambafeier auf einem Platz in Baia, während unser vor Eifersucht platzende Held Donald vergeblich versucht seine Nebenbuhler mit Gewalt aus dem Weg zu räumen. Als die Anwesenden weiterziehen, macht sich Donald erneut an die zurückgelassene Yayá heran und kann einen Kuss ergattern, woraufhin die letzten Fäden gekappt werden, an denen der Realismus dieser Sequenz hängt. Es folgt eine psychadelische Prozession sich selbst spielender Musikinstrumente, welche zu einem bunten Ballsaal voller tanzender Menschen und einem Kampf zweier sich in Hähne transformierender Männer überblendet. Yayá, wieder mit allen vereint, schlägt vor, erneut durch die Straßen Baias zu ziehen, wo die ansteckende Musik und ihre sowie Donalds Magie sogar die Häuser zum Mittanzen bringt. Das Bilderbuch klappt von den der wilden Feier in Unruhe gebracht zu und José sowie Donald kehren vom Zauber Baias absolut baff wieder in die "Realität" zurück.

Eine leichtherzige und fantasievolle Sequenz, die brasilianische Musik zelebriert und die funkensprühende Imagination der Disney-Animatoren demonstriert, eine assoziative, simple Beschäftigung mit lateinamerikanischen Rhythmen? Nicht ausschließlich. Hinter der Os Quindins De Yayá-Filmsequenz steckt womöglich noch viel mehr. Eric A. Galm, Professor für Musik und Musikethnologie, interpretiert das finale brasilianische Segment von Drei Caballeros in seinem Essay "Baianas, Malandros, and Samba. Listening to Brazil through Donald Duck's Ears" als musikalische Verarbeitung der Klassenstruktur in Brasilien. Das Lied beginnt als Verkaufstaktik der baiana Yayá, die versucht ihr köstliches Kokosgebäck loszuschlagen, welche zur Freude von Donald und José dabei auch ihre körperlichen Reize einzusetzen weiß. Ihr anfangs verführerisch-ruhiges Lied entwickelt sich konstant zu einem mitreißenden Samba, dem auch einige malandros anheim fallen. Der Archetyp des malandros war ein sich in den 30ern und 40ern ausbildender kultureller Sterotyp Brasiliens, der als ein Ideal der romantischen Bohème angesehen wurde und redgewandte Lebemänner bezeichnete, die sich stolz ohne feste Anstellung durch Tagesarbeiten, die Verführung schöner Damen und Taschenspielertricks durchschlugen. Yayás Sambafest mit Donald, José und ihren menschlichen Verehrern aus eben jener Subkultur wird schließlich jäh von einem weiteren aus seiner angestammten Heimat Rio entfleuchten malandro unterbrochen, der einen ganzen Schwarm bezaubernder Frauen im Schlepptau hat. Diese Frauen sind zwar in der Tracht einer baiana gekleidet, scheinen aber keine Arbeiterinnen zu sein, sondern anlässlich eines Straßenfests verkleidete Vertreterinnen der Mittelklasse. Der neu dazugestoßene malandro stiehlt sämtliche Aufmerksamkeit, die Yayá bislang genoss, und nimmt zudem selbstbewusst ihr Musikstück an sich, indem er es in einen marcha transferiert, also die Vernakularsprache von Os Quindins de Yayá umändert. Die umherstehenden Leute stimmen in das Arrangement des malandros ein und wandern mit ihm weiter, sie lassen die enttäuschte Arbeiterdama Yayá allein mit Donald zurück, der als einziger weiterhin für sie schwärmt. Seine Liebesgeste, ein Blumenbouquet, wird mit einem freudigen, inniglichen Kuss belohnt. Galm versteht dies als Kommentar darauf, wie die gesittetere Mittelklasse dem energiereichen und sinnlichen Samba der Arbeiterklasse eine etwas trockenere musikalische Ausdrucksform entgegensetzte, in der die Texte und der Gesang wichtiger sind als der Tanz und die Melodie. Ihre Koexistenz im brasilianischen Karneval, und das Vorkommen der für Rio typischen malandros in Disneys Interpretation von Baia, sowie das musikalisch ungezügelte Finale des Songs nach Yayás Kuss, sollen nach dem zuvor gezeigten Kulturkampf die Integration und Verschmelzung zweier Sozialkulturen darstellen.
Inwieweit solche Interpretationen berechtigt und von den Disney-Künstlern gewollt sind, lässt sich schwer bestimmen. Drei Caballeros stellt sich nach außen hin als weniger rational analysierendes, und mehr emotionales sowie assoziatives Werk dar, doch stille Wasser sind bekanntlich tief. Und wenn man sich dem Tod des Autors verschreibt, dann haben die Intentionen der Filmschöpfenden sowieso keinerlei Gewicht in der Deutung eines Werkes, weshalb dieses Filmsegment tatsächlich eine tiefergehende Aussage haben könnte, selbst wenn sie nicht von den Machern beabsichtigt war.

Eine frühe Version von Os Quindins De Yayá wurde, noch unter Verwendung der alten Schreibweise Os Quindins De Iaiá, bereits 1941 verfasst und wurde in Brasilien zu einem achtbaren Erfolg. Dennoch stieß ich bei meiner Recherche auf einige Quellen, welche die in Drei Caballeros zu hörende Fassung als einen "Original Song" bestimmen. Verwirrt mag man denen zunächst schlampige Arbeit vorwerfen und vermuten, dass sie einfach sämtliche Lieder aus dem Film fälschlicherweise als neu etikettierten. Dies kann jedoch nicht sein. Filmhistoriker Leonard Maltin lässt bei seiner Auflistung der Originalstücke unter anderem korrekterweise Jesusita en Chihuahua aus, welches während Donalds Tanz mit einer Gruppe von Kakteen zu vernehmen ist. Eine Vermutung meinerseits ist, dass das Lied eventuell bereits für eine Verwendung durch Walt Disney komponiert wurde, nachdem er an Barrosos Sambaschlager Aquarelo do Brasil großen gefallen fand und beabsichtigte ihn in Saludos Amigos einzubauen, die Disney-Studios dem erfolgreichen Songschreiber jedoch entgegenkommen mussten, um ihn für Drei Caballeros zu gewinnen, und ihm so eine Vorabveröffentlichung als Möglichkeit offen ließ. Eine andere Erklärung, die mir öfters unterkam, lautet, dass Os Quindins De Yayá zumindest stellenweise für den Film komplett abgewandelt wurde. Die Struktur wurde den Bedürfnissen von Drei Caballeros angepasst und die Musik vollkommen umarrangiert. Im letzten Teil der Filmsequenz, wo das Stück sowieso erst richtig aufblüht, kommt letztlich eine Komposition vor, die extra für diesen Einsatz auf Basis von Barrosos Originalstück geschrieben und nahtlos in Os Quindins De Yayá eingefügt wurde, ohne sie neu zu betiteln. Dies würde Os Quindins De Yayá neben He Mele No Lilo (Platz 21), Einmal im Traum (Platz 104) oder das für einen Oscar nominierte Lied Lavendelblau (Platz 316) stellen, die ebenfalls als Originalmusik betrachtet werden, obwohl sie zuvor veröffentlichte Wurzeln haben.

An und für sich ist mir die großteils in einem Nebel der Informationsarmut liegende Entstehungsgeschichte von Os Quindins De Yayá auch total egal. Denn genauso, wie Der ewige Kreis (Platz 2) ohne Hans Zimmers' Arrangement bloß halb so impressiv ist, so zieht Os Quindins De Yayá sehr viel seiner infektiösen Lebenslust aus dem Arrangement Charles Wolcotts und dem verlockenden Gesang Aurora Mirandas. Keine andere Aufnahme von Os Quindins De Yayá hat die selbe überragende Wirkung wie die Filmfassung. Der Interpretation von Wolcott und seinem Orchester, im Grunde genommen eine gekürzte Version der Filmfassung mit anderen Sängern, geht etwas von der Magie Mirandas Stimme verloren und alle anderen Versionen können aufgrund ihrer Instrumentierung nicht ansatzweise mit der aus Drei Caballeros konkurrieren. Mit Wolcotts lebhaften Arrangement und der bezaubernden Aurora Miranda, die in dieser Sequenz eine destillierte Auslegung der Bühnenpersona ihrer erfolgreicheren Schwester Carmen gibt, schröpften die Disney-Studios hingegen das meistmögliche aus Barrosos Os Quindins De Yayá.


Weshalb nun ist Os Quindins De Yayá mein liebstes Disney-Lied, wenn ich doch Der ewige Kreis als den höchstwahrscheinlich besten Disney-Song bezeichne? Ganz einfach: Wegen des Stellenwerts, den Os Quindins De Yayá bei mir innehält. Es ist mein Lieblingsstück aus Drei Caballeros, dem Film, der mich zum laut bekennenden Fan der abendfülllenden Werke der Walt Disney Animation Studios machte und mir die Welt der fantastischen und surrealen Animation nahe brachte. Os Quindins De Yayá ist das mich am meisten begeisternde Segment in einem Film, den ich schon gar nicht mehr als solchen betrachte, sondern als ein ganz eigenes, Freude strahlendes Happening, einen geliebten, regelmäßigen Pflichttermin zu meinem Geburtstag. Es ist für mich Tradition, Drei Caballeros zur Feier meines Wiegenfest zu schauen, und mich in Donalds abgefahrener Geburtstagsfete zu verlieren.  
Os Quindins De Yayá ist für mich der musikalische Höhepunkt, eine heißblütige sowie beschwingte Reise durch die Fantasie Disney. Dieser heitere und rhythmische Ohrwurm lässt mich nach jedem Genuss noch stundenlang weiterfrohlocken und ist für mich so etwas wie die lateinamerikanisch verkleidete Quintessenz des magischen Disney-Vergnügens.

Somit endet die Kür meiner 333 liebsten Disney-Lieder auf einer ausgelassen harmonischen Note. Os Quindins De Yayá ist weder der dramatischste, noch der schrillste oder der bedeutsamste Song in meinem Countdown. Aber es ist für mich das prägendste Stück Disneymusik, und vor allem das, bei dem ich mich mehr als bei allen anderen fallen lassen und die Außenwelt vergessen kann. Es ist ein Lied, das mich ebenso aufsaugt, wie es Donald in seiner fantastischen Bilderbuchwelt entschwinden lässt. Und deswegen ist es mein ultimativer Disneysong, wohl wissend, dass es objektiv bessere gibt und mir die wenigsten bei dieser Entscheidung zustimmen werden. Er steht gleichzeitig stellvertretend für all eure persönlichen Lieblings-Disneylieder auf Platz 1, die womöglich musikalisch bei weitem nicht so komplex oder einfallsreich sind, dramaturgisch weniger relevant oder gesellschaftlich unbekannter, als irgendwelche naheliegenderen Kandidaten. Das Lieblingslied ist eine persönliche Sache, keine musik- oder filmwissenschaftlich bestimmbare Angelegenheit.

Ganz gleich, ob ihr meinen Lieblingssong teilt, meine Wahl wenigstens nachvollziehen oder respektieren könnt, oder ob ihr nun kopfschüttelnd vor dem Computer sitzt: Ich hoffe ihr hattet eure Freude an dieser Artikelreihe und habt vielleicht auch so manches neues gelernt oder neue Musikstücke entdeckt.
Und ich wünsche uns allen noch mindestens 333 weitere großartige Disney-Lieder in den kommenden Jahren.
Wer weiß, vielleicht ist auch ein neuer Topfavorit darunter? Selbst wenn Disney dafür ein animiertes Piratenmusical mit Donald Duck in der Hauptrolle produzieren muss, in welchem er in Afrika vor Anker geht... Was? Man wird ja noch träumen dürfen - und Disney bietet einem dazu die ideale Begleitmusik.
Das ist eventuell sogar die Hauptlektion von Musikalisches Immergrün und mit der schließe ich den Deckel dieses riesigen Liederbuches und überlasse euch wieder den Klängen, die in euren eigenen Gehörgängen tänzeln.

Samstag, 25. September 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil LXIV)


Die letzten zwei Ränge der Hitliste meiner liebsten Disney-Lieder stehen noch an. Doch nicht nur die Frage, welche Songs dies seien könnten, steht an der Tagesordnung. Auch eine andere, berechtigte Frage drängt sich auf. Nachdem ich mich als großer Fan der Disney-Eröffnungslieder bekannt habe, bleibt nämlich die Frage offen, ob ich nicht vielleicht enttäuscht bin, dass so viele Disney-Filme mit ihrem besten Musikstück anfangen. Oder anders ausgedrückt: Denke ich, dass Disney häufig daran scheitert an das grandiose Intro eines Films anzuschließen? Fällt der restliche Film nach dem Opening nicht enorm ab?

Nun, dies zu behaupten wäre eine augenscheinlich logische Antwort. Aber ich habe es nicht so mit dieser Schnellschusslogik und muss tatsächlich antworten: Nein. Nein, bei einem guten Film ist es nicht so, dass der Rest nach dem fantastischen Intro abfällt.
Dinosaurier, um mit einem Gegenbeispiel anzufangen, ist ein ein durch und durch mäßiger und uninspirierter Film. Die mit Abstand beste Sequenz erfolgt direkt zu Beginn und diese erdrückt den restlichen, mittelmäßigen Stoff, der auf sie folgt. Aber dies ist eine negative Ausnahme von der Regel.

Betrachten wir stattdessen den Film zu meinem Platz 3. Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt eröffnet mit Hisst die Flagge, meinem drittliebsten Disney-Lied. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass das übrige Piratenabenteuer seinem Anfang nicht gerecht wird. Allein schon musikalisch. Zwar lässt der Film gesanglich nach (das einzige andere gesungene Lied ist ganz zum Schluss Yo-ho, Piraten haben's gut, Platz 27 meiner Hitliste), aber Hans Zimmers Instrumentalmusik vermag es Hisst die Flagge noch an zahlreichen Stellen zu schlagen, etwa mit dem komplex-verspielten Jig Up is Down.
Ein anderes Beispiel ist Disneys großartiges Meisterwerk Tarzan. Käme die eingangs genannte Logik bei mir zur Fruchtung, müsste der Film für mich nach Zwei Welten (Platz 10) gewaltig einbrechen, um sich während Fremde wie ich (Platz 5) selbst zu übertreffen, wieder gewaltig einzubrechen und dann mit Zwei Welten wieder auf einem Aufwärtstrend zu enden. Doch nur weil Zwei Welten die zweitstärkste Musikeinlage des Films ist, sehe ich das Intro nicht gleich als die zweitbeste Sequenz an. Dafür fehlen noch die Figuren, der Handlungskontext und so auch die emotionale Bindung - nach Zwei Welten gibt es einige Szenen, die zwar musikalisch weniger kraftvoll sind, aber dennoch dem Intro mindestens ebenbürtig sind.

Ich setze nicht für den gesamten Film die selben musikalischen Erwartungen an, wie für den Eröffnungssong, schlichtweg schon deshalb, weil es dramaturgisch unmöglich ist. Leinen los (Platz 39) aus Muppets - Die Schatzinsel etwa würde zu keinem anderen Zeitpunkt im Film funktionieren und nach diesem Lied kann es auch keine ähnlich gestaltete Musikeinlage geben. Dessen bin ich mir bewusst und deswegen jammere ich nicht herum, dass der Film keine fünf Lieder wie Leinen los bietet.

Vielleicht kann man meine Einstellung auch ein wenig an meiner Hitliste der Disney-Filme mit dem besten Lieder-Gesamtaufgebot ablesen. Einige davon haben ihren besten oder zweitbesten Moment direkt zu Beginn - und ich schätze diese Filme generell sehr hoch ein.

Es sei noch angemerkt, dass dies keine aus der Musikalisches Immergrün-Hitliste errechnete Rangfolge ist. Es geht nicht darum, welcher Film die meisten Punkte hat (unfair für Filme mit weniger Gesangseinlagen) oder welcher den höchsten Punktedurchschnitt hat (unfair für Filme mit einem Megastinker), sondern um meinen unabhängig von dieser Songhitliste gefällten Gesamteindruck. Dabei fließt auch mit ein, wie die einzelnen Lieder zusammenspielen und wie weit ich die gesanglich begleitete Filmmusik als Gesamtwerk schätze.

Platz 5: Mary Poppins und Bärenbrüder

In meiner Songhitliste habe ich mir ja ein Unentschieden verboten, aber in dieser weniger offiziellen und hochzelebrierten Auflistung erlaube ich es mir. Denn ich mag nicht zwischen Mary Poppins und Bärenbrüder entscheiden. Für Bärenbrüder sprechen einige sehr starke Songs von Phil Collins, manche zählen für mich zu seinen mit Abstand besten Werken, die zudem problemlos als eigenständige Stücke funktionieren. Dafür fehlt es mir bei Bärenbrüder an einem stilistischen roten Faden. Die Lieder aus Bärenbrüder klingen zwar nicht wie aus drei, vier der weltunterschiedlichsten Musicals entführt, wüsste ich aber nicht, dass sie aus dem selben Film stammen, so müsste ich diesen Fakt durchaus mit etwas Glück erraten. Mary Poppins dagegen ist musikalisch ein zusammenhängendes und einprägsames Meisterwerk, dessen Lieder im Zusammenspiel auch sogleich deutlich voneinander profitieren, unter anderem auch aufgrund der fantastischen Instrumentaladaptionen des Komponisten Irwin Kostal. Hätte ich der "auf eigenen Füßen stehen"-Komponente in meiner Songhitliste weniger Bedeutung beigemessen, so hätte dieser Meilenstein zweifelsohne noch besser abgeschnitten. Daraus resultiert aber auch, dass ich mit einigen der Liedern außerhalb des Films nicht ganz so warm werde, wie mit den Liedern aus anderen meiner ganz großen musikalischen Favoriten unter den Disney-Filmen.

Platz 4: Aladdin

Der Soundtrack zu Aladdin ist dem Dschinni sei Dank der witzigste und stürmischste im Meisterwerke-Kanon, was ihm bei mir sofort einige Sympathiepunkte einbringt. Nur ein kleiner Freundschaftsdienst (Platz 14) ist ein wahrlich berauschender Showtune und Prinz Ali (Platz 23) ist ein spaßiges, pompöses Paradenlied, dem Dschafar eine herrlich sarkastische Reprise gönnt. Außerdem hat Aladdin einen dezent humorigen, vor arabischer Atmosphäre berstenden Introsong (Platz 35). Die anderen Lieder des Films gefallen ebenfalls, und genau wie bei Mary Poppins sind sie im Film nochmal etwas stärker als einzeln. Trotz der unterschiedlichen Tempi und Klangfarben (und des durch tragischen Umständen an zwei Leute gehenden Part des Original-Liedtexters) wirkt der Aladdin-Soundtrack auf mich wie eine starke Einheit - und selten arbeitete Menken seine Lieder schöner in die Instrumentalmusik ein wie hier. Ich erinnere nur an Schnell weg (Platz 156) als trauriges Instrumentalstück...

Platz 3: Der Glöckner von Notre Dame

Vier Jahre nach Aladdin kam mit Der Glöckner von Notre Dame der absolute Gegensatz zum abenteuerlichen Märchen aus Tausendundeiner Nacht in die Kinos. Und auch dieser bekommt schon allein aufgrund seines musikalischen Grundtenors einen dicken Sympathiepunkt bei mir. An Stelle des spaßigsten Disney-Soundtracks tritt hier der dramatischste Soundtrack aus Menkens Schaffen, vielleicht sogar aus dem ganzen Disney-Pantheon. Dunkle Klangfarben, dramatische Chorgesänge und schwer wiegende Melodien dominieren Der Glöckner von Notre Dame, der obendrein noch mit Das Feuer der Hölle (Platz 4) den meinen liebsten Schurkensong auf seiner Seite hat. Mit Das Licht des Himmels (Platz 70), Einmal (Platz 73) und Gott, deine Kinder (Platz 33) zeigt der Film auch eine sehr starke emotionalere Seite, die Balladen aus Der Glöckner von Notre Dame schlagen für mich so einige Oscar-Kandidaten. Die humorigeren Songs sind dagegen ein klarer Stolperstein für Der Glöckner von Notre Dame. Sie sind nicht schlecht, aber bis auf Hof der Wunder (Platz 208) sind sie spürbare Ausreißer aus dem restlichen Klangbett dieses Films. Ein kunterbunter Tag (Platz 276) hat noch einen halben Fuß im dominanten Stil des Films, aber Ein Kerl wie du (Platz 282) mag gar nicht mehr in den Soundtrack hineinpassen.

Platz 2: Tarzan

Disneys Meisterwerk aus dem Jahre 1999 bleibt solchen stilistischen Ausrutschern fern. Tarzan hat einen Soundtrack, wie aus einem Guss. Meine Favoriten Fremde wie ich (Platz 5), Zwei Welten (Platz 10) und So ein Mann (Platz 40) könnten genauso gut jeweils ein eigenständiges Drittel eines zusammenhängenden, großen Musikstücks sein und auch Dir gehört mein Herz (Platz 168) und Krach im Lager (Platz 158) haben trotz ihrer Andersartigkeit viel vom distinktiven Tarzan-Sound. Ein schneller, rockiger Soundtrack, der dem rasanten Disney-Zeichentrickabenteuer nochmal den letzten Kick gibt. Disney darf meinetwegen ruhig öfter in diesen Gefilden wildern...

Platz 1: Der König der Löwen

... erst recht, wenn man bedenkt, dass auch mein musikalischer Lieblings-Disney von einem Rocker geprägt wurde. Und wenn man New Wave ebenfalls der riesigen Rockfamilie zuordnet, und ein Blick auf seine stilistischen Wurzeln lässt diesen Gedanken gar nicht mal so absurd erscheinen, dann haben wir mit The Buggles-Ex-Mitglied Hans Zimmer neben Elton John sogar einen zweiten im Verein. Aber es ist ja nicht einmal vornehmlich der Rockeinfluss, der Der König der Löwen zu Disneys musikalischer Krönung werden lässt, sondern die hervorragende Verquickung afrikanischer und westlicher Klänge. Außerdem ist in Der König der Löwen die Qualität der einprägsamen Melodien einfach durchgehend hoch. Es gibt keinen Song, der mich denken lässt "Och, neee, muss der jetzt kommen". Bei diesem Film waren die richtigen Leute mit den richtigen Ideen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und deshalb ist Der König der Löwen neben Tarzan auch der einzige Film mit zwei Liedern in meiner Top 10. Zum einen Scars herrlich-boshafter Schurkensong Seid bereit (Platz 6) und dann noch...

Platz 2: Der ewige Kreis ("Circle of Life") aus Der König der Löwen
Musik von Elton John, Text von Tim Rice (dt. Fassung von Frank Lenart)

Im Gegensatz zu Hisst die Flagge, dem dritten dritten Rang meiner Disney-Liederhitliste, entstand Der ewige Kreis offiziell, ohne dass sich Hans Zimmer an ihm als Komponist beteiligte. Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences, die GEMA und der Filmabspann von Der König der Löwen listen allesamt ausschließlich Elton John als Komponisten und Tim Rice als Liedtexter dieses imposanten Eröffnungssongs des immens erfolgreichen Disney-Meisterwerks von 1994. Dabei ist es zwei weiteren Musikern zu verdanken, dass der Anfang von Der König der Löwen seine denkwürdige Form annahm, die wir alle kennen und lieben gelernt haben. Ursprünglich sahen die Regisseure Rob Minkoff und Roger Allers eine dialoglastige Introsequenz, in der unter anderem zu sehen ist, wie der Nashornvogel Zazu die zu Simbas Geburt am Königsfelsen eintreffenden Tiere an die richtigen Plätze dirigiert. Zazu, Rafiki, Mufasa und Simba sollten dem Zuschauer allesamt durch Dialoge vorgestellt werden, doch dann legte der Komponist Hans Zimmer den Filmemachern sein Arrangement von Elton Johns Komposition vor, das förmlich wie eine Bombe einschlug. Der ewige Kreis enthielt auch in Zimmers Arrangement Instrumentalparts, die als Untermalung für Dialogstellen geeignet wären, doch auch diese Momente wurden als so ausdrucksstark erachtet, dass es den Regisseuren unmöglich schien, guten Gewissens Dialoge drüberzulegen. Aber nicht nur Hans Zimmer gebührt unendlicher Respekt für die Prägung dieser packenden Introsequenz. Der durch Zimmer, mit dem er zuvor an Im Glanz der Sonne zusammenarbeitete, zu Der König der Löwen herangezogene südafrikanische Musiker Lebo M trug genauso sein Teil dazu bei, den Song Der ewige Kreis in seine endgültige Form zu bringen. Lebo M half Zimmer dabei, dem orchestralen Arrangement einen afrikanischen Charakter zu verleihen und verfasste die Hintergrundtexte für den afrikanischen Chor. Außerdem ist es Lebo M mit seinem mittlerweile ikonischen Schrei, der in sämtlichen der über 35 internationalen Sprachfassungen von Der König der Löwen als erstes zu hören ist und so sämtliche Zuschauer dieses Films innerhalb eines Wimpernschlags in eine andere Stimmung versetzt und nach Afrika entführt. Die unglaubliche atmosphärische Dichte, die majestätische Eigenständigkeit dieses musikalischen Filmintros wäre ohne Zimmer und Lebo M wohl nie zu Stande gekommen, wodurch Der König der Löwen gegenüber seiner tatsächlichen Form sehr viel an Wirkung hätte einbüßen müssen.
Das Intro zu Der König der Löwen ist Erhabenheit in filmischer Reinheit und es benötigt keinerlei Dialogstellen. Wenn die Sonne über den eindrucksvoll eingefangenen Kontinent Afrika erwacht, die Fauna Lebo Ms Aufruf vernimmt und die Wanderschaft zum prächtigen Königsfelsen aufnimmt, begreift das kindliche Publikum intuitv, worum es geht. Und als Erwachsener ist man von der Pracht dieses Moments einfach vollkommen verzaubert. Die Landschaftsbilder sind atemberaubend schön, sei es die in goldenem Licht getauchte Vogelperspektive auf einige kleine Seen, der impressionistische Blick auf den nebelverhangenen Kilimanjaro oder Zazus hoheitsvoller Flug über die versammelten Tiere hinweg zum im sanften Morgenwind wartenden und das Geschehen betrachtenden König Mufasa. Die Kameraeinstellungen sind für einen Zeichentrickfilm äußerst vital und vielfältig, mit der Schärfentiefe wird wie in einem Realfilm umgegangen, was die Sequenz so gleich noch ausgereifter wirken lässt. Die Sequenz dauert rund vier Minuten - eigentlich eine recht lange Zeit, aber sie vergeht dank des Songs und der perfekten Inszenierung wie im Fluge.
Die großartigen Liedtexte tragen selbstverständlich ebenfalls einen wertvollen Beitrag dazu bei, dass Der ewige Kreis zum königlichsten Moment der Disney-Musikgeschichte wird. Tim Rice, der als Ersatz für den verstorbenen Howard Ashman bei Aladdin mitwirkte und den Disney-Studios vorschlug, Elton John bezüglich Der König der Löwen anzufragen, schrieb einen einfühlsamen und weihevollen, spirituellen und dennoch ganz und gar unprätentiösen Liedtext über Leben und Tod, die unbezwinglichen Gesetze der Natur. Elton John, der zuerst die Texte verfasst haben wollte um zu diesen eine Melodie zu verfassen, vertonte die in diesem aufrichtigen Liedtext liegenden Gefühle mit einer hervorragenden, kraftvollen und stolzen Komposition. So griff ein Zahnrad ins andere und ein Meilenstein der Disney-Geschichte war fertiggestellt. Der ewige Kreis ist ein emotionales, intelligentes Lied, das einen gewaltigen Eindruck hinterlässt. Umso unverständlicher, dass die Academy of Motion Picture Arts & Sciences bei der Oscar-Verleihung allen ernstes Kann es wirklich Liebe sein? (Platz 126) diesem Song vorzog. Normalerweise finde ich mich ja einfach damit ab, dass die Mitglieder der Academy einfach einen anderen Musikgeschmack haben, und in einigen Fällen kann ich ihre von meiner Meinung abweichende Entscheidung verstehen. So habe ich Ein Mensch zu sein / Arielles Traum (Platz 32) aus Arielle, die Meerjungfrau in meiner persönlichen Hitliste zwar höher platziert als Unter dem Meer (Platz 37), allerdings könnte ich nicht beschwören, ob ich bei einem Countdown der besten Disney-Songs gleich entscheiden würde. Natürlich stellt sich in diesem Fall wieder einmal, was die "besten" Musikstücke von seinen "liebsten" unterscheidet, aber vor dem Hintergrund, dass Arielles Traum eine recht klassische "Ich will"-Broadwayballade ist, deren Ähnlichkeit zu früheren Liedern selbst von ihren Schöpfern kommentiert wurde und die allein durch die gesangliche Performance und einigen Textpassagen zum großen Fan-Favoriten wurde, während Unter dem Meer ein ganz und gar origineller Stilmix ist, der den gesamten Film und dessen Rezeptionsgeschichte prägte, ist Unter dem Meer wohl der verdientere Oscar-Gewinner.
Im Falle von Der König der Löwen dagegen ist mir die Entscheidung der Academy nicht bloß ein Rätsel, sondern ein regelrechtes Ärgernis. Bezüglich der Nominierungen lass ich ja noch mit mir reden, da Hakuna Matata (Platz 47) und Kann es wirklich Liebe sein? besser ins Oscar-Schema passen als Ich will jetzt gleich König sein (Platz 57) und Seid bereit, dass aber die in ihrer Popversion von Elton John wirklich rührende, aber dennoch konventionelle Liebesballade gewann ist mir einfach unerklärlich. Es ist sogar ein richtiger Frevel, wenigstens meiner Auffassung nach. Der ewige Kreis verrät als Introsong nicht zu viel über den an ihn anschließenden Film, Handlungsverläufe lässt er völlig im unklaren, zugleich führt er seinen Grundtenor ein, Der König der Löwen ist gelegentlichem Humor zum Trotz einer der "stolzesten" und bewegendsten Disney-Zeichentrickfilme, und behandelt bereits sein zentrales Thema, nämlich den ewigen Kreislauf des Lebens, mit dem sich jeder arrangieren muss, ganz gleich ob er willens ist oder nicht (Umso vortrefflicher auch der erste gesprochene Satz im Film: Der blasierte Schurke Scar beklagt sich darüber, wie ungerecht die Welt doch sei).
Deswegen entschied sich Disneys Marketingabteilung, zur Zeit von Der König der Löwen unbestritten die meisterlichste Marketingmaschinerie in ganz Hollywood, in einem überaus weisen Moment dazu, die Der ewige Kreis-Sequenz intakt als Trailer für Der König der Löwen in die Kinos zu entlassen, in der Hoffnung, dass das Publikum daraufhin danach brennt, sich den kompletten Film anzusehen um zu erfahren, was auf diese Anfangssequenz folgt. Ein genialer Schachzug, der von Erfolg gekrönt war: Der König der Löwen holte über 40 Millionen US-Dollar an seinem breiten US-Startwochenende und nahm weltweit insgesamt 783.841.776 $ ein, womit er zum erfolgreichsten Trickfilm aller Zeiten wurde. Mittlerweile überholten ihn Toy Story 3, Shrek 2 und Findet Nemo, im Zeichentrick-Medium bleibt er aber der unangefochtene König. Und auch ein anderer Rekord bleibt wohl für immer in Stein gemeißelt: Der König der Löwen ist der meistverkaufte Film auf Videokassette. Und nur so am Rande: Auch ein weiterer Rekord für dieses Medium liegt in den Händen des Disney-Konzerns. Die erfolgreichste Videokassette im Verleih ist Jerry Bruckheimers und Michael Bays The Rock.
Rund ein halbes Jahrzehnt später versuchte Disney diesen Erfolg zu wiederholen, als man das ambitionierte Projekt Dinosaurier mit seiner überaus beeindruckenden Introsequenz bewarb. Mit 38 Mio. Dollar war das Startwochenende ebenfalls beachtlich, unter'm Strich wurde der Abstand zu Der König der Löwen allerdings immer klaffender und so reichte es mit einem weltweiten Einspielergebnis von 349.822.765 Dollar nicht einmal für die Hälfte der Einnahmen von Der König der Löwen. Es besteht nunmal ein Unterschied, wenn der Trailer den besten Song enthält, oder die einzige überdurchschnittliche Szene des gesamten Streifens.
Der ewige Kreis ist in der Disney-Historie aber nicht bloß als Trailer (und Eröffnung) des erfolgreichsten Zeichentrickfilms von Bedeutung. Dass Julie Taymor bei der Gestaltung der Bühnenausstattung und Kostüme der Broadway-Fassung von Der König der Löwen besonderen Wert darauf legte, dass das Kreismotiv herausgestellt wird, hat seinen ursprung ja nicht irgendwoher. Außerdem machte das Lied, bei dem in der Produktion von Der König der Löwen große Diskussionen darüber herrschten, welche Figur den Song überhaupt singen sollte (bevor man sich schlicht auf "keine" einigte und die Wahl auf eine anonyme Off-Stimme fiel), den Off-Gesang (mal von etablierten Figuren, mal von anonymen Stimmen) im Meisterwerkekanon "en vogue". Vor allem jedoch wurde er zur Messlatte und zur stillschweigenden Inspiration für fast alle anderen Eröffnungssequenzen und -lieder der Walt Disney Animation Studios. Die Glocken Notre Dames (Platz 19), Jedes Wort ist wahr (Platz 119), Zwei Welten und Götter der Ewigkeit (Platz 31), sie alle wurden auf die eine oder andere Weise von Der ewige Kreis beeinflusst, sei es der Versuch genauso bedeutungsvoll zu sein, ebenso dramatisch (oder noch dramatischer) zu wirken oder auf ähnliche Art die zentralen Themen des dazugehörigen Films einzuführen. Die Märchenbuch-Einführung (oder die Verwendung eines Ersatzes in Form von Mosaikfenstern) schien ein für alle Mal tot. Sofern man nicht gerade einen auf Parodie macht, wie in Himmel und Huhn oder Verwünscht. Da Disney davon absah, ständig bei Der ewige Kreis zu klauen und den Anfang von Der König der Löwen lediglich als zu übertreffendes Ziel sah, besteht für mich auch kein Grund zur Klage über dieses Vorgehen. Schlecht bei sich selbst klauen ist peinlich, aber sich darum bemühen, eine frühere Bestleistung zu überbieten, und dabei eine weitere beachtliche Leistung zu vollbringen, ist vollkommen genehm.
Obwohl Der ewige Kreis ein Lied ist, welches sehr viel seiner eindringlichen Wirkung aus dem bewegenden Text zieht, ist es einer der Songs, bei denen ich die internationalen Übertragungen geschlossen gelungen finde. Eine wirklich schlechte Version ist mir nicht bekannt, es gibt lediglich Fassungen, die stärker sind als andere. Ganz vorne liegen für mich die deutsche und die englische Aufnahme, einerseits aus dem genannten Grund der Verständlichkeit, aber auch weil Carmen Twillie (in der englischen Fassung) und Jocelyn B. Smith (in der deutschen Fassung) unglaublich viel Seele in den Song legen, ohne ihn durch zu intensiven Gefühl zum umkippen zu bringen und seine majestätische Grazie zu verspielen. Deswegen finde ich auch die niederländische Synchronfassung ungewohnt schwach. Unsere westlichen Nachbarn schätze ich bei Disneyfilmen nämlich sonst als überraschend talentierte Synchronnation, obwohl es dort ja keinerlei Tradition hat. Aber die niederländische Fassung von Der ewige Kreis ist mit zu lustlos intoniert. Es ist zwar richtig, dass die Sängerin nicht warm singt, da im Original eine gewisse Kälte in der Gesangsstimme liegt, die das Lied davon abhält belehrend zu wirken und zudem die Bildgewalt unterstützt, da die Aufmerksamkeit auf diesem Weg nicht zu sehr auf den Gesang gelenkt wird. Gleichzeitig muss aber durch diese Kälte ein heimeliges, warmes Gefühl entstehen. Es ist eine paradoxe Sache, und dadurch ist Der ewige Kreis auch ein so anspruchsvolles Lied für den Interpreten, mehr als durch die Notenführung. Dass für das angetäuschte Finale vor der längeren Instrumentalphase und erst recht für endgültige Crescendo die einfach nur im Raum schwebende, mütterlich-göttliche Stimme plötzlich doch ins kraftvolle umschalten muss, macht die Emotionalität im Gesangspart des Songs noch komplexer.
Die französische Fassung, die ich mit meinem Schulfranzösisch noch großteils verstehen kann, meistert dies im Gegensatz zur niederländischen. Generell hat diese Version große Klasse, das phonetische ist sehr edel und gehoben, genauso wie die stilvolle griechische Fassung. Ähnliches gilt für die italienische, die sehr stilvoll klingt und einen geradezu butterweich fließenden Text aufzuweisen hat. Die tscheschiche und portugiesische Fassungen dagegen sind mir wieder zu kraftlos .In Ungarn dagegen hat man eine sehr mütterlich auftretende Gesangsstimme gewählt, ohne aber die Gesamtwirkung des Liedes zu verfälschen. Das Finale könnte auf Ungarisch allerdings mehr Kraft vertragen. Auf Zulu wiederum ist Der ewige Kreis super, aber längst nicht so eindrucksvoll wie Seid bereit. Die Araber dürfen sich hingegen mit einem hierzulande altbekannten Problem herumschlagen: Es existieren zwei Synchronfassungen. Die erste ist mir etwas zu laff, hat aber einen klanglich schönen Text, die zweite hat mehr "Soul" und mehr Biss, schießt manchmal jedoch für meinen Geschmack zu sehr über das Ziel hinaus. Die Zofferei, welche Fassung besser ist überlasse ich jenen, die es betrifft.
Ganz großes Klangkino haben sich aber die Spanier geleistet. Deren ausdrucksstarke Synchronfassung von Der ewige Kreis hat, wie ich finde, sehr viel Charakter und ist deswegen mit einem hübschen Abstand meine liebste Fassung von Der ewige Kreis in einer Sprache, die ich nicht spreche. Ist ja auch irgendwie eine beachtliche Leistung...
Elton Johns Popversion fällt gegen die Filmfassung spürbar ab. Es ist weiterhin ein sehr guter Song, Struktur und Melodie bleiben bestehen (letzteres zumindest ganz klar im Refrain) und Elton Johns Stimme passt zu Der ewige Kreis, daran liegt es also nicht. Es ist hauptsächlich das zu unaufregende Arrangement dieser Version, das sie in meiner Gunst nach unten zerrt. Ich fände es deswegen sehr interessant, Elton John mal die Filmversion singen zu hören. Aus diesem Grund kann ich auch mit sämtlichen auf Elton Johns Single-Auskopplung basierenden Coverversionen nur wenig anfangen, denn meistens legen diese Interpreten weniger Leidenschaft hinein, als der Songkomponist. Oder ihre Stimme mag mir zu diesem Song einfach nicht so sehr behagen wie die von Elton John. Eins von beidem ist es immer...
Besondere Erwähnung verdient aber Circle of Life (Christmas Edition) von Disney Channel Circle of Stars. Diese nimmt eine von vornherein grausige Missstaltung eines großartigen Songs und ersetzt die lieblos unter die Musik gesampleten Pop-R'n'B-Beats durch nerviges Elktro-Glöckchenläuten.
Die Musical-Version von Der ewige Kreis ist dagegen wieder richtig stark. Das Arrangement lehnt sich noch mehr ins afrikanisch-urbane über, auch der Chor wird etwas stärker ins Zentrum gerückt, was für den Film bereits zu übertrieben, für die Bühnenfassung hingegen perfekt ist. Aus ihrem jeweiligen Kontext losgelöst tut sich für mich zwischen der Film- und der Musicalfassung nicht viel, müsste ich mich aber entscheiden, so würde ich bei der kompletten Introversion das Arrangement für den Film bevorzugen, während bei der finalen Reprise das Musical knapp vorne liegt. Dort wirkt die Reprise aufgrund des stärker herausgestellten Chors und dessen rhythmischen Gesang noch überschwänglicher sowie eindringlicher, und die Feierlichkeit dieses Abschlusses wird noch nachhaltiger rübergebracht.

Langer Rede, kurzer Sinn: Der ewige Kreis ist ein ungeheuerlich wirkungsvoller Song, der mich um einiges mehr mitnimmt, als jede schmalzige oder schwermütige oder kraftvolle Liebesballade. Das Lied packt mich einfach immer wieder und löst (aller!)spätestens im Finale eine wohlige Gänsehaut bei mir aus. Jedes Mal. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Song allein während der Vorbereitung und Bearbeitung dieses Textes gehört habe, und dennoch hat es mich ein ums andere Mal erwischt, dieses behütete und erhabene Gefühl.
Die Melodie, das ergreifende Filmarrangement, das rhythmischere und kräftigere Musicalarrangement, der herausragende Text, der dramaturgische Aufbau dieses Liedes, Lebo Ms markanter Anfang, das imposante Finale... Ich würde an dieser Stelle so weit gehen und sagen, dass Der ewige Kreis möglicherweise das beste, zumindest aber das eindruckvollste, Disney-Lied überhaupt ist.

Und wenn Der ewige Kreis meiner Betrachtung nach die absolute Superlative der Disneymusik darstellt, wieso ist es dann bitteschön nicht auf Platz 1? Was soll dann noch großartig folgen? Nehm ich meine Leserinnen und Leser mit dieser Hitliste etwa einfach nur alle Hopps, oder habe ich noch etwas überzeugendes, oder wenigstens ansatzweise nachvollziehbares in petto?

Das klärt sich im abschließenden Artikel über Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder.

Sonntag, 19. September 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil LXIII)


330 Lieder liegen hinter uns. Drei Lieder sind noch in Sicht. Und nachdem ich im vergangenen Teil dieser Artikelreihe nochmal ausführlich darauf einging, welche Lieder sich nicht auf dem Podest befinden werden, besteigen wir jetzt endlich das große Treppchen meiner allerliebsten Favoriten unter den Disney-Songs.
Von diesem Treppchen aus auf meine Hitliste zurückblickend, wird mir erst so richtig bewusst, welche  wiederkehrenden Verwendungen von Musik bei Disney vorkommen. Klar, solchen Tropen wie dem Schurkensong, der "Ich will"-Nummer oder dem Klischee des "Fröhliches Dorf"-Liedes war ich mir bereits zuvor bewusst. Aber nachdem ich hier über 300 Disneylieder abgearbeitet habe, ist dieser analysierende Blick klarer geworden. Und mir ist auch klar geworden, dass ich manche dieser Tropen anderen vorziehe.

Der "Ich will"-Song ist mir als dramaturgisches oder stilistisches Mittel beispielsweise recht gleichgültig. Natürlich kommen in dieser Hitliste allein schon wegen seiner häufigen Verwendung einige Vertreter dieses Stilmittels vor, aber diese Lieder betrachte ich für sich alleinstehend, und nicht als Teil einer geliebten Tradition. Denn das sind die "Ich will"-Songs für mich nicht - wenn ich mich auf ein neues Disney-Musical freue, dann warte ich nicht gespannt, wie der "Ich will"-Song ausfällt und bin bei einem schwachen ganz besonders enttäuscht, weil ausgerechnet dieser Song nachließ.
Andere Tropen haben es mir dagegen mehr angetan, bei diesen sortiere ich die jeweiligen Lieder nicht nur wissentlich in ihre Tradition ein, auch emotional verknüpfe ich sie miteinander und betrachte sie als eine große Familie an tollen Musikstücken.

So mag ich Disneys Freundschaftslieder sehr gerne, ebenso wie die Lebensstil besingenden Songs. Ganz große Hits bei mir sind die Showtopper/Ausgelassenen Lieder von Nebenfiguren. Aber kaum etwas kann sich mit den Schurkensongs messern. Mit Das Feuer der Hölle (Platz 4) und Seid bereit (Platz 6) fanden ja auch so gleich zwei Stück Einzug in meine persönliche Top 10. Je nach Zählung gelang es sogar drei Schurkenliedern, sortiert man Rosa Elefanten (Platz 9) ebenfalls in diese Schublade. Generell habe ich sehr oft gesteigertes Gefallen am Bösewichtstück eines Disney-Films. Bei diesen Liedern gelten andere Gesetze, sie sind kraftvoller, cooler, die Musik ist härter und dunkler.

Doch die Schurkenlieder sind nicht meine liebste Subkategorie in der Disneymusik. Den größten Erfolg feiern bei mir nämlich die Intro-Lieder. Wenn ihr zurückblickt, werdet ihr feststellen, dass bei sehr vielen Filmen mein bestplatzierter Song die Eröffnungsnummer war. Und auch wenn der musikalische Anfang eines Films nicht mein Lieblingsstück ist, wie etwa bei Tarzan, dann ist das Introlied nicht selten unweit von meinem Favoriten entfernt.
Ich weiß nicht, warum ich so häufig besonders auf diese Songs abfahre. Vielleicht hilft es, dass sie meistens weniger vom Filmkontext abhängig sind (es gibt ja selten nennenswerte Handlungsfäden vor dem ersten Song eines Films), womöglich strengen sich die Komponisten bei ihnen am meisten an, um das Publikum sofort um den Finger zu wickeln. Oder es ist nur ein gewaltiger Zufall, dass mir immer und immer wieder Introsongs derart gut gefallen.
Woran es auch liegen mag, eigentlich ist es mir egal. Ich genieße einfach die stattliche Musik, die Disney so oft in seine ersten Filmminuten steckt. Zahlreiche denkwürdige Filmmomente verbinde ich fest mit herausragenden Liedern, die ich mir immer wieder anhören kann.

Und auch der Bronzepokal geht an eine Filmeröffnung...





Platz 3: Hisst die Flagge ("Hoist the Colours") aus Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt
Musik von Hans Zimmer & Gore Verbinski, Text von Ted Elliott & Terry Rossio (dt. Fassung von Simon Jäger)

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt spielt in seinem Prolog sadistisch mit den Erwartungen und der Stimmung seiner Zuschauer. Nach dem zauberhaften wie friedlichen Disneylogo und dem coolen Bruckheimer-Logo erwarten uns kalte Bilder eines Stricks. Unheilvoll weht die Flagge der East India Trading Company im harschen Wind. Sie wacht förmlich über das prunklose Fort und überdeckt die britische Flagge. Der fürchterliche und eiskalt berechnende Lord Cutler Beckett übernahm die Macht und führt nun ein eiskaltes Regime,welches bei der Verfolgung von Piraten rücksichtlos die Bürgerrechte streicht. Allein schon der Umgang mit einem Piraten oder der bloße Verdacht, dem Seeräuber-Dasein anzuhängen, genügt um zum Tode durch den Strick verurteilt zu werden. Eine schier endlose Schlange an Verurteilten wird in den Hof des Forts geführt, um bei einer Massenexekution hingerichtet zu werden. Unter den Todgeweihten befindet sich auch ein kleiner Schiffsjunge, der in den letzten Minuten seines Lebens eine klingende Münze durch seine Finger gleiten lässt. Leise und mit zunächst unsicherer Stimme singt er ein Lied vor sich her, welches von einem König handelt, der seine Königin entführte um Macht zu erlangen. Dessen völlig unbeirrt waltet der Henker weiter seines Amtes und bereitet die nächsten Veurteilten zur Vollstreckung des Urteils vor. Nach und nach stimmen auch die anderen Piraten in diesen gleichwohl erhabenen wie wehmütigen Todesgesang ein. Ihr Gesang wird dringlicher, ein Ruck geht durch die Reihen der Veurteilten, ihre Todesangst und Verzweiflung kippt in selbstbewussten Widerstand um. Die Wachen weichen ob dieser unerwarteten Situation einen Schritt zurück, lehnen sich aber in der selben Bewegung nach vorne, um die Gefangenen mit ihren Waffen wieder in Reih und Glied zurückzudrängen. Ein aufgelöster Admiral eilt Befehle erwartend zum machtbesessenen Lord Cutler Beckett, der vom Treiben absolut unberührt in einer Ecke sieht und die Geschehnisse trocken so kommentiert, dass es dafür auch Zeit wurde. Becketts unterschwellig in seinem Tonfall liegende Triumphsbekundung lässt die langsam im Zuschauer aufkommende Erwartungshaltung einer gelingenden Revolution wieder im Keim ersticken, ehe der Henker den Hebel herunterzieht und so sieben weitere Seelen in den Tod schickt.
Das Lied, das während dieser Massenexekution in Port Royal erklang, ist eine alte Piratenweise. Sie besingt in kodierter Form die Ereignisse rund um die Formung des ersten Rats der Bruderschaft, wie die Meeresgöttin Calypso in einen menschlichen Körper gebannt wurde, so dass der Piratenkapitän Davy Jones an die Macht über die See gelangt. Den Piraten solle dadurch das Meer gehören. Hisst die Flagge ist aber nicht nur ein piratenhistorisches Lied, sondern gleichermaßen ein Hohegesang auf die Unsterblichkeit des edlen Piratentums sowie ein finaler Hilferuf für Freibeuter. Geht dieses Lied über die sieben Weltmeere, so ist eine erneute Versammlung des Rats der Bruderschaft von dringlichster Notwendigkeit. Und das Lied geht tatsächlich um die Welt: Am anderen Ende des Erdenrunds paddelt umsichtig Elizabeth Swan in einem Ruderboot über einen kleinen Fluss in Singapur. Leise singt sie Hisst die Flagge, in ständiger Angst von den Patrouillen der East India Trading Company oder der ihr nun unterstehenden Royal Navy ertappt zu werden. Doch sie erreicht ihren Anlegeplatz, wo ihr ein Pirat entgegentritt und die von Elizabeth angefangene Liedzeile zu Ende zischt, bevor er sie darin belehrt, dass es für Unwissende gefährlich sei, unbedarft dieses Lied zu singen. Eine unnötige Lehre, wie er kurz darauf erfährt...
Dem Text von Hisst die Flagge kommt einige Zeit danach eine weitere gewichte Bedeutung hinzu, als es so scheint, dass dem Piratenwiderstand sämtliche Erfolgschancen, gegen die Flotte der East India Trading Company in einer Seeschlacht erfolgreich antreten zu können, entschwimmen. Auf der stattlichen und sagenumwobenen Black Peal, welche die Piratenarmee im Kampf gegen die militärische Armada anführen soll, blickt die frisch zum König der Piraten gewählte Elizabeth Swan in zahlreiche resignierende Freibeuter-Gesichter. Doch sie möchte nicht kampflos aufgeben und so beginnt sie in Anlehnung an die bedeutungsvolle Piratenweise gehaltene Motivationsrede, die ihre Mannen wieder bereit für die Schlacht machen soll. Und tatsächlich kann sie die desolate Kampfesmoral in kämpferische Euphorie wandeln, so dass alle Piratenkapitäne aus den verschiedensten Winkeln der Welt stolz ihre Flagge zeigen und sich dazu bereit halten, notfalls für ihre Sache zu sterben.

Komponiert und getextet wurde Hoist the Colours bereits bevor Hans Zimmer damit begann, die Musik für Fluch der Karibik 2 zu verfassen. Auch wenn das endgültige Drehbuch zu Am Ende der Welt erst im Laufe der Produktion fertiggestellt wurde, so wusste man zu diesem Zeitpunkt bereits, welchen Grundtenor das Finale der Trilogie anschlagen wird und wie der Plot ungefähr aussieht. Über das Internet jammten Regisseur Gore Verbinski und Komponist Hans Zimmer jeweils an der Gitarre oder am Keyboard sitzend und feilten bis zu ihrer vollsten Zufriedenheit an der Melodie, die für die Introsequenz von Am Ende der Welt geplant war. Denn die Introsequenz stand schon sehr früh fest, die Drehbuchautoren Ted Elliott und Terry Rossio beabsichtigten anfangs, dass sich der Faden eines Eröffungsliedes durch die gesamte Trilogie ziehen sollte. Dieses Vorhaben ging allerdings nicht auf, da Verbinski sich bei Fluch der Karibik 2 dagegen entschied, den Film mit der entsprechenden Szene zu beginnen und entgegen des Drehbuchentwurfes eine impressionistische Schnittfassung der für später im Filmverlauf vorhergesehene Sequenz entschied, in der Elizabeth Swans und Will Turners Hochzeit buchstäblich und sprichwörtlich ins Wasser fällt.
Aber zurück zur Entstehung von Hisst die Flagge: Nachdem Verbinski und Zimmer gemeinschaftlich die Melodie komponierten, verfassten Ted Elliott und Terry Rossio den Liedtext, der sowohl innerhalb des Filmuniversums eine tiefere Bedeutung haben sollte, als auch für das Kinopublikum. Insbesondere an die begeisterten "Wiederholungstäter" wurde gedacht, diese sollten jede einzelne Zeile des Songs entschlüsseln können, um so mehr über die Vorgeschichte von Davy Jones und Calypso zu erfahren. Die Inspiration zu diesem Lied hatten die Filmschöpfer durch eine alte Piratenlegende, die besagte, dass Schwarbart und seine Mannen neue Crewmitglieder anheuerten, indem sie durch Straßen zogen und dabei das Kinderlied Sing a Song of Sixpence von sich gaben. Dies sponnen Elliott und Rossio zum verschlüsselten Hilferuf, der in ausweglosen Situationen von Piraten gesungen wird. Dass Lord Cutler Beckett von dieser Piratentradition weiß und dieses Wissen berechnend ausnutzt, dass er die Massenexekutionen ansetzt, um die Gefangenen endlich zum Singen zu bringen, hoffend, dass er die Einberufung des Rats der Bruderschaft zu seinem Vorteil nutzen kann, ist einer der vielen erstaunlich ernsten und bitteren Twists im epochalen Finale der ursprünglichen Pirates of the Caribbean-Trilogie. Hisst die Flagge sollte diese dramatischere Tonlage des Films widerspiegeln, weshalb es gemeinsam mit dem schwermütigen Liebesthema von Am Ende der Welt als globales Musikthema des Abenteuers im Kontrast zu den älteren Pirates of the Caribbean-Melodien eingesetzt wird, welche von Zimmer mehrfach als musikalische Pointen gebraucht wurden. Hisst die Flaggen ist ein komplexer strukturiertes Stück als etwa das energetische He's a Pirate aus Fluch der Karibik, außerdem sind einige der prominentesten Einsätze dieses Instrumentalstücks mit einem eher "schweren" Orchesterklang behaftet. Als ironisch-romantischer Swashbuckler-Walzer im 3/4-Takt wird das flexible Hisst die Flagge dagegen von mehreren "alten" musikalischen Leitmotiven der Filmreihe unterbrochen oder mit ihnen verwoben. Hisst die Flagge und das Liebesthema dienen gewissermaßen als der erdende Leitfaden durch den Strudel an bunten und rasanten Melodien.
Dennoch gönnte sich Hans Zimmer einige buntere Spielereien mit Hisst die Flaggen, so ertönt es in den Szenen rund um den Rat der Bruderschaft in exzentrischeren Arrangements, die beispielsweise mit ihrer Verwendung von Akkordeons und Mandolinen aus dem reslichen Score herausstechen. Und Elizabeths antreibende Rede und die an sie anschließende Kampfeszelebration der Piraten inklusive des ehrvollen Flaggenhissens wird von einer stolzen Reprise von Hisst die Flaggen begleitet, in der das Orchester richtig heranschwillt und ein großer Chor mit erhabener Stimme den Refrain des Liedes singt. In diesem Moment verliert das Lied jeglichen Hauch seiner Furchtsamkeit und wird zu einem majästitisch erfülltem Loblied auf den unerschütterlichen Zusammenhalt der Piraten. Ein Zusammenhalt, der selbstversäntlich lediglich dann besteht, wenn es für die listige Plagen der sieben Weeltmeere einträglicher ist sich gemeinsam gegen einen noch fürchterlichen Feind zu stellen, statt einzig und allein seinen eigenen Vorteil im Auge zu behalten. Denn so richtige Helden sind unsere Protagonisten der Pirates of the Caribbean-Reihe nicht wirklich. Aber sie stehen zusammen für das Recht auf Freiheit und Abenteuer, während die East India Trading Company diesen Werten die Fesseln ansetzt. Außerdem sind gelegentliche Meuchelmorde unter Piraten weitaus leichter zu dulden als Becketts Dekrete, die nahezu jeden unter den Generalverdacht stellen, Pirat zu sein. Worauf die Verurteilung zum Tode durch den Strick steht. In Pirates of the Caribbean gibt es nunmal kein Gut und Böse, keine Schwarz-Weiß-Zeichnung, sondern nur eine breit gefächerte Auswahl an Grautönen.
Ende Mai 2007 fand Hisst die Flagge auch außerhalb des Kinofilms zu einem semioffiziellen Revolutions-Schlachtruf, als die Mutterfirma des Blogdienstes LiveJournal  zahlreiche Blogs bzw. Accounts sperren ließ. Die LiveJournal-Community nahm sich zu dieser Zeit dem Song an und nutzte ihn im eigenen Kampf gegen die Massenlöschung.

Meine eigene, enge Bindung zu Hisst die Flagge fand in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2007 ihren Anfang. Ich war einfach völlig hin und weg, als ich die Introsequenz zu Am Ende der Welt direkt im Anschluss an Fluch der Karibik und Die Truhe des Todes auf einer Riesenleinwand bestaunte. Mir kamen die Wochen zuvor Gerüchte zu Ohren, dass der dritte Teil meiner Lieblingsfilmreihe ungewöhnlich sein wird, aber mit einem solchen Start hatte ich wirklich nicht gerechnet. Gänsehaut. Als die Acht-Realis-Münze des Jungen gen Kamera fiel und der Filmtitel eingeblendet wurde, winkte ich vor meinem inneren Auge bereits Teil 1 zum Abschied, den in diesem Moment schlug Am Ende der Welt in meiner ganz persönlichen Gunst den Anfang der Saga. Unwiderruflich. Die Inszenierung, das Lied, die Überraschung, mit was für einem Knüppel uns die Filmemacher zum Finale ihrer lustigen und actionreichen Piraten-Unterhaltungsfilmtrilogie begrüßen... Als das Lied wenige Minuten später in einer martialischen und dennoch würdevollen Instrumentalversion nochmal ertönte, wenn die Piraten in Singapur gegen die Soldaten kämpften, hatte mich der Film noch mehr um den Finger gewickelt. Diese Version von Hisst die Flagge hatte den richtigen Schwung für eine Actionszene, aber sie klang auch so gewichtig, man spürte, dass dieser Film größer war und es um noch mehr ging als zuvor.
Ich war also wirklich vom Fleck weg begeistert von Hisst die Flagge, und mit mehrmaligem Ansehen des Films wuchs meine Begeisterung nur noch weiter, etwa als mir bewusst wurde, was der Liedtext zu bedeuten hat. Bloß mit der Hoist the Colous Suite im Abspann musste ich mich sehr lange arrangieren. Die Abspannsuiten zu den vorhergegangenen Teilen liebte ich abgöttisch, sie entließen einen überaus kraftvoll aus dem gewaltigen Piratenabenteuer. Und da fiel mir die zwischendurch sehr bedächtige Abspannmusik zu Am Ende der Welt im Vergleich ab. Später, als die DVD des Films erschien und in hoher Frequenz geguckt wurde, änderte sich dies allmächlich und die Soundtrack Treasures Collection war eine noch tatkräftigere Hilfe dabei. Die Jahre zogen ins Land, und die erhabene, in sich selbst geschlossene und eine große Bandbreite an Emotionen vermittelnde Suite gefiel mir immer besser. Mittlerweile kann ich gar nicht mehr sagen, welche Version von Hisst die Flagge mir am liebsten ist. Sie alle sind für mich äußerst wirkungsvoll und aussagekräftig. Vor allem ist Hisst die Flagge eine Stück, in das ich wunderbar abtauchen kann. Als Lied zu Beginn von Am Ende der Welt lässt es mir noch immer den Atem stocken und als Teil von Hans Zimmers fantastischem, von vorne bis hinten hörenswerten und durchdachten Soundtrack zum Film lässt es mein Herz um einiges höher schlagen. Es steckt hörbar viel Herzblut und Liebe zum Material in der Melodie von Hisst die Flagge. Egal, ob man sich von seiner Musik im seinem Selbstmitleid gerade unterstützt sehen will oder etwas zu feiern hat oder Kampfeswillen sucht, Hisst die Flagge passt zumindest für mich in wenigstens einer Fassung immer wie die Faust auf's Auge. Vielleicht klingt es für manche albern, aber ich werde tatsächlich auch ein wenig nostalgisch, wenn ich etwa die Hoist the Colours Suite höre. Obwohl sie aus dem Jahr 2007 ist. Was manche Dinge angeht, habe ich nunmal ein sehr verschrobenes Zeitgefühl. Womöglich liegt es aber an der Komposition selbst, denn Hans Zimmer und Gore Verbinski verliehen Hisst die Flagge einen authentischen, meersalzerfahrenen Klang, der nach mehreren Jahrzehnten auf hoher See und zahlreichen spannenden, erschütternden und ergreifenden Spindeln voller Seemannsgarn schmeckt. Ein so junges Lied, das so uralt und historisch bedeutsam scheint. Ich liebe es einfach und könnte noch ewig weiterschwärmen...

Mittwoch, 15. September 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil LXII)

Wenn die Regeln anders wären... (Teil II)

330 Disney-Songs liegen hinter uns. Es gilt nur noch, das Podest zu erklimmen und meine drei absoluten Favoriten zu küren. Doch vorher möchte ich etwas anderes zu Ende bringen, dass ich angefangen habe. Die Präsentation der Musikstücke, die bei einem anderen Reglement ebenfalls gute Chancen gehabt hätten, Teil dieser Hitliste zu sein. Obwohl ich im letzten Teil bereits ausführlich auf Original-Filmsongs einging, die aus Disney-Produktionen mit anderem Markennamen stammen, und auch tolle Lieder vorstellte, die in Disney-Filmen vorkommen, aber nicht für Disney geschrieben wurde, habe ich nicht das komplette Feld abgedeckt.

Knüpfen wir aber erst Mal genau bei diesem letzten Thema an. Denn es gibt neben den letztmalig genannten noch zwei weitere Lieder aus einem Disney-Film, die mir sehr gut gefallen und die sich vielleicht unter meine 333 liebsten Disney-Songs gemischt hätten, wären sie auch speziell für diesen Film geschrieben.
In diesem speziellen Fall entfalten diese Songs ihre volle Wirkung, zumindest für mich, nur im Zusammenhang mit der Pixar-Produktion, die sie verwendet, während ja einige der im vorherigen Überblick genannten Non-Disneysongs auch auf eigenen Füßen stehend sehr gut sind. Es handelt sich um Put on Your Sunday Clothes und It Only Takes a Moment, ursprünglich geschrieben für das Musical Hello, Dolly! jedoch erst über vierzig Jahre später durch Andrew Stantons WALL•E zur Perfektion gebracht. Liedkomponist Jerry Herman nennt die Verwendung seiner Stücke in WALL•E "genial" und meinte, dass er sich nie ausgemalt hätte, dass diese Lieder je zu einem so guten Einsatz gebracht werden könnten. Dem mag ich nicht widersprechen, denn diese beiden Lieder kommen in meinem liebsten Pixarfilm zu einer enormen Ausdruckskraft, die ich bei ihrer ursprünglichen Herkunft vermisse.

Mehr noch als Put on Your Sunday Clothes und It Only Takes a Moment hat Disney einige weitere Stücke annektiert, die es einige Zeit vor ihrem jeweiligen Disneyfilm gab. Statt ein paar Jahrzehnte zwischen Komposition und Disney-Verwendung liegen hierbei allerdings mitunter ein paar Jahrhunderte. Die Rede ist natürlich von den klassischen Musikstücken, die in Fantasia und Fantasia 2000 mit sprühender Fantasie visuell umgesetzt wurden. Disney webt einige dieser Stücke mit solcher Selbstverständlichkeit in Themenparkshows oder Studiorespektiven ein, als wären sie tatsächliche Disney-Lieder.
Und da Generationen von Kindern durch Fantasia an manche dieser Kompositionen herangeführt wurden und einige Segmente dieses Meisterwerks wahre Juwelen der Trickgeschichte sind, überrascht Disneys Entscheidung auch nicht besonders. Meine (musikalisch betrachtet) favorisierten Fantasia-Segmente sind Paul Dukas' sinfonische Dichtung Der Zauberlehrling,  Mussorgskis Eine Nacht auf dem kahlen Berge und Die Nussknackersuite von Tschaikowsky, dessen Musik sich ja sowieso fest ins Ohr zahlreicher Disneyfans gesetzt haben sollte (vgl. Platz 104). Aus Fantasia 2000, dessen Symphonien und Filmsegmente sich leider noch nicht ganz so sehr als ikonischer Bestandteil des Disney-Erbes etablierten, präferiere ich Beethovens weltberühmte 5. Sinfonie in c-Moll (mir egal, wenn überstrenge Kritiker bemängeln, Disney häte sie nur in den Film eingebaut um den Zuschauern etwas bereits bekanntes anzubieten), Gershwins eingängige und beseelte Rhapsody in Blue und Edward Elgars feierlicher Marschierklassiker Pomp and Circumstance.


Ebenfalls klassisch, ebenfalls von einem Film durch ikonischen Einsatz quasi annektiert, aber nicht etwa von Disney, sondern von einem Kubrick-Film: Also sprach Zarathustra von Richard Strauss. Mir sind schon zahlreiche Filmmusik-Kompilationen untergekommen, die diese berühmte Sinfonie zwischen Morricone, Williams und Zimmer aufführten. Und man muss Stanley Kubrick einfach neidlos zugestehen, dass er sie so nahtlos und natürlich wirkend in 2001: Odyssee im Weltraum eingebaut hat, dass es schwer zu glauben fällt, dass da nicht irgendwelche Zeitreisen im Spiel waren, so dass Strauss sein Stück perfekt auf Kubricks Interpretation der Evolution abstimmen konnte. Doch auch wer 2001 nicht gesehen hat, wird vergleichbare Assoziationen mit dieser Musik pflegen, denn der Anfang von Kubricks legendärem Sci-Fi-Film gehört zu den meistkopierten, -referenzierten und -parodierten Filmsequenzen aller Zeiten. Auch Andrew Stanton konnte es sich nicht nehmen lassen, gleich mehrere Verweise auf 2001 in sein eigenes Sci-Fi-Werk WALL•E einzubauen. Höchst wahrscheinlich sind den meisten eher die Parodien und Referenzen bekannter als der ursprüngliche, prägende Filmeinsatz dieses Werks. Und selbst bei IMDb wird Richard Strauss bei einer Namenssuche als Beteiligter am WALL•E-Soundtrack genannt, nicht etwa als 2001-Komponist. Vielleicht wäre aber eine Erwähnung der Simpsons angebrachter, denn diese erhabene Komposition wurde allein bei der gelben Chaosfamilie über ein halbes Dutzend Mal gebraucht (Die Simpsons - Der Film mit eingerechnet). Bei Disney machte sie derweil noch einen Cameo im Intro von Toy Story 2, wenn Buzz versucht sich der Batterie zu nähern, in Tom Hanks' Cop-mit-Hund-Komödie Scott & Huutch sowie in der sündig-amüsanten Christopher-Lloyd-Komödie Mein Onkel vom Mars


In diesem Zusammenhang ließe sich noch Carl Orffs Kantate Carmina Burana, auch bekannt als O Fortuna, nennen. Das Chorwerk aus der Mitte der 30er Jahre mag auf dem Papier nicht jedem bekannt sein, aber ich bin mir sicher, dass jeder Film- oder Fernsehkenner irgendeinem Werk begegnet ist, in dem dieses epochale Stück vorkam. Wenn es besonders episch-dramatisch sein soll und man gerade kein Geld für Hans Zimmer oder X-Ray Dog hat und man denkt, dass Beethoven zu ausgelutscht ist, dann verwendet man in Hollywood (oder in der Werbebranche) diese Komposition. Deswegen ist sie selbst schon zu einem Klischee verkommen und würde auch sehr häufig ironisch in der Comedyszene gebraucht. Dennoch verwendet Hollywood Carmina Burana ungebrochen und bierernst. Üblicherweise. Und genau dies ist der Grund, weshalb die Verwendung in G-Force zu meinen Favoriten gehört. Dieser problemlos als harmlose Kinderkomödie mit sprechenden Meerschweinchen zu konsumierende Actionfilm ist mit der richtigen Haltung betrachtet nämlich eine herrlich absurde und aufgedrehte Parodie des klassischen Blockbuster-Stils, den Jerry Bruckheimer in den 90ern mit Filmen wie The Rock bombastisch auf die Leinwand brachte. Anstelle der stereotypischen Menschen, die über sich hinaus wachsen müssen, treten hier Meerschweinchen an, die Welt vor großem Übel zu retten. Das ist für sich genommen ja schon putzig genug, doch um die Blockbuster-Formel noch weiter durch den Kakao zu ziehen, gönnt sich der Film in seinem letzten Drittel eine aufwändig inszenierte Verfolgungsjagd zwischen Fahrzeugen geheimer Regierungsbehörden und den Helden des Films, die in "gepimpten" bunten Hamster-Plastikkugeln durch die Stadt düsen. Wie es das Genre verlangt, ist es natürlich eine hügelige Stadt die so die Möglichkeit für impressive Zeitlupenaufnahmen fliegender Autos bietet. Zum Schluss der Verfolgungsjagd kreuzen die Verfolgten und Verfolgenden einen aus dem Nichts kommenden Platz, wo Pyrotechniker gerade eine gigantische Feuerwerksshow vorbereiten, die nun unplanmäßig zu früh losgeht - und all das begleitet von diesem Bombast eines Chorals. Ich habe Tränen gelacht.

Bevor ich mit den Nicht-Disneyliedern in Disneyfilmen abschließe, muss ich noch zwei weitere instrumentale Stücke erwähnen. Genau wie die letztgenannten (je nach Definition) als Klassik zu kategorisierenden Stücke sind auch sie zu Standards in Filmen geworden. Das erste, dass ich nennen möchte, ist Sing, Sing, Sing (With a Swing), geschrieben von Louis Prima und popularisiert von Benny Goodman. Kommt ein Jazz-Club vor (und nicht einer der gediegenen, ruhigen Sorte, sondern ein feierlicher) oder will der Regisseur akzentuiert das 30er/40er-Setting seines Films etablieren, dann stehen die Chancen sehr hoch, dass ihr entweder diesen Jazzstandard oder In The Mood zu hören bekommt. Meine erste (bewusste) Begegnung mit Sing, Sing, Sing (With a Swing) und gleichzeitig meine bislang bevorzugte in der Welt des Films ist in Disneys Fernsehfilm Im Jenseits sind noch Zimmer frei. Dieser Film stammt aus einer Zeit, in der Disneys Fernseh-Output nicht von kommerziell schnell verheizten, knalligen Teenies in kitschig-harmlosen Geschichten dominiert wurde und hat die filmgeschichtlich bedeutsame Ehre, die erste Verfilmung einer Themenparkattraktion zu sein. Mit Im Jenseits sind noch Zimmer frei (Originaltitel: Tower of Terror) testete Disney die Gewässer für spätere Filme wie Die Geistervilla, Die Country Bears (vgl. Platz 324, Platz 292, Platz 237 und Platz 82) und Fluch der Karibik. Und selbst wenn die Kritiken mir nicht gänzlich zustimmen wollen, für mich ist diese atmosphärische, stimmige und unterhaltsame Verfilmung des (selbst wiederum von einer Mystery-Fernsehreihe inspirierten) The Twilight Zone Tower of Terror die beste Attraktionen-Verfilmung, die ohne Piraten auskommt. Diese wirklich gelungene übernatürliche Kriminalkomödie mit Steve Guttenberg und Kirsten Dunst in den Hauptrollen hat aufgrund des Settings der Attraktion auch einige Szenen im Stil der späten 30er Jahre, und in denen spielt diese mitreißend beschwingte Jazznummer, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Im wesentlich weniger gelungenen Disney-Realfilm über Inspektor Gadget kommt derweil ein weiterer Musikstandard vor: Wann immer Abenteuerstimmung, Westernstimmung oder Spannung für ein Duell aufgebaut werden soll, kann man mit diesem Score rechnen: Der Titelmelodie von Zwei glorreiche Halunken, eine der berühmtesten Melodien des legendären Filmkomponisten Ennio Morricone. Einfach ein einschneidend cooles Stück, das man einfach nicht überreizen kann.


Original Filmscore


Da es in dieser Artikelreihe um meine liebsten Disney-Lieder gehen sollte, war es Teil der Regeln für die Hitliste, dass es sich bei den gewählten Musikstücken auch wirklich um Lieder handeln muss, um Kompositionen, zu denen ein Text gehört. Anders ausgedrückt: Orchestraler, instrumentaler Filmscore war von diesem Countdown komplett ausgeschlossen. Ansonsten wäre es bloß noch schwieriger für mich geworden eine endgültige Rangliste meiner Favoriten zu erstellen, wenn nicht gar vollkommen unmöglich. Filmscore mit Songs zu vergleichen, abzuwägen ob ein Instrumentalstück oder ein Lied in meiner Gunst höher steht, das hätte ich wohl kaum zu Stande gebracht. Hinzu kommt, dass sich die Definitionsfrage dadurch ungleich erschwert hätte. Einen Song als eine klar umrissene Einheit festzumachen ist vergleichsweise einfach, und die wenigsten werden diese Eingrenzungen in Frage stellen. Dass ein Medley kein eigenes Werk ist und dass ich gegebenenfalls einen darin enthaltenen Song wegen seines Neuarrangements als Teil dieses Medleys besser bewerte, statt zusätzlich zu besagtem Lied auch das Medley in meine Liste aufnehme, das dürfte noch problemlos nachvollziehbar sein. Bei instrumentaler Filmmusik ist das schon schwieriger, da es äußerst selten vorkommt, dass jeder Track eines Albums ein anderes Motiv repräsentiert. Üblicherweise werden einzelne Leitthemen im Laufe eines Films / eines Albums beliebig oft kombiniert oder umarrangiert, so dass am Ende große Verwirrung herrscht und sich die Frage stellt, ob ich nun die Themen bewerte oder die Tracks. Mitunter sind die Kompositionen sogar derartig komplex, dass man gar nicht weiß, eine Abwandlung einer zuvor etablierten Melodie hört. Ein Beispiel aus Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt: Das Stück Up is Down hört sich vielleicht eigenständig und neu an, ist allerdings in Wahrheit eine Kombination aus dem Liebesthema des Films, zwei speziell für diese Szene geschriebener Melodiefolgen, dem im Film eher selten genutzten Elizabeth-Thema und eines der Seeschlacht-Motive aus Fluch der Karibik. Es wäre der schiere Wahnwitz, Up is Down nicht in seiner Gesamtheit zu bewerten, aber wenn ich das erlaube, dann müsste ich auch reine Aneinanderreihungen bekannter Melodien durchgehen lassen, und schon muss ich mich rechtfertigen, weshalb ich keine Songmedleys als eigenständige Werke durchgehen lasse. Wie sollte ich also Filmscores gleichberechtigt mit Liedern in der selben Hitliste abhandeln? Gar nicht.


Aber dafür gibt es ja diesen Artikel. Hätte ich also auf all diese Probleme gepfiffen, dann wären ohne jede Frage auch einige Filmscores in diese Hitliste vorgestoßen. Die abendfüllenden Disney-Zeichentrickfilme hätten davon allerdings kaum profitiert. Natürlich haben zahlreiche Filme aus dem Meisterwerke-Kanon auch außerhalb ihrer Lieder tolle musikalische Momente zu bieten, bei den meisten sind die einprägsamsten und wirkungsvollsten instrumentalen Stellen aber Verweise auf Lieder, die ja bereits innerhalb meiner Hitliste abgedeckt sind. Von den Disney-Zeichentrickmusicals ist der mit dem am meisten hervorstechenden Score ganz klar Der König der Löwen. Elton Johns und Tim Rices Lieder werden in einen ungeheuerlich impressiven, dramatischen sowie gefühlvollen Score von Hans Zimmer eingebettet, der mit einer inspirierten Klanggewalt schwelgerische Melodien umsetzte und dank des afrikanischen Musikers Lebo M ein starkes, urbanes Gefühl für Afrika in seine Musik einfließen lassen konnte. Es ist mir vollkommen unmöglich, nur ein einzelnes Thema oder einen Track auf dem Album zu wählen, dieser eingängige und ausdrucksstarke Score ist durchgehend große Klasse - und ein paar Motive fanden in Form von Songs ja sogar schon den Einzug in diese Hitliste.
Wahrscheinlich hat mich schon dieser Film unbewusst mit meiner Zimmer-Begeisterung angefixt. Auf jeden Fall würde ich mir einen weiteren abendfüllenden Disney-Trickfilm mit Zimmer als Komponisten wünschen. Natürlich nur, wenn das Projekt zu Zimmers Stil passt. Rapunzel mit Menken-Liedern, aber Zimmer-Score ginge wohl nicht so gut auf. Aber vielleicht liest irgendjemand mit, der an King of the Elves arbeitet, mmmh?


Ein weiterer Zeichentrickfilm, in dem mehrere Lieder vorkommen, bei dem der Score allerdings große Eigenständigkeit aufweist, ist Mulan. Die Lieder wurden von Matthew Wilder und David Zippel verfasst, während man den legendären Jerry Goldsmith (Papillion, Star Trek, Poltergeist) für die Instrumentalstücke engagierte. Dadurch hebt sich der in einem asiatisch beeinflussten, weniger detaillierten Stil umgesetzte Mulan nicht nur visuell, sondern auch akustisch von den Menken-Filmen ab und ebnete zugleich den Weg für den noch weiter von der Musical-Formel abweichenden Tarzan. Und der für mich unbestritten beste Instrumentalpart in Mulan ist Mulan's Decision (Haircut Score), die Begleitmusik zur fast komplett stummen Sequenz, in der Mulan sich nachts dazu entschließt, an Stelle ihres Vaters in den Krieg zu ziehen. Die Regisseure Tony Bancroft und Barry Cook inszenierten diesen für Mulan einschneidenden Moment großartig, mit für Zeichentrickfilme ungewöhnlichen Winkeln und Bildausschnitten, doch es ist Goldsmiths Score, der diese Szene auf eine vollkommen neue Ebene zieht und sie zum denkwürdigen Gänsehaut-Moment macht. Ohne diese eindringliche Musik wäre die lastende Wirkung von Mulans Entscheidung nicht einmal halb so groß.


Direkt nach Mulan und Tarzan folgte die meiner Meinung nach beste Ära für Instrumentalmusik innerhalb der Meisterwerk-Reihe, nämlich die drei Filme umspannende Zusammenarbeit zwischen Walt Disney Pictures und James Newton Howard. Der erste Film der als Teil dieser Kooperation den Weg in die Kinos fand ist Dinosaurier, ein seltenes Disney-Beispiel für einen vergessenen Erfolg. Mit Einnahmen von beinahe 350 Millionen Dollar weltweit liegt er unter anderem vor Lilo & Stitch, Mulan oder Bärenbrüder und trotzdem kann sich kaum mehr jemand an diese stattliche Produktion erinnern. Einer der Gründe dürfte der simple Fakt sein, dass er wirklich atemberaubend aussieht, aber eine nicht sonderlich denkwürdige Geschichte oder erinnerungswerte Figuren zu bieten hat. Der mit Abstand beste Teil ist dann auch sogleich das Intro mit seinen faszinierenden Kamerafahrten quer durch wunderschöne Landschaften, begleitet von dem monumentalen Orchesterstück The Egg Travels, für mich eine der besten Introsequenzen überhaupt. Nur muss man sich für diese Szene nicht einmal den kompletten Film holen: Das wesentliche der gesamten Mammutproduktion gab es unter anderem als Trailer auf der Tarzan-Videokassette.

Ein wahres Meisterstück lieferte James Newton Howard im Jahr darauf mit seinem Score zu Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt ab. Das zwar nicht völlig makellose, aber dennoch erstaunliche und meiner Meinung nach zu harsch kritisierte, mit myteriös-esoterischen Fantasyelementen versetzte Action-Abenteuer trumpft mit einem vielseitigen, epochalen Score auf, der lange im Ohr bleibt und stellenweise auch unter die Haut geht. Zu den besten Stücken gehören das auf nautische Abenteuer Lust machende The Submarine, der aufregende Actiontrack The Leviathan, das andersweltliche Milo Meets Kida, das triumphale Stück Just Do It, und natürlich allen voran die himmlischen Tracks The Secret Swim und The Crystal Chamber, in denen James Newton Howard so richtig in die Vollen geht und den Zuhörer in die magische Mythologie von Atlantis entführt. Howards Kompositionen stecken voller Atmosphäre und werten als auf den Punkt gebrachtes, gleichermaßen klassisches wie ungewöhnliches Klangbett den Film der Glöckner von Notre Dame- und Die Schöne und das Biest-Macher Regisseure Kirk Wise und Gary Trousdale immens auf.
Wie ich im direkten Vergleich die Filmmusik von Der Schatzplanet, dem dritten Film in diesem Bunde, zu bewerten habe, ist schwer zu sagen. Auch Der Schatzplanet fällt durch seinen originellen Stilmix auf, es verbinden sich typisch-piratige Swashbuckler- und Abenteuermelodien mit elektrisierenden, modernen Arrangements, was natürlich perfekt zum den Anachronismus als Kunstform zelebrierenden Film passt. Als Gesamtwerk blieb mir der Score zu Der Schatzplanet nie so prägnant in Erinnerung, wie der zu Atlantis, dafür gefallen mir seine Highlight-Momente etwas besser als die Topstücke aus Atlantis. Das rasante, actionreiche und genießerisch-befreiende 12 Years Later (und seine Actionreprise Jim Saves the Crew), die verspielt bombastischen Fanfaren To the Spaceport und The Launch, die frohgemute Jig-Melodie Silver, und der garantiert während der Atlantis-Produktion entstandene, geheimnisträchtige und deshalb so faszinierende Track The Map wären wohl allesamt gute Kandidaten für eine um Filmscores erweiterte Disney-Musikhitliste gewesen.


Da Pixar anders als Disneys Zeichenstudio weniger auf den Einsatz von Songs setzt, überrascht es nicht, dass beim Studio mit der putzigen Lampe die instrumentale Hintergrundmusik prägnanter ist und länger in Erinerung bleibt. Doch auch in diesem Bereich macht sich wieder meine schwankende Anerkennung für Randy Newman bemerkbar: Selbst seine instrumentalen Kompositionen setzen sich nicht hartknäckig in meinem Gehör fest, so dass Findet Nemo der erste Pixarfilm ist, dessen Score mir langfristig in Erinnerung blieb. Thomas Newman, der Cousin des besagten Liedschreibers und Komponisten, schrieb für  Findet Nemo eine beeindruckend wechselhafte Filmmusik, die von traurig und belastend über träumerisch bis hin zu sorgenfrei erheitert reicht. Meine Lieblingsstücke aus Findet Nemo sind das berührende, verloren wirkende Titelthema Nemo Egg, das facettenreiche und zum Schluss sehr emotionale Fronds Like These, der gewitzt an den stereotypischen Kriminalfilm-Ausbruchplan-Sound angelehnte Filter Attempt, das sehr grimme und bleischwere Swim Down und zur Auflockerung gibt's noch den Surferspaß verkörpernden Schluss von The Turtle Lope hinterher.


Der nächste Pixar-Film stellte eine große Veränderung für die im Herzen junggebliebene Truppe aus Emeryville dar. Aus Angst, nach den vorangegangenen Erfolgen an Frische zu verlieren (und weil auf der legendären Brainstorming-Serviette des Pixar-Kernteams nur noch ein einziger Film übrig war), holte man sich mit dem ungestümen Brad Bird einen neuen Mann an Bord. Das Ergebnis reihte sich nahtlos ins Pixar-Schema ein, und war trotzdem eine wohltuende Abwechslung für das Studio. Mit der dekonstruktiven sowie glorifizierenden Superhelden-Komödie Die Unglaublichen überraschte mich Pixar auf's Neue und manifestierte ein für alle Mal die Überzeugung "Ach, Pixar schafft das schon", wenn die Frage aufkommt, ob das Studio jemals seine bisherige Spitzenleistung übertreffen kann. Teil von Birds Frischzellenkur war es auch, sich von den eher ruhigen Kompositionen der Newmans zu verabschieden und, nachdem Bond-Komponist John Barry ablehnte, Michael Giacchino in die Pixar-Familie einzugliedern, der seither ebenso traditioneller Bestandteil des Studios ist wie Randy Newman. Giacchino machte zuvor mit der Musik zu Alias - Die Agentin und Videospielmusik auf sich aufmerksam und durch Die Unglaublichen katapultierte er sich in die Spitzengruppe der Filmkomponisten. Voller Schwung und mit einer ehrlichen, handgemachten Bodenständigkeit feiert Giacchino mit diesem energiereichen Jazz-Score einen Retro-Chic der an den James Bond der 60er Jahre erinnert und dennoch originell und neu erscheint. Am denkwürdigsten sind die keinen Halt kennende Eröffnungsnummer The Glory Days, das stilvolle und galante Jazzclub-Stück Life's Incredible Again, die an Barjazz erinnernde (aber peppigere) Einlage Off to Work, das Actionstück 100 Mile Dash, sowie die coole und in all ihrer Beschwingtheit unbeirrt lässige Abspann-Suite The Incredits.

Nach einer kurzen stilistischen Abkehr zurück in die Pre-Monster AG-Ära (oder Pre-Nemo, sollte man zu den bösen, fiesen Menschen zählen, die sich nicht für Buh und ihren monströsen Teilzeit-Adoptivvater Sully erwärmen können), steigerte sich Pixar erneut. Ratatouille war der konkurrenzlose Kritikerliebling des Jahres. Die Musik zu Brad Birds zweite Regiearbeit für den Platzhirsch unter den Animationshäusern wurde ein weiteres Mal Michael Giacchino anvertraut. Dieser tauschte die Finger schnipsende, jazzige Bläserdynamik gegen schwelgerisch-pittoreske Romantik voller französischer Lebensart ein. Besonders gut zur Geltung kommt dieses künstlerische, herzliche Flair in dem Stück Wall Rat, das die Ausstrahlung französischer Liebesfilme nimmt und den prototypischen Klang des französischen Cinémas kondensiert in etwas mehr als zweieinhalb Minuten wiedergibt. Schneller und mit organisiertem Instrumentenchaos geht es dagegen in 100 Rat Dash, A Real Gourmet Kitchen und The Paper Chase während Souped Up, das Instrumentalstück zum Suppe kochen, ein wenig wie die französische Antwort auf den Score zu Die Unglaublichen klingt. A New Deal ist eine sehr unauffällige, zurückhaltende Komposition, aber sie versprüht so viel Pariser Studenten- oder Kunstviertelflair, dass ich mich ihr nicht entsagen kann. Remy Drives a Linguini ist eine sehr entspannte Trainingsmontage-Nummer, die so lässig ist, dass sie sogar mit frohem Rumgepfeife unterlegt wird. Ob das etwas über das amerikanische Bild Europas aussagen soll? Mit Colette Shows Him le Ropes würzt Giacchino seinen Soundtrack mit einer verspielten, zugleich kunstvollen Einlage, die in größerer Ausführung die End Creditouilles einläuten darf (wodurch die etwas kräftigere zweitere Fassung höher in meiner Gunst steht), während Kiss & Vinegar ein herrlich triefend-romantisches Stück mit vom Friedhof entflohener Musik zusammenpackt. Ein bisschen Kulturschock muss ja sein. In Dinner Rush zeigt sich dagegen, dass kultiviert französische Musik auch triumphal sein kann, ohne bei der Marseillaise abzukupfern, dafür packt Giacchino ein paar Notenfolgen aus der Rhapsody in Blue in die Restaurant-Stoßzeit hinein. Insgesamt ist der Ratatouille-Score, genau wie der Film, kunstvoller, abwechslungsreicher und herzlicher als Die Unglaublichen in Musik- oder Filmformat.

Wie bereits erwähnt, mühe ich mich seit Die Unglaublichen gar nicht mehr damit ab, zu sagen dass mein liebster Pixar-Film für immer und ewig feststehen wird. Sie werden schon irgendwann einen noch schöneren Film raushauen. Und wie auf Bestellung folgte auf Ratatouille das mich mit jeder einzelnen Faser meines Körpers vereinnahmende Meisterwerk WALL•E. Da seine Protagonisten ein besonders eingeengtes Vokabular haben, was WALL•E zu einem äußerst Dialog armen Film macht, und Regisseur Andrew Stanton beim Figurendesign weitere Einschränkungen sehen wollte, damit die Roboter als solche glaubhaft bleiben, spielen Toneffekte und Musik in ihm eine umso größere Rolle, da sie den Mangel an Worten ebenso kompensieren müssen, wie den Wegfall all zu weit schweifender Charakteranimation. Weil Stanton und Thomas Newman während der Arbeit an Findet Nemo auf einer Wellenlänge lagen, beschlossen sie, auch bei diesem Film zusammenzuarbeiten. Newman, der früh in der Produktionszeit des Films mit der Komposition begann, schuf für den nachdenklichen und romantischen Film einige sehr ruhige Instrumentalstücke, die die karge Erdlandschaft, die zu Beginn dieser düsteren Zukunftsvision gezeigt wird, mit einer traurig-verlassenen Seele füllte. Das mit einer verletztlich klimpernden Harfe eröffnende Stück 2815 A.D. stellt einen krassen Kontrast zum zuvor gehörten, optimistischen Put on Your Sunday Clothes und bereitet uns auf diesem Weg auf die zahlreichen Gefühlsschwankungen vor, die der Zuschauer während WALL•E zu erwarten hat. Der liebenswerte Metallkübel, den wir als Protagonisten kennen lernen, erhielt von Newman ein minimalistisches, exzentrisch-verspieltes Leitmotiv (passend WALL•E getauft), welches seine kindliche Natur genauso trifft, wie sein unscheinbares Äußeres. Die moderne und elegant aussehende Roboterdame EVE bekam hingegen ein leicht futuristisch angehauchtes, förmlich in der Luft schwebendes Leitmotiv, das dem Hörer mit femininer Grazie den Kopf verdreht. Ein knalliger und erfrischender Stilbruch erwartet einen hingegen mit First Date, einer blubbernden, heiter-verspielten Melodie im 60er-Retro-Kitschromanzenstil. Foreign Contaminant hingegen ist ein spaßig-steriles Stück, das die Zurückhaltsamkeit dieses Scores mit einem militärischen Drill und augenzwinkernd typischem futuristischem Gebiepe vereint, genauso wie WALL•E's Pod Adventure. Im heroischen Rogue Robots hingegen geht Newman zwischenzeitlich etwas mehr aus sich heraus. Mein liebstes Instrumentalstück aus WALL•E bleibt allerdings das hinreißende Define Dancing, eine von sämtlichen Sorgen losgelöste, stilvolle und romantische Melodie, die ohne Pathos oder Bombast auskommt. Sie ist einfach da, verzaubert und entschwindet leise wieder. Fast schon herzbrecherisch. 

Pixar blieb trotz Komponistenwechsel dieser ruhigeren, gefühlvollen Linie treu. Der ebenfalls sehr emotionale Film Oben bot wieder Musik von Michael Giacchino, der getreu dem Filminhalt auf eine nostalgische Note setzte, die an frühe Radiomusik der 30er erinnert. Der mit äußerst geringen Mitteln arbeitende Walzer Married Life dürfte gemeinsam mit der dazugehörigen Szene für ungezählte Tränen gesorgt haben und gehört aufgrund seiner starken Wirkung auch zu meinen liebsten Pixar-Stücken, obwohl ich ja mit den langsameren und traurigen Musikstücken des Disney-Fundus ja eher nicht so habe. Spaßiger ist da schon eher der kurze Action-Cue Three Dog Dash (na, erkennt da irgendjemand ein Schema?). Und mit diesem zweiten Track wären tatsächlich bereits meine liebsten Instrumentalstücke aus Oben aufgezählt. Ich gönne Giacchino den für Oben gewonnen Oscar natürlich vom ganzen Herzen, er hat äußerst effektive Musik geschrieben, die im Film wunderbar funktioniert. Von seinen Pixar-Scores finde ich ihn eigenständig allerdings am schwächsten.

Somit wären Disneys Trickfilme für diesen Artikel endgültig abgehakt, was aber natürlich nicht gleich bedeutet, dass es keine weiteren nennenswerten Scores gibt. Da Disneys Realfilme allerdings seit jeher nicht so stark mit Musik in Verbindung gebracht wird, wie ihre animierten Cousins, ist es innerhalb dieser Sparte schon etwas aufwändiger einzelne Tracks ausfindig zu machen. Viele Disney Realfilme erhielten nie ein Soundtrack-Album, andere wiederum glänzten nur mit Compilation-Alben, auf denen die Songs aus dem Film enthalten sind.  Und generell setzt eine prototypische Realfilm-Familienkomödie meinen Eindrücken nach ihren Fokus weniger auf Original-Filmmusik, als es Trickfilme tun, so dass sich oft nur ein bestimmtes Thema einprägt (wenn überhaupt). Dennoch gibt es ein paar Filme, die ich an dieser Stelle nennen möchte. So bietet die mit Zeichentrickelementen ausgestattete Liebeskomödie Verwünscht hauptsächlich gelungene, instrumentale Abwandlungen von Menkens herrlichen Musicaleinlagen, aber aus Ermangelung eines Schurkensongs war der Disney-Stammkomponist gezwungen für die brüllend komisch übertrieben gespielte Ankunft Narissas in New York ein eigenständiges zu schreiben. Narissa Arrives lässt sich, genauso wie die Lieder Der wahren Liebe Kuss (Platz 284), Das flotte Aufräumlied (Platz 155) sowie Wie zeigst du deine Liebe? (Platz 25), ganz nüchtern als ernst gemeinter, etwas dick auftragender Vertreter seiner Gattung betrachten, oder als wunderbar überzogene Parodie. Denn diese Schurkennummer lässt kein Klischee aus. Mysteriöser, einschüchternder Chorgesang, hektische Streicher, Parts mit abgehakter Melodie, halt alles, was ein Bösewicht so musikalisch braucht.

Einer der wenigen Disney-Realfilme, der in das kulturelle Gedächtnis genauso einging wie viele der Zeichentrickklassiker (und mehr Fortsetzungen erhielt, als auch nur irgendeiner von ihnen), ist Ein toller Käfer. Und Komponist George Bruns schrieb dessen Hauptdarsteller ein Titelthema auf den metallenen Leib, wie es treffender nicht sein könnte. Herbie (The Love Bug Theme) ist genauso quirlig, süß und springfidel wie der kleine, weiße VW-Käfer, den man einfach lieb haben muss. Das Thema begleitet, hie und da etwas umarrangiert, den kleinen Wagen mit dem großen Herzen (und einigen Macken, wie seinem sturen sprichwörtlichen Schädel) durch all seine Reisen. Vom Anfang als unterschätzter Rennwagen im unsterblichen Komödienklassiker Ein toller Käfer, über seine skurrile doch unwiderstehliche Rolle als Beschützer einer alten Dame in Herbie groß in Fahrt, über seine nahtlos ans Original anschließende Rückkehr ins Renngeschäft (Der tolle Käfer in der Rallye Monte Carlo) bis hin zu seinem katastrophalen Südseetrip in Herbie dreht durch. Da bevorzuge ich doch tatsächlich seine TV-Ausflüge und den ganz frischen (und dämlich betitelten) Neuaufguss Herbie fully loaded mit einer noch sauberen Lindsay Lohan, deren größtes Problem es war, dass sie verflucht und verflixt doch eins nicht wusste, wo sie ihren verdammten Arsch gefälligst zu parken hat und wo nicht! Boah, das werde ich ihr nie verzeihen, das sage ich euch! (Ratlose gehen bitte zu diesem Beitrag zurück...)


Ein weiterer Disney-Realfilm, bei dem mir aus musikalischer Sicht hauptsächlich das Titelthema in Erinnerung blieb, ist das Abenteuerdrama Iron Will. Iron Will ist in meinen Augen ein archetypisches Beispiel für die Art von Filmen, die typisch Disney sind und die allgemeinhin mit der Realfilmsparte des Studios in Verbindung gebracht werden könnte, würde man sich nur öfter solcher Stoffe annehmen. Die Geschichte spielt im Jahr 1917 und erzählt von einer armen Familie im eisigen Norden Amerikas, deren Oberhaupt bei einem tragischen Hundeschlitten-Unfall stirbt. Der schwächliche jugendliche Sohn der Familie muss nun Geld heran treiben, und er entschließt sich zum wahnsinnigen Vorhaben, sich beim Schlittenrennen anzumelden um mit dem Preisgeld eine Existenz gründen zu können. Iron Will versinkt zwar zugegebenermaßen an manchen Stellen im Pathos, generell ist dieses Abenteuerdrama allerdings trotz seiner Familientauglichkeit sehr ernst und inspirierend. Es verzichtet auf stimmungslockernde Witzchen und inszeniert das Schlittenrennen durchaus mitreißend. Man stelle sich vielleicht Snow Dogs in gut vor, mit einer Prise Antarctica und einem sehr gefühlvollen musikalischen Leitmotiv.
Auch bei der Mighty Ducks-Trilogie ist es vor allem das Titelthema, das mir immer wieder positiv auffällt, auch wenn dieses recht typische Sportfilm-Thema nicht zu den Hauptgründen zählt, wieso mir diese Filme noch immer so gut gefallen. Sie sind halt einfach herzliche und liebenswerte Chaotenkomödien, die auch nach mehrfachem Sehen nicht alt werden wollen.
Das Hauptthema wurde von David Newman geschrieben, der beim ersten Teil als Komponist tätig war. Für die Fortsetzungen kam J.A.C. Redford an Bord, der ebenfalls einige ganz genehme Stücke für die Reihe schrieb. Insbesondere die Sportszenen sind in der Mighty Ducks-Reihe immer ganz kraftvoll untermalt worden. Im dritten Teil hat es Redford, der später als Orchestrator für WALL•E und Avatar tätig war, jedoch etwas übertrieben. Einige der Eishockey-Sequenzen haben einen derart martialischen Score verpasst bekommen, dass es zu viel des Guten wurde. Klar, der freundliche Spinnertrupp kommt auf die High School und hat so mit härteren Bandagen zu kämpfen, aber wenn sich einige 90er-Actionthriller hinter der Kampfmusik zu verstecken haben und man das ganze nicht ironisch überhöht gemeint hat, dann ist da irgendwas daneben gegangen.

Ein nicht nur im Film sehr gut wirkendes, sondern auch recht bekanntes Stück hatte kurz darauf der Abenteuerfilm Mein großer Freund Joe zu bieten. Den Film werden nicht sehr viele gesehen haben, aber James Horners idyllischer Komposition Dedication and Windsong kann man immer wieder vollkommen unerwartet begegnen. Die heimelige Melodie, die in ihren Höhepunkten von einem Swahili-Chor begleitet wird, findet öfters Weg in Kompilationen der wichtigsten James-Horner-Stücke oder auch der erinnerungswürdigsten Filmscores der letzten Jahre. Der Film selbst gefällt mir ebenfalls sehr gut, und um genau zu sein finde ich ihn sogar besser als Horners Arbeit für ihn. Natürlich kann man von einem Disney-Remake einer King Kong-Abkupferung keine weltbewegenden Anflüge von Originalität erwarten, doch dieses schön anzusehende und mit sehr guten (Oscar nominierten) Spezialeffekten versehene Abenteuer über einen sanften Riesen und seine beißerische Beschützerin (gespielt von Charlize Theron) hat viel Herz, eine gute Prise Humor und (in der ungeschnittenen Fassung) auch eine tüchtige Dosis gelungener Action. Sehr viel mehr erwarte ich von dieser Art Film doch gar nicht.

Ein anderer Film, der auf dem Papier betrachtet lediglich die typischen Mindestanforderungen an einen sympatischen Unterhaltungsfilm erfüllt, in seiner Ausführung aber eine solche Freude beweist und eine seltene Aufrichtigkeit ausstrahlt und deswegen zu Recht berühmter und langfristig gesehen deutlich erfolgreicher wurde, ist dagegen Cool Runnings. Jon Turteltaubs Sportkomödie über die erste jamaikanische Bobmannschaft ist erfrischend, witzig und hat sehr viel Seele. Und einen genialen Score. Kommt euch das vielleicht bekannt vor: Ein Disney-Film aus den 90ern eröffnet mit der aufgehenden Sonne und es gibt Musik von Hans Zimmer zu hören? Jepp, Cool Runnings schlug Der König der Löwen in den Kinos um ein Jahr. Im Score mischt Zimmer klassisch energische Sportfilmmelodien (ihr wisst schon, diese anschwellenden, dynamischen, inspirierenden Musikstücke mit einer dicken Schicht Pathos) mit jamaikanischem Flair (Steel Drum sei dank), doch das Chamäleon Zimmer bringt auch texanische Country-Würze und sehr dramatische Elemente mit ein. Ein toller Score voller guter Themen, der leider nur in komprimierter Medley-Form den Weg auf das Soundtrackalbum fand. Das käme heute sicherlich nicht mehr vor.
Um direkt bei Hans Zimmer zu bleiben: Es darf wohl niemand überrascht sein, dass ich seinen Piraten-Score zum niederknien möchte. Passend zur Stimmung des Films vermengt Zimmer seinen aus den 90er Jahren berühmten Stil mit seinem markanten, wuchtigen Synthesizer- und Gitarren-Sound mit losgelösten Seefahrtsmelodien, inklusive der obligatorischen Tin Whistle. Hinzu kommen ein paar Stellen (vor allem im Stück Rescue), die schon etwas selbstparodistisches aufweisen, da sie stark überhöhte, auf die Piratenthematik umgemünzte Varianten seines Crimson Tide-Scores darstellen. Vor allem geht Zimmers Score auch sehr gut in die Lieder des Films über, wie man etwa an seinem Intro Treasure Island bemerkt, das euphorisch auf den großartigen Song Leinen los (Platz 39) einstimmt. Doch das ist nicht Zimmers einziger denkwürdiger Beitrag zum Soundtrack von Muppets - Die Schatzinsel, er schrieb auch an der spaßigen Inseleinwohner-Nummer Boom Shakalaka (Platz 227) mit.

Der letzte Disney-Spielfilm aus den 90ern, der einen eingängigen Score hat und deswegen hier genannt werden muss, ist Zurück nach Hause - Die unglaubliche Reise, ein schön fotografiertes Familienabenteuer, in dem sehr viele der Emotionen allein durch die Musik übertragen werden. Geschrieben wurde die Musik von Bruce Broughton, der zuvor an Dallas mitwirkte und später neben den Instrumentalstücken für die Fortsetzung von Zurück nach Hause (Ein tierisches Trio - Wieder unterwegs) auch den Originalscore für die großartige "Walt Disney Studios Park"-Attraktion Cinémagique und die Musik zu Bambi 2 schrieb. Für Zurück nach Hause - Die unglaubliche Reise gälte übrigens, hätte ich sie tatsächlich für eine etwaige, größere Disney-Musikhitliste zugelassen, wie für einige andere Realfilmscores das Problem, dass die Tracks mit den Instrumentalstücken unglücklich gesetzt sind. Da mag ich mal bei jenem Stück 30 Sekunden, mal bei dem das mittlere Drittel... Es veröffentlicht halt nicht jeder so hörerfreundlich aufgeteilte Alben wie Hans Zimmer. Ein weiterer Grund, weshalb ich mich gegen Scores innerhalb Musikalisches Immergrün entschied.

Vor den 90er Jahren gibt es abseits der Herbie-Reihe bloß drei Disney-Spielfilme, deren Score meiner Meinung nach erwähnenswert ist. Da wäre zunächst Disneys erster in den USA gedrehter, reiner Spielfilm: 20.000 Meilen unter dem Meer, ein solider Kandidat für die obersten Ränge in der Liste der objektiv besten Disney-Realfilmen aller Zeiten. Die Atmosphäre ist zum schneiden dick, die Darsteller geben allesamt gute Leistungen, die Produktionswerte sind hervorragend und die musikalischen Hauptmotive von Disneys Stammkomponisten der frühen Jahre, Paul J. Smith, sind sehr wirkungsvoll. Ähnliches gilt auch für Das schwarze Loch, Disneys erstem Film, der in den USA keine uneingeschränkte Jugendfreigabe erhielt. Der Sci-Fi-Thriller, der 1979 die Neuorientierung während so genannten "Dark Ages" lostrat, wurde oftmals als "Disneys 20.000 Meilen unter dem Meer... im Weltall!" beschrieben, und auch wenn er bei weitem nicht so straff inszeniert und beeindruckend ist, so spürt man in seinen besten Momenten (filmisch wie musikalisch) eine gewisse Verwandschaft. Mit Tron, dem ikonischsten Disney-Film dieser Neuorientierungsphase, hätten wir dann auch schon den letzten Pre-90er-Realfilm erreicht, den ich aufgrund seines Scores loben möchte. Da die Kompositionen von Wendy Carlos im Kontext des Films deutlich besser funktionieren, als beim Versuch eigenständig zu wirken, hätten wohl trotz der Originalität und Besonderheit dieser Stücke nur Ring Game and Escape, Tron Scherzo, 1990′s Theme (von Journey),  Ending Titles und Tronaction [Original Version] eine gewisse Chance gehabt in die sicherlich stark erweiterte Hitliste zu kommen.

Wie schon bei den Original-Filmsongs ist es übrigens mal wieder Jerry Bruckheimer, der von einem anderen Reglement hinsichtlich der Hintergrundmusik ordentlich profitiert hätte. Seine Produktionen überzeugen mich immer wieder mit ihrem bei verschnupft redenden, hochnäsigen Connaisseuren der gemächlichen Notenführung sicherlich umstrittenen, wuchtigen und wummernden Sound. Ganz vorne mit dabei ist natürlich The Rock, der mit den vereinten Kräften von Nick Glennie-Smith, Hans Zimmer und Harry Gregson-Williams ein ganzes Jahrzehnt an Actionmusik prägte. Eine Armada an wummernden Bässen, ominösen Chorälen und dröhnenden Elektronikklängen haut einem hier bombastisch arrangierte, simple Melodien um die Ohren. Liebt es oder hasst es, ist das Motto. Aber wer will bei einer Regiearbeit von Michael Bay bitte singende Gläser und schwangere Wale hören? Es passt zum Film, es haut rein und es wird nicht ohne Grund bis heute kopiert. Weniger heroisch-melodiös, dafür noch härter, cooler und klampfiger sind die denkwürdigsten Themen aus Con Air (mit den Komponisten Mark Mancina und Trevor Rabin), einem weiteren Eintrag in Bruckheimers explosive Ära des "Hirn aus, Testosteron kochen lassen, Spaß ab!"-Megablockbusters. Vor allem das in nahezu sämtlichen Trailern zum Film verwendete Leitmotiv mit dem sich bis ins Mark beißenden Gitarrenriff hat es mir angetan. Männliche Musik für männliche Film, jawoll! *grunz* Umso unverständlicher der weinerliche Countrysong, der für Con Air geschrieben wurde...


Trevor Rabin ist sowieso heimliches Mitglied der Riege meiner Lieblingskomponisten. Er ist zwar weit von der wagemutigen und exzentrischen Experimentierfreude von Hans Zimmer entfernt, die Balance zwischen breiter Publikumstauglichkeit und künstlerischer Narrenfreiheit die letzten Jahre über wahrlich meisterlich ausübte, doch seine energiereichen Kompositionen haben in ihrer bombastischen Wirkung etwas eingängiges und ansprechendes, das ich nicht ganz benennen kann, aber richtig gern habe. Zudem trifft Rabin immer genau den Ton des Films, behält dabei dennoch eine eigenen Note. Überhaupt stellt sich die Frage, was denn nun "intelligente Instrumentalmusik" ist. Der gemeinsam mit Harry-Gregson Williams entworfene Score zu Der Staatsfeind Nummer Eins ist vorantreibend und er arbeitet die sich wegen der Überwachungsthematik des Films anbietenden, typischen surrenden und flimmernden Elektronik-Soundeffekte pointiert in die Musik ein. Zudem hat die Musik dieses Films eine paranoide, hektische Ausstrahlung, gönnt sich an manchen Stellen aber ausdrucksstarke, kurze Ausflüge ins hilflos verlorene, beinhaltet kapitulierende Klangmotive. Die Instrumentenauswahl ist genretypisch, der Score ist klar auf Action gebürstet und kein Bahnen brechender Oscar-Kandidat, aber er geht über die klassischen Anforderungen innerhalb dieses Genres hinaus. Ist das nun dumme Musik, einfach nur weil sie schnell und laut ist?
Dennoch muss ich zugeben, dass Rabin generell etwas "leichter verdaulicheren" Hörgenuss komponiert. Trotzdem ist sein Score zu den Filmen Das Vermächtnis der Tempelritter und Das Vermächtnis des geheimen Buches verdientermaßen ein überraschender Publikumsrenner. Rabins effektiv eingesetztes hin und her zwischen Streichern und Elektronika ist sehr eingängig und die simplen, aber den Film gut unterstreichenden Melodien sind flexibel genug, um den steten Stilmix mitzumachen. Die Vermächtnis-Reihe bietet eine bunte Verfolgungsjagd durch verschiedene Subströmungen des großen Hollywood-Action- und -Abenteuerkinos, und Rabins Musik reflektiert das meiner Ansicht nach ganz erfolgreich und verpackt dies in einen hübschen, unterhaltsamen Score. Da finde ich seine Musik zu Nur noch 60 Sekunden weniger konstant, es gibt einige Stücke die richtig reinhauen und wie eine Adrenalinspritze funktionieren, andere sind mir dagegen tatsächlich zu stereotypisches Actionfilm-Geklimper. Inspirierter ist da wieder sein Beitrag zu Gegen jede Regel, der zwar an der Schwelle zum Pathos steht, aber sehr wirkungsvoll ist und vor allem die triumphalen Szenen des Sport- und Rassendramas kraftvoll untermalt. Und so fand auch dieser Score Eingang in einige Filmmusikretrospektiven, wodurch er zumindest in hiesigen Gefilden mehr Bekanntschaft erhalten haben könnte, als durch den eigentlichen Film


Rabins anspruchsvollster, oder sagen wir besser sein emotional komplexester, Score ist (zumindest meiner Auffassung nach) ironischerweise ausgerechnet der selbst für Jerry Bruckheimers Standards enorme Action-Blockbuster Armageddon. Ja richtig gelesen, die ungeheuer unterhaltsame, hohle, super aussehende Riesenproduktion von Regisseur Michael Bay. Es ist allerdings eine knappe Entscheidung, da Rabins Kooperation mit Williams für Der Staatsfeind Nummer Eins ebenfalls unterschiedliche Stimmungen einfängt, aber das gelebte Mega-Popcornkino namens Armageddon macht auch in diesem Bereich seinem Ruf als typisches Bombastkino alle Ehre: Größer, schneller, lauter, von allem mehr! Die Filmmusik zu Armageddon muss, obwohl der Film bereits durch intensiven Einsatz von neuen und altbekannten Songs gestützt wird, eine beklemmende Weltallatmosphäre erzeugen, die pompösen Actionszenen begleiten, den patentierten Hollywood-Wohlfühlschmalz in den Liebesszenen rüberbringen und den Erdenrettern ein angemessen heroisch-triumphales Leitthema geben. Die Musik muss einen Ausdruck der Endgültigkeit inne halten, schließlich geht es um den drohenden Weltuntergang, aber nicht zu hoffnungslos sein, immerhin ist dies Jerry Bruckheimers massiver Sommerunterhaltungsfilm und kein verängstigendes Drama über den Herbst der Menschheitsgeschichte. Rabin bewältigt diesen atmosphärischen Flikflak und setzt mit seinen ausdrucksstarken Kompositionen sogar einen Salto obendrauf. 

Man erinnert sich vielleicht nicht mehr daran, aber auch Michael Bays auf Armageddon folgendes Stück Bombastkino Pearl Harbor hatte einen gelungenen Score auf seiner Pro-Seite stehen. Hans Zimmer erprobte sich auch bei diesem Kriegs-Romantik-Actiondrama darin schwermütige und romantische, leidvolle Themen unter seine typischen Actionthemen zu mischen und so dem Film etwas mehr Klasse zu verleihen. Schon ein paar Jahre vorher ging Zimmer mit großem Ernst an eine Bruckheimer-Produktion: Der U-Boot-Thriller Crimson Tide sollte gemeinsam mit The Rock den Stil Zimmers und seiner Kollegen für immer prägen, und während The Rock seine Männlichkeit durch rockig-wummernde Melodien unter Beweis stellte, wurden die Elektronik-Klänge in Crimson Tide zusammen mit einem ernsten Männerchor vollstens zu dramatischen Effekten genutzt. Der ausdrucksstrarke Score erhielt einen Grammy und wurde häufig kopiert, hat aber einen geringeren Ohrwurm-Charakter wie manch andere Zimmer-Soundtracks. 


Aus diesem Grund bin ich auch etwas wankelmütig, was den Score zu King Arthur anbelangt. Alles in allem ist er wirklich sehr solide und eine gute Untermalung für den Film, doch ich bin von Zimmer in den letzten Jahren doch etwas herausstechenderes gewöhnt. Jedoch gibt es in King Arthur einige überaus erfreuliche positive Ausnahmefälle, namentlich der atmospährische Anfang von Do You Think I'm Saxon?, das vielseitige Stück Woad to Ruin und das martialisch-mystische All of ThemUnd da ich bereits von Hans Zimmer dran bin, sollte ich wohl endlich auf das eingehen, was hier eh alle erwarten: Ja, selbstverständlich muss ich noch die Musik aus der Pirates of the Caribbean-Saga erwähnen. Hätte ich in meiner Hitliste Instrumentalstücke berücksichtigt, dann wäre mit zahlreichen Themen und Suiten aus Fluch der Karibik, Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 und Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt  in den oberen Rängen meines Musikalisches Immergrüns zu rechnen. Ich ging ja bereits ausführlich auf den Score zur Trilogie ein (*siehe hier*), und auch wenn sich seither vielleicht ein paar Verschiebungen in meiner Präferenzliste ergaben, so kann man anhand dieses Artikels sicher genügend über meine Liebe zu diesen Stücken ablesen. Deshalb spare ich mir an hiesiger Stelle weitere Ausschweifungen über meine geliebte Filmreihe.

Die letzte (und jüngste) Jerry-Bruckheimer-Produktion, die ich aufgrund ihres Scores erwähnen möchte, ist Prince of Persia - Der Sand der ZeitHarry-Gregson Williams' orientalisch angehauchter, in klassischer Hollywood-Abenteuerromantik schwelgender Orchesterscore hat nicht ganz die Griffigkeit der 90er-Bruckheimer-Blockbuster oder die unvergessliche Einschlägigkeit der meisten Themen aus der Pirates-Reihe, trotzdem fand ich nach mehrmaligem Anhören immer mehr Freude an diesem Score. Die im besten Sinne altmodischen Melodien versetzen ein förmlich in das aufblühende, abenteuerliche Persien vergangener Tage und lässt von 1001 Nacht träumen. Aber auch die etwas zeitgenössischeren Einlagen, die meistens nur einmalig vorkommen und sich so noch stärker von den exotisch-romantischen Hauptthemen abheben, sagen mir zu. Kein Score, der es sehr weit nach vorne geschafft hätte, aber ein paar Melodien hätten durchaus das untere Drittel meiner Hitliste aufmischen können. 

Und dann wäre da natürlich noch Klaus Badelt, der in dieser Auflistung über kurz oder lang unvermeidlich ist. Badelt führte im Auftrage Zimmers ja bekanntermaßen den Soundtrack zu Fluch der Karibik aus, aber auch eine seiner eigenständigen Arbeiten hätte Anerkennung in einer Musikalisches Immergrün-Reihe mit anderem Reglement gefunden. Der mittlerweile durch den Filmfan-Underground zum Kultfilm aufgestiegene Sci-Fi-Thriller Equilibrium vom damals noch zur Disney Company gehörenden Semi-Independentlabel Dimension Films vermengt die bedeutendsten Werke der dystopischen Literatur (1984, Fahrnheit 451 und Schöne, neue Welt) zu einem eiskalt-stylischen Action-Thriller mit einem steinernen Christian Bale in der Hauptrolle und einem je nach Sequenz mit stimmigen, dystopisch abgewandelten Themen im Stil von Crimson Tide (schneller und kälter) oder besonders treibenden und wilden Mischmasch aus Bass und Synthesize, Elektronik und Rockwurzeln. Und gerade diese Actionthemen haben es mir am meisten angetan. 
Zum Schluss seien noch die Titelthemen aus Tim Burtons Ed Wood und Robert Rodriguez' Sin City eingeworfen. Mit der Titelmelodie von Ed Wood fängt Howard Shore vortrefflich den Geist der C-Filme Woods ein, den Klang billigster Horror- und Science-Fiction-Filme, sowie die Exzentrik des semi-offiziell gekürten schlechtesten Regisseurs aller Zeiten. Robert Rodriguez' peppiger Versuch, sich einem typischen Film-noir-Motiv zu nähern und seinen eigenen, weniger gezügelten Stil mit einzubringen, ist allein schon aufgrund seiner Coolness erwähnenswert. Dass er die Saxofon-Partitur in Grindhouse wiederverwendete um das anzüglich-sinnliche und nicht minder coole Hauptthema dieses stylischen Schundprojekts zu würzen, ist nicht weiter schlimm. Ich seh's eher als einen kleinen Insiderverweis. Schließlich operiert die Sin City-Welt ebenfalls auf Grindhouse-Logik.

Instrumentale Videospiel-Musik


Es gibt sicherlich einige denkwürdige Videospiel-Melodien, und gerade als treuer Nintendo-Zocker dürfte ich einer Vielzahl der berühmtesten virtuellen Musikstücke begegnet sein. Schmeißt man dann noch Disney in den Mix, was kann da groß schief laufen? All zu viel zugegebenermaßen nicht, allerdings sind in nahezu allen mir bekannten Disney-Videospielen die besten Themen die, die mir bereits in anderen Werken begegneten. Verlässt man den Nintendo-Tellerrand, so findet sich ein kleines Franchise namens Kingdom Hearts. Nicht gerade unbekannt, diese kuriose Ehe aus Square Enix und Disney, und wie es die großen Nippon-RPGs meistens so auf sich haben, bietet auch Kindgom Hearts einen durchaus aufwändig orchestrierten Soundtrack. Da ich keine Sony-Konsole besitze (mehr zu meiner Videospiel-Biografie hier), konnte ich die entscheidenden Teile der Reihe stets nur anspielen. Allerdings habe ich vor einiger Zeit günstig das Album des ersten Teils erstanden, und was soll ich sagen: Auch wenn Kingdom Hearts viele Fans hat, die neue Musik daraus ist nicht so wirklich meins. Also: Selbst mit Regeländerungen hätte es Kingdom Hearts nicht in meine Hitliste geschafft. Sorry, Leute.


Um Disney-Videospielmusik zu finden, die nicht auf vorherigen Stücken basiert und mich dennoch vollkommen überzeugte, muss man schon etwas weiter in die Zeit zurückreisen. Zurück in die Anfangszeit von Disney Interactive, als man mit der Mortal Kombat 3-Schmiede Eurocom zusammenarbeitete um einem der ältesten Disney-Helden ein neues Alter Ego zu verleihen. 
Ja, die Rede ist vom nicht genügend respektierten Jump'n'Shoot-Abenteuer Donald in Maui Mallard (aka Maui Mallard in Cold Shadow). Mein absolutes Lieblingsspiel und bis heute ungebrochen mein größtes Wunsch-Filmprojekt. Donald, tropische Insel, unheimliche Flüche, untote Piraten, Ninjas, Ninja-Zombies, mechanische Riesen-Spinnen (Jahre vor dem Will-Smith-Desaster), Kannibalen; dieses mystische Abenteuer hat alles, was spannende Unterhaltung braucht. Dazu gehört auch der großartige Score, der von tropischer Urlaubsmusik über geheimnisvolle Urwaldsklänge hin zu unerwartetem Swing mit lässig-rockigem "Wumms" eine schillernde Vielfalt bietet, die trotz allem einheitlich und zusammengehörend wirkt. Und wie mir erst vor kurzem bewusst wurde: Verantwortlich für diese geniale Musik war Michael Giacchino, der hiermit eine seiner ersten Arbeiten ablieferte. So wurde ich ganz heimlich als Kind mit seinem Stil indoktriniert, so dass ich ihn nach der Jahrhundertwende als Pixar-Komponist und enger Kollaborateur von JJ Abrams sofort ins Herz schloss, nichts ahnend, dass ich bereits einen seiner Scores rauf und runter gehört habe. Egal welches Level, ob Titelbildschirm oder Abspann: An Donald-Musik hätte es gleich einen ganzen Score zusätzlich in meiner Hitliste gegeben, wäre ich wahnsinnig genug, Instrumentalmusik wie Songs zu bewerten.


Nicht speziell für den Film geschriebene Lieder aus Kinoproduktionen anderer Label des Disney-Konzerns


Mit dieser Kategorie wäre endgültig das Fass ohne Boden geöffnet. Über die Zulassung von Original-Filmmusik aus sämtlichen Filmen des Disney-Konzerns könnte man ja im Rahmen einer solchen Hitliste, wie ich sie beabsichtigte, noch diskutieren, vor allem seit Nightmare before Christmas die Grenzen vollkommen verwischt hat. Sämtliche Musik aus Disneyfilmen zuzulassen ist schon fragwürdiger und Instrumentalmusik hätte es mir unnötig schwer gemacht. Aber dies hätte wirklich viel zu vielen Songs Tür und Tor geöffnet. Ich hätte eventuell die Regel aufstellen können, dass Lieder, die fest mit ihrem jeweiligen Film in Verbindung stehen, akzeptabel wären. Allerdings wirft sich da die Frage auf, ab wann Songs so eng mit einem Film vereint sind, und wann nicht, was es zu einer sehr schwammigen Regel gemacht hätte. Als nächstes könnte ich noch Musik aus den Parks zu lassen, und dann gibt es keinerlei Begrenzungen mehr, den Entertainment-Distrikten sei dank. 


Doch hierfür haben wir ja diesen Artikel. Also blicken wir Mal kurz über Lieder, die ich unter Verwendung dieser schwach umrissenen Regel vielleicht berücksichtigt hätte. Und da ich ja irgendeinen groben Faden benötige, an dem ich mich nun entlang hangle, beginne ich einfach dort, wo ich vor dem Videospiel-Einschub aufhörte. Denn Robert "El Mariachi" Rodriguez hat ein gutes Gespür für Musik. Die Lieder aus Desperado und Irgendwann in Mexiko wären vielleicht mangels Wiederspielbarkeit außerhalb des Films (zumindest für mich) knapp gescheitert, aber Tito & Tarantulas After Dark aus From Dusk Till Dawn ist zu Recht Kult geworden. Langsamer, sinnlicher mexikanischer Bar-Flair, und meiner Meinung nach besser als die berühmte Erotiktanz-Sequenz, die er begleitet. Noch besser gefällt mir aber der für alle und jeden mit Sin City in Verbindung stehende "The Servant"-Song Cells. Berühmt geworden durch die großartig geschnittenen Trailer zur originalgetreuen Comicverfilmung, denkt jeder, dass es auch ein Lied aus dem Film ist. Für mich versinnbildlicht es Sin City so sehr, dass ich diesen Song für meine Miramax-Retrospektive auswählte und nicht etwa Rodriguez' Score. Tatsächlich kommt Cells aber bloß in den Trailern und im DVD-Menü vor. Dennoch ist es große Klasse. Dreckig, cool, paradoxerweise aufheiternd wie pessimistisch zugleich. 


Bei Trailermusik kommt mir auch sofort Let Go von Frou Frou in den Sinn, das den grandiosen Teaser-Trailer zu Garden State begleitete. Im Gegensatz zu Cells kommt Let Go allerdings auch im endgültigen Film vor. Zach Braffs Regiedebüt Garden State gehört zu meinen absoluten, unanstreitbaren Lieblingsfilmen und dieser dem Genre Ambient oder dem Indietronic zuzuordnende Song sprengt nicht nur die (nicht gerade streng überwachten) Stilgrenzen meines Musikgeschmacks, um sich ganz unabhängig von Garden State einen Ehrenplatz in meiner "Musikbiografie" zu ergattern. Ja, die Beziehung zu Garden State, der Umstand, dass dieses Lied die komplexe Stimmung dieses skurril-warmherzigen Dramas mit feinem Sinn für Humor perfekt wiedergibt, sorgen natürlich für weitere Sympathiepunkte. Aber ich fand den Song bereits im Trailer großartig, bevor ich überhaupt wusste, ob Garden State meinen Erwartungen gerecht wird. Mit großem Abstand zu Let Go finde ich auch Don't Panic von der mir üblicherweise nicht so liegenden Gruppe Coldplay und In the Waiting Line von Zero 7 außerhalb des Filmes ganz gut.

Die musikalische Krönung des Miramax-Schaffens ist allerdings ohne jeden Zweifel Chicago. Rob Marshalls einfallsreiche, augenzwinkernde und vor allem wundervoll fotografierte Musicaladaption kann sich hinter Garden State als mein zweitliebster Miramax-Film einordnen. Der Cast ist großartig aufgelegt, die Musiksequenzen super choreographiert und Marshall erzeugte eine mich sehr ansprechende, ambivalente Atmosphäre in seinem Film. Verrucht-leichtherzig-böse. Kunstvoll oder doch eher rein unterhaltsam? Ernst oder ironisch? Irgendwie von allem ein bisschen. Das gilt auch für die Songs von John Kander und Fred Ebb - und die Gesangseinlagen sind für die Bewertung eines Musicals logischerweise ausschlaggebend. Queen Latifahs verführerisch-spielerisches Mama erinnert mich immer ein wenig an Arme Seelen in Not (Platz 161), und ihre Art zu Tanzen mindert diese Assoziation nicht gerade. Welches Lied ich mehr mag? Ohje, das mag ich jetzt nicht entscheiden. Nicht ganz so toll, aber weiterhin gut genug um einige der Aida-Lieder zu schlagen sind Billy Flynn und Understandable. In einem feinen Twist bezüglich der Frage "Wer genau ist nochmal die Hauptfigur", würde ich der Protagonistin Roxie Hart nur mit Good Night zu meinen Lieblingsliedern zählen. Ich habe keine Aversionen gegen sie, aber die "Nebenfiguren" bekommen einfach bessere Songs. Auch ihr weichlicher Ehemann, der mit Mr. Zellophane eine tolle Varieté-Ballade singt, die einfach nicht aus dem Ohr gehen will. Und wer nach Chicago bei einem geschickt gemachten Fall (nicht all zu boshaften) Fall der Medienmanipulation nicht verschmitzt Ruzzle-Duzzle vor sich hersummt, der hat vermutlich zu wenig Humor. Oder er reserviert das Lied für Selbstkommentare, wenn er mal wieder seine Umgebung blendet.
Die zwei besten Songs in Chicago sind aber ganz klar All That Jazz (ob als Eröffnung oder als Reprise in The Duo), der jazzig-flotte Ohrwurm von Selma (Catherine Zeta-Jones) und dann nochmal mit einem ansehnlichen Vorsprung der Cellblock Tango. Kann man einem Lied über Mord noch mehr klangvollen Sex verleihen, als in diesem Song? Ich glaube kaum, aber wenn einige Leserinnen mir das Gegenteil beweisen wollen, ich bin für Videodateien offen. Denke ich... Naja, vielleicht ist Cellblock Tango das verführerischste und mitreißendste, das man so genießen kann, ohne zu große Risiken einzugehen...

Um noch kurz bei Miramax zu bleiben: Quentin Tarantinos Musikgeschmack ist perfekt für seine Filme, aber in meinen Alltag haben es nur Battle Without Honor or Humanity (wieder Trailermusik), Don't Let Me Be Misunderstood (welches ich schon vorher kannte) und A Fistful of Dollars aus Kill Bill sowie Misirlou und Jungle Boogie aus Pulp Fiction (und zwei weitere Trailer-Nummern) geschafft.
Auch der gute Kevin Smith hätte nicht viel in der Hitliste bewegt: Jungle Love von Morris Day and The Time aus Jay und Silent Bob schlagen zurück macht Laune, das war's dann. Wie bei Tarantino gilt: Innerhalb des Films ist alles in Ordnung, aber ich brauche die wenigsten Lieder außerhalb dieses Kontexts.
Aber Disneys einstiges Aushängeschild unter den Non-Disneymarken hat mir noch ein paar Lieder nahe gebracht. Aus dem hier bereits mehrfach herbeizitierten Con Air zum Beispiel habe ich Sweet Home Alabama und die wohl sarkastischste Definition des Wortes "Ironie" mitgenommen. Danke, Garland.

Der Touchstone-Film schlechthin, bei dem es eigentlich bloß eine Frage der Zeit ist, bis er den selben Weg wie Nightmare before Christmas geht, ist ja
Falsches Spiel mit Roger Rabbit. In Zeiten, in denen Jerry Bruckheimer einen PG-13-Film nach dem anderen bei Disney parkt, sollte eine augenzwinkernde Film-Noir-Handlung über einen trinkenden Privatdetektiv, der in einem Mordfall mit einem Zeichentrick-Kaninchen als Hauptverdächtigen ermittelt, ja keine zu großen Schwierigkeiten für Disney bereiten. Außerdem hält ja eh fast jeder Falsches Spiel mit Roger Rabbit für einen "echten" Disneyfilm. Oder schreckt Disney etwa wegen Jessica Rabbits Vorbau zurück?
Miss Rabbit ist aber nicht nur für zahlreiche verwirrte Pubertierende verantwortlich, sondern auch für jahrelange Täuschung. Ich ging tatsächlich sehr lange davon aus, dass Why Don't You Do Right?, ihre stilvolle, von Blues und Jazz geprägte Gesangseinlage, für den Film geschrieben wurde. Tja, geirrt, das Lied ist dem Filmsetting zeitgemäß ausgewählt und ein Jazzstandard von 1936. Gesungen wurde das Lied in seiner Filmversion übrigens nicht von Jessicas Originalsprecherin Kathleen Turner, sondern von Amy Irving (bekannt aus Alias).

Ein Film, der mittlerweile sicherlich auch nur hauchdünn am Disney- Label vorbeischrammen würde (wenn überhaupt) ist Sister Act, und auch dieser Film bietet einiges an toller Musik. Die unterhaltsame, beseelte und warmherzige Komödie bietet mit seinem Motown- und Gospelsound einige großartige Stücke wie (Love Is Like A) Heat Wave, My GuyI Will Follow Him ('Chariot'), Rescue Me und Gravy. Stillsitzen fällt bei diesem Soundtrack ungeheuerlich schwer, und um das Mitgehen noch verführerischer zu machen, haben sich die souligen Nonnen auch noch Shout aus Animal House geklaut. Doch keine Sorge, die von Gott gesandten Blues Brothers segnen dies mit einem Cameo-Auftritt ab. Die gerne mal kritisierte Fortsetzung Sister Act 2, die eigentlich doch weiterhin ganz unterhaltsam ist, lässt Schwester Mary Clarence einige Problemkinder zu talentierten Sängern heranreifen, und auch dies wird von tollen Liedern begleitet: Get Up Offa That Thing, der Gospel-Klassiker schlechthin Oh Happy Day, der Temptations-Kracher Ball Of Confusion (That's What The World Is Today), eine fetzige Neufassung der Ode an die Freude, A Deeper Love von Aretha Franklin und eine herausragende Interpretation von Ain't No Mountain High Enough (welches ich bereits im letzten Artikel dieser Art nannte). Manche Lieder werden in Hollywood halt sehr gerne genutzt. Dazu zählt wohl auch Pretty Woman, das zum Erstaunen mancher Zuschauer eben nicht für den gleichnamigen Film geschrieben wurde.

Und damit hätte ich auch fast schon die wichtigsten Lieder genannt, die ich fest mit "ihren" Filmen in Verbindung bringe. Die John-Cusack-Komödien High Fidelity und Grosse Pointe Blank etwa haben ebenfalls eine tolle Musikzusammenstallung zu bieten, aber da will es mit den festen Assoziationen einfach nicht klappen. Die Shakespeare-Modernisierung 10 Dinge, die ich an dir hasse (eine der besten Teeniekomödien, die man so finden kann) hingegen bringe ich durchaus fest mit seinem "Femme Rock"-Soundtrack Bad Reputation, Cruel To Be Kind und I Want You To Want Me in Verbindung. Und Cowboy sowie Yeah Yeah Yeah lassen sich ganz leicht als Original-Filmsongs verkaufen. Dazu passen sie zu perfekt in diese "Western meets Eastern"-Komödie. Außerdem ist Yeah Yeah Yeah der beste Song von Uncle Kracker als Interpret, da kann mir niemand was sagen. Seine Anstiftung zum Ehebruch, die einen bis heute auf einigen Radiostationen gerne völlig überraschen ins Gesicht springt, ist im Vergleich völlig lahm und uninspiriert.


Fernsehmusik, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht qualifizierte


So, noch einmal tief durchatmen, vielleicht auch schnell ein Eis geholt, und dann auf zum Endspurt. Denn bevor es im nächsten Teil von Musikalisches Immergrün auf's Podest geht, sollten noch einige Fernsehmelodie ihre Nennung erhalten. Wenn schon regelwidrige, aber tolle Kompositionen von der großen Leinwand extra genannt werden, dann sollte die Flimmerkiste nicht völlig ignoriert werden.
Bei den Fernsehsendungen wiederholen sich natürlich die Probleme, die schon für's Kino galten, nur in höherer Potenz. Ich erwähnte ja beispielsweise die Herausforderungen, die mir Filmscores gestellt hätten. Und nun führt euch vor Augen, dass Equilibrium knapp über 100 Minuten dauert, während die Serie Desperate Housewives (deren Titelmelodie von Danny Elfman ich ganz klar In Betracht für eine Platzierung in der Hitliste gezogen hätte) bislang über 130 Episoden zu je circa 40 Minuten aufweist. Und diese Serie hat abseits ihrer Titelmelodie nur sehr sporadisch denkwürdige musikalische Momente, während Michael Giacchinos vielseitiger Score zu Lost (den ich mir irgendwann in einer Komplettbox holen muss) Woche für Woche überzeugt. Und in Staffelfinals oder -premieren ganz besonders. Giacchino verängstigt, lässt Hoffnungen sprießen, treibt Actionszenen an und kann einen auch zur Rührung bringen. Manche seiner Lost-Themen sind darüber hinaus hartknäckige Ohrwürmer. Bei Alias sind die Highlights etwas rarer gesät, aber dennoch vorhanden - auch hier vor allem in die Regeln auf den Kopf stellenden Folgen. Und JJ Abrams' Titelmelodie ist ebenfalls super. Weitere instrumentale Titelmelodien, die sich hätten durchkämpfen können sind die von Die Dinos, das militärische Thema von Disneys große Pause, die verrückte Titelmelodie von Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft - Die TV Serie und natürlich Dan Foliarts Iron John's Rock, der einprägsame Titelsong von Hör mal, wer da hämmert, der unter anderem einen Drucklufthammer, eine Bohrmaschine, eine Flöte und eine E-Gitarre zu einem harmonischen Ganzen vereinigt. Und auch Scrubs - Die Anfänger hat mit seinem spaßigen End Title Theme und der zur Legende gewordenen, traurigen Klimpermusik von Jan Stevens zwei geniale instrumentale Hauptthemen zu bieten.


Überhaupt ist Scrubs ein gutes Stichwort, denn mit ihrem intensiven Gebrauch von Musik beweist diese wundervolle Serie grandios, weshalb ich keine "alten" Lieder zulassen konnte: Bei 181 Episoden sammelt sich einfach viel zu viel zusammen, das ich überblicken müsste. Von dem bereits mehrfach angerissenen Definitionsproblem ganz abzusehen, denn in einer Disney-Songhitliste dem Scrubs-Indiesoundtrack Platz einzuräumen wäre doch ein wenig schräg. Da es in Scrubs zahlreiche einprägsame Lieder gab, werde ich mich in dieser kurzen Übersicht auf die entscheidenden Musikstücke aus Scrubs beschränken. Das wäre zum einen natürlich der geniale Titelsong Superman von Lazlo Bane, der mich mitsamt der Serie nun über sechs Jahre durch mein Leben begleitete und zu jeder Stimmung passt. Overkill von Colin Hay aus der Premierenfolge der zweiten Staffel war ebenfalls ein definierendes Stück Musik, das nicht nur die vorherrschende Musikfarbe der Serie repräsentiert, sondern auch eine der ersten wirklich sehr langen surrealen Sequenzen begleitete. 
Die knalligsten Einträge in das riesige Liederbuch von Scrubs sind aber die Lieder aus der unvergesslichen Musical-Episode, die die aufregende Antwort auf eine der dringlichsten Frage der Menschheitsgeschichte gab: Was geschieht, wenn man die durchgeknallten Hirne hinter Scrubs mit den verrückten Leuten von Avenue Q vereint? Man bekommt eines der witzigsten Musicals aller Zeiten, mit solchen bedeutsamen Stücken musikalischer Poesie wie Everything Comes Down to Poo, einer ganz und gar heiteren Hymne an Stuhlproben. Und nur wenige Minuten später ertönen mit The Rant Song eine fesche "Gilbert & Sullivan"-Hommage und der poppig-swingende Jive Gonna Miss You, Carla oder die gelungene Les Misérables-Parodie When the Truth Comes Out (die ich dem Original vorziehe). Mit dem Gänsehaut-Stück What's Going to Happen erwartet einen auch in dieser Folge der für Scrubs so charakteristische Schuss Dramatik. Der Tango For the Last Time, I'm Dominican fällt in meiner Gunst dagegen etwas ab. Dafür muss ich für die typische Broadway-Eröffnungsnummer mit deutlichem Disney-Einfluss Welcome to Sacred Heart die Fahne hochhalten, denn die erhält meiner Meinung nach viel zu wenig Aufmerksamkeit. Die rührende/brüllend komische Freundschaftsballade Guy Love kann wiederum nicht genügend Ruhm erlangen, obwohl sie ja schon einen gewissen Kultstatus inne hat.


Eine andere meiner Lieblingsserien war hingegen sparsamer beim Gebrauch von Liedern, weshalb ich mich an dieser Stelle nicht einschränken brauche. Hör mal, wer da hämmert hätte neben seiner Titelmusik und der Tool Time-Melodie bei anderen Regeln für diese Hitliste exakt drei Lieder ins Rennen geschickt. Alle mit guten Chancen für respektable Plätze. Zu In-A-Gadda-Da-Vida spielte Tim Taylor zu Beginn der Serie seinen lümmelhaften Jungs Brad und Randy einen bösen Streich und mogelte somit einen der wohl wichtigsten Rocksongs aller Zeiten in den (um Touchstone und Co.) erweiterten Disney-Kanon. Einige Jahre später drehte die Familie Taylor mitsamt Freunden, Bekannten und irgendwo herbeigezauberten Hintergrundtänzerinnen ein herrliches Musikvideo zu Greased Lightning aus Grease. Und in der letzten "richtigen" Episode bekommt die Serie ein anständiges und vortreffliches Abschiedsständchen gesungen: Burning Down the House von den Talking Heads, aus dem heutigen Radio vielleicht besser bekannt durch die gelassene Coverversion von Tom Jones und The Cardigans. Aber nichts kommt an die Version aus Hör mal, wer da hämmert ran. Der Kontext passt zum Lied wie die Faust auf's Auge, und das nicht nur wegen des Titels und Tims Zerstörungswahn, sondern auch wegen der Zeile "Hold tight, wait 'till the party's over". Aber auch das flotte Arrangement macht einiges aus. Was man so alles aus etwas Plastik, einer singenden Säge, einem Mixer, ein paar Tackern und sonstigen unüblichen Instrumenten so rausholen kann ist erstaunlich.

Damit wäre dieses Thema also auch endlich abgehakt. Zumindest im Bezug auf diese Artikelreihe, die sich nun wieder hauptsächlich darauf konzentrieren wird die letzten übrig gebliebenen Lieder durchzugehen und euch meine großen Favoriten unter den Disney-Songs vorzustellen. Sozusagen "das obere Einhundertundelftel". Schließlich will ich das nicht noch weiter in die Länge ziehen.