Dienstag, 24. November 2009

Wilde Kerle, die Nazis töten und die Mittelschicht ausbeuten - Oscaranzeigen 2010

Ich liebe die Oscarsaison. Über die letzten paar Jahre hinweg habe ich ein richtiges kleines Faible für "For Your Consideration"-Anzeigen entwickelt, diese gerne auch Mal Kinoposter in den Schatten stellenden Parts großer Oscarkampagnen, die ein bestimmtes Element eines Films herausstellen oder die Essenz der Produktion beeindruckend wiedergeben sollen, nur in der Hoffnung Stimmberechtigte für sich zu gewinnen.

In den kommenden Wochen (und Monaten) werdet ihr hier im Blog noch einige entdecken dürfen. Die Zeichentrickfilme machten ja bereits den Anfang, und nun ziehen die Spielfilme wieder nach.


Wo die wilden Kerle wohnen hätte gerne eine Nominierung für den besten Film (ginge es nach den Kritikern, wäre das möglich), das beste adaptierte Drehbuch (durchaus denkbar), die beste Regie (schon schwieriger) sowie...

... den besten Hauptdarsteller. Hier sehe ich die geringsten Chancen von Wo die wilden Kerle wohnen. Kinder werden recht selten nominiert, allerdings kommt es hin und wieder in absoluten Ausnahmefilmen vor. So wurde beispielsweise Haley Joel Osment für The Sixth Sense nominiert, ebenso wie Abigail Breslin für Little Miss Sunshine. Von daher darf man die Hoffnung nicht aufgeben. Die jüngste Oscargewinnerin war immerhin erst zehn Jahre alt (Tatum O'Neal für Paper Moon im Jahr 1973), wenn man Sonderoscars wie die für Shirley Temple und Co. ausblendet.
Unter allen Oscaranzeigen finde ich die der Marke "Schaut mal, wie viel wir eingespielt haben" irgendwie am putzigsten. Ganz und gar unterschwellig wollen sie den zahlreichen Stimmberechtigten der unterschiedlichsten Filmpreise unter die Nase reiben, dass hier ein ganz besonderer und vom Publikum geliebter Film auf Anerkennung wartet. Und so gratulieren die Weinstein Company und Universal Pictures Quentin Tarantino nicht etwa persönlich, sondern öffentlich zu seinem bislang erfolgreichstem Film, Inglourious Basterds. Das ist ein BINGO!

Kein Bingo geht dafür an diejenigen, die diese "Beste Dokumentation"-Anzeige für Michael Moores Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte schalteten. Die werden sich wohl schwarz geärgert haben, als die fünfzehn Filme umfassende "Shortlist" der Oscar-Academy veröffentlicht wurde. Unter den 15 potentiellen Nominierten für die beste Doku ist das neuste Werk des Oscar-Gewinners Moore nämlich nicht zu finden. Doch es gibt ja noch viele andere Filmpreise, bei denen Moore nominiert werden kann, und die Kategorie des besten Films ist ebenfalls vorhanden. Dafür wird es zwar sicherlich nicht reichen (Moore zielte schon mit Fahrenheit 9/11 auf diese Kategorie, als sein Film wegen früher Fernsehausstrahlung für die Doku-Kategorie disqualifiziert wurde, nicht jedoch für die Hauptkategorie), aber wen juckt das schon?

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