Samstag, 2. Januar 2010

Meine Filmsongs des Jahres 2009

Traditionen sollte man pflegen. Und deswegen folgt auf meine Songhitliste des Jahres 2009 meine Filmsonghitliste. Denn wie schon in den Jahren zuvor, habe ich zwar das eine oder andere neu veröffentlichte "normale" Lied gehört, die längste Spieldauer jedoch fiel in den Bereich der Filmmusik. In dieser Hinsicht kann ich nunmal einfach nicht aus meiner Haut als Filmliebhaber.

Was Filme aus früheren Jahren anbelangt, hielten sich Kickapoo und Beelzeboss aus Tenacious D - Pick of Destiny, einige Stücke aus dem Soundtrack von The Dark Knight und natürlich allerhand von Disney sehr gut in meinem Musikalltag fest. Außerdem hat sich das Tarzan-Musical erfolgreich in meinem Musikplayer eingearbeitet. Dass aus Pirates of the Caribbean wieder Mal Marry Me und Up is Down, aber auch der gute alte Kraken intensivst gehört wurden, ist wohl keine Überraschung.

Nun aber auf zu den Songs aus Filmen, die 2009 ins Kino kamen (oder auf DVD ihre Premiere hatten). Wie schon im Vorjahr wage ich es hier nicht, eine wirkliche Rangliste zu erstellen. Fällt mir dann doch zu schwer. Also, geht's ohne eine strenge Rangordnung auf ins Hörvergnügen:


Aus Brüno:
- Dove of Peace: Am Ende der kontroversen, enttarnenden und tolldreisten "Dokusatiromödie" Brüno präsentiert uns Sacha Baron Cohen seine selbstverliebte und naiv-arrogante Kunstfigur Brüno als Interpreten eines bewegenden Charitysongs, in welchem er sich selbst als Friedenstaube besingt - und besingen lässt. Mit prominenten Gastauftritten und absolut übertriebenen, halsbrecherischen Liedtexten ausgestattet ist Dove of Peace ein schwungvolles Finale für die umstrittene Komödie über die sich die Leute noch ewig streiten werden (und sei es nur, um wieviel besser oder schlechter der indirekte Vorgänger Borat ist) und eine fantastische Parodie auf Wohltätigkeitshymnen wie We are the World. Egal, wie oft ich mir dieses Song angehört habe, er wurde nie unlustig.

Aus Transformer - Die Rache:
Um Transformer - Die Rache habe ich einen gewaltigen Bogen gemacht. Vor Transformer war ich ja ein durchaus leidenschaftlicher Verteidiger Michael Bays, da er sehr gut anzusehende, bombastische Actionfilme mit hohem Unterhaltungswert dreht und tatsächlich eine eigene Bildsprache entwickelte. Sicherlich keine tiefsinnige, aber eine distinktive. Aber Transformer fand ich so schlecht erzählt, so schlecht fotografiert (wenn man stets Super-Mega-Nahaufnahmen von zwei Robotern macht, erkennt der Zuschauer nicht, wer gerade wem welchen Blechschaden verpasst) und sogar für seine eigenen Ansprüche dermaßen ungenügend (ich ging rein um jede Menge Zerstörung zu sehen - und bekam zu sehen, wie sich Haus hohe Roboter in einem Garten verstecken), dass ich mit der Fortsetzung nichts mehr zu tun haben wollte. Aber dank Linkin Park gibt's wenigstens eine gute Sache an dem Film: Den Titelsong. Weiterhin im etwas dramatischeren, melodiöseren Stil des zurückhaltenden letzten Albums gehalten liefert die Band mit New Divide einen kräftigen, schmissigen Song ab, der einen mitgehen lässt, statt einen umzuhauen. Natürlich fehlt die coole Härte von One Step Closer oder die überraschende Emotionalität von What I've Done, für rockige 4 Minuten 26 reicht es allerdings allemal. Und tatsächlich wird dieses Lied mit mehrmaligem Hören besser! Ich wage zu bezweifeln, dass es dem dazugehörendem Film ähnlich geht.

- At the Opera Tonight: Zunächst, für alle Schlaumeier: Ja, ich bin darüber informiert, dass Repo! The Genetic Opera bereits 2008 auf einem deutschen Filmfestival aufgeführt wurde. Da er allerdings keine reguläre Kinoauswertung erhielt, und erst im Frühjahr 2009 auf DVD erschien, und somit erstmals für eine weitere Öffentlichkeit erhältlich wurde, gilt er in meinen Augen als Film des Jahres 2009. At the Opera Tonight ist ein sehr charakteristisches Lied für Repo!, da es eine sehr klar den Takt vorgebenes Schlagzeug, einen eingängigen Hintergrundchor, Operngeträller und einige tolle Gitarrenriffs hat, was zusammen eine explosive Mischung ergibt und den musikalischen Stil von Repo! gut zusammenfasst.

- Things You See in a Graveyard: Eine scheppernde E-Gitarre. Eine geheimnisvoll angehauchte Opernstimme singt wiederholt sehr dramatisch den Titel. Ein grimmiger, älterer Mann beschimpft rhythmisch seine unfähigen, potentiellen Erben. "Spaciges" Keybord-Gedudel. Wer bis zu diesem recht früh im Film aufkommendem Song sich noch nicht für die comichafte Rock-Goth-Operndystopie erwärmen konnte, wird spätestens in dieser modernen Sprechgesang, Oper und Rock vereinenden Szene einen Kulturschock erleiden. Alle anderen werden von der grummelig-wamren Stimme und der wild vermischten Hintergrundmusik endgültig hypnotisiert.

- Infected: Die Solonummern der Protagonistin Shilo Wallace (gespielt von Spy Kids-Schauspielerin Alexa Vega), der an einer Blutkrankheit erkrankten Tochter und ihrem übervorsorglichem Vater leidenden 17-jährigen, sind irgendwie die konventionellsten Numern aus Repo!. Da wäre etwa ihr rebellischer Teenie-Punk Seventeen, der mir aufgrund seiner Normalität während des Filmgenusses von Repo! sogar richtig sauer aufstößt, oder nunmal dieser Song, in dem Shilo ihre verstorbene Mutter für ihre Krankheit und das dadurch verpfuschte Leben verantwortlich macht und sich mit kräftiger Stimme aufregt. Der übliche Girlrocksound wird durch Pianoklänge und Streicher dramatisiert und ergibt so einen starken Song, der vor allem vom inbrünstigen Gesang Alexa Vegas lebt.

- Legal Assassin: Legal Assasin ist dank seiner Gangwechsel und des erneut sehr charakteristischen, sorgfältig eingesetzten E-Gitarren-Riffs sowie des weiblichen Backgroundgesangs ("Assassin! Murder! Monster!") sowie der Lieddramaturrgie wieder um einiges Repo!-hafter, aber noch immer recht leicht zugänglich und deshalb eine weitere gute Einstiegsdroge für alle, die sich noch unsicher sind, ob sie sich Repo! zulegen möchten, oder nicht.

- 21st Century Cure: Auftritt Terrance Zdunich. Der Komponist und Autor von Repo! The Genetic Opera spielt auch meinen Lieblingscharakter, den geheimnisvollen, stylischen und mit kraftvoll-charismatischer Stimme ausgestatteten Grabräuber. Dieser besingt in 21st Century Cure, wie es zu einer solch verdorbenen Gesellschaftslage kommen konnte und wie sich ein Markt und schließlich ein Schwarzmarkt für Organtransplation und die eben solche Operationen angenehmer machende Droge Zydrate bilden konnten. Während Schlagzeug, E-Gitarre und Bass hämmern, flüstert er wie ein unheimlicher Märchenonkel, nur um plötzlich loszubrüllen und daraufhin energischer zu singen. Zdunichs Stimme und die Musikuntermalung erzeugen zusammen eine Sogwirkung. Ich wollte ja keine Rangliste erstellen, aber unter den Repo!-Songs gehört dieser zu meinen absoluten Favoriten.

- Zydrate Anatomy: Und nun zu meinem Lielingslied aus Repo! The Genetic Opera. Als ich mir den Film zum ersten Mal ansah, durchschaute ich bis zum Beginn dieser Sequenz die anfängliche Struktur des Films und war deswegen bereits auf einen Song von Paris Hilton gefasst, welche die GenCo-Erbin Amber Sweet spielt. Ich schaltete mental bereits ein wenig ab, als die ersten Takte von Zydrate Anatomy erklingen, einem Song, der mit einem euphorischen "ich finde das was jetzt kommt klasse, und dir wird's auch gefallen" angekündigt wurde. Dunkle E-Gitarren scheppern hart voran, es ist die für mich perfekte Symbiose aus rockiger Dynamik und Metal-Härte sowie -Klangfarbe, eine schmissige, unschuldige, naiv wirkende (aber komplex umgesetzte) Melodie wird gespielt. Und schon rollen meine Augen, und ich rufe aus: "Oh nein, der Song, der mir auf Anhieb am besten gefallen könnte, und das ist ein Paris-Hilton-Song! Das kann ja nichts werden!"
Zunächst: Meine naseweise Beobachtung, dass ein Hilton-Solo folgen wird, erwies sich glücklicherweise als irrtümlich. Ihre nach Schönheitsoperationen süchtige Figur Amber Sweet mag zwar eine gewichtige Rolle haben und lüstern einiges an Text vor sich herzustöhnen, doch es ist der Grabräuber, der Zydrate Anatomy den Stempel aufdrückt. Im Kinder-Aufzählreimschema erklärt er die Funktion der Droge Zydrate (Er: "Zydrate comes in a little glass vile...", Protagonistin Shilo Wallace: "Zydrate comes in a little glass vile?" Die um sie versammelten, sexuell anzüglich bekleideten Drogenopfer: "Zydrate comes in a little glass vile!"), liefert einiges nachgeschobener Plot-Exposition, und Paris Hilton stöhnt notgeil herum, während sie sich auf dem Boden wälzt, an schmuddeligen Wänden reibt und bedröhnt rumtanzt. Dank zigtausend Verzerrern und aufgedrehtem Bass klingt es sogar recht stylisch, was die Frau von sich gibt. Cool, Ohrwurmverdächtig, für den Film allein schon inhaltlich unverzichtbar, ein stilistisches Blutbad. Genial.

- Night Surgeon: Dieser Song ist wieder ideal für die Definition von Repo!: Rock-Goth-Oper. Theatralisch, rasant, rasselnd, überdramatisierend, elektrisierend.

- We Started This Opera Sh*t: Repo!-Extreme! Ein chaotischer, dröhnender, lauter Mischmasch aus Rock, Goth, Metal, Oper. Brüllende, stöhnende, trällernde, sprechende und singende Charaktere, sekundenschnelle Reprisen vorheriger Lieder, ein kaum zu vernehmender roter Faden, der das Lied zusammenhält. Wenn einen diese Dampfwalze überrollt, kann man es nur lieben oder hassen.

- Needle Through a Bug: Die dazugehörige Szene wurde aus dem Film gestrichen, aber der Song ist so herrlich, dass man ihn wenigstens in den Abspann zwängen musste. Was für ein Glück, dass man es tat. Dunkles Pianogeklimper, flüsternder Gesang zwischen Shilo und dem Grabräuber, zynische Texte. Spaß pur.

- Genetic Repo Man: Genetic Repo Man ist im Grunde das Titellied von Repo!, es führt nicht nur die legalen Auftragskiller vor, sondern auch einige im Film wiederkehrenden Riffs, Choreinsätze und Melodien. Simpel, dynamisch, fetzig.

- Epitaph: Eine Reprise von Zydrate Anatomy. Any questions?

Aus Küss den Frosch:
- Wünsch dir was / In New Orleans / In New Orleans (Finale): Auch wenn es mir ein Rätsel ist, weshalb die deutsche Synchro den ersten Sekunden von "Down in New Orleans" einen anderen Titel verpasste, und man sicherlich darüber diskutieren kann, wie helle es ist In New Orleans von Roger Cicero, dem Sprecher von Prinz Naveen singen zu lassen, obwohl das Lied im Original von keinem spezifischen Filmcharakter gesungen wird, sondern von Dr. John, ist dieser Song eine wunderbare Buchstütze für den gesamten Film. Das Finale ist in der englischen Fassung kraftvoller, Anika Noni Rose spielt wesentlich mehr mit ihrer Stimme, bringt mehr Variation rein als Cassandra Steen, Cicero dagegen kann Dr. John überraschend gut transferieren. Natürlich fehlt ihm die kernige, einmalige Stimme Dr. Johns, aber er kompensiert das mit feinem Notenanschneiden. Ein lässiger, stilvoller Titel.

- Ganz nah dran: Anders als bei In New Orleans kann ich hier sehr gut mit Steens Arbeit leben und fühle mich nicht dazu fähig zu sagen, welche Fassung mir besser gefällt. Ganz nah dran ist wieder so einer der Songs, die mir nahe liegen. Ob So nah aus Verwünscht oder dieser Song, wenn bei Disney diese Situation und das Gefühl des "Es-beinahe-geschafft"-Habens besungen wird, dann mag ich es. Ganz gleich ob positiv oder negativ, ich habe eine Schwäche für dieses Liedthema. Hinzu kommt die tolle Art-Déco-Szene, und schon haben wir einen meiner Lieblingsmomente des Films.

- Freunde im Schattenreich: Ich erwähnte es ja bereits einmal im Rahmen meiner Musikalisches Immergrün-Artikelreihe, dass ich ein paar Probleme damit habe, waschechte Szenensongs in meinen Alltag einfließen zu lassen. Im Film sind sie ja oftmals schön und gut, aber ich kann sie mir selten nebenher anhören. Freunde im Schattenreich gehört zu diesen Ausnahmen. Spaßig-bösartig, charismatisch-unheimlich quatscht der großartige Bösewicht Dr. Facilier Prinz Naveen und seinen Diener Lawrence in einen Voodoo-Zauber und wickelt dabei mit stil und Schwung auch den Zuhörer um den Finger. Super.

- Du musst nur tiefer in dir graben: Marianne Rosenberg überrascht in der deutschen Synchro mit einer bis zur Unerkenntlichkeit auf rüstiges, lebhaftes Greisenalter verstellter Gesangsstimme und jeder Menge Spielfreude. Deswegen hinkt die deutsche Fassung dem Original in nichts hinterher, was bei einer pompösen Broadway-Gospelnummer durchaus eine Leistung ist. Du musst nur tiefer in dir graben macht jede Menge Spaß, hat Seele und ist richtig clever.

Außer Konkurrenz:
Da es in dieser Rangliste ja um für Filme dieses Jahres geschriebene Lieder gehen soll, startet Inglourious Basterds natürlich außer Konkurrenz, da dieser Film nur bereits existierende Lieder und Instrumentalstücke verwendet. Ursprünglich sollte Ennio Morricone einen neuen Score komponieren, aber zum Glück hat es sich so nicht ergeben. Denn besser als mit Tarantinos Archivfundstücken hätte man Inglourious Basterds nicht untermalen können.
Meine Lieblingsstücke dieses Soundtracks sind das vor Italo-Westernromantik und -dramatik triefende The Green Leaves of Summer, das Für Elise mit spanischer Westerngitarre und viel Wüstenspannung würzende The Verdict (die perfekte Auftrittsmusik für Christoph Waltz' fantastischen Hans Landa), David Bowies Cat People (Putting out the Fire) welches eine meiner Lienlingsszenen, womöglich sogar meinen absoluten Lieblingsmoment des Films perfekt untermalt und mir jedes Mal wieder eine Gänsehaut verleiht, sowie das musikalische Finale Rabbia E Tarantella, welches einen mit schmutzigem Grinsen aus den Film verließ und auch nach zigmaligem Anhören dieses Gefühl wieder aufleben lässt.

Außerdem hatte ich 2009 große Freude an Hans Zimmers Score für Illuminati, der sogar ein wenig zu spannend und epochal für den Film war, aber hervorragend auf eigenen Beinen stehen kann und mit jeder Menge Power, Dramatik und in den entscheidenden Momenten auch mit Gefühl punkten kann.

Das war also mein cineastisch-musikalisches Jahr 2009. Ich bin gespannt, was uns 2010 bringen wird. Am neugierigsten bin ich ja auf Harry Gregson-Williams' Arbeit für Prince of Persia und, natürlich, auf Alan Menkens Rapunzel. Gerade der letzte könnte sehr tief fallen oder enorm von mir verehrt werden. Wir werden's sehen.

Siehe auch:

3 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Start ins Jahr 2010 gelungen, Stimmung super, Filmsongs juchee! :)

Bis darauf, dass ich weder "Repo!" (immer noch nicht, ach Mensch) und "Inglourious Basterds" gesehen hab, kann ich immerhin bei den anderen Liedern nur zustimmend nicken. Heftig nicken, eigentlich. :)

"Dove of peace" hat uns im Kino nochmal fast aus den Sitzen fallen lassen vor Lachen (war eine knappe Sache!). Ganz wunderbar OTT wie der gesamte Film.

"New divide" ist sehr cool, auch wenn ich "What I've done" besser finde. Aber es ist schön laut, das reicht mir schon. Und hat ne Melodie (denn nur laut geht dann doch schnell auf die Nerven).

Und genau die Lieder aus "Küss den Frosch" haben sich auch bei mir in die Playlist geschlichen (allerdings in der englischen Fassung^^, aber vll. bin ich nett und hol mir den dt. Soundtrack noch). "Dig a little deeper" ist so schöner feel good Gospel. :)

Wo wir grad bei Gospel und Alan Menken sind - seine Arbeit für das "Sister Act"-Musical ist auch ganz wunderbar, schön auf 70er Disco und so getrimmt, macht Spaß! Wenn er solch kreative Energien für "Rapunzel" aufbringen konnte, dann dürfte das was Feines werden!

(Psst, nach wie vor habe ich es auch noch nicht geschafft, von "Up is down" loszukommen. Und von "Drink up, me hearties", grade wegen dem anschwellenden Orchester und dem Übergang vom alten ins neue Thema und überhaupt, einfach toll! Naja, wer will auch schon davon loskommen. *g*)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Hast du dir "Repo!" denn wenigstens schon geholt, oder scheiterte das Ansehen bereits am Besitz? ;-)

Sunshine hat gesagt…

Ach Mensch, es scheitert am Besitz! Peinlich, nicht wahr? *g*

Aber da ich eh vorhatte, in Kürze mal wieder Amazon unsicher zu machen, könnte ich dieses Filmchen natürlich ganz nach oben auf die Liste setzen...

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