Dienstag, 9. März 2010

Das Geheimnis des Regenbogensteins

Die mexikanisch-amerikanische Ein-Mann-Filmcrew Robert Rodriguez lebt in zwei Filmwelten. Auf der einen Seite stehen die brutalen und kultigen "Männerstreifen" wie Sin City oder Desperado, auf der anderen zeichnet er sich für die bunten und kindlich-naiven Familienfilme Spy Kids 1 bis 3 verantwortlich. Während letztere durchaus unterhaltsam sind, so verdiente sich der beste Kumpel von Kultregisseur Quentin Tarantino seinen Platz im Hollywoodpantheon vornehmlich durch seine raueren Projekte. Nach Planet Terror, seinem beißend ironischem und selbstreferentiell-schundhaftem Beitrag zum Kinoexperiment Grindhouse, kehrte Rodriguez allerdings ein weiteres Mal in die Welt der Kinderunterhaltung zurück, was mich in Erinnerung an seinen letzten Ausflug dorthin bereits in kaltes Grausen stürzte. Die Abenteuer von Sharkboy und Lavagirl in 3-D gehört mit seinem chaotischen und undurchdachten Nonsens von einer Geschichte, den durch die Bank weg unsympatischen Charakteren und der völligen Abwesenheit guter Witze zu den schlechtesten Filmen, die ich mir jemals angesehen habe. Das Vertrauen in Shorts, wie der Film im Original heißt, war dem entsprechend überaus gering.

Wie sich herausstellt, waren meine Befürchtungen unbegründet. Wider Erwarten weißt Das Geheimnis des Regenbogensteins, der wie jeder Kinderfilm von Rodriguez mit Spezialeffekten vollgestopft ist, jede Menge Charme und Witz auf, die an den Geist der Schwarzweiß-Reihe Die kleinen Strolche erinnert, leidglich aufpoliert für das Publikum des 21. Jahrhunderts und gepaart mit den filmischen Gesetzen eines B-Horrorfilms der 50er Jahre. Riesige Tiere, Mutationen, Verwandlungen und Aliens lauern hier hinter jeder Ecke. Diese Effekthascherei und die Simplizität der Charakterzeichnungen (wir reden noch immer über einen Kinderfilm, allerdings sind die Figuren hier auf angenehme Weise einfach gestrickt, und nicht haarsträubend klischeehaft) werden aufgewogen von der non-linearen Erzählweise. Das Geheimnis des Regenbogensteins sei "Pulp Fiction für Kinder", erklärt Robert Rodriguez seinen überdrehten und herzlich komischen Film. Ein kleines bisschen hoch gegriffen hat Rodriguez mit diesem Vergleich dann doch, aber saucool und spritzig ist sein Werk dennoch.

Das Geheimnis des Regenbogensteins erzählt in mehreren Episoden, die zusammengenommen eine durchgehende Geschichte ergeben, wie ein regenbogenfarbener Stein, der Wünsche erfüllen kann, das Leben in der kleinen Stadt Black Falls auf den Kopf stellt. Während sich die Erwachsenen bei Black Box Inc., einer Firma die das ultimative Universalwerkzeug herstellen will, zu Tode arbeiten, gehen die Kinder auf das Abziehbild einer Klischee-Schule. Als Toby Thompson (Jimmy Bennett), der wegen seiner Zahnspange ein Außenseiter wurde, den Stein in seine Hände bekommt, wünscht er sich Freunde herbei. Prompt schenkt ihm der bunte Stein ein paar Außerirdische. Die drei Videospiele zockenden Short-Brüder hingegen erleben dank des Steins endlich ein Abenteuer außerhalb des Bildschirms, und Nose Noseworthy (Jake Short) wird im klinisch sauberen Haus seines Vaters (William H. Macy) von einem Popelmonster heimgesucht...

Die Geschichtchen in Das Geheimnis des Regenbogensteins sind natürlich allesamt leichte Kost. Äußerst kurzweilige leichte Kost, die mit einem dermaßen hohen Tempo erzählt wird, dass keine Zeit für Langeweile bleibt. Die Kinderdarsteller geben allesamt ihr bestes, liefern ihre vielen, sorgsam vorbereiteten, Pointen unaffektiert ab und agieren wunderbar miteinander. Allen voran steht die Neuentdeckung Jolie Vanier als Helvetica Black, eine herrlich abgebrühte, lebensnähere Reinkarnation von Wednesday Addams. Sie ist es auch, die von Regisseur, Autor, Produzent, Kameramann, Cutter und Filmkomponist Robert Rodriguez einen eigenen, eingängigen und rockigen Song spendiert bekommt, den man so schnell nicht mehr loswird.

Auch die Erwachsenen haben sichtlich Spaß an ihren Rollen und versprühen während ihrer begrenzten Zeit auf der Leinwand Witz. Judd Apatows Ehefrau Leslie Mann entwickelt an der Seite von Jon Cryer (Two and a Half Men) ein besseres komödiantisches Timing, als neben Seth Rogen und den anderen Freunden ihres Lebenspartners.

Als Bonusmaterial bietet die DVD die zwei Standards für eine Rodriguez-Disc: Die 10-Minuten-Filmschule und die 10-Minuten-Kochschule. Erstere besteht zu rund der Hälfte leider aus altem Material, während zweitere Rodriguez zeigt, wie er zusammen mit seiner Tochter Kekse backt. Wieso die DVD-Verpackung und das -Menü diese Kekse als Schoko-Erdnuss-Kekse anpreist, obwohl im Rezept keine Erdnüsse vorkommen, das weiß allein der Verleih.

Hoffentlich verkauft sich der Film auf DVD überragend gut, um so die enttäuschenden Kinoeinnahmen wieder gut zu machen, so dass wir die von Rodriguez angekündigte Fortsetzung bekommen. Die ist mir nämlich wesentlich lieber als Spy Kids 4.

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