Freitag, 19. März 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XXIX)

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Platz 162: Das Lied der Arbeiter ("Song of the Roustabouts") aus Dumbo
Musik von Frank Churchill, Text von Ned Washington (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Das Lied der Arbeiter ist das am meisten unterschätzte Lied aus dem wundervollen Disney-Klassiker Dumbo. Die begleitend zum Zeltaufbau ertönende Komposition ist eindringlich und prägt ohne große Mühen die Atmosphäre der dazugehörigen Sequenz. Obwohl die Hilfsarbeiter besingen, wie gerne sie ihre Arbeit erledigen und sich an den lächelnden Kindern ergötzen, wie sie sich auch den Zirkus freuen, ist die Stimmung des Songs bedrückend. Obwohl Das Lied der Arbeiter bei Besprechungen Dumbos allzu häufig übergangen wird, hat dieses recht unauffällig im Film platzierte Lied eine starke Wirkung und hinterließ bei mir schon direkt während meiner ersten Begegnung mit ihm einen bleibenden Eindruck.

Platz 161: Die armen Seelen in Not ("Poor Unfortunate Souls") aus Arielle, die Meerjungfrau
Musik von Alan Menken, Text von Howard Ashman (1. dt. Synchronfassung von Klaus-Peter Bauer, 2. dt. Synchronfassung von Frank Lenart)

Obwohl ich Die armen Seelen in Not sowie Ursula als Bösewichtsong beziehungsweise Antagonist von vielen Disneyliebhabern überschätzt finde, so muss ich diese immens populäre Gesangseinlage innerhalb meiner Disney-Lieblingsliedliste würdigen. Zwar kann ich nicht gänzlich in die meisten Lobgesängen miteinstimmen, trotzdem sind die Qualitäten dieser genialen Komposition des Traumduos Menken/Ashman unübersehbar. Insbesondere der dramatische Aufbau von Die armen Seelen in Not ist vorbildlich für ein Schurkenlied. Die armen Seelen in Not beginnt als geheimnisvoller Walzer und wird kontinuierlich bombastischer. Die pompösere Orchestrierung und die in der immer schnelleren und verschnörkelteren Melodie deutlicher werdende Manie Ursulas verleihen diesem Lied eine beeindruckende Wirkung. Diese steht und fällt mit der Sängerin, weshalb mir bislang noch eine überzeugende Coverversion dieses Songs entgegentreten muss. Über die Filmversionen der führenden Synchronhochburgen und die Originalaufnahme von Pat Carroll geht halt nichts.
Und eins muss ich einfach zugeben: Die armen Seelen in Not ist ein Paradebeispiel für einen Schurkensong, denn Ursula wird durch ihre musikalische Einlage als Widersacherin enorm aufgewertet, dort zeigen sich ihr Charakter und ihr Gefahrenpotential auf einprägsame Weise. Man könnte Under the Sea rausschneiden, und man verlöre einen mit seiner Freude ansteckenden Showstopper. Mit Die armen Seelen in Not vermisse man hingegen eine nachhaltige Demonstration der mächtigen Schurkin in Arielle, die Meerjungfrau.

Platz 160: Ein Drache, ein Drache (und ich habe ihn gesehen) ("I Saw a Dragon") aus Elliot, das Schmunzelmonster
Music & Text von Al Kasha & Joel Hirschhorn (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Ein Drache ist sicherlich kein sonderlich spektakuläres Lied, aber es ist wirklich ein leichtes, sich an seiner spaßigen Ausstrahlung zu ergötzen. Nachdem Leuchtturmwärter Lampie dem Drachen (nur der deutsche Filmtitel spricht von einem Schmunzelmonster) Elliot begegnet ist, bricht er in Panik aus und erzählt in seiner Stammkneipe vollkommen aufgelöst von seinem Erlebnis. Das an diesem Song ist, dass die Komposition einen Mary Poppins artigen, mitreißenden Schub hat, obwohl die singende Figur gerade überhaupt keinen Spaß hat. Dass diese Diskrepanz so fulminant aufgeht ist den Entertainerqualitäten von Lampie-Darsteller Mickey Rooney zu verdanken. Noch besser funktioniert Ein Drache meiner Meinung nach aber in der deutschen Synchronisation, in der Gerd Duwner (zeitweilig der Stammsprecher von Danny DeVito und Oliver Hardy) formidabel zwischen aufheiterndem Angstgesang und spaßigem Sprechgesang changiert. Mehr Freude als in diesem Fall kann es eigentlich nicht erzeugen, wenn sich jemand vor lauter Angst fast schon in die Hosen macht.

Platz 159: Wilde sind's ("Savages") aus Pocahontas
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Lutz Riedl)

Wir haben knapp die Hälfte dieser Hitliste hinter uns, und schon verabschieden sich langsam einige der mehrfach vertretenen Disney-Produktionen. Mit Wilde sind's etwa erreichen wir an dieser Stelle den vorletzten Song aus Disneys Zeichentrickabenteuer Pocahontas. Über meine ambivalente und äußerst wechselhafte Meinung zu diesem Film ließ ich mich ja bereits mehrfach innerhalb dieses Countdowns aus, und öfter's verglich ich andere Lieder dieses Films mit Wilde sind's. Das liegt vor allem daran, dass das große musikalische Finale mit seiner Gegenüberstellung der beiden Kulturen sehr repräsentativ für Pocahontas ist. Im Durcheinander der sich zum Krieg aufmachenden Parteien entstehen musikalische Kontrapunkte, Überschränkungen und Parallelen, wodurch aufgezeigt wird, dass sich die "Entdecker" der neuen Welt und die Eingeborenen in Wahrheit sehr ähnlich sind. Sie alle leiden unter Xenopobie, wer anders lebt, ist nicht nur fremd, sondern auch feindlich gesinnt. Stephen Schwartz simpler, doch wirkungsvoller Text zeigt die Unsinnigkeit solcher Gedanken effektiv auf und Alan Menkens packendes musikalisches Arrangement erzeugt schneidende Spannung, die einen die Auflösung des Konfikts herbeisehnen lässt. Die sich überlagernden Stimmen der Chöre verleiht dem Lied eine sehr epochale Ausstrahlung. Wilde sind's ist eine ideale Hinleitung zum Ende des etwas überdramatisierten Oscar-Lockmittel Jeffrey Katzenbergs.

Platz 158: Krach im Lager ("Trashin' the Camp") aus Tarzan
Musik und Text von Phil Collins (dt. Fassung von Frank Lenart)

Damit ihr Mal eine Vorstellung habt, wie eng es hier im Mittelfeld meiner Disneysong-Lieblingsliste zu sich geht: Ich musste wirklich lange mit mir ringen, um mich zu entscheiden, welches Lied aus dem Tarzan-Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1999 für mich das "schwächste" ist. Und die Wahl viel wirklich knapp und nach mehrfachem Hände ringen mit mir selbst auf Dir gehört mein Herz (Platz 168). Wenn zwischen den beiden Tarzan-Liedern ein Sympathiepunkt liegt dürft ihr euch jetzt gerne ausmalen, wie sehr sich die zwischen ihnen platzierten Lieder um ihre Platzierung stritten. Mit dem nächsten Rang in dieser Hitliste weiten sich die Abstände zwischen den Songs aber wieder auf normale Verhältnisse aus.
Zu Krach im Lager an und für sich: Dieser reine Spaßsong ist eigentlich vollkommen überflüssig für die Weiterentwicklung der Figuren oder der Filmhandlung. Tarzans Affenfreunde entdecken das Lager der Forscher, bestaunen verwundert die obskuren Gegenstände darin, machen aus lauter Neugier einige Dinge kaputt, entdecken, dass sich damit Musik machen lässt und dann improvisieren sie einfach drauf los. Krach im Lager ist ein Showstopper im wahrsten Sinne des Wortes. Die Handlung unterbricht für ein paar Minuten gehaltlosen Spaß. Das kann man störend finden, man kann sich aber auch einfach mitreißen lassen.
Wie auch von den anderen Liedern aus Disneys gezeichnetem Abenteuerfilm nahm Phil Collins eine Popversion von Krach im Lager auf. In diesem Fall holte er sich zur Verstärkung *NSYNC ins Tonstudio. Diese Uminterpretation des Songs unterliegt der Filmversion allerdings deutlich, da sie zu jazzig-entspannt und scatty-ausgeruht ist, schließlich ist es doch gerade die wilde Ausgelassenheit, die in etwas harmonisch-energiereiches mündet, was Krach im Lager für mich ausmacht. Bei den mir bekannten internationalen Filmfassungen kann ich nicht wirklich differenzieren. Das Arrangement bleibt ja gleich, und textliche Änderungen fallen bei diesem Lied auch nicht an. Deswegen fahren alle eigentlich gleich gut. Meine favorisierteVersion von Krach im Lager ist die von Phil Collins umarrangierte und mit ein paar "richtigen" Textstellen versehene Musical-Aufnahme. Die neue Orchestrierung stellt die Bläser etwas prominenter heraus und weist insgesamt mehr musikalischen Pfeffer auf, was mich beim Bühnen-Krach im Lager am meisten mitwippen lässt. Somit erhält der Broadway-Tarzan bei diesem Song den Zuschlag.

Platz 157: Das Farbenspiel des Winds ("Colors of the Wind") aus Pocahontas
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Frank Lenart)

Das Farbenspiel des Winds erhielt den Oscar, den Golden Globe und den Grammy für den besten Filmsong. Und es ist mein Lieblingslied aus Pocahontas. Ein kleines Wunder, schließlich stimmt meine Meinung in dieser Kategorie selten mit der Academy of Motion Picture Arts & Sciences überein, sehr oft favorisiere ich einen oder sogar mehrere Lieder aus einem Disneyfilm stärker als den eigentlichen Oscar-Gewinner. Und gerade zu Pocahontas pflege ich ja nicht gerade die Mainstream-Meinung. Trotzdem setzt sich Das Farbenspiel des Winds gegen die restlichen Musikeinlagen des Films durch. Das ist allerdings weniger Stephen Schwartz zu verdanken, dessen Texte für dieses Lied einige sehr arge Indianer-Klischees unreflektiert aufgreift, sondern nahezu ausschließlich dem fantastischen Alan Menken, der hiermit eine berührende, äußerst emotionale und vor allem auch bewegende, kraftvolle Ballade komponierte. Bei vielen Filmballaden, insbesondere Non-Disneyballaden, bemängele ich, dass sie schwermütig in der Luft stehen. Sie sind oftmals langezogenes Rumgejammer, ohne mich als Zuhörer miteinzubeziehen. Wenn das nicht der Fall ist, dann tragen diese Balladen häufig zu dick auf. Alan Menken trifft mit Das Farbenspiel des Winds hingegen genau die richtigen Töne.

Platz 156: Schnell weg ("One Jump Ahead") aus Aladdin
Musik von Alan Menken, Text von Tim Rice (dt. Fassung von Frank Lenart)

So kann es gehen: Pocahontas verlässt die Bühne, schon schaltet sich Aladdin ins Geschehen bei "Musikalisches Immergrün" ein. Schnell weg von Alan Menken und Tim Rice, der als Nachfolger für den verstorbenen Howard Ashman herbeigeholt wurde, dient als Einführung unserer Hauptfigur. Auf sehr witzige Weise wird erklärt, wie gerissen und flink unser Held ist, und dass er nicht anders kann, als zum Überleben Mundraub zu betreiben. Auch Aladdins wandelbare Erkennungsmelodie wird durch dieses Lied eingeführt, die sowohl schnell und freudig als auch langsam und traurig sein kann. Die betrübte Reprise von Schnell weg ein kleines bisschen später im Film ersetzt eine gesamte, zuvor geplante Ballade auf sehr effektive Weise. Die Melodie ist weiterhin erkennbar, und dadurch, dass der Zuschauer sie zuvor vollkommen anders zu hören bekam, wirkt der Stimmungswechsel umso stärker. In seiner Hauptfunktion als Aladdins fröhliche Gesangseinlage während seiner Flucht vor den Palastwachen ersetzt Schnell weg zwei geschnittene Lieder für den Film. You Can Count On Me gefiel den Regisseuren nicht und Babkak, Omar, Aladdin, Kassim wurde rausgeschmissen, nachdem die drei neben Aladdin genannten Figuren aus der Handlung geschnitten wurden.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Deine Nummer eins wird echt interessant, wenn "Armen Seelen in Not" auf Platz 161 landet.

Man ist gespannt.

Sunshine hat gesagt…

"Arme Seelen in Not" fand ich immer ganz wunderbar (und finde es auch noch^^)! Toller Aufbau und schön manischer Bösewicht. *g*

Adieu, Pocahontas. *schluchz* WIr werden dich vermissen. "Wilde sind's" gefällt mir auch sehr gut; eine schöne Gegenüberstellung der unterschiedlichen Kulturen und Pocahontas' dramatische Einschüne find ich eh toll.^^ Und "Farbenspiel des Winds" macht mir gegen Ende immer Gänsehaut (Überblendung von den Adler auf Pocahontas und Smith + anschwellendes Orchester = Whoa!).

Aladdin! Ich gebe zu, ich habe laaange Zeit nur die Hälfte des "Schnell weg"-Textes verstanden... Lied macht trotzdem Spaß, stellt den Aladdin gut vor und bietet nachher auch noch eine schöne Reprise. Sicherlich besser so, als wenn man noch eine traurig-langsame Ballade eingefügt hätte.

Anonym hat gesagt…

Der Text der deutschen Fassung von Farbenspiel des Winds ist von Frank Lenart.

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