Freitag, 2. Juli 2010

Für immer Shrek

Oder: Shrek lass lässt nach

(Bild gefunden via Cartoon Brew)

Es ist eine verkehrte Welt: Disneys Marketing bemüht sich mit allen Tricks aus dem Lehrbuch für irreführende Trailergestaltung, um seinen nächsten Animationsfilm als Profuktion im Geiste Dreamworks' zu verkaufen (*mehr dazu*). Währenddessen nimmt Dreamworks' Frontmann Shrek mit zunehmender Konsequenz die Züge seiner Zielscheibe des Spotts an. Der unerzogene Anti-Märchenheld wurde domestiziert, er gründete eine Familie (inklusive dem obligatorischen, knuffig-süßen Drillingspärchen an Babys), hat den Ehesegen seiner Schwiegereltern und da er oft genug bewies, dass er eigentlich ein ganz lieber ist, wurden die Menschen zu seinen Fans, die seine Autogramme jagen, statt seine grüne Haut. Eine Entwicklung, die Shrek der Dritte stilistisch widerspiegelte: Es war ein weichgespülter Shrek ohne den Biss von früher. Hinzu kamen flache Witze und halbherzige Popkulturanspielungen, die zum reinen Selbstzweck verkamen. Dafür taugte es der neue Shrek zum Kinderhelden. Der Anti-Disney, der die Kinderfreundlichkeit und die gierige Dauervermaktung Disneys parodierte, war plötzlich kinderfreundlich, hatte zwei Fortsetzungen, ein TV-Special, trat in Themenparks auf und war kurzzeitig auf dem Broadway.

Für immer Shrek war als Rückkehr zu Shreks Wurzeln angekündigt. Machen wir es kurz: Von wegen! Für immer Shrek imitiert unambitioniert abgestandene Disneyformeln, ohne sie zynisch zu verdrehen oder Seitenhiebe auszuteilen. Der Film beginnt, ganz und gar ohne eingebauten Scherz, mit einem Märchenbuch. Er lehrt überdeutliche eine Moral. Der gesamte Schlussakt wirkt so, als hätte man ihn hastig von einem abgelehnten Disney-Drehbuch abgepaust. Und statt wie ein Antimärchen zu funktionieren, erzählt Für immer Shrek eine magisch-märchenhafte Geschichte mit ein paar eingestreuten Gags. Gratulation: Shrek wurde vom Rüpel zum Kinderunterhalter, der versucht Disneys Magie nachzuahmen, dabei allerdings nicht sehr weit kommt. Den künstlerischen Reiz, den Disneys Topfilme auf Erwachsene ausüben, versucht Für immer Shrek gar nicht erst, nachzuahmen. Stattdessen verlässt er sich auf seine ausgedünnte Dreamworks-Formel, die ohne den zynischen Witz und die freche Ellenbogenmentalität bloß noch für mittelmäßige Unterhaltung sorgt.

Doch es ist nicht alles schlecht: Die Gagtrefferquote ist höher als bei Teil 3, die erzählte Geschichte ausgeklügelter und die Autoren haben die Figuren besser im Griff. Für immer Shrek ist eine gute Wiedergutmachung für den letzten Shrek-Film. Trotzdem ist es nicht mehr der selbe Disneyschreck, der mit seinen ersten beiden Filmen für Furore sorgte. Wer also auf Humor wie in diesen Filmen hoffte, sollte seine Erwartungen weit zurückschrauben. Shrek macht jetzt Kinderunterhaltung, in die man Erwachsene noch hineinschleppen kann. Da lobe ich mir Pixar: Die machen mittlerweile Erwachsenenunterhaltung, die für Kinder aber auch jede Menge Spaß macht. Und mit Toy Story 3 schenkt Pixar seinem Top-Franchise einen furiosen, emotionalen und überaus witzigen Abschluss. Für immer Shrek ist nur der nett gemeinte Aufwärtstrend nach der vorhergegangenen Katatsrophe.

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