Dienstag, 27. Juli 2010

Pixar-o-Meter 2010

Wow, was für eine Kinowoche: Am Donnerstag startet endlich Toy Story 3 in den deutschen Kinos und morgen finden bereits zahlreiche Vorpremieren von Inception statt. Ich glaube so viele gute Kritiken hatten die aktuellen Wochenstarts schon ewig nicht mehr auf ihrem Konto.

Seit ich Toy Story 3 das letzte mal sah, hatte ich viel Gelegenheit in mich zu gehen und mir seine studiointerne Konkurrenz erneut anzuschauen. So konnte ich mir genau überlegen, welchen Platz die letzte abendfüllende Spielzeuggeschichte in meiner großen Pixar-Hitliste einnimmt. Und dieses Ergebnis möchte ich euch mitteilen.

Hier ist also mein aktualisiertes Pixar-o-Meter!

Platz 11
Regie: John Lasseter (1995)

Der erste abendfüllende Pixarfilm ist ein Meilenstein der Trickgeschichte. Mit einem Schlag brachte er die Kunstform der Computeranimation auf die Tagesagenda und erstmals in der Geschichte des Trickfilms wurde ein Animationsfilm für einen Drehbuch-Oscar nominiert. Ist Toy Story historisch bedeutungsvoll? Auf jeden Fall! Finde ich den Film gut? Ähm... schon, irgendwie. Ich finde Toy Story nicht schlecht und über die Jahre wuchs mein Respekt für Pixars Erstling, dennoch finde ich ihn bloß milde amüsant und er versagt darin, mich emotional zu engagieren. Kurzweilig anzusehen ist er dennoch.
Abschließende Meinung: Ein respektvolles "Okay".

Platz 10
Regie: John Lasseter (1998)

Mit Das große Krabbeln erkannte ich Computeranimation als eigenständiges Medium an, statt sie weiterhin als kurzlebiges Novum abzutun. Das große Krabbeln bringt mich mehr zum Lachen als Toy Story, ich finde die Geschichte von Flik und einem Zirkustrupp an Käfern, die Fliks Ameisenkolonie vor den bösen Grashüpfern zu beschützen versuchen, spannender als Toy Story und Hopper ist ein richtig toller Bösewicht. Gerade letzteres geht Pixar aufgrund der etwas anders gelagerten Storys im Vergleich zu Disney ja sehr häufig ab. Überhaupt: Noch war Pixar in meine Augen keine Konkurrenz für Disney.
Abschließende Meinung: Ja, ist schon recht gut für zwischendurch.

Platz 9
Regie: John Lasseter (1999)

Ein erster Qualitätssprung für Pixar: Toy Story 2 lässt mich um dieFiguren sorgen und beim Lachen lauthals nach Luft schnappen. Die zahlreichen zeitlosen (!) Popkulturreferenzen sind großartig, die Eigenheiten der Figuren werden wundervoll ausgespielt und manche der Einfälle sind auf wunderbare Weise haarsträubend (wie etwa das gesamte Intro mit Buzz Lightyear). Anerkennung gibt es auch für die Versuche, mehr Herz ins Spiel zu bringen, diese scheitern bei mir allerdings, da ich Jessie in Toy Story 2 mitunter recht anstrengend finde und When She Loved Me in meinen Ohren nichts weiteres ist, als der schwerfällig brummende Rany Newman, der versucht eine Countryballade zu schreiben. Ich kann einfach keine Verbindung zum Lied herstellen...
Abschließende Meinung: Gut.

Platz 8
Regie: John Lasseter (2006)

Wäre Cars 2000 in die Kinos gekommen, dann würde vermutlich niemand über den Film schimpfen. Er platzt vor putzigen und smarten visuellen Einfällen, die Dialoge sind komisch und neben all dem Witz und den atemberaubenden Landschaften erzählt Cars eine relevante Geschichte über Freundschaft und Ehrgeiz. Aber Cars kam nicht 2000 in die Kinos, sondern erst 2006. Zu diesem Zeitpunkt wandelte sich Pixar zum anspruchvollsten und beliebtesten Animationsstudio mindestens der westlichen Hemisphäre. Und neben dem, was Pixar nach Toy Story 2 veröffentlichte, wirkt Cars doch etwas unbedarft. Enge Bande mit den Figuren lassen sich nicht knüpfen, es gibt ein paar Längen und die Geschichte ist zwar nicht gerade hohl, doch Pixar bewies, dass es auch intelligenter und ambitionierter geht. So wurde Cars zu Pixars erstem Rückschritt und zur meist verissenen Produktion des Studios. Mit 74% bei Rotten Tomatoes. Das sagt was aus, nicht wahr?
Abschließende Meinung: Gut mit extra Punkten für Witz und Optik. Irrationaler Respektverlust, da es Pixars erster Film ist, den ich nie auf Platz 1 meiner Pixar-Hitliste setzte. Als wäre der Film besser, wäre er früher herausgekommen...

Platz 7
Regie: Pete Docter (2001)

Mit Die Monster AG katapultierte Pixar in meiner Gunst gewaltig nach vorne. Sie waren nicht weiter "die, mit den Computer-Trickfilmen", sie waren endlich als künstlerisch ernstzunehmendes Studio akzeptiert. Die Detailliebe, mit der die bunte Welt von Monstropolis gestaltet wurde ist in jeder Sekunde des Films zu spüren und die Gags prasselb in einer wahnsinnig hohen Frequenz auf den Zuschauer ein. Wenn gerade nichts witziges im Hintergrund zu sehen ist oder guter, alter Cartoon-Slapstick aus dem Hut gezaubert wird, dann hauen einen die Dialoge von den Socken. Mike und Sully sind ein wndervolles Portagonisten-Duo und Sullys Fürsorge für die kleine Buh ließ mir zum ersten Mal in einem Pixarfilm wohlige Gänsehaut den Rücken herunterlaufen. Witz und Herz, erstmals in einer formidabel abgestimmten Mischung. Pixar wird zur Traumfabrik.
Abschließende Meinung: Super. *hihi**schnüff**kicher*

Platz 6
Regie: Andrew Stanton (2003)

Pixar entthront Disney. Die Monster AG war magisch, Findet Nemo war pure Magie. Die Unterwasserlandschaften sind atemberaubend, Dorie ist schreiend komisch, ebenso wie die geistig leicht gestörte Aquariumsgang. Dass man den disneytypischen Blickwinkel etwas kippte und sich mehr auf den Vater konzentrierte, denn auf den verlorenen Sohn, war ein toller Twist, der sich bezahlt machte. Der überängstliche Clownfisch Marlin ist richtig liebenswert und seine dramatisch-komödiantische Reise durch den Ozean ist voller erinnerungswürdiger Episoden, die spannend oder skurril oder beides zugleich sein können. Stanton schuf in Findet Nemo eine dichte Atmosphäre und Thomas Newmans Score ist wahnsinnig wandlungsfähig. Er kann einen aufheitern, verzaubern, beängstigen oder sentimental machen - ebenso wie Marlins Suche nach seinem entführten Sohn.
Abschließende Meinung: Ein unvergessliches Meisterwerk, von dem ich nicht erwartete, dass Pixar es je toppen könnte.

Platz 5
Regie: Brad Bird (2004)

2004 lernte ich im Kino, was einige (selbsternannte) Filmwirtschaftsexperten noch immer begreifen müssen: Sage Pixar niemals, was sie nicht können. Denn sie können es sehr wohl. Der berühmte Teaser Trailer für Die Unglaublichen ließ mich nicht vermuten, dass Pixar erneut die Höhen von Die Monster AG oder gar Findet Nemo erreichen könnte. Der erste ausführliche Trailer dagegen sorgte dafür, dass ich mein Urteil korrigierte, was sich später bestätigen sollte: Brad Bird haute mit seiner liebevollen Superhelden-Hommage und -Dekonstruktion einen Film raus, wie man ihn unter dem Disney-Logo wohl kaum erwartete. Knallige, packende Action und wundervolle Gags wechselten sich mit einem erwachsen behandelten Familiendrama und einer tiefsinigen Abhandlung über das Anderssein ab. Eine versierte Inszenierung, hervorragende Sprecher und eine bestechende künstlerische Gestaltung sowie ein fetzig-nostalgischer Blechblas-Orchester-Score von Michael Giacchino machten Die Unglaublichen zu einem gleichermaßen unterhaltsamen wie intelligenten Actionstreifen für die ganze Familie.
Abschließende Meinung: Ein weiteres, unvergessliches Meisterwerk und der einzige Pixar-Film, von dem ich mir eine Fortsetzung wünsche.

Platz 4
Regie: Pete Docter (2009)

Oben ist irgendwie ein seltsamer Fall. Die frühen Pixar-Werke ernten von mir mehr Respekt als Sympathie. Und obwohl ich weiß, dass Cars mehr Respekt erhielte, wäre er kein Pixar-Rückschritt, denke ich, dass ich ihm gleicermaßen Respekt wie Sympathie zukommen lasse. Für Oben dagegen habe ich minimal weniger Respekt als Sympathie übrig. Es ist ein herausragender Film, doch manchmal erwische ich mich, dass ich denke "Mrmpf, Oben hätte ja schon besser sein können..." Allerdings ist dies meckern auf extrem hohem Niveau. Immerhin schlägt Oben unter'm Strich in meiner Gunst noch immer Die Unglaublichen, und der ist für mich ja bereits ein absolutes Meisterwerk. Oben vereint eine tolle Abenteuergeschichte und viel Witz mit sehr viel anspruchsvoller Symbolik und leichtfüßig sowie gleichermaßen angemessen behandelten, schweren Themen. Liebe, fehlgeleiteter Ehrgeiz, das Älterwerden und Tod werden in Oben unverblümt thematisiert und wer bei Oben weder Tränen der Trauer, noch Tränen der Rührung vergießt, der lämpft aus Prinzip mächtig dagegen an! Oben ist wunderschön und ergreifend... und lässt die Vermutung aufkommen, dass sich diese hinterhältigen Hunde bei Pixar von unseren Tränen ernähren!
Abschließende Meinung: Oben schickt den Zuschauer auf eine unvergleichliche Reise durch die Welt der Gefühle. Anspruch undLeichtherzigkeit werden meisterlich vereint und mit einem bunten Heliumballon versehen auf den Zuschauer losgelassen. (Zur ausführlichen Kritik: *klick*)

Platz 3
Regie: Lee Unkrich (2010)

Was für ein Kunststück: Die ersten beiden Toy Story-Filme krebsen in meiner Gunst am unteren Ende des Pixar-o-Meters herum, und trotzdem schwang sich Toy Story 3 auf einen Podestplatz auf. Denn endlich erhalten Woody, Buzz und Co eine emotionale, dramatische Geschichte in der sie agieren können und die ihrer gerecht wird. Denn so schwach ich die Toy Story-Filme im Vergleich zu anderen Pixarfilmen finde, die Spielzeugtruppe ist mir ans Herz gewachsen und gehört zu den liebenswürdigsten Figuren der Animationsgeschichte. Diesen Umstand macht sich Lee Unkrich in seinem Debüt als führender Regisseur eines Pixarfilms auch sehr zum Nutzen: Eine packendere und ergreifendere Geschichte als diese kann man mit Spielzeug unmöglich erzählen. Außerdem ist Toy Story 3 thematisch nicht weniger ambitioniert als andere Pixarfilme der letzten Jahre. Und dennoch ist Toy Story 3 herzerfrischend witzig. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die den ersten beiden Toy Story-Filmen einen logischen und würdigen, erwachsenen Abschluss gibt, ohne den Stil der Reihe zu verraten.
Abschließende Meinung: Fast schon verboten genial.

Platz 2
Regie: Brad Bird (2007)

Ein Kunstwerk, wie es im Buche steht. Ratatouille ist hinreißend charmant, der Protagonist unglaublich liebenswürdig und die gezeigten Bilder von atemberaubender Schönheit. Brad Bird zauberte eine ambitionierte Parabel über Kunst und Leidenschaft, voller authentischem französischen Flair und einer den Zuschauer umgarnenden Leichtfüßigkeit.
Abschließende Meinung: Kunst muss nicht unverständlich sein. Sie kann auch herzerwärmend und knuffig sein. (Zur ausführlichen Kritik: *klick*)

Platz 1
Regie: Andrew Stanton (2008)

Unbeschreiblich schön, ergreifend, vielschichtig und spaßig. Und trotzdem habe ich versucht, die Genialität WALL•Es in Worte zu fassen. Ich habe mir dabei die Finger verknotet: *klick*
Abschließende Meinung: Andrew Stantons Genregrenzen zerberstender Meilenstein ist das beste, was Pixar bislang in die Knos entließ.

Empfehlenswerte Artikel:

2 Kommentare:

Mowgli hat gesagt…

10. Das große Krabbeln
09. Cars
08. Toy Story 2
07. Die Unglaublichen
06. Toy Story
05. Findet Nemo
04. Die Monster AG
03. Oben
02. Ratatouille
01. Wall-e

Morgen sehe ich dann, wo sich Toy Story 3 einordnen wird. Ich hoffe weit oben :)

Anonym hat gesagt…

Hallo, Sir D.! Wenn man es möglichst objektiv betrachtet, kommt man auf ein ähnliches Ergebnis, würde ich sagen. Meine wäre:
1. Ratatouille
2. Findet Nemo
3. Toy Story, Toy Story 2, Toy Story 3 (kann mich nicht entscheiden)
4. Die Unglaublichen
5.Das große Krabbeln
6.Die Monster Ag
7.Oben
8.Wall-E (zu oft geguckt)
9.Cars (mag keine Autos, aber der Film ist toll, wenn auch bisschen kindisch)

kannst du auch mal deine Top 20 oder so deiner Lieblings-Disney-Meisterwerke aufstellen?

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