Donnerstag, 26. Mai 2011

Erfolgsanalyse: Wie glorreich ist er denn nun, der Beutezug auf fremden Gezeiten?


Bereit zum Ablegen waren wir wohl alle. Schließlich kam Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten nicht total unerwartet, sondern nach vier Jahren Vorbereitungszeit. Unklar war nur, wie sehr sich die Kinogänger denn nun alle ans langweilige Landleben gewöhnt hatten. Ich sagte tolldreist voraus, dass sich das vierte Kinoabenteuer von Jack Sparrow an den Kinokassen durchsetzen wird - aber das war nun wahrlich kein Kunststück. Schiffbruch für das 3-Milliarden-Dollar-Franchise sagte niemand voraus, der noch alle Murmeln zusammenhat, und auch wenn viele Kinokritiker offenbar genug ihrer Murmeln über Bord gehen ließen, um dem leichtgängigen Abenteuerfilm nicht mehr folgen zu können, so war der Publikumswind auf der Seite der sagenumwobenen Black Pearl.

Jetzt, nachdem Disneys und Bruckheimers stolzer Hoffnungsträger seinen Heimathafen weit hinter sich gelassen hat, ist der rechte Zeitpunkt gekommen, die bisherigen Kinoeinnahmen zu analysieren. Ist Fremde Gezeiten frontgeladen, oder verhält sich der Anbruch einer neuen Ära an Seemannsgarn rund um Jack Sparrow anders als seine zwei Vorgänger Die Truhe des Todes und Am Ende der Welt?

Das US-Startwochenende

Fremde Gezeiten startete in 4.155 US-Kinos, und darunter in einer Rekordzahl von 257 IMAX-Kinos. Die Einnahmen am Startwochenende betrugen beachtliche, nicht jedoch sensationelle 90.151.958 Dollar. Dies bedeutet immerhin den besten Start des bisherigen US-Kinojahres (vor Fast & Furious Five mit 86,2 Mio. $), liegt allerdings trotz 3D-Zuschlag um ein paar Handbreiten unter Die Truhe des Todes (135.634.554 $) und Am Ende der Welt (114.732.820 $).

Die Analysten waren natürlich mal wieder fix auf den Beinen, um das sich selbst gestellte Rätsel zu lösen: Wieso ist das so? Nun, handfeste Antwort hätte man wohl erst, wenn man eine repräsentative Umfrage innerhalb der US-Bevölkerung startet, aber da dies nicht geschehen wird, müssen wir wohl mit folgenden, zusammenfallenden Faktoren leben: Erstens ist der Piraten-Hype nicht mehr derart zugkräftig, wie noch 2006, das Novum der coolen Piraten ist zum Alltag geworden. Zweitens profitierte Fremde Gezeiten weder von einem Feiertagswochenende (wie Am Ende der Welt), noch von Sommerferien (wie Die Truhe des Todes). Und zu guter Letzt scheinen Amerikaner dieses Jahr generell recht kinofaul zu sein: Das 1. Quartal sah die schwächsten Besucherzahlen seit 1995 und der Sommer lässt bislang keine großen Hoffnungen auf Besserungen zu.

Pirates of the Caribbean -Fremde Gezeiten muss sich dennoch nicht grämen: Vergleicht man die Startwochenenden von Teil 4 und Teil 3, so halten sich die karibischen Piraten deutlich besser als Dreamworks' Vorzeige-Oger Shrek: Nachdem sich Shrek der Dritte und Am Ende der Welt in den USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, überflügelte Fremde Gezeiten den vierten Shrek-Teil um 12%. Raus ist die Luft also noch lange nicht.

Der 3D-Faktor

Wie sich 3D auf die Einnahmen von Fremde Gezeiten auswirkte, ist eine unklare Sache: Wie der Kinofinanzexperte Richard Greenfield betont, sind einige Kinogänger der dritten Dimension auf der Leinwand überdrüssig geworden und laut Variety kamen allein 46% der US-Starteinnahmen von 3D-Vorstellungen (genauer aufgeschlüsselt: 37% der Einnahmen entstammten "normalen" 3D-Sälen, 9% IMAX-Kinos). Um es nochmal deutlicher zu sagen: Über die Hälfte der Kinogänger zog eine 2D-Vorführung vor. Und das, obwohl Fremde Gezeiten komplett in 3D gedreht wurde. Selbst der für seine miese Konvertierung heftig kritisierte Kampf der Titanen brachte es immerhin auf 52% Kinogänge in 3D.

Wie Variety in Bezug auf Insiderkreise mutmaßt, hängen die stark fluktuierenden 3D-Startwochenenden davon ab, ob ein Film als 3D-Event aufgefasst wird (wie der mit über 90% 3D-Anteil gestartete Piranha 3D) oder als Film, bei dem schlicht eine 3D-Option besteht. Mit drei Vorgängern in 2D schlägt Fremde Gezeiten klar in die zweite Kerbe. Disney schien dies bereits geahnt zu haben, und bot im prozentualen Vergleich deutlich mehr 2D-Kopien zum Start an, als Paramount mit Thor. Offenbar aber noch immer nicht genug, um Jack Sparrows Kinorückkehr noch etwas weiter zu stärken. Zumindest auf US-Boden.

In anderen Ländern ist der 3D-Boom nämlich längst nicht auf seinem Zenit angelangt. Insbesondere in Russland wird einfach alles zum Erfolg, wenn es nur drei Dimensionen hat. Sogar Milo und Mars scheffelte im Land des Kremls respektable Mengen an Kohle und Fremde Gezeiten legte dort nicht zuletzt dank des 3D-Faktors einen beeindruckenden 2,9 Mio, Besucher umfassenden Start hin. Finanziell ist der Start dank des 3D-Zuschlags sogar das stärkste Startwochenende in der russischen kinogeschichte. Zu den internationalen Einnahmen komme ich aber gleich ausführlicher zu sprechen.

Wie Variety anmerkt, kommt Fremde Gezeiten kurioserweise beim 3D-Publikum besser an: In aus Marktforschungszwecken abgehaltenen, repräsentativen Zuschauerumfragen bewerteten 94% der 3D-Zuschauer den Film als "höchst empfehlenswert", während in 2D-Vorführungen "nur" 81% der Zuschauer so euphorisch waren. Wieviel Prozent der Zuschauer den Film verstanden, ist derweil bislang nicht verbucht, doch angesichts dessen, dass niemand in einem Multiplex als vermisst gemeldet wurde, scheinen Kinogänger derzeit klüger als die meisten Pressevertreter zu sein.

Das internationale Wochenende

Weltweit legte Fremde Gezeiten den sechstbesten Start aller Zeiten hin. Nimmt man jedoch das gute, dennoch sicherlich verbesserungswürdige US-Wochenende aus der Rechnung heraus, so sieht das Bild gleich viel beeindruckender aus. International (soll heißen: Weltweit, bis auf Nordamerika) genossen Disneys und Bruckheimers Piraten in ihrem vierten Anlauf den bis dato besten Kinostart aller Zeiten! Mit 260,4 Millionen Dollar außerhalb der USA schlägt Fremde Gezeiten den bisherigen Spitzenreiter Harry Potter und der Halbblutprinz (236 Mio. $) und nimmt somit Kurs auf, trotz schwächerer US-Ergebnisse weltweit zumindest Am Ende der Welt (international 216 Mio $ am Startwochenende) zu schlagen. Ob's auch für den bislang erfolgreichsten Teil der Piraten-Reihe reicht, wird sich zeigen müssen.

Das Publikum von Fremde Gezeiten ist sehr homogen: Am Startwochenende wurden weltweit 54% Männer, 53% Pärchen gezählt. Ein breit gefächertes Publikum ist stets ein guter Indikator dafür, dass der Film nicht all zu frontgeladen startet. Marktforschung ergab auch, dass das Publikum Fremde Gezeiten als stärker handlungsorientiert empfand, als den dritten Teil. Das verwundert mich zwar enorm, allein schon, weil Am Ende der Welt schlichtweg mehr Handlung hatte, aber da im gleichen Atemzug aus diesen Kreisen unterrichtet wird, dass Fremde Gezeiten deshalb unter Paaren eine höhere "Nochmal anschauen"-Quote hat, will ich mich nicht zu sehr beschweren. Das Durchschnittsalter ist seit Am Ende der Welt ebenfalls gestiegen (54% der Zuschauer waren über 25 Jahre alt). Die Zuschauer unter 25 Jahren gaben in diesen Umfragen dem Film als Durchschnittsnote eine "1", während das Gesamtpublikum eine "2+" verteilte. In den USA wird angesichts des Memorial-Day-Wochenendes und der vorzügluichen Mundpropaganda unter dieser Zielgruppe ein Ansturm des jungen Publikums erwartet. So optimistisch wäre ich nicht, denn die Leutchen unter 25 können an den Kinokassen außerdem zwischen Kung Fu Panda 2 und Hangover 2 wählen.

In Russland wurde mit 28,6 Millionen Dollar (bzw. 2,9 Millionen Besuchern) das finanziell beste Startwochenende aller Zeiten verbucht. Disney meldete außerdem, in Lateinamerika das stärkste Startwochende der Kinogeschichte hingelegt zu haben. In Norwegen gelang Fremde Gezeiten mit 147.617 Besuchern der beste Start des Jahres (vor Rapunzels 58.284 Besuchern), und auch hier vergrößerte der 3D-Zuschlag die Einnahmen so sehr, dass in Geld gemessen der erfolgreichste Start überhaupt gelang. Selbiges gilt außerdem für die Ukraine und die Türkei (wo es in Besuchern gerechnet nur für den fünftbesten Start des Jahres reichte!). (Quelle für die Besucherzahlen: Insidekino.de)

Der deutsche Start

Mit 19,4 Millionen Dollar (laut Disney exklusive die Mitternachts-Previews) gelang Fremde Gezeiten der komerziell beste Start eines Disney-Films. Zählt man nicht die Penunzen, sondern die in den Kinosälen befindlichen Köpfe, so waren Findet Nemo (2,03 Mio. Besucher), Die Truhe des Todes (1,92 Mio. Besucher) und Am Ende der Welt (1,87 Mio. Besucher) erfolgreicher als der 1,33 Mio. Besucher anlockende vierte Pirates of the Caribbean-Teil. Trotzdem, viertbester Disney-Start, das ist auch nicht übel. Und Fluch der Karibik erreichte im Bundesstart nach einem Eröffnungswochenende mit 1,19 Millionen Besucher auch beinahe die Sechs-Millionen-Besucher-Marke. Durch die Double-Features zum Start von Teil 2 konnte man sie drei Jahre nach Kinostart letztlich auch durchbrechen.
Aufgrund der Kinofaulnis und gestiegener Preise, werden für Fremde Gezeiten momentan im pessimistischsten Fall letztlich 4 Millionen Besucher geschätzt, jedoch deuten die ersten Wochentage auf eine Steigerung hin: Eine Woche nach Kinostart nahmen einige Multiplexe in deutschen Großstädten zusätzliche Vorstellungen von Fremde Gezeiten auf, statt wie eigentlich üblich ein paar Säle für andere Filme freizugeben. Der Kölner Cinedom etwa mutierte in der zweiten Spielwoche mit 17 Vorstellungen täglich zu einer wahren Piraten-Hochburg.

Ausblick:

Die Kritiken sind mies, die Meinungen in Internetforen ambivalent mit positiver Tendenz, die Besucherumfragen dagegen sensationell... Das werktägliche Abschneiden von Fremde Gezeiten wird von einigen Box-Office-Experten so gedeutet, dass sich der Film nicht wie eine typische Fortsetzung erhält, sondern wie ein Originalfilm. Das bedeutet: Die Besucher rennen nicht alle in den ersten Tagen hinein und später gibt's nur noch Wiederholungstäter, Zuspätkommer und Mitgeschleppte. Viel eher sollte sich Fremde Gezeiten in diesem Fall sehr gut in den nächsten drei, vier Wochen halten. Also eher wie Fluch der Karibik und weniger wie Die Truhe des Todes/Am Ende der Welt. Das wäre natürlich sensationell, denn das massive Startwochenende ist natürlich etwas, von dem Originalfilme eigentlich nur träumen können. Deshalb bin ich aber auch etwas zweiflerisch, was diese eher optimistische Ansicht anbelangt. Denn in dem Fall müsste Fremde Gezeiten den zweiten Teil mit riesigem Abstand überholen. Auch wenn ich für Fremde Gezeiten einen knappen ersten Piraten-Platz vorhersagte... das wäre irgendwie zu schön um wahr zu sein.

Insofern... beobachten wir erstmal das zweite US-Wochenende und planen eventuell erst danach eine etwaige "Sir Donnerbold... deine Prognose wird wahr!"-Party. Aye?

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8 Kommentare:

Sorkin hat gesagt…

Aye!

Sunshine hat gesagt…

Zahlen sehen doch ganz ordentlich aus. *g* ich hoffe, dass der Film sich gut in den folgenden Wochen behaupten kann - "Hangover 2" könnte durchaus starke Konkurrenz sein.

Und verdammt, jetzt erst ist mir durch die engl. Seiten ein toller Gag aufgefallen. Das war im Deutschen aber auch nicht gut zu lösen. "I agree with the missionary's position." :D Bwahahah! Natürlich, Jack. *g*

Sir Donnerbold hat gesagt…

OFMG... xD

DEN habe ich in der OV ja völlig überhört! Großartig, ganz, ganz großes Kino! *über beide Ohren grins*

Ananke Ro hat gesagt…

Och - wie konnte man den überhören?! ;-p

Außerdem fehlten in der deutschen Version notgedrungen die Revenge/Rache-Anspielungen, dafür hat mich die "pointing something at me"-Übersetzung einigermaßen besänftigt.

Dr-Lucius hat gesagt…

Wieso..äh?
"Ich stimme mit dem Missionar überein!" (zu Sam Claflin?) Sonst für Kids unter 12 nicht geeignet! :-))
Im Englischen gibts halt häufig lustigere, elegantere Wortspielereien, und Sprichwörter/Redewendungen lassen sich meistens garnicht passend wörtlich übersetzen. (So wie das dämliche "Am Ende des Tages" statt "letzten Endes" oder der "Albatros um den Hals" statt "Klotz am Bein" usw.)
Und was hamse denn in dt. daraus gemacht? Ich habe bisher nur die OV gesehen.
Werden die Besucher von OV auch mitgezählt?

Sunshine hat gesagt…

... Ich weiß gar nicht genau, was Jack im Deutschen da sagt. Es war jedenfalls längst nicht so witzig wie das Original. *g*

Die OV muss ich eh auch noch gucken. *seufz* Man hat's schon schwer...

corny hat gesagt…

ne kurzinfo Disney betreffend: http://www.comic-report.de/cms/index.php?mact=News,cntnt01,detail,0&cntnt01articleid=58&cntnt01returnid=56

Ev. interessiert dich das :-)

lg
corny

KILL LI hat gesagt…

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