Freitag, 22. Juli 2011

Brautalarm


Die Filmwelt hat mitunter eine äußerst kurze Aufmerksamkeitsspanne. Beweis gefällig? Wenn ihr an die letzten, sagen wir Mal, fünf bis sechs Jahre denkt, wer ist der Meister der erwachsenenorientierten Hollywoodkomödie? Viele würden nun sicher aufspringen und Todd Philips nennen, der mit Hangover, Stichtag und Hangover 2 zahlreiche Hintern in die Kinosessel dieser Welt manövriert hat.
Ja, was ist denn aus der Allzweckwaffe Judd Apatow geworden? Er und seine Comedytruppe rund um Seth Rogen, Jonah Hill und Co. galten nach Beim ersten Mal als die Herrscher des räudig-charismatischen US-Humors. Es folgten Superbad, Nie wieder Sex mit der Ex, Ananas Express und vieles mehr.

Kommerziell ist es Apatow diesen Sommer nicht gelungen, die Herrschaft wieder an sich zu reißen. Qualitativ bleibt das Rennen hingegen äußerst spannend, denn Brautalarm macht Hangover 1 & 2 schwer Konkurrenz.

Die Geschichte erinnert an den üblichen "Chick Flick": Annie (Saturday Night Live-Komödiantin Kristen Wiig) hat weder Glück in der Liebe, noch in der Arbeitswelt. Als ihre beste Freundin Lilian (Maya Rudolph aus Idiocracy) zu allem Überfluss auch noch heiratet und Annie somit ungewolt vorführt, wie mies ihr Leben ja ist, fühlt sich unsere Protagonistin am Boden angelangt. Von wegen... Als ihr nämlich Lilians Arbeitskollegin und neue engste Freundin Helen (Rosy Byrne) bei der Verlobungsfeier die Schau stiehlt, ist Krieg angesagt. Ein Krieg, den Annie nicht gewinnen kann...

Klingt nach weibischem Zickenkrieg? Vielleicht, aber in Wahrheit ist Brautalarm eine waschechte Apatow-Komödie, die sich einen feuchten Kericht um Geschlechtergrenzen kümmert. Und so werden die Kinogänger mit Verrücktheiten der verpeilten Nebenfiguren bombadiert, sei es das naive Jung-Ehepaar, das Trickfilme liebt, die entnervte Hausfrau und Mutter, die von ihren pubertierenden Jungs gefrustet ist ("Mein ganzes Haus ist voller Sperma! Letztens habe ich Bettlaken gewechselt und eins davon konnte man durchbrechen!") oder der kernige, dicke Rotschopf, der seit einem Dampfer-Unfall (sie fiel wie eine Flipper-Kugel von Deck zu Deck, von Reling zu Reling) ein künstliches Bein hat. Hinzu kommen furioser Slapstick (seit Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug gab es keine witzigeren Flugzeug-Sequenzen) und die patentierte Dosis Apatow-Menschlichkeit in Mitten all des derben Humors.

Sofern man keine absolute No-Go-Politik bezüglich Toilettenhumor hat (da gibt's eine ausgedehnte Szene), sollte man unbedingt einen Blick wagen. Brautalarm ist was lang, und manche Figuren sind vielleicht überflüssig, aber die Mischung aus feistem Witz und unerwarteter Feinfühligkeit wird Fans von Hangover, Beim ersten Mal oder Nie wieder Sex mit der Ex zu begeistern wissen.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich fand Brautalarm schrecklich, aber nicht wegen der Toilettenszene, sondern weil ich der Braut den Lebenswandel abgekauft habe. Statt der "Okay, auch die besten Freundschaften können in die Brüche gehen, das ist normal und alltäglich" bekommt man wieder die verkitschte "BFF werden auch immer BFF bleiben *_*" Kitschmoralhingeknallt.

Auch die Szene, wo sie versuchen den Officer auf sich aufmerksam zu machen, war langweilig. Ebenso die Flugzeugszene, man hätte in Vegas wirklich ein paar gute Gacks machen können, und dann zeigen sie nur die Reise...

Sir Donnerbold hat gesagt…

Bei dir klingt das so, als hätte die Braut ihr neues, besseres Leben wegen ihrer Freundin aufgeben müssen. Das wäre tatsächlich eine dämliche Moral - aber darum ging es ja gar nicht im Film. Es gab ja keine neu gewachsene Distanz, die überwunden werden musste, es war nur so, dass Annie lernen musste, dass sie auch selbst für ihr Leben kämpfen muss. Und dass die Braut gleichzeitig lernen musste, dass man Freunde nicht nur hinnehmen sollte, sondern auch ein Ohr dafür haben soll, wenn es jemandem gerade mies geht. Egal, wie sehr man sich in seinem Glück gerade aalen will.

Aufgrund dieser Grundkonstellation nun einen Freundschaftsabbruch zu zelebrieren, wäre schlicht fehlgeleitet. Das gehört in einen anderen Film mit entsprechender inhaltlicher Vorgabe. Denn sonst käme dein Wunsch ja so rüber: "Oh, hey, ich habe wegen der Hochzeit gerade den Kopf völlig woanders. Weißt du was, lass uns unsere Freundschaft beenden!" - Was ist DAS denn bitte für eine Schwachsinnsmoral? "Freunde können sich voneinander entfernen" braucht als Moral einen Film wo, jetzt wirds tautologisch, die Freunde auch voneinander entfernen. Und nicht einen Film, wo man wegen einer Stressituation von Freunden abgelenkt ist.

Und die Flugzeugszene ist also schlecht, weil man nicht bis Las Vegas kam? Na, was denkst du, was die meisten Kinogänger sagen würden, käme die Brautgesellschaft bis nach Las Vegas und würde dort "ein paar gute Gacks" machen. Hmmm, da gab es doch schonmal einen Gack-lastigen Film mit einem Junggesellenabschied in Las Vegas...

Was die Szene mit dem Officer angeht: Nun, das ist wohl Typensache. Ich schrieb ja bei Quotenmeter, dass wohl jeder eine Figur und eine Szene hat, die er kürzen würde. Es aber unmöglich ist, da eine Faustregel zu erstellen, was für die meisten überflüssig war. Ich z.B. fand eher unser britisches Geschwisterpärchen unnötig und Annies Austicker bei der zweiten Feier (was war das nochmal? Polterabend?) etwas zu lang. Der nächste wird dagegen den Kampf ums Mikro bei der Verlobungsfeier zu lange finden... Aber da stimme ich dir insofern zu: Fünf Minuten kürzer könnte der Film sein - nur welche fünf Minuten, da gibt es keinen Konsens. Dann lieber alles drin lassen. *g*

Sunshine hat gesagt…

Wir fanden sowohl die Flugzeugszene als auch die ausgedehnte "Wir machen den schmollenden Cop auf uns aufmerksam!"-Szene urkomisch. Das britische Geschwisterpärchen hätte man aber wirklich streichen könne, einen wirklichen Sinn hatten die nicht (sie waren peinlich hoch 10, aber notwendig? Nö.).

Hm, so rothaarig war megan doch gar nicht, das war brünett. :P Die Rothaarige war die Disneyprinzessin.

Ich glaub, zu dem Film schreib ich auch mal wieder was. Wir haben uns köstlich amüsiert, genau wie der Rest des Saals (bis auf den seltsamen älteren Herren, der allein abseits von allen saß und keinen Mucks von sich gab). Waren zwar nicht so viele Besucher da (20 vielleicht), de rRest war ja in "Harry Potter", aber dennoch super Stimmung!

Und meine Güte, was war die Kleidanprobe peinlich! Das war Fremdschämen im Übermaß! Passend, dass auf der Rückfahrt nach Hause im Zug einer in den Gang gekotzt hat. Lecker... *g*

Anonym hat gesagt…

Kann mir jemand den Titel sagen, den die zum Schluss bei der Hochzeit gesungen haben?

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