Dienstag, 23. August 2011

D23: Ein Blick auf die Themenparks


Dass die Walt Disney Company weniger Filme als Warner Bros., ihr ständiger Konkurrent um den Titel des weltgrößten Unterhaltungskonzerns, veröffentlichen kann, und dennoch finanziell ziemlich solide dasteht, liegt vor allem an den Freizeitparks. Diese sind eine verlässliche Einnahmequelle mit einer beneidenswert treuen Fangemeinde. Menschenskinder, es gibt sogar Disney-Fans, deren Herz allein wegen der Parks für Disney schlägt. Das kann ich zwar nicht so ganz nachvollziehen, da ich nicht verstehe, wie manche die Filme mies finden und trotzdem die Parks lieben können (sind sie dafür nicht zu verwandt?), aber ich möchte da niemanden in seine Herzensangelegenheiten reinquatschen.

Jedenfalls dürfte es niemanden überraschen, dass die Themenparks bei der D23 Expo womöglich den größten Raum beanschlagt haben. Leider gab es relativ wenig Neuigkeiten unter all der Themenpark-Berichterstattung, aber ich habe mich bemüht, die interessantesten der Informationen rauszufischen:

Zunächst stellte Tom Staggs von Disneys Themenpark-Division die Pläne für das rundumerneuerte Fantasyland im Magic Kingdom vor. So wird Belles Dorf viel Raum davon einnehmen und sehr liebevoll bepflanzt. Neben mehreren Restaurants wird es auch eine interaktive Meet-and-Greet-Möglichkeit mit Figuren bieten. Teil dessen ist die bis dato komplizierteste Audio-Animatronic: Ein lebensgroßer Lumiere.
Außerdem wird auch Schneewittchens Dorf das Fantasyland erweitern, in welchem auch die neue Familien-Achterbahn Seven Dwarfs Mine Coaster zu finden ist. Diese ist wilder als die zahme Fahrt mit Casey jr., aber sanfter als Big Thunder Mountain und schließt somit die klaffende Lücke in Disneys Achterbahnen-Spektrum. Videos auf der Expo führten die neuartigen Wagen vor, die unabhängig voneinander ins Schwingen geraten:



(Quelle: Attractions Magazine)

Auch im kalifornischen Disneyland wird das Fantasyland verstärkt an Disneys Märchenfilme angepasst. In diesem Falle stehen aber nicht Die Schöne und das Biest und Schneewittchen, sondern Rapunzel Pate. Wie der Präsident des Disneyland Resorts, George Kalogridis, auf der Expo erklärte, wird man die zwar charmanten, aber auch recht "tacky" gearteten Carnation Gardens zur so genannten Fantasy Fair umgestalten. Diese ist vom pittoresken Markplatz im wunderschönen Königreich aus Rapunzel inspiriert und wird auch einen Blick auf Rapunzels Turm beinhalten (die geographische Magie der Disney-Parks!). Auf diesem Platz wartet neben den üblichen Boutiquen und Verzehrgelegenheiten auch zahlreiches Live-Entertainment auf die Gäste, wie etwa die geplante Royal Ribbon Parade, ein musikalisches Fest mit zahlreichen Tänzern, Artisten und Belle sowie Rapunzel. Ja, die belesenen der Disney-Prinzessinnen scheinen sich zu verstehen. Gefällt mir. Außerdem soll es wohl auch Gelegenheit für die üblichen Autogrammstunden mit den adligen Disney-Figuren (inklusive Pixars Merida) geben. Nachts wird der Platz außerdem für zahlreiche Sonderveranstaltungen geöffnet.


Wir nähern uns damit also einen gewaltigen Schritt dem künstlerischen Disney-Inzest: Die Regisseure von Rapunzel sagten, dass die Gestaltung des Königreichs in Rapunzel sehr stark vom Fantasyland inspiriert wurde, und nun wird diese Inspirationsquelle unter Bezugnahme auf Rapunzel neu gestaltet. Irgendwie ironisch, aber so lange es hübsch und einfallsreich umgesetzt wird, werde ich nicht panisch aufschreien.

Auch die massiven Umbauten im parkgewordenen Prügelknappen Disney California Adventure wurden thematisiert. So zeigte man einige Konzeptbilder der Buena Vista Street, die an Stelle des derzeitigen Eingangs treten wird. Sie soll, wie seit Jahren angekündigt, das gesamte Konzept des Themenparks auf den Kopf stellen und aus "Kalifornien als Themenpark! In Kalifornien!" eine waschechte, disney'esque Zeitreise bieten. Man betritt auf Augenhöhe gemeinsam mit einem jungen und träumerischen Walt Disney und seiner jüngsten Schöpfung Micky Maus (siehe das Bild ganz oben) das Los Angeles der 20er Jahre und folgt dann während der Erkundung des Parks der Entwicklung des disney'schen Traums, während man auch die Facetten Kaliforniens kennenlernt. Klingt doch direkt viel besser!


(Quelle: Disney Parks)

An Cars Land, ebenfalls des kalifornischen Abenteuers, wird weiter tüchtig gebaut. Wirklich neues gab es nicht zu lernen, die bereits angekündigten Attraktionen werden derzeit getestet, und die Cast Member (Disneys Parkangestellten) werden in diesem Bereich in einem liebenswürdigen Seitenhieb auf John Lasseter in Hawaiihemden mit Route-66-Symbolen auftreten. Denn... warum nicht? Die spannendste Meldung bezüglich des kalifornischen Resorts sind wohl buchbare persönliche Begegnungen für besonders begeisterte Disney-Fans, wie etwa "ein Abendessen mit einem Imagineer... in der Haunted Mansion" oder das Wiedererleben alter (filmischer) Attraktionen. Damit spricht man wohl ganz klar die Club 33-Zielgruppe an, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dies etwas für den schmalen Geldbeutel wird.


Schließlich widmete man sich auch dem in der Planung befindlichen Disneypark in Shanghai, der auf dem besten Wege ist der ambitioniertste von allen zu werden, wie allein schon die vielen Konzeptbilder bei Disney and more vermuten lassen. Schon das Schloss wird das größte in der Disney-Geschichte: Das Enchanted Storybook Castle umfasst vier Stockwerke und beinhaltet ein Restaurant, in dem man mit den Prinzessinnen speisen kann, eine Boutique, eine Walkthrough-Attraktion sowie eine sämtlichen Disney-Märchen gewidmete Bootsfahrt. Klotzen, nicht kleckern...

Mehr bei: Fused Film, Disney and more, Attractions Magazine, Mickey Updates

Oh... Ihr wartet noch immer darauf, dass auch was für uns Europäer gemeldet wird? Ihr Narren! Natürlich gab es mal wieder nichts neues über Disneyland Paris.

3 Kommentare:

eccentricRob hat gesagt…

Apropos "Schneewittchen": Da fällt mir ein, was sagst du eigentlich dazu dass gerade drei gänzlich verschiedene Neuverfilmungen am Start sind in Hollywood?

Da wären "Untitled Snow White Project" (manchmal auch mit "The Brothers Grimm: Snow White" betitelt) von Tarsem Singh, mit Lily Collins in der Hauptrolle; dieser Film erscheint bereits März 2012. Und dann wäre da noch "Snow White and the Huntsman" von Rupert Sanders, mit Kristen Stewart in der Hauptrolle; dieser Film erscheint bereits Juni 2012.
Erste Bilder wurden bereits von beiden Filmen veröffentlicht...

Außerdem nimmt Disney ja jetzt wieder seine Produktion für "Snow and the Seven" (wurde ab jetzt unbenannt in "The Order of the Seven") auf, eine sehr freie, exotische Neuinterpretation des Märchens. Dieser Film ist gerademal in der Vorpoduktionsphase, wird also vor 2013 (frühestens) sicherlich nicht fertig sein...

Was hält "der Filmkritiker" davon? ;-) Welcher Film spricht dich am meisten an, wenn überhaupt?

Liebe Grüße...

Sir Donnerbold hat gesagt…

Das Projekt mit Stewart sieht halbwegs gut aus, allerdings habe ich keine wirklichen Erwartungen. Das ohne Titel ist mir bislang wirklich schnuppe.

Tja, und dann noch Disneys Martial-Arts-Produktion... Da bin ich wirklich SEHR gespannt, ich verfolge die Idee seit ihrer Genese. Ich bin kein sonderlich großer Fan von Martial-Arts-Filmen, aber in der Hand der richtigen Personen, kann es mich letztlich doch faszinieren. "Hero", "Tiger & Dragon", in gewisser Hinsicht ja auch "Kill Bill". Und eine sehr freie Martial-Arts-Schneewittchen-Adaption aus dem Hause Disney? Das ist so schräg, dass ich es zumindest mit eigenen Augen sehen will. Ob es gut wird, ist eine andere Frage. Zwischendurch war mal der Kill-Bill-Choreograph als Regisseur an Bord, damals hatte ich gewisses Vertrauen in den Film. Nun nur noch Neugier...

eccentricRob hat gesagt…

Vielen Dank!

Ja, mir geht es ähnlich. Wobei ich bei dem bislang unbenannten Projekt auch neugierig bin, weil dessen Regisseur Tarsem Singh ist, der "The Fall" und "The Cell" gemacht hat, und mir persönlich gefällt sein visueller Stil gut, darum bin ich gespannt ob dieser Film auch so visuell atemberaubend wird...

Na ja- abwarten und Tee trinken. ;-)

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