Mittwoch, 31. August 2011

Die drei Musketiere (2011)


Was hat man davon zu halten, wenn Resident Evil-Regisseur Paul W. S. Anderson ankündigt, Die drei Musketiere neu zu verfilmen? Tja, als der Mann noch behauptete, weniger Wert auf die Austattung und die Kostüme, und mehr Wert auf Romantik und Action zu legen, war ich angepisst, aber dann sah ich Orlando Bloom in seinem Kostüm als Herzog von Buckingham, und ich war erstmals herzlich neugierig auf den Film. Ja, ich habe irgendwie eine seltsame Freude daran, Bloom in fabulösen Kostümen rumhampeln zu sehen, was wollt ihr schon dagegen unternehmen? Der erste Trailer war für mich widerlich sowie faszinierend und mit der Zeit habe ich mich immer mehr in das Projekt vernarrt. Egal ob gewollt oder ungewollt, Paul W. S. Andersons Die drei Musketiere sah nach einem Film aus, bei dem man jede Menge zum Lachen hat.

Und der Film hält, was die Werbung verspricht:
Orlando Bloom läuft herum wie ein aufgetakelter, französischer Pudel-Welpe, gekreuzt mit einem eitlen Gockel, der sich für einen Pfau hält. Er frisst die Szenerie, übertreibt mit seinem Schauspiel und dem lasziv-süffisanten diabolischen Grinsen, steckt das Publikum mit all seiner Spielfreude an.
Milla Jovovich läuft in Kleidern herum, die anfangs in all ihrem Glanz und ihrer Gloria eher wie Parodien von pompösen Kostümfilmen anmuten, aber Stück für Stück werden sie immer zeitgemäßer (angeblich soll sich Kostümschneider Pierre-Yves Gayraud von Christian Diors 50er-Jahre-Mode inspirieren lassen), bis sie wie eine französische Edelnutte im Renaissance-Gewand aussieht. Dabei spielt sie natürlich wieder einmal die verwegene und jeden austricksende Kampfamazone.
Mads Mikkelsen (in der deutschen Synchro wieder einmal mit einem triefend bös aufgelegten Axel Malzacher besetzt) trägt als Rochefort ebenfalls wieder mächtig dick auf und bemüht sich mit voller Kraft, Orlando Bloom im Böse-Grins-Wettbewerb auszustechen, währenddessen aber ernstzunehmend auszusehen. Es gelingt... so... ansatzweise. Sagen wir, es ist eine spaßige Boshaftigkeit, und kein schierer Camp wie bei Bloom.
Die Action ist energetisch, dynamisch und folgt natürlich der für Paul W. S. Anderson so typischen Videospiel-Ästhetik, mit ihrer Zeitlupe, den Nahaufnahmen und den stylischen Posen.
Tja, und dann kommt es zu den Luftschiff-Schlachten. Ja, Luftschiff-Schlachten. Diese Musketiere agieren nicht in unserer Realität oder der Welt eines altmodischen Hollywood-Swahsbucklers aus den 30ern oder 40ern, sondern in einer comichaften, im Videoclip-Stil gedrehten Welt von... naja, Steampunk ist zu früh... eher einer Welt des DaVinci-Punk. Denn mit genau diesem Erfinder reden sich die Autoren raus: DaVinci hat das Luftschiff erfunden. Und wer sind wir, DaVincis Genie anzuzweifeln?

Wenn all das für euch nach einer filmischen Wundertüte voller absurdem Popcornspaß klingt: Genau das ist es! Geht rein, am besten mit vielen Freunden und in einer gut gefüllten Kinovorstellung! Ihr werdet aus dem Grinsen kaum rauskommen. Wem sich bei der obigen Beschreibung dagegen der Magen umdrehte: Vermeidet diesen Streifen auf Teufel komm raus! Ihr werdet ihn hassen!

Natürlich kann man rummeckern, dass der Film mit der Vorlage ihre Schindluder treibt. Aber der Film ist wenigstens von Beginn an ehrlich (eigentlich schon seit den Trailern), er weiß, was er ist, und verheimlicht es auch nicht. Und überhaupt: Nach all den vorlagengetreuen und nicht-ganz-so-getrauen, aber zumindest mit klassischem Mantel-und-Degen-Spaß aufwartenden Verfilmungen hätte es eine weitere dieser Kajüte echt nicht gebraucht. Ich jedenfalls kann mit einer solch absurden Musketier-Adaption leben. Erstens, weil der Stoff schon so abgenutzt ist, dass er bereits sein eigenes Genre ist (wie der Western oder Piratenfilm), und nicht mehr als ein fest definiertes Werk betrachtet wird, und zweitens weil ich Disney-Fan bin. Hätte ich Probleme mit losen Adaptionen, dann könnte ich einen elementaren Teil meiner Filmsammlung wegwerfen.

Und ich mag ja auch Folk-Metal. Man nehme authentisch wirkende Elemente und zimmere drumherum alles, wonach einem gelüstet: Tempo, Härte, Moderne. Und genau das macht auch Andersons Die drei Musketiere. Ich finde, er hätte es sogar noch weiter treiben können. Etwa mit Christoph Waltz, der leider zu zurückhaltend ist. Er ist cool, seine Darbietung grundsolide, aber zum Ton des Films hätte es gepasst, wenn er wenigstens versucht hätte, an Tim Curry in der Disney-Verfilmung oder an seine eigene Leistung in Green Hornet heranzukommen. Oder auch mit der Musik: Sie ist eine fröhliche Mischung aus abgekupferten Passagen der ruhigeren Stücke aus Fluch der Karibik 1 & 2 sowie Hans Zimmers Sherlock Holmes-Musik, nur weitaus weniger exzentrisch. Wieso man darauf verzichtet hat, den WUMMS! dieser beiden Scores mitzuklauen, ist mir unerklärlich. Oder auch mit Til Schweigers Minirolle. Ja, allein schon seine Präsenz erhöht den Camp-Faktor und er kommt zum rechten Zeitpunkt, um den deutschen Kinogänger in die richtige Kopfschüttel-Stimmung zu versetzen, sein alberner Schurkenbart bereitet einen auf die Herrlichkeit vor, die nach ihm mit Orlando Bloom folgt... Aber man hätte da so richtig über Bord gehen können, statt Schweiger nur dabei zu haben, um ihn dabei zu haben. Und Lady de Winter hat einige der besten Sprüche des Films - meinetwegen hätten es aber auch doppelt so viele sein können. Wenn schon Camp-Blockbuster, dann auch ohne Rückhalt!

Auch von den Helden bin ich etwas enttäuscht. Zwischen den Darstellern herrscht Chemie, allerdings gibt es viel zu wenig Raum, sie auch auszuspielen. Wenn man keine andere Musketier-Erzählung kennt, dürfte man Probleme haben, die Figuren irgendwie auseinanderzuhalten. Und deshalb gibt es leider auch viel zu wenig coole Oneliner von ihnen. Dabei ist das doch nicht so schwer: Die 90er-Verfilmung mit Kiefer Sutherland und Charlie Sheen hat das richtig gut hingekriegt. Ich erinnere mich noch heute an die Figuren und kann sie zitieren. Bei den Anderson Musketieren kriege ich jetzt nichts mehr über die Helden zusammen. Die Musketiere hier sind unterhaltsam, aber schnell vergessen.

Wie auch immer: The Musketeer ist das hier zum Glück nicht. Die Trägheit und Orientierungslosigkeit dieses Matrix-Musketierfilms wich purem Popcornspaß. Und, meine Fresse, ich will eine Fortsetzung. Mehr noch: Ich will, dass Orlando Bloom in exakt dieser Staffage als wandelnder Cliffhanger/Plottwist in Pirates of the Caribbean 5 aufkreuzt und danach den Big-Bad in Teil 6 gibt!

4 Kommentare:

Manu hat gesagt…

Hey, danke für die unterhaltsame Rezension.

Ich habe mir überlegt, den Film "lediglich" auf DVD anzusehen. Aber nach diesem Posting MUSS ich einfach ins Kino. ;)

LG

Sir Donnerbold hat gesagt…

Bitte sehr. Wie gesagt: Weit in den Kinosessel zurücklehnen und bloß nicht zu viel Realismus oder Charaktertiefe erwarten. ;-)

Alice hat gesagt…

Ich bin für Donnerstag eingeladen, hatte bis zu dieser Rezension keine Lust. Jetzt aber *g*

Sunshine hat gesagt…

Ja, das macht doch richtig Lust auf den Film. Gut, dass ich den vor meinem Urlaub noch in den aus allen Nähten platzenden Terminkalender quetschen konnte. Juhu, ohhh das wird genial!

Aber bitte, du kannst den Welpen doch nicht zum Bösewicht mutieren lassen! Dass er die FD etwas aufrüscht, ja guuuut, geschenkt. Aber DAS hier? :D

Ich glaube, du hast die Musketieren nicht wirklich wahrgenommen, weil deine Sinne vom campen Orli und dem auch irgendwie durchgeknallten Mikkelsen noch ganz benebelt waren. Und von Til Schweiger. o_O
... Das hättest du nicht erwähnen sollen, ich wusste das noch nicht. Egal. Ich weiß ja nicht, WANN der plötzlich auftaucht und fürs deutsche Publikum ein WTF auslöst. *g*

Und da ich nun nicht mehr tippen kann, sollte ich wirklich ins Bett. Koordination auf dem Tiefpunkt...

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