Samstag, 22. Oktober 2011

Fantasia - Elemente eines Meisterwerks: Der Zauberlehrling

Fantasia is timeless. It may run 10, 20 or 30 years. It may run after I'm gone. Fantasia is an idea in itself. I can never build another Fantasia. I can improve. I can elaborate. That's all.“ - „We all make mistakes. Fantasia was one, but it was an honest mistake. I shall now rededicate myself to my old ideals.
- Walt Disney


Ganz im Sinne dieser geradlinigen Beurteilung seines Schöpfers möchte ich in dieser Artikelreihe Im Schatten der Maus Walt Disneys zeitlosen Fehler näher beleuchten:

Fantasia – Die Elemente eines Meisterwerks
Mickys Darbietung in Fantasia ist das mit Abstand bekannteste Segment des Films und ein wahrhaft ikonischer Auftritt der kleinen Maus. Außerdem könnte man die Szene, die unverändert in zwei Filmen vorkommt, als das dreisteste Beispiel für wiederverwendete Animation überhaupt bezeichnen: Der Zauberlehrling

Die Ballade Der Zauberlehrling wurde 1797 von Johann Wolfgang von Goethe nach einem alten Motiv gedichtet, und genau hundert Jahre später entstand das Scherzo L‘Apprenti-Sorcier von Paul Dukas.
 Es ist eines der berühmteren Stücke der Programmmusik und stellt, nicht zuletzt wegen Fantasia, Dukas‘ mit Abstand bekanntestes Werk dar.
 


Um 1937 begann Walt Disney mit der Planung einer neuen Silly Symphony, um Micky Maus wieder zu etwas mehr Beliebtheit verschaffen. Seine Idee, Dukas‘ Scherzo zu verwenden, um Micky in der Rolle des Zauberlehrlings auftreten zu lassen, war die eigentliche Geburtsstunde von Fantasia.
Als Disney mit Stokowski über seine Idee sprach, war dieser begeistert und schlug sofort vor, einen ganzen Film aus verschiedenen illustrierten Stücken klassischer Musik zusammenzustellen - inklusive der Toccata und Fuge in d-Moll, an der er seit längerem mit Fischinger arbeitete.

In der frühen Planungsphase brachte Stokowski einmal die Idee, statt Micky Maus eine neue Figur als Zauberlehrling zu verwenden - ein Vorschlag, der von Disney absolut nicht in Betracht gezogen wurde. Angeblich war in einer ähnlichen Überlegung zeitweise sogar Seppl für die Rolle im Gespräch, auf jeden Fall sind Mickys fröhlich tollpatschige Bewegungen zusammen mit seiner zu großen Kleidung sichtbar an den Zwerg angelehnt.
Die Produktionskosten für den Kurzfilm schossen schnell in die Höhe; die Angaben gehen von 125.000 bis zu über 160.000 $ und damit dem drei- bis vierfachen einer gewöhnlichen Silly Symphony. Um den Film dennoch profitabel zu machen, sah Disney nur eine Möglichkeit. Ab Februar 1938 begannen offiziell die Arbeiten für den Konzertfilm - oder, wie Stokowski später vorschlug: Fantasia.


Dukas‘ Zauberlehrling ist ein Werk reiner Programmmusik, in dem das gesamte Zusammenspiel der Instrumente nur dazu dient, eine spezifische Geschichte zu erzählen und zu untermalen. Damit eignet er sich natürlich ideal zur Verbildlichung; die möglichen Bilder sind quasi schon in die Musik „hineinkomponiert“. Allerdings merkt man dem Ergebnis an, dass es hauptsächlich eine elaboriertere Silly Symphony ist.

Genau wie bei diesen sind die Klanguntermalungen wie das Rauschen des Wassers und der Marsch der Besen eigens als Untermalung der Handlung geschrieben und die fehlenden Bilder mussten nur ergänzt werden. Vergleicht man den Zauberlehrling mit den anderen Segmenten, kann man spüren, dass den Animateuren hier viel von der Möglichkeit fehlte, ihre eigene Vorstellungskraft frei spielen zu lassen.


Ein wunderhübscher Hidden Mickey!

Darüber, wie Fred Moore Micky für Fantasia zu seinem heutigen Design verhalf, hat Sir Donnerbold in unserem Fred-Moore-Beitrag ja schon gesprochen. Micky Maus stellt als angehender Zauberer mit Mantel und Hut eines der ikonischsten Disney-Symbole überhaupt dar. Alleine der berüchtigte Zauberhut hat mittlerweile in vielen Disney-Parks eine ähnliche Position inne wie das zentrale Schloss. Und warum auch nicht? Immerhin war Micky die erste Disney-Figur, die mit phänomenalen, kosmischen Kräften die Gestirne bewegen darf - und sei es auch nur eine Traumfantasie.

Gerade aufgrund von Mickys wichtiger Position für Disney stellte die grausamste Szene des Segments, in der er den ungehorsamen Besen zertrümmert, einen schwierigen Grenzakt dar. Anfangs gab es Storyboard-Konzepte, in denen man die Gewalttat effektiv sieht. 

Doch da man den kleinen Helden nicht zu brutal darstellen wollte, suchten die Künstler nach einer anderen Lösung. Schließlich orientierten sie sich bei der Szene am deutschen Expressionismus und kamen so auf Schattenbilder und die verstörende Schwarz-Weiß-Verschiebung.

Die Folgen sind dramatischer, als im Original:  Statt einem oder zwei wird Micky jetzt von einer ganzen Legion von Besen heimgesucht, die das Haus systematisch unter Wasser setzen.  Ich muss zugeben, dass mir in einigen Einstellungen nicht ganz klar ist, wie das genau funktioniert: Das Wasser ist gegen Ende des Stückes mit Sicherheit schon bis zum Brunnenrand gestiegen. Aber da der Zauberlehrling trotzdem wohl das physikalisch korrekteste Segment von Fantasia ist, frage ich lieber nicht weiter nach.



Eine andere Entscheidung, die eine Menge zur Atmosphäre des Stückes beiträgt, war die, den verzauberten Besen kein Gesicht zu geben. Im Gegensatz zu ersten Konzeptbildern, in denen der Besen Micky erst freudig und später abweisend ansieht, haben die ausdruckslosen Diener nun eine viel unheimlichere Ausstrahlung: Sie wirken umso mehr wie eine unaufhaltsame Naturkatastrophe.
 

Um den Figuren ausdrucksstarke Bewegungen zu geben, griffen die Zeichner wie sonst auch auf reale Vorbilder zurück: Für Mickys Spiel mit den Sternen und Fluten schwebten Disney die Bewegungen eines exzentrischen Dirigenten vor und für seinen ersten Kampf mit den Wellen filmte man einen Football-Spieler dabei, wie er sich durch einen Raum voller Hindernisse wühlt.


Für den Zauberer stand offiziell der Schauspieler Nigel de Brulier Pate, doch Bill Tytla, der verantwortliche Zeichner, orientierte sich zusätzlich nach einem für ihn lebensnäherem Vorbild: Er gab der Figur, die den sprechenden Namen Yen Sid trägt, nicht nur Walt Disneys Nase und Augenbrauen, sondern er versuchte zusätzlich, den einschüchternden Blick zu imitieren, für den Disney bekannt und gefürchtet war.


Doch nicht nur der Zauberer, vor allem Micky Maus ist ein Avatar für Walt Disney selbst - schließlich hatte er in Fantasia als Mickys Stimme seinen ersten Kinoauftritt. Und in dieser Form lies Disney es sich nicht nehmen, dem Dirigenten persönlich seinen Dank auszusprechen. Auch wenn Stokowski später lächelnd meinte, Mickey habe ihm die Hand schütteln dürfen (und nicht etwa umgekehrt): Der Handschlag zwischen ihm und dem kleinen Zauberlehrling wird für immer ein Stück großer Disney-Geschichte bleiben.


Mehr von mir gibt es auf www.AnankeRo.com.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

so ein scheiß ey die sollten hier mal aufschreiben wer alles die mitwirkenden sind!!!
grrrrrr

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