Samstag, 24. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XXIV)

Platz 1: Die Dinos

Keine Disney-Fernsehserie bringt mein Herz höher zum Schlagen, als diese. Ich war als Kind in sie vernarrt, fand sie als Jugendlicher cool und bin auch jetzt völlig von ihr begeistert.

Die kurz vor seinem Tod von Jim Henson ersonnene und von Michael Jacobs produzierte Serie rund um die Saurierfamilie Sinclair hat sich bereits schon dadurch einen der vordersten Plätze in meiner ewigen Rangliste verdient, dass sie ein Schlüsselerlebnis in meinem Disney-Fandasein auslöste. Denn bei Die Dinos habe ich erstmals erst im Nachhinein erfahren, dass Disney hinter einer mich bezaubernden Sache steckt. Donald Duck hatte mich zu jenem Zeitpunkt längst um seinen gefiederten Finger gewickelt, ebenso wie die Serien aus dem ARD-Disney Club sowie manche der abendfüllenden Disney-Zeichentrickfilme. Da ging ich allerdings auch stets mit dem Wissen und der Erwartung heran, dass "das ja noch etwas von den Machern von Donald (und Käpt'n Balu etc.) ist". Und ja, ich habe als Kind in Kursivschrift und Klammern gedacht –  wundert das hier tatsächlich irgendjemanden?

Jedenfalls war das bei Die Dinos anders. Erst lernte ich die Serie kennen und lieben, und dann entdeckte ich nach der Erstausstrahlung einer späteren Episode das Disney-Logo mitsamt Schriftzug im Abspann. Zuvor haben meine Eltern wohl noch während des Abspanns umgeschaltet, oder irgendwas hat meinen kindlichen Verstand abgelenkt, ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich erinnere mich noch als wäre es letzte Woche gewesen, wie meine Augen dieses schreckliche, 90er-Jahre rot-gelb-orange-farbene Walt Disney Television-Logo aufnahmen und in mir der Groschen fiel: Disney macht wirklich nahezu alles, was ist richtig super finde.
Damit war das Fundament meines Fandaseins wohl endgültig gelegt, und in einem widerstandsfähigen Zustand noch dazu. Denn was Fans ja nicht häufig eingestanden wird: Wir sind ja im Normalfall Fan von etwas oder jemandem, weil wir es oder ihn oder sie eh in unwahrscheinlich häufigen Fällen überragend gut finden. Weshalb es dann nahe liegt, generell ein Fan dieser Sache oder Person zu werden. Und nicht umgekehrt: "Ich bin Fan, also find ich alles gut."

Jedoch ist obige Anekdote nur der nostalgische Zuckerguss meiner Verehrung für diese prähistorische Sitcom. Ein weiteres, großes Stück meiner Zuneigung rührt von den sensationellen Produktionswerten und den beeindruckenden Puppentricks her. Nun gut, als Erwachsener fällt einem, spätestens nach wiederholter Sichtung, natürlich schon auf, dass Nebenfiguren und einmalig aufkreuzende Saurier von einem kleinen Ensemble an Puppen gespielt werden. Insgesamt 17 verschiedene , hoch aufwändige vollbewegliche Puppen und 50 Handpuppen sind zwar bereits eine Menge, aber nicht genug, um Wiederholungen zu vermeiden. Dennoch sind die großen, detailreichen Sets sowie die Animation der großen Saurier bemerkenswert. Als Kind war ich völlig baff und fragte mich, wie die Serie denn gemacht wurde: Zeichentrick und Computer fallen vom Look her raus, aber Puppen können Earl und Co. doch auch nicht sein ... Nun, damals kannte ich an Puppen nur die Muppets, die Sesamstraße und Käpt'n Blaubär, die ja alle das selbe filzige Aussehen und die auffälligen Stöcke an den Armen haben. Auf die Idee, dass sich hinter Die Dinos mannshohe Latexkostüme mit elektronisch gesteuerten Audio-Animatronic-Köpfen verbergen, wäre ich als kleiner Racker so schnell nicht gekommen.

Allerdings ist die technische Seite auch nur ein Element, wodurch sich meine Begeisterung für diese Serie verstärkt. Das wichtigste ist und bleibt nunmal der Inhalt. Das Konzept, der Humor, die Umsetzung. Dadurch wurde Die Dinos zu meiner liebsten Disney-Fernsehserie und auch der Maßstab, an dem ich alle möglichen, auch nur ansatzweise vergleichbaren Produktionen messe. Aus der Erinnerung heraus ist Die Dinos für so manchen nur ein Die Simpsons-Abklatsch, der zudem ein paar Einfälle aus der Familie Feuerstein klaute. Und dass die Simpsons-Macher sich über die vermeintlich riesigen Parallelen in einer Episode sogar lustig machten, hilft auch nicht gerade, die verschwommen Erinnerungen ins rechte Licht zu rücken. Ja, in beiden Serien gibt es einen dümmlichen, übergewichtigen Vater und eine als Hausfrau tätige Mutter. Hossa, das hat man ja noch nirgends gesehen. Außer in einem Großteil der Sitcoms dieser Welt.

In Ordnung, das ist eine weitere Parallele: Beide Serien nahmen das Sitcom-Format und übertrugen es in ein anderes Medium. Die Simpsons in den Zeichentrick (was zuvor schon Familie Feuerstein gemacht hat) und Die Dinos in den Puppentrick. Von dort an gingen beide Serien völlig verschiedene Wege. Die Simpsons waren in ihrem ersten Jahr nicht wesentlich mehr, als eine gezeichnete Sitcom, die sich an einen schwärzeren Humor herantraute, in Staffel 2 fanden die Macher ihre eigene "Sprache" und ab der dritten Staffel saßen die Pointen, die ein unangenehmeres Bild des Durchschnittsamerika zeigten, erst so richtig. (VERLINKEN: http://sirdonnerboldsbagatellen.blogspot.com/2010/11/die-simpsons-die-komplette-dritte.html ) Die Dinos hingegen mutierte rasend schnell von einer Sitcom-Parodie mit prähistorischem Setting und satirischen Zwischentönen zu einem bitterbösen schuppigen Zerrspiegel der westlichen Gesellschaft.

Und das ist einfach das geniale an Die Dinos. Die Autoren von Die Dinos nutzten das dramaturgische Konzept sowie die Figurenkonstellation einer klassischen Sitcom, setzten dies mit Puppen um (Dinosauriern noch obendrein) und lieferten dann feinste Satire über die verschiedensten gesellschaftlichen Probleme ab. Die Persiflage von Sitcom-Klischees und -Stereotypen ist da nur Garnierung am Rand. So viel politische Aussage, solch galligen Kommentare über die Medien, so feinsinnige Bemerkungen über in Disneys heiler Welt üblicherweise totgeschwiegene Themen wie Pubertät, Emanzipation und blindem Religionseifer ... Diesbezüglich ist Die Dinos zweifelsohne einsame Klasse.

Dass Die Dinos nie belehrend wirkte und mit seinen ständigen Botschaften so predigend rüberkam, wie es mittlerweile teils solchen Serien wie South Park vorgeworfen wird, liegt vor allem an den sympathischen Figuren, die allesamt gelungene Saurierabwandlungen von Sitcom-Archetypen sind. Earl Sinclair, der dümmlich-liebenswerte Familienvater mit antiquierter Weltanschauung (und in der deutschen Fassung mit der wunderbar väterlichen Stimme Edgar Otts  bzw. Jürgen Kluckerts ausgestattet), die meist oberflächliche, aber unschuldige Tochter Charlene, die ihr Licht unter den Scheffel stellende Mutter Fran und der rebellische, moderne Werte vertretene Sohn Robbie, dem die Pubertät öfter einen Saurierknochen zwischen die Beine wirft. Und natürlich das knuddelige, vorlaute Baby, das in den Erinnerungen vieler die gesamte Serie repräsentiert (und im Original von Elmo-Spieler Kevin Clash gesprochen wird). Die glaubwürdige, und dennoch sitcomhaft-verspielte Umgehensweise in der Sinclair-Familie gaben der Serie ein Herz, wodurch die satirischen Botschaften erst so richtig amüsant werden konnten.

In einer sehr frühen, sitcomhaften Episode meldet sich Familie Sinclair bei einer Gameshow an, um endlich den kaputten Familienfernseher ersetzen zu können. Wie sich diese Geschichte abspielt, würde heute man heute mit wesentlich derberem Humor bei South Park oder mit einigen zusammenhanglosen Gag-Sequenzen und unsympathischen Fratzen bei Family Guy zeigen. Diese Serien, ebenso wie American Dad oder auch die später aufkeimende, boshaftere Seite der Simpsons, sie alle bekamen von Die Dinos vorgelebt, wie man es perfekt machen könnte. Die Episode parodiert die Erzählweise von Sitcoms, zeigt abgerundete Figuren mit einer Seele und frechem Mundwerk, hält uns Medienkonsumenten ein schlimmes Spiegelbild vor, und ist dennoch "locker-flockig". Und dabei ist das noch eine der schwächeren Episoden!

Die Sternstunden der Dinos schlugen, als mit beißendem Sarkasmus mediengeile Eltern, die ihre Kinder zu Ruhm drängen, abgezockte, quotengeile Fernseh-Programmplaner, der Irak-Krieg, Fernsehprediger, Erziehungsratgeber, Scheinehen oder Goethes Faust (von allen Dingen!) durch den Schlamm gezogen wurden. Oder Disneyland. Denn als die hohen Herren von ABC das Budget kürzten, kannten die frechen, geistreichen Macher dieser Serie kein Halten mehr. Daher rührt auch das traurigste, bitterböseste und konsequenteste Serienfinale, dass Disney, das Familienfernsehen und die Sitcomgeschichte je gesehen haben.

Die Dinos ist intelligent, hat eine erfrischende Dosis Albernheit, liebenswerte Figuren und einen erstaunlich schwarzen, boshaften Humor. Was zu einer echten "Feel-Good-Serie" verbunden wurde. Das ist Fernsehen, voll und ganz nach meinem Geschmack. Und ein Volltreffer, wie ihn Disney wohl leider nie mehr wiederholen wird.

Und somit wünsche ich euch allen, ganz im Geiste von Die Dinos, ein frohes Fest mit euren Liebsten, vielen Geschenken und einem prall gefüllten Kühlschrank! Auf dass es euch weit über die Feiertage hinaus fröhliche Farbe in einen farblosen Alltag bringt!

Wir wünschen frohe Eisnacht, wir wünschen frohe Eisnacht, wir wünschen frohe Eisnacht ...
Schenken Sie doch Farbe!

8 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nicht die Mama!

Lutz hat gesagt…

OK, die Dinos hatte ich nicht auf dem Radar. Ich verknüpfe das immer mehr mit Jim Henson als mit Disney.

Aber gute Wahl :-)

Anonym hat gesagt…

Da sind ja nur uralte Sachen in der Liste. Ein paar neuere wie Hannah Montana, Die Zauberer vom Waverly Place oder Hotel Zack und Cody gehören schon in eine gute Liste. Das Zeug in der Liste kommt doch seit 100 Jahren nicht mehr im Fernsehen.

InvaderPhantom hat gesagt…

Zu schade, dass Hannah Montana, Die Zauberer vom Waverly Place und Hotel Zack und Cody alle absoluter Schrott sind, selbst aus objektiver Sicht.

DBuehring hat gesagt…

Das ganze Gespräch bezüglich "Auf meiner Top 3 wäre aber Bonkers" hatten wir ja schon auf Twitter, deshalb wollte ich dich hier nochmal kurz fragen, was du eigentlich so generell von der Serie gehalten hast und auch, was den Einstieg in deine Top-Liste verhinderte. ;)

Sir Donnerbold hat gesagt…

@ Anonym 2: Eine persönliche Liste kann so sehr auf aktuelle Serie pfeifen, wie der Autor beliebt. Da gibt es kein "Muss". Zudem ist deine Beobachtung falsch. Mit "Phineas & Ferb" habe ich eine Serie drin, die noch immer neue Episoden bekommt. Und von "Davy Crockett", "Raw Toonage", "Liebling, ..." und "Muppets Tonight" abgesehen wird der Rest eigentlich auch oft genug wiederholt.

@ InvaderPhantom: Zumindest "Zack und Cody" KANN ab und an amüsant werden. So als Ehrenrettung für Anonym 2.

@ DBuehring:

Verzeih mir bitte die späte Antwort:
"Bonkers" finde ich generell ganz spaßig. Ein Toon-Polizist ist halt ein gefundenes Fressen für kreative, verrückte Einfälle. Am besten gefallen mir die Episoden, die sehr filmbezogen / disneybezogen sind. Etwa die mit dem miesen Micky-Imitator oder die Pilot-Doppelfolge. Dass die Serie nicht in meine Liste kam, lag daran, dass ich einige Fälle schlicht langweilig fand (der Erinnerung nach sogar die Mehrheit) und in der Konsequenz mir auch irgendwie das Timing nicht so sehr zusagte. Außerdem fand ich die Figuren nicht sooo sympathisch, wie man andere Disney-TV-Helden. Platz 25 - 27 wäre es wohl für "Bonkers" geworden.

DMJ hat gesagt…

Es mag ein uralter Artikel sein, aber das soll mich nicht abhalten, hier lauthals zuzustimmen!

Auch ich habe "Die Dinos" erst als Kind und dann aus anderen Gründen als Erwachsener geliebt und schätze sie noch heute, wenn ich irgendwo eine Wiederholung sehe.

Ihr Ende lobe ich natürlich als revolutionären und zur Serie passenden anarchischen Akt, allerdings war es mir dann doch zu grausam für die unschuldigen Zuschauer. Ich bin verdammt froh, es erst relativ spät, also schon entsprechend älter gesehen zu haben - denn auch da hatte ich danach noch einen ordentlichen Kloss im Hals.

Anonym hat gesagt…

Sir Donnerbold wärst du nicht auch interessiert daran das die Serien der Liste auf DVD in Deutschland herauskommen?

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