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Samstag, 24. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XXIV)

Platz 1: Die Dinos

Keine Disney-Fernsehserie bringt mein Herz höher zum Schlagen, als diese. Ich war als Kind in sie vernarrt, fand sie als Jugendlicher cool und bin auch jetzt völlig von ihr begeistert.

Die kurz vor seinem Tod von Jim Henson ersonnene und von Michael Jacobs produzierte Serie rund um die Saurierfamilie Sinclair hat sich bereits schon dadurch einen der vordersten Plätze in meiner ewigen Rangliste verdient, dass sie ein Schlüsselerlebnis in meinem Disney-Fandasein auslöste. Denn bei Die Dinos habe ich erstmals erst im Nachhinein erfahren, dass Disney hinter einer mich bezaubernden Sache steckt. Donald Duck hatte mich zu jenem Zeitpunkt längst um seinen gefiederten Finger gewickelt, ebenso wie die Serien aus dem ARD-Disney Club sowie manche der abendfüllenden Disney-Zeichentrickfilme. Da ging ich allerdings auch stets mit dem Wissen und der Erwartung heran, dass "das ja noch etwas von den Machern von Donald (und Käpt'n Balu etc.) ist". Und ja, ich habe als Kind in Kursivschrift und Klammern gedacht –  wundert das hier tatsächlich irgendjemanden?

Jedenfalls war das bei Die Dinos anders. Erst lernte ich die Serie kennen und lieben, und dann entdeckte ich nach der Erstausstrahlung einer späteren Episode das Disney-Logo mitsamt Schriftzug im Abspann. Zuvor haben meine Eltern wohl noch während des Abspanns umgeschaltet, oder irgendwas hat meinen kindlichen Verstand abgelenkt, ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich erinnere mich noch als wäre es letzte Woche gewesen, wie meine Augen dieses schreckliche, 90er-Jahre rot-gelb-orange-farbene Walt Disney Television-Logo aufnahmen und in mir der Groschen fiel: Disney macht wirklich nahezu alles, was ist richtig super finde.
Damit war das Fundament meines Fandaseins wohl endgültig gelegt, und in einem widerstandsfähigen Zustand noch dazu. Denn was Fans ja nicht häufig eingestanden wird: Wir sind ja im Normalfall Fan von etwas oder jemandem, weil wir es oder ihn oder sie eh in unwahrscheinlich häufigen Fällen überragend gut finden. Weshalb es dann nahe liegt, generell ein Fan dieser Sache oder Person zu werden. Und nicht umgekehrt: "Ich bin Fan, also find ich alles gut."

Jedoch ist obige Anekdote nur der nostalgische Zuckerguss meiner Verehrung für diese prähistorische Sitcom. Ein weiteres, großes Stück meiner Zuneigung rührt von den sensationellen Produktionswerten und den beeindruckenden Puppentricks her. Nun gut, als Erwachsener fällt einem, spätestens nach wiederholter Sichtung, natürlich schon auf, dass Nebenfiguren und einmalig aufkreuzende Saurier von einem kleinen Ensemble an Puppen gespielt werden. Insgesamt 17 verschiedene , hoch aufwändige vollbewegliche Puppen und 50 Handpuppen sind zwar bereits eine Menge, aber nicht genug, um Wiederholungen zu vermeiden. Dennoch sind die großen, detailreichen Sets sowie die Animation der großen Saurier bemerkenswert. Als Kind war ich völlig baff und fragte mich, wie die Serie denn gemacht wurde: Zeichentrick und Computer fallen vom Look her raus, aber Puppen können Earl und Co. doch auch nicht sein ... Nun, damals kannte ich an Puppen nur die Muppets, die Sesamstraße und Käpt'n Blaubär, die ja alle das selbe filzige Aussehen und die auffälligen Stöcke an den Armen haben. Auf die Idee, dass sich hinter Die Dinos mannshohe Latexkostüme mit elektronisch gesteuerten Audio-Animatronic-Köpfen verbergen, wäre ich als kleiner Racker so schnell nicht gekommen.

Allerdings ist die technische Seite auch nur ein Element, wodurch sich meine Begeisterung für diese Serie verstärkt. Das wichtigste ist und bleibt nunmal der Inhalt. Das Konzept, der Humor, die Umsetzung. Dadurch wurde Die Dinos zu meiner liebsten Disney-Fernsehserie und auch der Maßstab, an dem ich alle möglichen, auch nur ansatzweise vergleichbaren Produktionen messe. Aus der Erinnerung heraus ist Die Dinos für so manchen nur ein Die Simpsons-Abklatsch, der zudem ein paar Einfälle aus der Familie Feuerstein klaute. Und dass die Simpsons-Macher sich über die vermeintlich riesigen Parallelen in einer Episode sogar lustig machten, hilft auch nicht gerade, die verschwommen Erinnerungen ins rechte Licht zu rücken. Ja, in beiden Serien gibt es einen dümmlichen, übergewichtigen Vater und eine als Hausfrau tätige Mutter. Hossa, das hat man ja noch nirgends gesehen. Außer in einem Großteil der Sitcoms dieser Welt.

In Ordnung, das ist eine weitere Parallele: Beide Serien nahmen das Sitcom-Format und übertrugen es in ein anderes Medium. Die Simpsons in den Zeichentrick (was zuvor schon Familie Feuerstein gemacht hat) und Die Dinos in den Puppentrick. Von dort an gingen beide Serien völlig verschiedene Wege. Die Simpsons waren in ihrem ersten Jahr nicht wesentlich mehr, als eine gezeichnete Sitcom, die sich an einen schwärzeren Humor herantraute, in Staffel 2 fanden die Macher ihre eigene "Sprache" und ab der dritten Staffel saßen die Pointen, die ein unangenehmeres Bild des Durchschnittsamerika zeigten, erst so richtig. Die Dinos hingegen mutierte rasend schnell von einer Sitcom-Parodie mit prähistorischem Setting und satirischen Zwischentönen zu einem bitterbösen schuppigen Zerrspiegel der westlichen Gesellschaft.

Und das ist einfach das geniale an Die Dinos. Die Autoren von Die Dinos nutzten das dramaturgische Konzept sowie die Figurenkonstellation einer klassischen Sitcom, setzten dies mit Puppen um (Dinosauriern noch obendrein) und lieferten dann feinste Satire über die verschiedensten gesellschaftlichen Probleme ab. Die Persiflage von Sitcom-Klischees und -Stereotypen ist da nur Garnierung am Rand. So viel politische Aussage, solch galligen Kommentare über die Medien, so feinsinnige Bemerkungen über in Disneys heiler Welt üblicherweise totgeschwiegene Themen wie Pubertät, Emanzipation und blindem Religionseifer ... Diesbezüglich ist Die Dinos zweifelsohne einsame Klasse.

Dass Die Dinos nie belehrend wirkte und mit seinen ständigen Botschaften so predigend rüberkam, wie es mittlerweile teils solchen Serien wie South Park vorgeworfen wird, liegt vor allem an den sympathischen Figuren, die allesamt gelungene Saurierabwandlungen von Sitcom-Archetypen sind. Earl Sinclair, der dümmlich-liebenswerte Familienvater mit antiquierter Weltanschauung (und in der deutschen Fassung mit der wunderbar väterlichen Stimme Edgar Otts  bzw. Jürgen Kluckerts ausgestattet), die meist oberflächliche, aber unschuldige Tochter Charlene, die ihr Licht unter den Scheffel stellende Mutter Fran und der rebellische, moderne Werte vertretene Sohn Robbie, dem die Pubertät öfter einen Saurierknochen zwischen die Beine wirft. Und natürlich das knuddelige, vorlaute Baby, das in den Erinnerungen vieler die gesamte Serie repräsentiert (und im Original von Elmo-Spieler Kevin Clash gesprochen wird). Die glaubwürdige, und dennoch sitcomhaft-verspielte Umgehensweise in der Sinclair-Familie gaben der Serie ein Herz, wodurch die satirischen Botschaften erst so richtig amüsant werden konnten.

In einer sehr frühen, sitcomhaften Episode meldet sich Familie Sinclair bei einer Gameshow an, um endlich den kaputten Familienfernseher ersetzen zu können. Wie sich diese Geschichte abspielt, würde heute man heute mit wesentlich derberem Humor bei South Park oder mit einigen zusammenhanglosen Gag-Sequenzen und unsympathischen Fratzen bei Family Guy zeigen. Diese Serien, ebenso wie American Dad oder auch die später aufkeimende, boshaftere Seite der Simpsons, sie alle bekamen von Die Dinos vorgelebt, wie man es perfekt machen könnte. Die Episode parodiert die Erzählweise von Sitcoms, zeigt abgerundete Figuren mit einer Seele und frechem Mundwerk, hält uns Medienkonsumenten ein schlimmes Spiegelbild vor, und ist dennoch "locker-flockig". Und dabei ist das noch eine der schwächeren Episoden!

Die Sternstunden der Dinos schlugen, als mit beißendem Sarkasmus mediengeile Eltern, die ihre Kinder zu Ruhm drängen, abgezockte, quotengeile Fernseh-Programmplaner, der Irak-Krieg, Fernsehprediger, Erziehungsratgeber, Scheinehen oder Goethes Faust (von allen Dingen!) durch den Schlamm gezogen wurden. Oder Disneyland. Denn als die hohen Herren von ABC das Budget kürzten, kannten die frechen, geistreichen Macher dieser Serie kein Halten mehr. Daher rührt auch das traurigste, bitterböseste und konsequenteste Serienfinale, dass Disney, das Familienfernsehen und die Sitcomgeschichte je gesehen haben.

Die Dinos ist intelligent, hat eine erfrischende Dosis Albernheit, liebenswerte Figuren und einen erstaunlich schwarzen, boshaften Humor. Was zu einer echten "Feel-Good-Serie" verbunden wurde. Das ist Fernsehen, voll und ganz nach meinem Geschmack. Und ein Volltreffer, wie ihn Disney wohl leider nie mehr wiederholen wird.

Und somit wünsche ich euch allen, ganz im Geiste von Die Dinos, ein frohes Fest mit euren Liebsten, vielen Geschenken und einem prall gefüllten Kühlschrank! Auf dass es euch weit über die Feiertage hinaus fröhliche Farbe in einen farblosen Alltag bringt!

Wir wünschen frohe Eisnacht, wir wünschen frohe Eisnacht, wir wünschen frohe Eisnacht ...
Schenken Sie doch Farbe!

Freitag, 23. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XXIII)

"Ich nehme diesen ... zweiten Platz (?!?!) an. Widerwillig!"

Er ist der Schrecken, der die Nacht durchflattert. Er ist das Backrohr, das euren Weihnachtsbraten zu Holzkohle verschmohrt! Er ist ... Darkwing Duck!

Die besten Ideen müssen manchmal einen Umweg gehen: Aus einer im Rahmen von DuckTales gesponnenen James Bond-Parodie mit Quack, dem Bruchpiloten sollte auf Anordnung der Studiobosse eine Spin-Off-Serie namens Double-O-Duck werden. Zunächst widerwillig stellte Tad Stones dem Flieger-Ass mit Landungsschwäche Krachbummente/Dingsbumms-Duck/Gizmo Duck zur Seite und präsentierte das Geheimagenten-Team seinen Vorgesetzten. Stones mangelte dieses Konzept allerdings an Seele, und den Disney-Studios wiederum mangelte es an der Erlaubnis, "Double-O" als Serientitel zu verwenden. Diese Formulierung gehört nämlich zur James Bond-Lizenz.

Aus der Agentenparodie formierte sich eine liebevolle Superhelden-Persiflage (auch wenn Agentenversatzstücke beibehalten wurden, so arbeitet der Protagonist für die Geheimorganisation S.H.U.S.H.), aus dem Spin-Off wurde eine originale Idee. "Was, wenn sich Batman um eine kleine Tochter kümmern müsste?" – diese Frage verlieh der Serie ihre Seele, und weil Serienschöpfer Tad Stones immer noch Publikumsliebling Quack im Sinn hatte, und die Serie eine Figur seines Kalibers benötigte, blieb er als Sidekick an Bord. Eine Studiowette, wer einen brauchbaren Serientitel ersinnen könnte, führte wiederum zum Namen Darkwing Duck – und so nahm eine Sternstunde der TV-Animation Gestalt an.

Die Helden-Grundkonstellation ist also folgende: Eddie Erpel aka Darkwing Duck ist ein Kerl mit einem Mordsego, der mit einer Gaspistole ausgestattet gemeinsam mit seinem Piloten und besten Freund einzigen Freund Quack sowie seinem Wirbelwind von Adoptivtockter Kiki auf Verbrecherjagd geht. Und daraus machten die Autoren von Darkwing Duck geballten Fernsehspaß.

Ich sagte ja bereits über Kim Possible, dass die Episoden gute Laune von Anfang bis Ende bedeuten. Wie also kommt Darkwing Duck in meinen Augen über die so talentierte Cheerleaderin/Agentin? Ganz klar: Dadurch, dass die Autoren sich noch mehr Gedanken machten, wie man die Schurkenhatz abwechslungsreich und brüllend komisch gestalten kann. Darkwing Duck hat (üblicherweise) ausgetüfteltere Storys als seine Disney-Nachfolgerin im Geiste und auch wenn einige der Figuren aus Kim Possible recht sarkastisch sein können, so können sie Darkwings kultigen Sprüchen nicht im Geringsten das Wasser reichen. Als wäre dem nicht bereits genug, bietet Darkwing Duck obendrein eine der hervorragendsten Paletten an Bösewichtern, die sich eine Fernsehserie wünschen kann. Wohl jeder, der Darkwing Duck kennt, hat einen Lieblingsschurken und wohl auch einen stolzen Anwärter auf den Vizetitel.

Nagut, wohl jeder, bis auf meine Wenigkeit. Ich kann mich nämlich einfach nicht entscheiden, wer aus der Schurkenliga der "Fürchterlichen Fünf" der unterhaltsamste Fiesling ist. Da wäre Fiesoduck, Darkwings böser Gegenpart, ein skrupelloser Kerl mit tiefschwarzem Sinn für Humor und einem leidenschaftlichen Sinn für Chaos und Zerstörung. Ich persönlich finde ihn ja auch dank Ekkehardt Belles unverkennbares Sprachorgan auf Deutsch noch besser, als im Original. Dann gäbe es den Liquidator, einen ehemaligen Werbefuzzi, der durch einen grässlichen Chemikalienunfall zu einem Wassermenschen wurde, aber selbst als Schurke seine alles mögliche anbiedernde Natur nicht ablegen konnte. Quackerjack ... ist einfach nur ein durchgeknallter Clown mit einem unersättlichen Arsenal an Waffen im Spielzeug-Design. Benjamin Buxbaum ist ein zartbesaiteter Wissenschaftler, der durch einen Forschungsunfall zum Herr der Pflanzen wurde. Er ist zwar ein Bösewicht, allerdings geht es ihm oft auch nur darum, geliebt zu werden. Und dann wäre letztlich noch der Schurke mit den häufigsten Auftritten: Megavolt! Durchgeknallt, gemeingefährlich, Befreier der Elektronikgeräte und elektrisierend. Und ihr könnt euch sicher sein: Jeder dieser Schurken beherrscht Wortwitze, die einen vor Lachen nach Luft schnappen lassen.

Wenn die Serie mal die Superheldencomics (insbesondere des Silver Ages) bei Seite ließ und sich in Richtung Agentenparodie neigte, gab es obendrein noch Eisenbeiß zu bestaunen, der genauso gut in einer Disney-Zeichentrickvariante von James Bond den ernstzunehmenden Bösewicht hätte geben können. Ein Gockel mit eisernem Schnabel, nichtsnutzigen Untergebenen (den Dotterköpfen), einer überheblichen Attitüde (sowie in der deutschen Fassung mit der Stimme von Christian Tramitz) und seltsamen Plänen. Einmal stahl der fiese Agent der Schurkenorganisation F.O.W.L. eine Superrakete und rammte sie bei voller Power in ein Gebirge, so dass sie stecken blieb und gegen die Rotation der Erde arbeitete. Diesen Plan erklärte er, natürlich, in einer Videobotschaft. In der er in der Küche mit Eiscreme hantierte und sein Vorhaben mit einem Globus nachstellte.

Es gab noch weitere wiederkehrende Schurken, aber diese sechs waren klar die wichtigsten und meiner Meinung nach auch witzigsten. Was Darkwing Duck auszeichnete, und worin diese klassische Disney-Trickserie auch die jüngere Kim Possible aussticht, ist nämlich, dass diese völlig durchgeknallten Bösewichter bei all ihrer comichaften, überzeichneten Darstellung noch immer fähig waren, eine ernstzunehmende Bedrohung darzustellen. Manchmal war ihnen gar nicht bewusst, was sie anstellen, etwa als Benjamin Buxbaum mit einer Vampirkartoffel anbändelte oder als Megavolt und Quackerjack durch unbedachte Zeitreisen eine herzlose Zukunftsversion von Darkwing Duck erschufen, andere Male sonnten sie sich in einer schurkischen Sternstunde ihres sonst verbrannten Verstands. Und da auch Darkwing, der von seiner Gaspistole abgesehen allein mit Selbstverliebtheit und Sarkasmus ausgestattet war, ganz genau wusste, wann mit seiner Blödelei im Flattercape Schluss sein muss, gelang es den Darkwing Duck-Autoren und -Regisseuren, regelmäßig Spannung in die Serie zu bringen. Nicht zuletzt deswegen ist Darkwing Duck, trotz seiner parodistischen Natur, auch wunderbar als alleinstehende Serie zu genießen. Die wenigsten Kinder, die Darkwing Duck im Fernsehen sahen und lieben lernten, dürften die Spielereien mit Superhelden-Konventionen und -Klischees verstanden haben. Und dennoch amüsierte die Serie vorzüglich!

Vom 31. März 1991 an flatterte Darkwing Duck in 91 äußerst kreativen, mit großen und kleinen humoristischen Geniestreichen gespickten Episoden durch die Nacht von St. Erpelsburg. Wie auch DuckTales und Chip & Chap erhielt er ein beliebtes Videospiel sowie eine kurzlebige Comicreihe zu Zeiten der Erstausstrahlung, wobei die Comics nicht von berauschender Qualität waren. Im März 2010 starteten aber die BOOM! Studios ein Comic-Revival, das eine gewisse Zeit nach der Serie angesetzt ist. Vielleicht liegt es am Genre, vielleicht stimmte in diesem Fall einfach nur die Sternenkonstellation: Während DuckTales einen derben Qualitätseinbruch hinnahm und Chip & Chap verfrüht eingestellt wurde, hat der neue Darkwing Duck-Comic trotz mancher Querelen hinter den Kulissen ein mehr als stattliches Niveau erreicht. Der gute, bescheeieieieieieiedene Eddie Erpel wüsste, dass das nächste Ziel ein TV-Comeback und dann die Kinowelt ist. Aber solche Unterfangen sind bei Disney mehr als gefährlich, viel zu schnell lassen sich Studiobosse von kämpfenden Hamstern ablenken. In diesem Sinne: Zwo, eins, Risiko!

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XXII)

Platz 3: Quack Pack

Manchmal fühle ich mich so, als müsse ich einen verzweifelten Aufschrei direkt an den Anfang eines Artikels setzen, einfach um den Punkt besonders klar zu machen. In diesem Fall ist es: "Arghhlbraaarghl!" Was die Sprache ist, die ich mit mir selber in meinem Kopf spreche, und ungefähr so viel bedeutet wie: "Manchmal machen Fans eine Sache kaputt, bevor sie eine Chance hatte!"

Das Internet-Spin-Off Scrubs: Interns etwa wurde der Gelegenheit beraubt, den Scrubs-Fans die neuen Figuren besser vorzustellen, und wurde zu einem unpointierten Stauraum für Material, das nicht gut genug für die eigentliche Serie ist. Und Quack Pack wird bis zum heutigen Tag von einigen Personen für ein Sakrileg verdammt, welches keines ist. Die Anklage lautet: Diese Serie zeigt Donald Duck, seine Neffen und Daisy in einer von Menschen bevölkerten Welt. Und nicht in der aus DuckTales oder den meisten Carl-Barks-Comics bekannten Welt voller Hundsnasen. Und sowas sei ein Frevel am Vermächtnis des quackenden Disney-Stars.


 Denn bekanntlich arbeitet Donald ausschließlich mit anderen Enten, ...

 ... Nagetieren und Hundsnasen. Ausschließlich! Steht so im Vertrag!

Ehrlich, guckt nach!

Es steht ja jedem frei, über Quack Pack zu denken, was ihm beliebt. Wer jedoch die Serie verteufelt, weil "richtig gezeichnete Menschen" darin vorkommen und dies als Angriff auf die Duck-Ästhetik bezeichnet, sollte dringend seine Disney-Hausaufgaben nachholen. In solchen Momenten muss ich einfach Mal ein Snob sein, der mit arrogant vorgetragenem Wissen prahlt. Und ich unterstelle den Serienschöpfern nicht einmal Absichten, die sie mangels Wissen vielleicht nicht haben konnten: Die Co-Produzenten Toby Shelton und Kevin Hobbs nennen als Inspiration für das Involvement "richtiger" Menschen ebenfalls die klassischen Donald-Cartoons. Zu ihrem Unglück erwartete das Fernsehpublikum, stärker von DuckTales als Donalds Anfängen geprägt, einen anderen Stil. Nämlich DuckTales. (Ach?)

Quack Pack wurde, ganz offensichtlich, eher im Fahrwasser von Goofy & Max geboren, und weniger unter dem direkten Einfluss von DuckTales. Goofy & Max gab dem alteingesessenen Disney-Veteranen einen Sohn // modernisierte seinen Sohn aus den früheren Cartoons // gab ihm einen neuen Sohn ... also, fangen wir besser neu an: In Goofy & Max lernten wir Goofy neu kennen, und zwar als Vater des elfjährigen Max, einem Durchschnittskind der frühen 90er-Jahre. Quack Pack wiederum führte das Fernsehpublikum neu in die Familie Duck ein, wo Donald Ducks drei Neffen Tick, Trick und Track zu jeweils drei unterschiedlichen Archetypen von Teenagern der mittleren 90er-Jahre heranwuchsen. Die Parallele hinter den Grundkonzepten von Quack Pack und Goofy & Max könnten von den US-Titeln kaum offensichtlicher betont werden: Die Serie über den albernen Goofy und seinen modernen Sohn heißt im Original Goof Troop, die Serie über die knallige Ente und ihre modernen Neffen Quack Pack. Wieso hat niemand schon in den 90ern die Kritiker der Serie mit der Nase draufgestoßen?

Quack Pack teilt eine weitere Ähnlichkeit mit Goofy & Max, abseits des "klassische Disney-Figur als Vormund moderner Teens". Nämlich den über das Design hinausgehenden, auch humoristischen Rückgriff auf die alten Cartoons. Goofy & Max hatte immer wieder seine Momente, in denen sich der tollpatschige Goofy in eine Lawine des Cartoon-Slapsticks verwickelte oder gar ein weiteres "How to ..."-Lernsegment erdulden musste. Das ganze wurde in den Stil einer (schrägen, unrealistischen, cartoonigen) Sitcom gepackt, und fertig die Laube! "Klassische Goofy-Cartoons, nur im 90er-Stil und mit aktuellem Serienkonzept gekreuzt". Im Gegensatz zu den späteren Neue Micky Maus Geschichten, die klassische Disney-Cartoons nahm und ohne stilistisches Fremdgut modernisierte. Beides interessant, wenn ihr mich fragt.

Mit Quack Pack ging man keinen all zu unterschiedlichen Weg: Konzeptuelle Versatzstücke klassischer Donald-Cartoons, etwa "Verblendete Autoritätsfigur Donald vs. neunmalschlaue Neffen" oder "Donald bläht eine ihn störende Kleinigkeit auf tausendfache Größe auf", wurden genommen und in die 90er transferiert. Gekreuzt wurde dies aber nicht mit Sitcom-DNA, sondern changierend mit Abenteuern (ob nun Schatzsuche oder Schurken bekämpfen – so ganz kann man das aus Familie Duck halt nicht austreiben) und den quirlig-verrückten Trickserien, die damals en vogue waren. Der Schwerpunkt von Quack Pack lag dabei stets auf dem Humor, während das abenteuerliche oder auch der gelegentliche Sci-Fi-Ansatz auf dem Rücksitz Platz nahmen. Nach DuckTales (erste Priorität: Abenteuer, zweite Priorität: Comedy) keineswegs das, was viele Zuschauer mit den Ducks im Sinne hatten.

Deshalb bin ich auch ein klarer Vertreter der These, dass Quack Pack bei zahlreichen Personen unter dem "das habe ich aber nicht erwartet!"-Syndrom leidet, nicht etwa unter dem "das will ich nicht sehen"-Problem. Bloß liegt es in der Natur des Medienkonsumenten (und da nehme ich mich keinesfalls raus), das Erwartete oft auch sehen zu wollen, und sich etwa bei radikalen Genrewechseln abgestoßen zu fühlen. Eine zweite Chance kann da sehr oft Abhilfe schaffen, bloß war Quack Pack dafür nicht lang genug auf Sendung. Am 2. September 1996 gestartet, endete am 28. November des selben Jahres nach insgesamt 39 Episoden die erste Staffel – auf die mangels positiver Zuschauerresonanz nie eine zweite folgte.

Ich will keinesfalls sagen, dass sämtliche Quack Pack-Gegner schlicht daran scheitern, das Konzept der Serie zu verstehen oder sich von falschen Erwartungen leiten lassen. Mein Argument ist viel eher, dass einige Quack Pack schon von der ersten Minute an aufgegeben haben, möglicherweise, weil es zu nah an DuckTales startete oder Disney sonstwie etwas irreführendes versprach. Vor dem Hintergrund würde ich Disney-Fans oder sonstwie an der Serie interessierten Personen raten, ihr mit neuen Augen eine Chance zu geben.

Zugleich kann ich vollkommen nachvollziehen, wenn Leute mit Quack Pack nichts anfangen können, obwohl sie kein "DuckTales ... mit Donald!" erwarteten. Dass Quack Pack auf einem sehr polarisierenden Grundgemisch basiert, kann ich auch als großer Fan schlichtweg nicht verleugnen. Die Kombination aus stärker auf ihre Verrücktheit gebürstete DuckTales-Abenteuer, dem Übertreibungswahn der mittleren 90er und klassischem Donald ist schwer zu schlucken. Aber die Autoren, darunter Namen wie Rob Humphrey & John Benke (u.a. Darkwing Duck, Kim Possible) oder Bill Motz (u.a. Aladdin - Die TV-Serie, Die Pinguine aus Madagascar), gaben sich redlich Mühe, diese Zutaten zu einem kohärenten Ganzen zu verbinden. Was meiner Meinung nach auch gelang – die Elemente von Quack Pack fließen ineinander und sind zudem episodenübergreifend präsent, statt die Serie in mehrere stilistisch weit auseinanderklaffende Reihen von Episoden zerfallen zu lassen. Ob die Quack Pack-Zutaten auch zusammengehören, muss offenbar wiederum jeder für sich selbst herausfinden. Doch mein klares Urteil ist: Versucht es wenigstens!


Nachdem all das endlich aus dem Weg geräumt wurde, muss ich auch unbedingt erwähnen, dass Quack Pack für mich wie ein Markierstein in der Geschichte der Disney-Fernsehanimation fungiert. Denn mit Quack Pack endete auch die Ära des "klassischen" Disney-TV-Looks. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Quack Pack eine der letzten richtig gutaussehenden Disney-Serien ist. Und ja, ich weiß, wie unglaubwürdig dieser Absatz klingt, wenn er unter dem obigen Bild der Fratzen schneidenden Neffen steht. Trotzdem bewegte sich Disney nach Quack Pack weg von Serien, die den "typischen" Disney-Kinostil für die Flimmerkiste emulierten, und hin zu anders stilisierten Programmen. Da gab es die Nickelodeon-Kritzelphase (Doug, Pepper Ann, Neds Bösenachtgeschichten, Wochenend-Kids, mit gewissen Abstrichen bzw. Disney-Zugeständnissen auch Große Pause) und Serien mit besonders dicken Außenlinien (101 Dalmatiner, Lloyd im All, Klassenhund, PB & J Otter). Und jüngere Serien schulden natürlich alle einen Teil ihres Looks der Flash Animation, oder generell dem Web-Zeitalter (Phineas & Ferb, Kim Possible, Fillmore!). Zu letzterem zählt sogar Neue Micky Maus Geschichten, die weniger schattiert sind, hellere Farben haben und mehr Schwung im Strich haben, allerdings auch "flacher" wirken.

Bitte nicht missverstehen: Ich finde nicht alle Post-Quack Pack-Serien per se hässlich. Kim Possible zum Beispiel sieht großartig aus (selten war zum exakten Verständnis eines Satzes Kursivschrift bedeutsamer, als an dieser Stelle), was unter anderem auch an der Konsequenz liegt, mit der sämtliche Designentscheidungen getroffen wurden. Ob sie nun Figuren, Hintergründe oder Gegenstände, Linienführung oder Kolorierung betreffen. Zudem ergibt der Look bei dieser Serie auch Sinn. Neue Micky Maus Geschichten sieht auch nicht schlecht aus, aber ich denke schon, dass etwas mehr "Originaltreue" die Serie in meinem Hinterkopf noch besser positionieren würde.

Worum es mir eher geht, ist dass Quack Pack als letzte Disney-Serie noch wie "echtes" Disney und vor allem auch von Hand gezeichnet und koloriert aussieht. Insbespndere vermisse ich die gemalten, ein Sinn von Tiefe vermittelnden Hintergründe. Was das Auftreten der Ducks angeht, habe ich derweil folgende Meinung: Donald in seinem Hawaii-Hemd? Das stört mich nicht. Es passt irgendwie zum "Feeling" der Serie, muss aber keinesfalls abseits dieser Serie Standard werden. Die Teenie-Neffen? Nun, das finde ich im Grunde recht lobenswert. Tick, Trick und Track bekamen endlich eigene Persönlichkeiten, was etwa bereits in einigen DuckTales-Geschichten ganz schlüssig gewesen wäre. Tick ist nun der selbst erklärte Anführer der Jungs, ein selbstsicher redender, junger Bursche. Trick ist der Technik-Nerd und Freizeit-Philosoph des Trios und Track ist der an Sport interessierte, nicht ganz so helle, aber mutige Dritte im Bunde. Die Mimik der Neffen finde ich gelungen, die Klamottenwahl wiederum ist schon sehr 90er, aber das hat bei Max in Goofy & Max auch keinen gestört. In manchen Episoden ist der Wortschatz der Jungs etwas überbordend zeitgemäß, das hätte man zum Wohle von Quack Pack vielleicht etwas drosseln sollen, ansonsten ist's eine nette Idee.

Tja, und dann ist da Daisy. Daisy war für mich schon immer eine schwer zu greifende Figur, da sich die Disney-Autoren Zeit ihrer Existenz nie fest auf einen Charakter für sie einigen konnten. Beziehungsweise nie dazu gedrängt wurden. Daisy begann als "Donald ... nur weiblich", wurde dann zwischenzeitlich zu einer, wenngleich reizbaren, doch galanten "Southern Belle", mutierte in den Comics einschlägiger Comic-Autoren dann zur Zippe und ist in jüngeren Fernsehserien eine arrogante Idiotin. In Quack Pack hingegen bemühte man sich einerseits um ein eigenständigeres Design der Figur und verpasste ihr einen Job als Moderatorin für die Nachrichtensendung Was in aller Welt? (für die Donald als Kameramann tätig ist). Dass Daisy einen gefährlichen, sie gegenüber offensichtlichen Risiken blind machenden Ehrgeiz verliehen bekam, half nicht nur der Serie (wenn kein Schatz besessener Dagobert da ist, um die Ducks tief ins Abenteuer zu stürzen, dann nun halt Daisy), sondern gab Donalds Beziehung zu ihr auch endlich ein (subtiles) Fundament. Gut, vielleicht lese ich auch mal wieder zu viel hinein, aber dass ein Kerl wie Donald sich in diese Darstellung Daisys verguckt, halte ich für ganz schlüssig, umgekehrt erst recht ... Aber auch unabhängig davon hätte ich viel lieber die Quack Pack-Daisy zurück, als weiter die Mickey Mouse Works/Mickys Clubhaus/Micky Maus Wunderhaus-Daisy zu erdulden.

Was mir außerdem an der Quack Pack-Variante Daisys gefällt, ist ihr Sarkasmus. Sarkasmus wird für meinen Geschmack viel zu selten in Disney-Trickserien verwendet. Mit Kim Possible landete bereits eine recht sarkastische Serie auf Platz 4 meiner Hitliste, und in Quack Pack wird dieser Humor gleichmal zu einem der Charaktermerkmale Daisys (und bräuchte Donalds Freundin nicht generell solch einen Humor?). Wer angesichts dessen seine Wetten, welche Serien auf Platz 2 und 1 landen, abändern möchte, sei auf die Wettbüros seines Vertrauens, Twitter und die Kommentarsektion verwiesen.
Jedenfalls gibt nicht nur Daisy trockene Sprüche ab, auch die Neffen und Donald können bei Bedarf sehr sarkastisch werden. Ja, Donald! Womit Quack Pack eine Sache vermeidet, die mich an DuckTales auf Dauer störte ... In eben jener Serie scheinen Episoden, in denen Donald vorkommt, bloß eine einzige Pointe für ihn parat zu haben: Dass ihn beim Deibel wirklich niemand auch nur ansatzweise verstehen kann. Klar, ein bisschen Selbstironie ist fein, und zwei oder drei Mal ist der Gag ja ganz gelungen. Aber dass man ihn ununterbrochen bringen musste, nervt mich schon ein wenig. Wurde Donald so doch letzten Endes als "Der Unverständliche" gekennzeichnet. Dabei ist er nur schwer verständlich. Ein für mich meilenweiter Unterschied.

Wie ich schon in meinem Entengold-Beitrag zu Truant Officer Donald ausführte, hatte Donald zu seinen besten Cartoon-Zeiten öfters einen äußerst trockenen Spruch parat, den er mit seiner kratzigen Stimme losschoss. Klar, ein angenehmes Organ hatte Donald nie, und lange vor den DuckTales machte sich auch der Cartoon Donald's Dream Voice über die Stimmbänder des Wüterichs lustig, trotzdem bekam Donald noch immer Dialogwitz zugeschustert. Dass man nach DuckTales in Quack Pack Donalds Stimme wieder schlicht als gegeben ansah, nicht dauernd den selben Gag riss, und sich sogar wieder traute, dem Schnatterich sarkastischen Text in den Schnabel zu legen, ist im Gesamtbild eine Kleinigkeit. Doch eine, die auch mal gebührend emporgehoben werden sollte.

(Ihr ahnt es wohl schon: Sollte ich jemals in die traumhafte Position gelangen, für Walt Disney Pictures einen epischen Donald-Duck-Kinozeichentrickfilm zu verwirklichen, so werde ich nach Veröffentlichung des Trailers die selbe Diskussion mit dem Studio führen müssen, wie sie Christopher Nolan derzeit mit Warner Bros. führt ...)
"The Adventures of Donald Duck: Leavin' Duckburgh prologue was really great, especially when Donald quaks the soon-to-be-classic line: 'Quaaaargh krchahahkrckck whaaaaack'"

Wenn ich die Serie doch visuell ansprechend finde, den Umgang mit Donald toll finde, mir der für Disney-Verhältnisse sehr eigensinnige, aber meines Erachtens nach dennoch zu den Figuren passende Humor so sehr zusagt und ich bekanntermaßen ein riesiger Liebhaber des Titelsongs bin ... Weshalb dann "nur" Platz 3 für Quack Pack? Tja, nachdem ich lang und breit erklärt habe, weshalb die Serie in meinen Augen gewaltig unterschätzt wird, wird es wohl Zeit, nach den "Wieso so hoch?"-Fragen auch die gegenteilige Frage zu beantworten. Selbst wenn ich nicht wüsste, wer in aller Welt ein höheres Quack Pack-Ranking verlangen könnte.

Einerseits sind es solche Kleinigkeiten, wie das bereits angesprochene, nicht immer zeitlose Vokabular der Neffen oder manche Episoden, in denen mir die Dosis des Cartoonwahns der mittleren 90er etwas zu stechend vorkommt. Wie gesagt, die Autoren ließen zwar alles ineinander übergreifen, aber auch ich hätte mir manchmal etwas mehr klassischeren Disney-Humor zusätzlich zum Wahn gewünscht, um alles wieder abzurunden. Vor allem aber stehen mir die Neffen oft zu sehr im Vordergrund, weshalb die Möglichkeiten Donalds in seiner bislang einzigen, selbstständigen Trickserie nicht ganz ausgenutzt bleiben.

Wie man es vielleicht hätte besser machen können, zeigt das Originalkonzept zu Quack Pack. Anfangs sollte die Serie Duck Daze heißen (was ein bisschen so klingt, als würde ein Deutscher mit starkem Akzent DuckTales sagen wollen, oder?) und sollte Donald zeigen, wie er von Episode zu Episode in eine andere Abteilung des Geschäftsimperiums seines Onkels Dagobert weitergereicht wird. Dass sich Donald (mit Hilfe von Tick, Trick und Track) in so vielen Jobs erprobte, sollte Dagobert beweisen, dass er Verantwortung übernehmen kann und ein würdiger Erbe ist.

Donald, der Mann der tausend Jobs? Der immer scheitert, aber mit etwas Unterstützung dennoch auch siegen kann? Das klingt nach Donald-Cartoonslapstick trifft klassischen Carl Barks! Natürlich weiß ich nicht, wie gut das Konzept von Karl Geurs (viel Erfahrung bei Goofy & Max, etwas Beteiligung an Käpt'n Balu) und Jymn Magon (umgekehrt) umgesetzt worden wäre. Aber zumindest auf dem Papier sticht es die finale Version von Quack Pack klar aus.

Schade für mich, besonders schade für Donald, aber vielleicht ein Glücksfall für euch. Denn so bekommt ihr mal eine meiner XL-Disney-Countdownreihen zu Gesicht, in der Donald nicht auf Platz 1 anzutreffen ist.
Yay, wenn das mal kein Trost ist ..?

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XXI)

Platz 4: Kim Possible

Nach der Jahrtausendwende hat Disneys Fernsehabteilung ja ordentlich an Ideenreichtum und Anspruch verloren, ein Prozess, in dessen Folge der Disney Channel zu einer wahren Lachnummer wurde, gelegentlich sogar zu einer Beleidigung gegenüber den reiferen Disney-Fans und dem kreativen Vermächtnis der Firmengründer ... *Dramatik aufbau* ... doch in dieser Qualitätswüste findet sich auch eine sprießende Oase, ein Quell des Vergnügens: Kim Possible!

Hach, war das nicht lyrisch? Ich habe es nunmal drauf, blumige Worte über gutaussehende Damen zu verlieren. Oder über nach ihnen benannten Fernsehserien, wenn man es genau nimmt. Womit ich mich, so viel Snobismus sei mir gegönnt, ja wohl deutlich besser schlage, als ein erschreckend auffälliger Teil der großen Kim Possible-Fanbase. Als ich nämlich das Internet nach einem Titelbild für diesen Artikel durchsuchte, erschlug mich Google beim Suchbegriff "Kim Possible" (ohne jeglichen Zusatz!) mit genügend Pornografie, um sämtliche Teilnehmer von mindestens 34 katholischen Schullandfahrten ausführlich zu beschäftigen. Und mein Jugendschutzfilter war nicht auf "ja, ich möchte, dass das Familienministerium auf mich aufmerksam wird" eingestellt.

Ähm, wie dem auch sei. Während wir nun alle versuchen, unser Gehirn sauber zu bleichen, können wir wohl alle ungeniert mit der Feststellung auftischen, dass Kim Possible eine Serie ist, die kreative Säfte anregt. Was sich auch im familientauglicheren Bereich auch in der Unzahl an Fanfictions widerspiegelt sowie, während die Show noch lief, an den ausgeklügelten Fantheorien, die online ausdiskutiert wurden. So, und nun bestaunet, wie ich endlich den Bogen zum relevanteren Inhalt dieses Artikels schlage: Dessen waren sich auch die Serienschöpfer Bob Schooley und Mark McCorkle bewusst, die einen engen Draht zu ihrer Zuschauerschaft pflegten und dem online diskutierendem Publikum hin und wieder einen Knochen zuwarfen. Etwa indem sie die Fanfavoriten für die anfangs geheim gehaltenen Namen von Kims Eltern als Kanon bestätigten.
Fanreaktionen waren es auch, die aus einem einmaligen Schurken-Duo die Erzrivalen Kims machten und im Gegenzug die in Trailern groß angekündigte, neue Schurkin Adrena Lynn zu einer Ein-Episoden-Figur degradierten.

Kim Possible ist insofern wohl Disneys erste Zeichentrickserie der "Generation Internet", und wenn man bedenkt, dass seither von allen Disney-Serien am meisten Phineas & Ferb vom Web beeinflusst wurde, so lässt sich die Kombination "Disney + Internet" wohl eindeutig als Erfolgsrezept bezeichnen.

Für all jene, die irgendwann während oder nach der Laufzeit des RTL-Disney Clubs beschlossen, jegliche neue Disney-Serie zu boykottieren und die obendrein keine jüngeren Geschwister haben, sollte ich wohl das Konzept von Kim Possible kurz erläutern:

Kim ist ein Multitalent sondersgleichen: Gut in der Schule, Cheerleader und Weltenretterin. Wann immer jemand dringend Hilfe benötigt, etwa weil das Wahrzeichen seiner Stadt oder sein im Geheimlabor entwickelter Killerlaser gestohlen wurde, kann er sich über ihre Webseite an Kim richten. Zusammen mit ihrem Technikgenie Wade und ihrem besten Freund Ron Stoppable (sowie seinem Haustier, dem Nacktmull Rufus) bringt sie alles wieder ins Lot.

Wie es sich für einen grandiosen Disney-Verbrechensbekämpfer so gehört, trumpft auch Kim Possible mit einer fantastischen Schurkengallerie auf. Ganz vorne dabei ist Kims Erzfeind Dr. Drakken, ein bläulicher, verrückter Wissenschaftler. Er ist zwar dumm, aber gefährlich. Nicht zuletzt aufgrund seiner Assistentin Shego, deren Sarkasmus genauso brennend ist, wie ihre Superfähigkeit.
Dann wären noch Señor Senior, Senior und Señor Senior, Junior zu nennen. Senior ist ein wohlhabender, alter und bequemlicher Herr, der sich auf seine späten Tage das Schurkensein als Hobby anlachte, Junior ist sein oberflächlicher und weichlicher Sohn, der die Schurkensache noch weniger ernst nimmt. Außerdem begegnen Ron und Kim mehrfach dem Edelmann und Affenninja Monkey Fist, der sich sogar eher als Rons Erzfeind bezeichnen lässt. Aus der Kategorie "Wer hat sich nur sowas ausgedacht?" gibt es obendrein den Schotten Duff Killigan, der stets explosives Golfequipment mit sich herumträgt. In späteren Episoden trifft auch der laute Professor Dementor hinzu, der im Grunde ein kompetenterer Dr. Drakken ist.

Kim Possible ist eine dieser Serien, bei denen die Regisseure und Autoren genau wissen, was sie wollen, und dies dann perfektionieren. Sie brachten eine Rasanz in die Welt der Disney-Fernsehserien, die zusammen mit dem dynamischen Figurendesign von Stephen Silver (Clerks - The Animated Series, Cosmo & Wanda) für gehörigen Pepp und sehr viel Schwung sorgte. Auch die Musik von Adam Berry ist stimmig, abwechslungsreich und weiß im Gegensatz zu der musikalischen Begleitung früherer Disney-Serien auch, wann sie besser die Klappe halten sollte.

Womit Kim Possible besticht, ist dass die einzelnen Episoden von Anfang bis Ende einfach Non-Stop-Spaß bringen. Die Sprüche der Figuren, temporeiche Actionsequenzen, gelungener Slapstick und schrille Einfälle geben kaum Verschnaufpausen. Auf Dramatik wird eher selten gesetzt, dafür gab es Mehrteiler/Fernsehfilme zur Reihe, allerdings ist dies aufgrund des bestechenden Humors und der Spannung (dass es gut ausgehen wird ist zwar klar, aber wie kommt es dazu?) überhaupt nicht nötig. Das Kim Possible-Team fand ununterbrochen neue Wege, die Verbrecherjagd mit neuen Schauplätzen, Schurkenplänen und Erfindungen abwechslungsreich zu gestalten. Und mit genügend Selbstironie wird auch das letzte bisschen Formelhaftigkeit gekonnt auf die Schippe genommen.

Die Fans wussten es zu entlohnen: Nach Serienschluss (klar waren es 65 Episoden, wieso fragt ihr?) war der Ansturm auf den Disney Channel gewaltig. Letztlich gab man nach und gestattete eine abschließende, vierte Staffel. Diese spielte noch mehr mit dem Format, verballhornte Auflagen des Senders (man wollte nur dann eine vierte Staffel genehmigen, wenn die Autoren eine Folge über gesunde Ernährung verfassen - und die lief nicht gerade so ab, wie man es erwarten würde) und achtet mehr auf Kontinuität, als die ersten Episoden der Serie. Das kennt man sonst nur umgekehrt - von allen "Post Script Seasons" der TV-Geschichte gehört die von Kim Possible nach ganz oben.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XX)

Platz 5: Muppets Tonight! (& Die Muppet Show)

Ich ließ bereits vor zwei Jahren eine Verteidigungsrede für Muppets Tonight! vom Stapel, insofern kann ich mich bei diesem Eintrag in meine Disneyserien-Lieblingsliste etwas kürzer fassen: Selbst wenn diese Show ihre lauten Feinde hat, finde ich sie einfach grandios. Sie zeigt die Muppets in ihrem Element, nämlich beim Versuch, eine Show auf die Beine zu stellen, und modernisiert den 70er-Varieté-Humor behutsam in einen fescheren 90er-Humor, der sich stärker der Fernsehwelt annimmt.

Einige der Fanbeschwerden, Muppets Tonight! strafe klassische Muppet-Charaktere wie Kermit und Miss Piggy mit Abseitspositionen, kann ich nicht teilen. Die Muppet-Macher stellten diese Figuren bewusst in den Hintergrund, und ich kann diese Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Die neue Generation an Muppet-Performern sollte ihre eigenen Figuren schöpfen und finden, ohne sich unnötig mit den alten, teils verstorbenen Meistern messen zu müssen. Zudem gab es trotzdem doch weiterhin genügend Sketche mit den unerlässlichen Muppet-Veteranen, weswegen ich diesen Kritikpunkt nicht verstehe.

Was den Humor angeht, so ist Muppets Tonight! natürlich nicht einfach 1:1 die Muppet Show zwei Jahrzehnte später, sondern etwas frecher, etwas kerniger. Aber im Kern sind es immer noch die selben, liebenswürdigen Puppen. Zudem war Die Muppet Show ja auch stets für subversiven Humor zu haben. In Muppets Tonight! steigert sich nunmal die Quote an Muppets die explodieren, schmelzen oder gefressen werden, NEU ist das aber wirklich nicht. Die Storys, die hinter den Kulissen der Show stattfinden, nehmen ebenfalls einen größeren Raum ein, als es noch im Original der Fall war, dafür wird etwas seltener gesungen. Oh, welch Sakrileg!

Na gut, na gut, genug Sarkasmus. Muppets Tonight! gefiel nicht jedem alteingesessenen Muppet-Fan, und diese Meinung sei ihnen auch erlaubt. Trauriger ist, dass die Serie nie eine Chance beim breiten Publikum hatte: Auf ABC startete die Serie als Teil des Sitcom-Blocks TGIF, ging beim Publikum baden, weckte aber genügend positive Aufmerksamkeit bei Kritikern und Branchenmitgliedern, dass sie mehrere Emmy-Nominierungen absahnte. Dann kam der Disney Channel (!) zur Rettung und strahlte nicht nur die nach der Absetzung bei ABC ungesendeten Episoden aus, sondern bestellte gleich eine zweite Staffel.

Das kann man ja heutzutage kaum noch glauben. Heute stellen sich die Fatzkes vom Disney Channel unter Comedy solche Dinge wie Hannah Montana, Die Zauberer vom Waverly Place und Tripp's Rockband [sic!] vor. Und wenn die Muppets heute über diesen Sender flimmern, so müssen sie sich in einem Anflug senderinzestöser Cross-Promotion mit den Kids aus eben diesen Sendungen rumschlagen. Muppets Tonight! wartete unter anderem mit Michelle Pfeiffer, Billy Crystal, Whoopi Goldberg, Sandra Bullock, The Artist Formerly Known As Prince, Heather Locklear, Pierce Brosnan, Coolio und Paula Abdul auf. In einer der für den Disney Channel produzierten Ausgaben tötet der Bär Bobo aus Fahrlässigkeit den ursprünglich vorhergesehenen Gast (!), weshalb sich die Muppets mit zahlreichen Cameos über Wasser halten müssen. Sowas würde man sich mittlerweile beim Disney Channel höchstens wünschen!

Selbstredend liebe ich auch die Original Muppet Show, die aber bekanntlich nicht für Disney produziert wurde, sondern lediglich vom Konzern eingekauft wurde. Deswegen stehe ich zwischen den Stühlen, wie ich mit ihr bezüglich meiner Hitlisten umgehen soll. Als Nicht-Disney-Serie kann ich sie nicht so wirklich behandeln, genauso wenig kann ich sie ohne weiteres als Disney-Serie einstufen. Deswegen packe ich sie einfach ganz gemütlich zusammen mit Muppets Tonight! auf einen Rang. So erspare ich mir auch eine mühselige Abwägung zwischen diesen beiden Serien. Möglicherweise ist Muppets Tonight! für viele eine schwache Fortführung des Originals, ich aber lernte zuerst das 90er-Revival kennen und sehe es auch nach Marathon-Sichtungen der Muppet Show als ungerecht missachtetes Stiefkind der Henson/Muppet-Fernsehreihen. Beide haben so ihre eigenen Stärken und Schwächen: Manche der Gesangseinlagen im Original finde ich im direkten Vergleich mit Muppets Tonight! etwas zäh, dafür hat Die Muppet Show nunmal solche Kultklassiker und kunstvolle Anarcho-Einlagen wie Huga Wuga und Mahna Mahna. Muppets Tonight! hingegen setzt seine kernigere Natur, wie ich finde, selbstbewusster ein und mir gefallen auch die absurden Plots zwischen den Showeinlagen, dafür fehlt ihr etwas der goldigen Zeitlosigkeit des Originals. Anders gesagt: Bei Muppets Tonight! ist das Lachen vielleicht was lauter, bei der Muppet Show strahlt man dafür durchgehend wie zehn Tage Sonnenschein.

Jetzt, da Jason Segel die Muppets ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt hat, kann sich ABC ja an eine weitere Revitalisierung wagen. Schmiedet das Eisen, so lange es noch heiß ist!

Montag, 19. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XIX)

Platz 6: Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew

Von allen populären Disney-Serien ist dies wohl die bizarrste:

Einige der Figuren aus Das Dschungelbuch leben in einer an die 1930er-Jahre angelehnten Art-Deco-Welt und erleben Abenteuer im Stile von Indiana Jones und der Action- und Spionageserie Die Himmelhunde von Boragora (über einen Frachtpiloten mit einem Flugzeug namens Grumman Goose, der Spione und Südseepiraten bekämpft und am liebsten in der Monkey Bar herumhängt). Zwischenzeitlich gleitet die Serie sogar in "Diesel Punk" ab (wie Steampunk, nur etwas näher an der Gegenwart und benzinbetrieben) und erinnert in ihren Flugsequenzen an Sternenkrieger und Das Schloss im Himmel. Und all das ist entstanden, weil die kreativen Köpfe hinter den Serien des TV-Programmfensters The Disney Afternoon eine Serie über Disney-Nebenfiguren planten, diese Idee aber nie so richtig festzementieren konnten, und sich so neu mit Balu anfreundeten, weshalb sie ihn dazu nutzten, um endlich die Idee für eine Serie über einen Frachtpiloten umzusetzen (die anfangs für DuckTales gedacht war, dort konzeptuell jedich nicht hineinpasste). Der Tonfall der Serie sollte die eines komödiantischen Abenteuers mit Actioneinlagen sein, jedoch wollte man mit der Hassliebe zwischen Balu und seiner Chefin Rebecca auch einen Touch von Screwball und mit einigen ambitionierteren Episoden auch gesteigerte Dramatik einbringen.

Ein absolut verrücktes Konzept, dass sich die federführenden Autoren Jymn Magon und Mark Zaslove unter Zeitdruck (Disney brauchte dringend eine neue Serie) ausgedacht haben. So verrückt, dass sie eingangs richtiggehend Probleme hatten, Zeichner für TaleSpin (so der Originaltitel, in Anlehnung an die DuckTales) zu finden. Viele lehnten ab, sich an etwas zu beteiligen, dass Das Dschungelbuch in Misskredit bringen könnte.

Bei einem solchen wagemutigen Schmelztigel aus unterschiedlichsten Inspirationen und Selbstansprüchen kann eine Serie wie Käpt'n Balu eigentlich nur eine absolute Katastrophe werden. Ein kreatives Tohuwabohu, in dem man nie weiß wo oben und unten ist, dessen Bestandteile einfach nicht zusammenpassen. Oder dieser Wust an Ideen resultiert in einen absoluten Geniestreich. Letzteres ist geschehen. Nicht zuletzt aufgrund der Ambitionen der Showrunner und deren vier untergeordneten Regiesseur/Produzenten-Teams (und Disneys Willigkeit, sie gewähren zu lassen): Wie Serienschöpfer Jymn Magon erklärt, gab man pro Episode das selbe Budget wie Star Trek: The Next Generation aus.

Nun sind mir leider nicht die Produktionskosten der anderen Disney-Serien bekannt, aber Käpt'n Balu sieht zumindest so aus, als könnte es locker die aufwändigste Disney-Serie ihrer Ära (80er/frühe 90er) sein. Andere Studios hätten in den zahlreichen Flugsequenzen zweifelsohne sehr viel Filmmaterial wiederholt benutzt, auch bei Disney hätte man zu einem anderen Zeitpunkt solche Abkürzungen im Arbeitsprozess betrieben. Und die Vielfalt an Schauplätzen, die Käpt'n Balu bietet, ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Ob nun wiederkehrender Ort oder einmaliges Missionsziel: Die Hintergründe in Käpt'n Balu sind noch liebevoller und detailreicher, als in DuckTales und Chip & Chap, obwohl bereits diese Serien das Niveau von Fernsehanimation ordentlich anhoben. Mein Lieblingsschauplatz, und wohl auch das vieler Autoren, ist Louie's, die Inselbar des nun in Hawaiihemd und Strohhut herumlaufenden König Louie. In nahezu jeder Ecke gibt es was zu entdecken, und in manchen Folgen verlassen wir sogar die Tiki-Bar und erkunden die mit zahlreichen faszinierendne Punkten ausgestattete Insel, auf der diese Bar steht.

Selbstredend hat Käpt'n Balu so manche schwächere Folge, deren Dramaturgie oder Humor nicht ganz ausgereift ist, das trifft auf nahezu jede Fernsehserie zu. Aber wenn man die Fehltritte ignoriert, dann hat diese Serie meiner Meinung nach das Zeug dazu, den im Web wohl etwas feuriger bejubelten Gargoyles zu zeigen, dass Disney-Zeichentrickserien für Erwachsene besser funktionieren können, als für Kinder. Und das ohne offensichtlich düster und shakespeare'esque sein zu müssen. Der Pilotfilm ist eine wahre Tour-de-force (der beste Zeichentrick-Pilotfilm der Disney-Geschichte, zweifelsfrei), und auch Highlightfolgen wie Balus Entdeckung einer friedvollen Panda-Nation (die letztlich mit ihren fliegenden Häusern den Serien-Hauptschauplatz Kap Süzette angreift) oder die Geisterromanze Beckys schönster Traum arbeiten auf einer emotionalen und inhaltlichen Ebene, die man nach seiner Kindheit wesentlich stärker würdigen kann. Und die zahllosen Anspielungen auf Popkultur und Geschichte versteht man als Kind sowieso nicht.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XVIII)

Platz 7: Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – Die Serie

Dies ist die erste Serie innerhalb meiner Hitliste, bei der ich die Reaktion "Die kennt doch kein Schwein!" vollkommen verstehen kann. Ich selbst glaube fast schon, mit meiner Zuneigung für diese Serie Teil einer elitären Gruppe von gerade einmal drei Fans im deutschsprachigen Raum zu sein*. Woran der Sender Super RTL nicht völlig unbeteiligt ist: Anfangs wurde Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – Die Serie donnerstags um 20.15 Uhr erstausgestrahlt. Als die Quoten sanken, wich man auf den Samstagabend aus, denn offensichtlich ist nichts schlüssiger, als eine schwächelnde Familienserie gegen Wer wird Millionär? und andere Unterhaltungsshows zu programmieren. Nach der Erstausstrahlung wurde die Serie einige Zeit später Samstagmittags wiederholt - nicht aber in chronologischer Reihenfolge. Ein Disney-Fluch. Danach verschwand Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – Die Serie von der Bildfläche.

Im Gegensatz zu einigen tonal vergleichbaren Serien, wie etwa Doctor Who, hat die Fernseh-Weiterführung von Disneys erfolgreicher Liebling,...-Filmreihe auch keine stattliche Fanbase in englischsprachigen Ländern aufzuweisen, die ihr über Umwege zu späteren Ruhm verhelfen könnte. Der Wert in der IMDb ist geradeheraus mitleidserregend, und der Nostalgie-Effekt, der das Interesse an Disney-Serien einige Jahre nach ihrem Ende wieder aufflammen lässt, scheint generell nur für Zeichentrickserien und Produktionen aus Walts Schaffenszeit zu gelten.

Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – Die Serie hat also nicht bloß mehr Anerkennung verdient, sondern überhaupt erst einmal einen größeren Bekanntheitsgrad. Da erscheint es wie ein wahres Wunder, dass es diese heitere Fernsehproduktion auf drei Staffeln zu jeweils 22 Episoden geschafft hat.
In diesen geht es um die Familie des erfinderischen Wissenschaftlers Wayne Szalinski, der sich bereist durch die Erfindung eines Schrumpfstrahlers einen Namen machte. Die meisten Folgen der Serie drehen sich um weitere Erfindungen Waynes, und wie deren Macken die gesamte Familie in ein Abenteuer stürzen. So kehrt in der ersten Episode der aus den Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft-Filmen bekannte Schrumpfstrahler zurück und wird dazu verwendet, um die gesamte Familie auf eine Reise durch den Körper von Opa Szalinski zu schicken. Andere Folgen drehten sich zum Beispiel um einen von Wayne entwickelten, intelligenten Teddybären (der durchdrehte und die Weltherrschaft an sich reißen wollte), einem Neuronen-Beschleuniger (der letztlich das Gehirn von Wanyes Ehefrau Diane mit dem einer Katze tauscht) oder einem besonders sicheren Auto (das Waynes Tochter Amy entführt).

In weiteren Episoden kamen auch übernatürliche Elemente zum Sci-Fi-Ansatz der Serie hinzu, so begegneten die Szalinskis einer Gruppe Hexen, Wayne entdeckte den Stein der Weisen und in zwei an die Nightmare on Elm Street-Filme angelehnten Folgen erzürnten die Szalinskis Morpheus, den Gott des Schlafes, was in nicht mehr endende, das Leben der Familie bedrohende Albträume mündete.

Was ich an Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – Die Serie so bemerkenswert finde, ist mit welcher Leichtigkeit die Autoren spritzige, pointierte Dialoge mit knalligen Sci-Fi-/Fantasy-Verrücktheiten zu energiereichen, unterhaltsamen Geschichten verbanden. Die Szalinski-Familie stellt in Sachen Wortwitz zahlreiche Sitcom-Figuren in den Schatten, während die Storys im Normalfall sehr tolle Spielvarianten von Sagen oder Sci-Fi-Urtypen, einfallsreiche Parodien von Genreklassikern oder toll ausgespielte, eigene Ideen sind. Hin und wieder gibt es auch kreative Totalausfälle, in denen man sich die komplette Geschichte noch während des Vorspanns zusammenspinnen kann und während der Episode durch platten Slapstick und alberne One-Joke-Erfindungen (oder -Figuren) quälen muss. Allerdings werden diese Flops durch Goldstunden ausgeglichen, die gefühlvoller oder unerwartet smart an ihre Thematik herangehen. So bin ich voll des Lobes für sämtliche Zeitreise-Folgen der Serie, die sich inhaltlich nicht etwa wiederholten und nur das Setting änderten, sondern allesamt mit anderer Intention an das Konzept herangingen. Einmal ließ man sich klar von Zurück in die Zukunft III inspirieren und blödelte im Wilden Westen herum, eine andere Folge versetzte die in ihren Lehrer verschossene Amy in die 70er zurück, wo sie ihrem Schwarm als Gleichaltrige den Hof machen wollte. Diese Episode näherte sich auf einer emotionalen Ebene dem Zeitreise-Konzept und ließ Amy an einer Art Amnesie erkranken, wodurch sie ihr eigentliches Leben vergaß. Waynes große Zeitreisefolge hingegen spielte mit den üblichen Zeitreiseparadoxen und vermengte eine spaßige Handlung über Nostalgie und verschwommene Erinnerungen an persönliche Lieblingsdinge (in diesem Fall eine Band im Stil der Beatles) mit einem clever gesponnen (Sci-Fi-Fantasy-)Theorem über Déjà Vus.

Zwischen der ersten und der zweiten, und dann erneut zwischen der zweiten und der dritten Staffel änderte sich ein wenig der Grundtenor der Serie. War die erste Staffel noch "Die verrückte Erfindung der Woche" mit einem humoristischen Fokus auf Effekten und Slapstick, wurde in der zweiten Staffel das verrückte Spiel mit Genrekonventionen wichtiger, was in der dritten Staffel erneut wichtiger wurde. Die Serie endete letztlich sogar mit einer proppevoll mit Gags gestopften Persiflage auf den Film noir!
Präferenzen habe ich jedoch nicht, ich finde, dass jede Staffel ihre Vorzüge und Schattenseiten hat.

Aber da kann ja kaum jemand mitreden. Es ist fast so, als würde ich mich an eine Serie erinnern, die es nie gegeben hat.

*Update: Anscheinend ist diese elitäre Gruppe doppelt so groß, wie ich dachte ...

Samstag, 17. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XVII)

Platz 8: Neue Micky Maus Geschichten

Willkommen zum achten Platz in meiner ganz und gar persönlichen Hitliste der Disney-Fernsehserien, die mein Hert höher schlagen lassen. Heute steht alles unter dem Motto: "Wie versetze ich meine gesamte Leserschaft in großes Entsetzen?"

Hätte ich meine Artikelreihe Mehr Respekt für... nicht für Filme reserviert, so wäre Neue Micky Maus Geschichten ein Spitzenkandidat für einen feurig geschriebenen Eintrag. Nun, dann muss ich diese Wiederelebung der klassischen Persona von Micky, Donald, Goofy und Pluto nunmal an dieser Stelle verteidigen. Wie ihr möglicherweise allein schon anhand der Existenz meines Im Schatten der Maus-Zyklus Entengold erkannt habt (ja, der heutige Artikel könnte auch heißen "wie verlinke ich unaufdringlich mehrere meiner anderen Artikelreihen?"), bin ich ein großer Verehrer der klassischen Disney-Cartoons. Insbesondere derer mit Donald. Neue Micky Maus Geschichten ist wohl das näheste, was wir an eine regelmäßige Produktion neuer Cartoons mit diesen Figuren bekommen werden. Allein schon deswegen hat diese Serie bei mir einen Stein im Brett.

Was diese 1999 gestartete Serie rückblickend weiter aufwertet, sind die traurig-elendigen Dinge, die der Disney-Konzern seither mit seinen wertvollsten Figuren anstellte. Schonmal Micky-Donald-Goofy-Merchandising der letzten zehn Jahre gesehen? Sofern es kein Luxus-Artikel für Sammler ist, so grinst euch in 80% dieses Stück Clip Art an:


Beziehungsweise wenn es nur Donald sein soll:

Ich kann Donald in dieser Pose nicht mehr sehen! Und das eintönig bedruckte Merchandising ist noch ein Gottessegen gegenüber dem, was im Fernsehen mit dem Fundament der Studios getrieben wird. Ich weiß, ich rattere es langsam schon gebetsmühlenartig runter, aber ich kann es mir einfach nicht seelenruhig ansehen, wie aus den einstigen Idolen und Ikonen des erwachsenen Kinopublikums eine Gruppe debil lächelnder Kindergärtner wird. Ich könnte kotzend in einen Heulkrampf geraten!

Neue Micky Maus Geschichten fand ich bereits bei Erstausstrahlung seiner läppischen 27 Episoden super, doch leider, leider ist die Serie aufgrund der Misshandlung der Figuren-Kerngruppe rund um Micky Maus geradeheraus fantastisch gealtert. Die Serie hatte ja ihre Kritiker, die sagten, dass aus Disneys Urhelden einfach nur Looney Tunes-Figuren gemacht wurden, was ich nicht nachempfinden kann. Klar, das Tempo ist in Neue Micky Maus Geschichten höher als in den Classic Cartoons, die Serie hat auch Momente der Selbstreferentialität, jedoch blieben die Charakteristika von Micky, Donald & Co. erhalten. Ebenso wie die breite Publikumsspanne, die angesprochen werden soll.

Wie ich finde, zeigt Neue Micky Maus Geschichten diese Figuren in der Form, wie ihre Kinokurzfilme Ende der 90er geworden wären, hätte Disney stur neue Cartoons mit zeitgemäßem Witz produziert. Und dass der Humor in Disney-Cartoons mit der Zeit geht, das ist ja wohl wirklich nichts neues. Der 20er-Gummiband-Frechdachs-Micky und der 50er-Mittelklasse-Landei-Langweiler-Micky können gemeinsam mit Herren G. G. Geef und Dippy Dawg ein Symposium darüber halten!

Jedennfalls stimmt für mich einfach das Konzept von Neue Micky Maus Geschichten, und man hätte das Projekt meiner Meinung nach wacker weiterverfolgen sollen. Einer der etwas strittigeren Punkte der Serie ist ihre Formelhaftigkeit: Goofy durfte kaum etwas anderes, als How to ...-Segmente präsentieren, als Trio waren Micky, Donald, Goofy immer gleich schusselige Jobanfänger und die Mini-Segmente Micky als Lebensritter, Donald in Bombenstimmung und Pluto holt die Zeitung hatten sogar noch enger besteckte Formeln, die selten gebrochen wurden. Das brachte etwas süffisant-rituellhaftes in die Serie, hielt sie in seiner Strenge aber auch von größerem zurück. Denn die Autoren bewiesen auch ab und zu Mut zu fescheren Ideen: Ein Gottfredson-Storybogen wurde frei adaptiert, die Gang durfte mit genialem Off-Kommentar die Geschichte vom Nussknacker (gespielt von Micky) und dem Mäusekönig (gespielt von Donald) nachspielen, Jose Carioca führte Minnie zum Essen aus ... Von solchen Einfällen hätte ich gerne mehr gesehen, ebenso wie von den augenzwinkernden Fantasia-Hommagen, zu denen man die Marke Silly Symphony umgestaltete. Oder von der Dynamik zwischen Donald und Goofy, die hier sehr spritzig uminterpretiert wurde.

Unnötig war wohl, dass man den Figuren zwangartig Standardsprüche in den Mund legte (hm, okay, eeeeetwas von der Konkurrenz hat man sich dann vielleicht doch inspirieren lassen), trotzdem war Neue Micky Maus Geschichten in den schlechtesten Momenten kurzweilig und in den besten Momenten eine ehrwürdige Hommage und stilgetreue Moderiniserung der Classic Cartoons. Die Serie fand ein Ende, bevor sich richtig etablieren konnte, worin die Autoren am besten sind und was das Publikum am liebsten sehen will. Sehr, sehr traurig, denn diese Serie hätte ein Traditionsformat für Disney werden können ...

Freitag, 16. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XVI)

Platz 9: DuckTales

Wie die Zeit vergeht ... DuckTales startete am 18. September 1987 in den USA. Noch in Mono! Erst zwei Jahre später änderte die Zeichentrickserie ihr Tonformat. Bis zum 28. November 1990 wurden insgesamt 100 Episoden ausgestrahlt, zudem gelang der Serie der Sprung auf die Kinoleinwand. Der Titelsong nistete sich parasitenhaft in die Köpfe mehrerer Generationen. Und hartknäckig genug, um den ewigen Zwist unter Duck-Comicliebhabern, wie frevelhaft die Serie denn nun sei, ganz gelassen zu übertönen.

Bevor wir uns aber auf diese Diskussion einlassen (die mir aufgrund der sinkenden Popularität der Barks-Comics in den USA zudem als eine sehr europäische scheint), sei einfach gesagt, dass hinter DuckTales eine der besten Ideen steckt, die Disney für eine Fernsehserie haben konnte: Zu Zeiten, als Fernseh-Trickserien mit hastig zusammengeschluderten Geschichten und hölzerner Animation, die jedem Liebhaber des Trickmediums Schauer des Schreckens über den Rücken jagen konnte, schlecht von sich reden machten, nahm man sich vor, eine aufwändige Abenteuer-Trickserie auf die Beine zu stellen.

Und was wäre eine besser Basis für eine mit gesundem Witz ausgestattete, disney'sche Abenteuer-Zeichentrickserie als der schier unüberschaubare Fundus an Entenhausen-Comics? Allein schon Carl Barks schickte Familie Duck in alle Ecken der Welt, um die faszinierendsten Abenteuer zu erleben und eine kunterbunte Gallerie an Sagengestalten zu treffen. Außerdem sind die Helden wie gemacht für eine auch an Kinder gerichtete Trickserie: Da wären die drei aufgeweckten Neffen, mit denen sich die Kinder identifizieren können, der reiche, exzentrische Onkel Dagobert, der Grund für die meisten Abenteuer ist und mit seiner Welterfahrung einige Anekdoten zu erzählen hat UND obendrein durch seinen seltsamen Umgang mit Geld auch einiges an Unterhaltungsfaktor aufzuweisen hat. Tja, und dann wäre da ja noch der immens populäre Donald Duck, dessen bloße Anwesenheit ...

...

Ähm, ja. Donald wurde als derart populär eingeschätzt, dass er laut den höheren Konzernvertretern jegliche Aufmerksamkeit an sich gerissen hätte. Weshalb man beschloss, ihm bloß einige ausgewählte, kurze Gastauftritte zu gewähren. Als Disneys Fernseh-Trickabteilung gegründet wurde, war man generell sehr bedacht, seine wichtigsten Figuren zu beschützen. Donald wurde nicht zur Hauptfigur, sondern zu einem Gaststar in DuckTales, Goofy erhielt erst einige Zeit später seine eigene Serie und an Micky traute man sich erst noch später heran, weil man ihn nicht mit unbedachten Fernsehprojekten kaputt machen wollte.
Eine Ehrfurcht vor den Fundamenten des Walt-Disney-Konzerns, die irgendwann verloren ging ...

Dass man Donald zunächst aus DuckTales ausbootete, stört mich nicht wirklich. Der Hintergrundgedanke war damals nachvollziehbar, und mit Quack, dem Bruchpiloten, erfand man ja eine schlüssige, amüsante und für die Belange der Serie auch wertvolle Ersatzfigur. Der treudoofe Bruchpilot musste Dagobert weniger Widerstand leisten, als es ein seiner Natur treu verfasster Donald getan hätte, und bekam eine so liebenswerte Naivität, dass ich ihn keinesfalls als "schrottigen Ersatz" sehe. Ob mit Nicky, der Nichte von Dagoberts Haushälterin, nun unbedingt eine weibliche, kleine Ente nötig war, um auch die Aufmerksamkeit der jungen Mädchen an sich zu ziehen, ist da schon eher eine andere Frage. Doch man hat sie im Regelfall sehr solide eingebaut, weshalb sie mich letztlich nicht stört. Die Panzerknacker, deren Individualisierung im Cartoon viele Comic-Puristen stört, finde ich in der Serie übrigens sehr amüsant. Es sind halt nicht die gleichen Panzerknacker, wie in den Comics, sondern die exzentrischeren Mitglieder dieser Verbrecherfamilie, die durch ihre schlechte Anpassungsfähigkeit halt gezwungen sind, zusammenzuarbeiten ...

Das großartige an DuckTales, oder generell den als Inspration dienenden Comis, ist die Vielfalt an Geschichten, die erzählt werden kann. Die Ducks sind einerseits sehr distinktive Figuren, die einen großen Wiedererkennungswert haben, aber andererseits sind sie auch sehr flexibel. Mit vielen anderen Hauptfiguren wäre DuckTales völlig zerfallen, man hätte mehrere, unterschiedliche Serien produzieren müssen, die je einen Stil von DuckTales abdecken. Aber mit Dagobert und den Neffen konnte man unbesorgt von großen Schatzsuchen und Begegnungen mit Geistern, Monstern und Sagengestalten erzählen. Von verrückt gewordenen Robotern und von Schurken, die an das Geld des reichsten Mannes der Welt wollen. Und letztlich auch neben all den Abenteuern auch von etwas albernen Geschichten, in denen der Dummkopf einer Pfadfindertruppe Superkräfte erhält, in denen sich Quack vor seiner Familie von Superpiloten schämt und in denen sich eine Truppe wilder Monster als anstrengende Gäste in Dagoberts neuem Konferenzhotel entpuppt.

Diese Mischung macht DuckTales zu einer sehr erfrischenden, hoch spaßigen Serie. Denn die Storys sind auch meistens sehr gut erzählt. Natürlich gibt es ab und zu auch Geschichten, in denen die Autoren unbedingt eine überdeutliche Moral vermitteln wollen, aber ich habe DuckTales niemals als predigend empfunden, da die raren moralischeren Folgen ihre Aussage eher zu deutlich in Richtung "ooooh, wie herzerwärmend" pressten, als in die Richtung "aha, soso, Familie ist also mehr wert als Geld, gut zu wissen, hmmm".

Die Autoren von DuckTales stellten einfallsreiche Abenteuer und einen auch Erwachsene ansprechenden, cleveren (Wort-)Witz in den Vordergrund, und auch wenn es mittlerweile einige Serien gibt, die besser animiert sind, sieht diese Old-School-Serie noch immer richtig gut aus.

Um nun aber auf die Sache mit den Barks-Comics sprechen zu kommen: Dass sie für eine Fernsehserie mit verändertem Figurenrepertoire herhalten mussten, finde ich gut. Disney sollte sich auch überlegen, ob man nicht frei nach Spielbergs Tim & Struppi nicht zwei, drei Barks-Comics nehmen, zusammensetzen und ins Kino bringen sollte (dann aber wieder mit Donald!). Dass die Comics für die Serie umgeschrieben wurden, auch damit gehe ich völlig d'accord. Anderes Medium, andere Schwerpunkte.
Dennoch habe ich auch meine Probleme mit den Barks-Adaptionen: In ihnen ist es besonders auffällig, wie weichherzig Dagobert in DuckTales ist, und etwas mehr seiner Comichärte täten den Episoden mitunter richtig gut. Wie man den Comic Lemming with a Locket umsetzte, fand ich ehrlich gesagt richtig genial, da eigene Gags mit der Grundprämisse toll verschmolzen wurden und die "Stimmung" bei beiden Versionen eine ähnliche ist. Auch die Folge mit dem verfluchten Whiskerville-Hund ist für mich ein gelungenes Beispiel: Generell ist die DuckTales-Episode etwas flapsiger (die ganze Auflösung hinter dem Ursprung der Hunde-Übergriffe kommt mir da in den Sinn), jedoch gleicht eine zentrale, recht schaurig inszenierte Szene mit einem geheimen Kult diese tonale Änderung wieder aus.

Dafür bringt mich zum Beispiel die Folge, die sich sehr frei an Das Gespenst von Duckenburgh bedient, absolut katatsrophal. Im Original eine packende, kleine Geistergeschichte, mutiert die Fernsehadaption durch lächerliche Nebenfiguren und zahllose Hotel-Gags (ja, Dagobert macht hier aus dem verfluchten Schloss ein Hotel) eher zu einer Persiflage britischer Whodunit?-Kriminalgeschichten. Tja, und so zerstörte man das Vermächtnis von Donalds im Comic so viel besungenen Ahnen Sir Donnerbold Duck ... Dabei wäre eine Einarbeitung des großen McDuck-Clans ein gefundenes Fressen für eine Disney-Serie, die mit mehreren fünfteiligen Handlungsbögen auftrumpfte.

Oh, und dann wäre da die heiß diskutierte Zeit, nachdem die Serie ihre 65-Episoden-Marke überschritt. Ab dieser zweiten Staffel gab es in DuckTales mit der Höhlenente Bubba und dem Erbsenzähler/Sekretär Fenton gleich zwei neue Figuren, die beide DuckTales weiter vom Barks-Universum wegschubsten und zudem auch den Anteil an schrillerem Humor aufdrehten. Die Episoden 66 bis 100 sind immer noch besser, als die meisten Disney-Trickserien, allerdings verlor man die Balance aus "Leichtfüßigem Abenteuer" und "Comedy". Und wenn man sich mal Barks näherte, endete es in ein Sakrileg. Die melancholische Geschichte über das Land Tralla La, in dem es keinerlei Form von Währung gibt, verliert durch die Anwesenheit von Fentons Superhelden-Ego Krachbumm-Ente (bzw. "Dingsbumms Duck" bzw. im Original "Gizmo Duck") jegliche emotionale Nachwirkung.

Überhaupt ist die Einführung von Fenton der Punkt, wo das Zurückhalten Donalds zur Farce wurde: Er hat zwar einen eigenen Charakter und obendrein sein technisiertes Superhelden-Ego, wenn sich aber nicht alles um Krachbumm-Ente dreht, dann ist er nichts anderes als eine anstrengende Ersatzrolle für Donald. Dümmer, arroganter, nicht so gut in die Dynamik zwischen Dagobert und Tick, Trick und Track passend.

DuckTales war aufgrund seiner hohen Qualität, inhaltlich wie optisch, ein immenser Erfolg, auf dessen Schwingen George Lucas gesagt haben soll, die Serie sei "Disneys Star Wars". Wie auch immer das gemeint ist. Disney jedenfalls veröffentlichte vom Erfolg beflügelt einen Kinofilm, der den Startschuss für eine ganze Reihe an Kinoadaptionen von Disneys besten Trickserien darstellen sollte. Doch der Film lief unter Disneys Erwartungen. Weder wurde DuckTales weiter verlängert, noch wurde die Idee anderer Kinofilme weiterverfolgt. Von Der Goofy Film mal abgesehen, der sich jedoch sehr von der dazugehörigen Serie unterschied.

Was sonst übrig blieb: Die DuckTales-Spiele für den GameBoy und den NES zählen bis heute zu den besten Lizenzgames aller Zeiten. Dieses Jahr kam DuckTales als Comicreihe zurück, mit Geschichten aus der Feder von Warren Spector, bekanntermaßen riesiger Disney-Fan. Nach ansehnlichem Start mutete das DuckTales-Revival mit Ausgabe 3 seinen Lesern einen der schlechtesten Duck-Comics aller Zeiten an. Seufz, schluck, ächz.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XV)

Platz 10: Chip und Chap – Die Ritter des Rechts

Die Top Ten meiner liebsten Disney-Fernsehserien eröffnet so gleich mit dem ersten Eintrag auf dieser Liste, den Leute "meiner" Generation, also Kinder der späten 80er und frühen 90er, als echte Disney-Klassiker bezeichnen würden. Denn Chip und Chap – Die Ritter des Rechts feierte seine Premiere in Deutschland nicht in irgendeinem RTL-Samstagmorgen-Block, auf Super RTL oder gar in der DisneyTime der ProSiebenSat.1-Gruppe, sondern im väterlichen Schoß des ARD-Disney Clubs!

DuckTales war noch eine recht schlüssige Neuerfindung des Duck-Kosmos, wurden in der Serie doch hauptsächlich Abenteuer im Stile von Carl Barks (oder sogar von Carl Barks) mit einer anderen Figurenkonstellation und dramaturgisch "fernsehtauglicher" umgesetzt. Die nächste Neuerfindung klassischer Disney-Helden war deutlich revolutionärer. Und ich wage zu behaupten, dass sie heutzutage als neues Konzept wohl nicht mehr Fuß fassen könnte, genauso wie die nicht minder radikale Neuinterpretation der Dschungelbuch-Figuren in Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew.

Man muss sich doch nur mal folgendes vorstellen: Disney hat seine Figuren für's Fernsehen nie komplett auf den Kopf gestellt. Und heute taucht im Internet die Meldung auf "Disney macht aus Donalds frechen Widersachern Ahörnchen und Behörnchen Verbrechensbekämpfer! Balu aus dem Dschungelbuch wird Frachtpilot, der gegen Luftpiraten kämpft! Schneewittchen leitet illegale Schnapsbrennerei!" Die Disney-Fans würden doch sofort das halbe Internet in Brand stecken, vor lauter Entrüstung! Aber ohne allgegenwärtiges Internet konnte Disney die Zuschauer mit solchen Konzepten auf kaltem Fuß erwischen - und sie so erfolgreich durchsetzen.

Chip & Chap war jedoch bekanntermaßen nicht stets als Neugeburt der kleinen Widersacher Donald Ducks geplant. Ursprünglich sollte die Fernsehserie über detektivische Mäuse eine Fortführung des Kinofilms Bernard & Bianca werden, was jedoch von Jeffrey Katzenberg gestoppt wurde, weil bereits eine Kinofortsetzung über das Mäuseduo geplant war. Ein weiterer Haltepunkt der Chip & Chap-Konzeption, der Jahre später wohl anders gelaufen wäre.

Also wurden neue Charaktere entwickelt, die diese Serie tragen sollten. Die von Tad Stone und seinem Team entworfenen Figuren wurden der Geschäftsführung im selben Meeting präsentiert, während dem beschlossen wurde, welche Figuren in der zweiten Staffel von DuckTales zum bereits etablierten Cast dazustoßen sollten.
Nun Metro Mice betitelt, sollte die neue Disney-Trickserie von einer verwegenen Maus im Indiana-Jones-Look, einer Erfindermaus, einer Beutelratte mit Fachwissen in Sachen Sprengstoff, einer Martial-Artist-Grille, einem weiblichen Chamäleon (die Sekretärin des Teams) und einem Adler handeln. Doch auch diese Figuren erhielten, von der erfinderischen Maus Trixie abgesehen, ein "Daumen runter" von Michael Eisner und Jeffrey Katzenberg.

Mit Rückblick auf die erfolgreiche DuckTales-Formel suchte man nach bereits bekannten Disney-Figuren, die es erleichtern sollten, sich schnell an die Trickhelden zu binden. An dieser Stelle entzweien sich die Berichte: Mal heißt es, Tad Stone hätte Chip und Chap ins Gespräch gebracht, mal heißt es, dass es Michael Eisner war. So oder so war man sich im Konferenzraum plötzlich einig - und der Rest ist, wie es so klischeebeladen heißt, Geschichte. Der Pilotfilm und die Preview-Episode im Disney Channel kamen beim Publikum an, und so ging die Serie etwas später regulär über den Äther. Vom 4. März 1989 bis zum 19. November 1990 liefen in den USA neue Episoden, insgesamt wieder einmal 65 an der Zahl.

Chip und Chap – Die Ritter des Rechts lebt zu ungefähr gleichen Teilen von den sympatischen Figuren, als auch von den witzigen Einfällen, mit denen die Fälle der Rettungstruppe gespickt sind. Der clevere Chip und der schusseligere Chap geben auch in ihrer eloquenteren Inkarnation ein tolles Comedyduo ab und auch den enorm starken Weltenbummler Samson mit seiner Käsesucht fand ich immer äußerst amüsant. Selbst wenn er daran Schuld hat, dass ich später, als die Serie auf Super RTL wiederholt wurde, während der Ausstrahlung immer eine ungesunde Lust auf Käsechips bekam. Die erfinderische Trixie ist natürlich ebenfalls ein wertvoller Bestandteil der Serie, und sie ist nun wirklich keine schlecht konzipierte Figur, doch ich kann nicht ganz nachvollziehen, woher ihre immense Fanbase herrührt Ich würde sie jedenfalls auf eine Stufe mit Samson stellen. *duck und weg* Und die Fliege Summi, joah, sie war auch dabei und hat ab und zu auch was nettes dazu beigesteuert.

Gemeinsam klärt diese Truppe unterschiedliche Verbrechen auf: Mal sind Tiere die Auftraggeber, andere Male nehmen sie sich Fällen an, unter denen Kinder leiden (die der Polizei aber nicht wichtig genug sind). Und wieder andere Male stolperte die Rettungstruppe eher in DuckTales-haftere Abenteuer. Die Schurkengallerie ist denkwürdig, jedoch konnten Katzen-Gangsterboss Al Katzone, der verrückte Wissenschaftler Nimnul und Co. nie eine solche Fallhöhe aufbauen, wie manch andere TV-Schurken (*hust*Darkwing Duck*hust*). Dennoch waren die Storys amüsant und abwechslungsreich. Die Serie hat einfach einen tollen "Wohlfühlfaktor". Bei Marathon-Sitzungen geht einem die hyperaktive Musik allerdings schnell auf den Keks. Naja, zumindest mir geht's so.

Von allen Disney-Fernsehserien hat Chip & Chap wohl auch die engagierteste und größte, sowie auch launischste, Fanbase. Es gibt sehr kreative Fanfics, von denen die wichtigsten auch mehr oder weniger geschlossen als Fan-Kanon (Fanon) akzeptiert werden. Jedoch kann man die Fanbase mit der Frage "Mit wem sollte Trixie zusamenkommen?" schnell an den Rand einer Explosion bringen.

Wie auch Darkwing Duck bekam Chip & Chap neulich eine Fortführung in Comicform. Die Nager wurden jedoch nicht sehr alt, da die Verkaufszahlen nicht ganz den Erwartungen entsprachen. Manche mutmaßen, dass die Fans lieber ihre Fics lasen - jedenfalls wurde stattdessen DuckTales in Comicform weitergesponnen. Was allerdings eine ganz eigene Geschichte ist ...

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XIV)

Platz 11: Hercules

Nach Arielle, die Meerjungfrau und Aladdin gingen die Regisseure Ron Clements & John Musker ihren konsequent immer komödiantischer werdenden Weg mit Hercules weiter. An ihre vorhergegangenen Erfolge konnten sie kommerziell nicht gänzlich anknüpfen, trotzdem war Disneys Zeichentrickfilm des Jahres 1997 immer noch ein zufriedenstellendes Geschäft. Sowohl an den Kinokassen, als auch bei den Kritikern. Ja, die Höhen der Pre-Pocahontas-Ära waren vorbei, aber die Schande, die Disney mit mickrigen DVD-Veröffentlichungen aus diesem Film macht, war Hercules nun wirklich nicht. Laut einigen Quellen stellte er sogar einen neuen Rekord für die meisten lizenzierten Merchandising-Artikel zum Kinostart auf.

Tad Stones, der die Aladdin-Kinoserie entwickelte, wurde bereits während der Produktion des Kinofilms von Clements & Musker scherzend angesprochen: "Hey, wir machen einen Piloten für deine neue Serie!" Und so kam es dann tatsächlich, wobei Showrunner Stones noch die etwas weniger erfahrenen Bob Schooley & Marc McCorkle als Produzenten an Bord holte. Bei ihrer nächsten Serie waren die drei dann bereits gleichgestellt, tja und dann kam eine gewisse andere Disney-Serie ...

Hercules - Die TV-Serie startete bereits 1998 und fungierte als "Midquel", war also in Mitten der Ereignisse des Films (genauer gesagt während Hercs Heldentraining) angesiedelt. Die Serie nahm sich dem visuellen Stil des Kinofilms an, passte ihn jedoch dem Budget und der produktionszeitlichen Begrenzungen einer Fernseh-Trickserie an. Und lieferte dahingehend ein wesentlich besseres Ergebnis ab, als wohl alle anderen Fernsehfortführungen von Disney-Kinofilmen: Das Seriendesign ist insgesamt etwas "flacher", die Farbpalette etwas begrenzter, doch die Schnörkel des von Gerald Scarfe und altgriechischer Bildhauerei inspirierten Film-Looks wurden konsequent übertragen, ja sogar noch etwas schlüssiger in die Serienwelt eingebaut. Der Film sieht natürlich etwas bombastischer aus, aber die Serie ist (von wirklich schwachen Momenten abgesehen) wohl alles in allem angenehmer anzuschauen. Das Design wirkt einfach runder und übersichtlicher.

Die Serie hat zwei inhaltliche Standbeine: Eigenwillige Interpretationen griechischer Sagen und Mythen auf der einen Seite, und via geballten Anachronisms umgesetzte High-School-Stories auf der anderen Seite. Oft genug werden beide Standbeine miteinander kombiniert, doch es gibt auch Episoden, die klar einen stilistischen/humoristischen Schwerpunkt setzen. Ich selbst finde diese Kombination sehr gut und würde nicht auf eines der beiden Gesichter von Hercules verzichten wollen, jedoch ist es der spaßige Umgang mit der Mythologie des antiken Griechenlands, die diese Serie in meiner Gunst so weit empor steigen ließ.

Ich denke, kaum jemand wird Einspruch erheben, wenn ich sage, dass sich die Serie gewitzter und geistreicher aus der griechischen Sagenwelt bediente, als noch der Kinofilm. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

- Hercules braucht dringend einen Nebenjob, findet allerdings keinen, so dass ihm Papa Zeus mit seinen Connections einen besorgt (so weit der Teenager-Part des Plots), und zwar als Wagenfahrer für Apollo. Hades nutzt diese Gelegenheit, und raubt unversehens die Sonne, um so im Götterrat ein Misstrauensvotum gegen Zeus in die Wege zu leiten. "Er hat Apollos Job an seinen nichtsnutzigen Sohn weitergegeben" - um Zeus' Stand im Olymp zu festigen, müssen Hercules und sein bester Freund Ikarus (mit dem gewaltigen Sonnenschuss, äh, -stich) das gleißende, große Ding wiederfinden ...

- Hercules hilft dem ersten Arzt der Welt, Hypokrates, sein Geschäft zu erweitern. Damit verdirbt der Halbgott das Geschäft seines Onkels Hades - der zur Rache eine Seuche verbreitet ...

- Gaia verflucht den neureichen Lackaffen der Schule, Adonis, zum Tode. Zusammen mit Hercules such er Rat beim Orakel von Delphi Rat. Ihnen wir aufgetragen, die Goldenen Äpfel der Hesperidenzu stehlen. Stargast der Episode: Der rüstige Rentner Nereus.

- Durch ein von Hercules und Ikarus mitverantwortetes Versehen fällt Morpheus in einen tiefen Schlaf - weshalb er die Menschheit nicht zur Nachtruhe bringen kann. Erst freuen sich Herc und Ikarus, da sie so mehr Zeit haben, für die anstehenden Prüfungen zu büffeln. Doch dann geschehen immer mehr tödliche Unfälle - sehr zur Freude von Hades, der alles dransetzt, dass das auch so bleibt ...

Weitere Highlights sind die Crossover-Episoden. Die Römer werden zu Fans der griechischen Göttern, weshalb sie sie übernehmen. Bloß die dämlichen Namen gehören ihrer Meinung nach geändert, was vor allem Hades missfällt ("Pluto? Was für ein Micky-Maus-Name ist das denn?!). In einer anderen Folge begegnet Hercules den Helden der nordischen Mythologie, und erfährt, dass die Moiren zwei Jobs haben und doppelt abzocken. Tja, und dann gibt's noch die Folge, in der Hades den Geist von Dschafar trifft. Zusammen tüfteln sie einen teuflischen Plan aus, indem sie Aladdin und Hercules in einen Kampf auf Leben und Tod verwickeln ...

Hercules zeigt außerdem so ganz nebenher und unaufdringlich den Simpsons, wo der Hase langläuft: An die 170 Künstler aus TV, Film, Musik und Broadway sprechen Gastrollen in der 65 Episoden umspannenden Serie. Darunter befinden sich Jennifer Aniston als Hercules Traumdate Galathea, Idina Menzel als Circe, Dan Castellaneta als Homer (höhö, höhö), Eugene Levy als König Midas, Jennifer Love Hewitt als Medusa, William Shatner als Jason (von den Argonauten) und Craig Ferguson als Jäger aller Jäger - Orion!

Star der Serie blieb aber weiter der staubtrockene Hades, dessen Sprüche einfach die gesamte Unterwelt rocken. Und ja, ich weiß, was alle denken: Wie kann Hades in der Serie hinter Hercules her sein, wenn er im Film erst von dem Wunderknaben erfährt, als er ein erwachsener Profi-Held ist? Nun, das halbe Internet schwört, es sei ein Kontinuitätsfehler. Auch Tad Stones, der die Serie aus "Respekt vor dem Film" als Midquel anlegte, erklärte, dass ein größerer Fokus auf Humor und Abenteuer, und eine weniger gestrenge Konzentration auf Kontinuität dafür gesorgt hätte, eine stärkere und eigenständige Serie zu entwickeln. Aber: In einer Episode befällt als Schlussgag Hades Amnesie. Sie lief zwar nicht als Serienfinale, aber die Ausstrahlungsreihenfolge machte bei Disneyserien nahezu niemals Sinn ...