Dienstag, 31. Januar 2012

Grosse Pointe Blank


Klassentreffen. Geisel der gebildeten Menscheit, oder feierlich willkommener Anlass, vergangene Tage wieder aufleben zu lassen? Zumindest den gelungensten Filmen über dieses Sujet nach zu urteilen, neigen solche Wiedervereinigungen deutlich in die ungewollt traurige und triste Richtung, sind sie doch nahezu geschlossen schwarze Komödien, die sich über das urbane Leben lustig machen und eher die Selbstzweifel, Persönlichkeitskrisen und bei solchen Veranstaltungen aufknospenden Verlierermentalitäten ins Zentrum ihrer Komik rücken. Anstelle der zu zelebrierenden Nostalgie, den ersehnten Treffen alter Bekannter und dem getätigten Fortschritt im eigenen Leben.

Grosse Pointe Blank zeichnet in seinem Subgenre nicht das drögeste Bild einer High-School-Wiedervereinigung, unter anderem mit seinem fantastisch zusammengestellten, nostalgisch verklärten 80er-Indie-Soundtrack feiert auch ein wenig die oh solch gefürchtete Heimkehr, von einem gelösten Fest des Zurückblickens ist diese Produktion dennoch meilenweit entfernt. Schließlich ist Grosse Pointe Blank nicht bloß irgendeine High-School-Reunion-Komödie, sondern in erster Instanz eine einfallsreiche, böse sowie nonchalante Komödie über einen Auftragskiller.

Der Auftragskiller Martin Blank (John Cusack), verliert die Freude an seiner Profession: Andauernd haben seine Kunden schwierige Sonderwünsche und sind unzufrieden, wenn Blank bei seiner Arbeit improvisieren muss. Noch dazu drängelt ihn sein Konkurrent Dan Grocer (Dan Aykroyd) mit der Idee einer Profikiller-Gewerkschaft, mit der Blank nichts zu tun haben will. Auch die Therapie verschafft Blank keine Ruhe. Auf Drängen seiner Sekretärin (eine großartig aufgelegte Joan Cusack) greift er also nach dem letzten Strohhalm für seinen Seelenfrieden: Er fährt zurück in seine Heimatstadt Grosse Pointe, wo nach zehn Jahren das große Abschlussjahrgangs-Wiedersehen seiner High School stattfindet. In Grosse Pointe begegnet er alten Schulkameraden, die mal mehr und mal viel weniger aus sich gemacht haben, aber letztlich geht es Blank eh nur um eine einzige Person: Debi (Minnie Driver), seine Jugendliebe, die er kurz vor dem Abschlussball hat sitzen lassen. Während Blank seine Vergangenheit zu kitten versucht, lauern ihm einige seltsame Gestalten auf, die ihm nach seinem Leben trachten. Und dieser Gewerkschaftsfreak ist auch vor Ort!

Als Produktion des Jahres 1997 muss sich Grosse Pointe Blank natürlich gefallen lassen, dass man bei einer Besprechung irgendwie auf Pulp Fiction hinweist. Stilistisch, inhaltlich und atmosphärisch sind diese Filme zwar grundverschieden, aber George Armitages Regiearbeit profitierte wohl vom Erfolg des Tarantino-Klassikers. "Profikiller in trivialen Situationen" waren danach erst so richtig denkbar im US-Kino, und es ist nur zu auffällig, dass Grosse Pointe Blank zu den seltenen guten Filmen von Hollywood Pictures gehört. Und dies ist ja eines der Erwachsenenlabels des Disney-Konzerns, der auch via Miramax Pulp Fiction auf die Leinwände dieser Welt brachte. Nun, zumindest hat man recht prominent einen Pulp Fiction-Werbeaufsteller im Film untergebracht, also verheimlichen die Macher diesen Trendsetter nicht.

Während Tarantino aber aus von Profikillern ausdiskutierten Nichtigkeiten coole Kultdialoge schuf, lebt Grosse Pointe Blank eher von dem Witz, wie trivial so ein Auftragskiller sein kann (Stichwort: Gewerkschaftsdebatte). Sowie von den zahllosen, unaufgeregten Reaktionen auf Blanks Beruf: "Ich bin Profikiller!" "- Oh. Ist man da krankenversichert?"

Der große Gewinn für Grosse Pointe Blank ist glasklar Hauptdarsteller Cusack: Er macht seine Figur für den Zuschauer sympathisch, hat ein unglaubliches komödiantisches Timing, tänzelt unauffällig zwischen kurioseren und staubtrockenen Gags und macht vor allem auch den Kern der Geschichte glaubwürdig. Ein Killer, der auf einem recht lahmen Klassentreffen seine Seele wiederfindet? Das kann man extrem vermasseln, aber Cusack bringt eine schwarzhumorige und auch augenzwinkernde Melancholie mit, wodurch diese Geschichte greifbar bleibt. Auch seine selbst nach zehn Jahren nicht überkommene Reue wegen Debi wird nachvollziehbar dargestellt. Leider kaufe ich ihm und Minnie Driver die verstaubte Schulromanze nicht ab. Driver hat in ihrer Rolle als Radiomoderatorin eines Lokalsenders zwar einige tolle Monologe, aber die Chemie mit Cusack und die ganze Entwicklung dieser Story hapert hin und wieder. Ich werde jedenfalls nicht emotional oder intellektuell an diesen Handlungsfaden gebunden, sondern folge ihm eher gleichgültig, weil er halt der Motor dieses ansonsten gelungenen Films ist.

Einen weiteren, kleineren Wermutstropfen gibt es dennoch: Mir scheint der Charakterbogen Blanks nach der Reunion eigentlich komplett abgeschlossen, da allerdings noch ein paar andere Fäden beendet werden müssen, geht der Film für einige Minuten weiter, in denen er auch eine eigentlich unnötige, größere Schießerei einbaut. Dadurch, dass Aykroyd in diesem Finale einige der besten Sprüche hat, kann ich aber wenigstens ein Auge zudrücken.

Grosse Pointe Blank gehört für mich zu den besten schwarzen Komödien, die Hollywood in den 90ern fabriziert hat. Cusack & Cusack sind super, aus der Geschichte wird das beste rausgeholt und Blanks Rückkehr in seine Jugendheimat bringt bösen sowie subtilen, und ja, ab und an auch köstlich albernen Humor mit sich.

Siehe auch:

2 Kommentare:

Filmsenf hat gesagt…

Klassiker!

"Popcorn!" Und natürlich "Workers in the World United!"

Agnes Hutapeya hat gesagt…

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