Mittwoch, 30. Mai 2012

Spider-Man


Man kann gewiss ausführlich darüber diskutieren, ob nun Blade oder X-Men den Stein ins Rollen brachten, aber ich würde den glamourösen Beginn des bis heute anhaltenden finanziellen und popkulturellen Phänomens an Comicverfilmungen auf den US-Starttag dieses Blockbusters datieren. Es war der erste Film, der in den USA über 100 Millionen Dollar allein am ersten Wochenende einspielte (zehn Jahre später trat The Avengers an, um diese Bestleistung zu verdoppeln) und auch im Rest der Welt sorgte Spider-Man für einen wahren Hype, obwohl vorherige Comicverfilmungen in manchen Ländern, auch in Deutschland, herbe Probleme hatten, einen finanziellen Ausnahmestatus zu erlangen. Und Kritiker waren dem Film eben so wohl gestimmt wie das zahlende Publikum.

Wie es wohl die Gesetze der Filmrezeption verlangen, insbesondere im Bezug auf Comicverfilmungen, wird der Status von Spider-Man als eine Spitzenleistung seiner filmischen Gattung in jüngster Vergangenheit gehäuft angezweifelt. Teils in Erwartung des bisherigen Aussagen nach zu urteilen grimmiger gestimmten Reboots, welches nicht nur seine Feinde, sondern auch seine eifrigen Verfechter hat, teils auf der Welle der sehr spaßigen Marvel-Eigenproduktionen, teils im grüblerischen Schatten von The Dark Knight. Sind diese lauten Zweifel berechtigt, oder handelt es sich dabei nur um das typische Internet-Genörgel?

Es stimmt, dass The Avengers geballteren Spaß mit schärfer geschriebenen Figuren bietet, The Dark Knight das Verhältnis zwischen großer Macht und großer Verantwortung viel komplexer behandelt und The Amazing Spider-Man einen besser ausgearbeiteten Look verspricht. Aber nur, weil Spider-Man nicht mehr bequem auf dem Sockel ruht, auf dem er sich 2002 platzierte, bedeutet dies nicht, dass Sam Raimis passionierte Big-Budget-Produktion schlecht gealtert ist. Das einzige, was heute kaum noch jemanden überzeugen dürfte, sind die Computereffekte, und denen stand ich schon damals nicht sonderlich euphorisch gegenüber. Die rasanten Kamerafahrten durch die New Yorker Häuserschluchten halfen, Spider-Mans "Flüge" durch den Big Apple mitreißend zu gestalten, die Animationen selbst waren aber selten vollauf überzeugend. Mal waren die Bewegungen zu agil, andere Male zu klobig und nahezu immer schien das Shading nicht vollendet.

Den Tonfall des Films wiederum finde ich, ungeachtet so mancher rückblickenden Unkenrufen, weiterhin absolut gelungen. Der Film strahlt das aus, was auch sein Held darstellen soll: Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, die einen holprigen Weg ins Heldendasein hatte. Die Beziehung zwischen Peter Parker und Onkel Ben sowie Tante May wird sehr gefühlvoll ausgearbeitet, so dass Peters Vorwürfe an Bens Tod nachvollziehbar, nicht jedoch belastend sind. Man kann verstehen, dass er sich die Schuld gibt, als Zuschauer wirft man es ihm aber nicht vor. Auch sein erster Racheeinsatz findet den genau richtigen Grat zwischen Selbstgefälligkeit und Heldenmut, es ist keine Blutrache, völlig unbescholten geht Spider-Man aber nicht aus der Sache heraus. Überhaupt ruhen Spider-Mans Anfänge auf einem gelungenen Start. Es bleibt offen, wieso Peter Parker das viel gescholtene Opfer aller ist, aber Regisseur Sam Raimi und Autor David Koepp vermögen es, Empathie für Peter Parker zu erzeugen, so dass seine Heldenwerdung triumphal ist.

Den Einsatz von Comic Relief, manches charakterintern, anderes mit leicht campigen Augenzwinkern seitens der Filmemacher in den Handlungsfluss eingebettet, empfinde ich in Spider-Man als wohldosiert und spaßig-erfrischend, also passend für diesen Blockbuster. Problematisch wird es nur, wenn der Green Goblin Scherze reißt, da sein Kostüm im Film bereits einen miesen Witz darstellt. Auch ist Willem Dafoe ein Mitgrund, weshalb Spider-Man zu den Filmen gehört, die ich mir nur in der deutschen Synchronisation gebe. Sein Synchronsprecher Reiner Schöne fängt den Geist Dafoes selbstgenießerischer Performance ein, ohne die selben Spannung untergrabenden Ausrutscher ins Unkontrollierte zu begehen. Tobey Maguire ist als Spider-Man aka Peter Parker super besetzt, vor der Verwandlung zum Superjungen ist er vielleicht einen Ticken zu unbeholfen, doch ab dann setzt er die Charakterwandlung sehr überzeugend um.

Die Actionszenen sind stimmig inszeniert, wenngleich nicht wirklich denkwürdig. Da die Heldenreise hier eh mehr im Vordergrund steht, als die einzelnen Stationen, ist dies jedoch kein Problem. Manchmal holpert der Dialog, aber Danny Elfmans eingängige und emotionale Musik glättet alle Rauheiten souverän ab. Amüsant ist aber, dass schon Spider-Man Sam Raimis Vorstellung der wahnsinnigen Boshaftigkeit vorwegnimmt: Inszenatorisch ist Norman Osborns erschreckendster Moment ... als er zu früh vom Thanksgivingmahl kostet. Und da heulen die Menschen wegen Angebertanz-Peter in Teil 3 ...

Siehe auch:

2 Kommentare:

Dr-Lucius hat gesagt…

Ich bin da mit Spider-Man nicht so auf dem laufenden, aber ist das der kommende Film?

http://www.comic-report.de/index.php/news/73-film/363-spider-man-3d-4-minuten-trailer

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ajap, das ist der kommende Film.

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