Freitag, 18. Mai 2012

Tron: Uprising – Beck's Beginnings


Um Hype für den US-Start der Trickserie Tron: Uprising am 7. Juni zu generieren, stellte DisneyXD die Pilotfolge Beck's Beginnings auf YouTube. Die Onlinereaktionen gingen zumeist ins Extreme: Entweder wurde der Einstieg in die Serie sehr euphorisch aufgenommen, oder sehr drastisch abgelehnt. Klar ist zumindest, dass die Serie davon ausgeht, dass man Tron: Legacy gesehen hat oder aber kein Problem mit Spoilern für das späte Tron-Sequel hat.

Angesiedelt ist die Serie in der Zeit kurz nach CLUs folgeschwerem Verrat an Flynn, der einen Machtwechsel auf dem Raster zur Folge hat, den Freiheitskämpfer Tron von der Oberfläche fegte und den Programmierer Kevin Flynn dazu zwang, sich in seiner digitalen Welt zu verkriechen, vermeintlich ohne jede Hoffnung auf eine Rückkehr in unsere Realität.

CLU (Originalstimme: Fred Tatasciore), der neue Herrscher des einst als Utopie aufgebauten Rasters, befindet sich zu Beginn von Tron: Uprising noch zusammen mit seiner rechten Hand General Tesler (Lance Henriksen) in der Aufbauphase seines Imperiums. Sein jüngstes Ziel ist Argon City, Heimat des Mechanikerprogramms Beck (Elijah Wood), welches es in seiner Freizeit genießt, sportliche Disckämpfe mit seinen Freunden auszutragen. Als Becks engster Freund bei einer Auseinandersetzung mit den militärischen Truppe des CLU-Regimes gelöscht wird, nimmt Beck die Identität des tot geglaubten Tron an, um als Zeichen der Rebellion ein überdimensionales Abbild CLUs in die Luft zu sprengen. Allerdings löst dieses Zeichen keine erfolgreiche Revolte gegen die herrschenden Programme aus, sondern ruft nur den tyrannischen General Tesla auf den Plan, der die Bewohner Argon Citys einzieht, um auf dem Spieleraster in Gladiatorenkämpfen in Spielen um ihr Leben anzutreten. Derweil entkommt Beck nur knapp der agilen Paige (Emmanuelle Chriqui), die für ihren Vorgesetzten Tesler die dreckigen Jobs übernimmt, und gerät letztlich in die Hände des unberechenbaren Rinzlers ...

Die neuen Figuren, die das Tron-Universum bevölkern, sind nicht durchweg originell, aber meiner Meinung nach allesamt interessant ausgeführt. Der Serienheld Beck ist ein ungestümer, jugendlicher Bursche, der sich zum Beginn von Tron: Uprising als Revoltenanführer aufspielen will, dazu allerdings nicht das nötige Durchhaltevermögen hat. Erst, als er einen Mentor findet und seine Freund ein Gefahr sind, wird aus dem Unruhestifter ein wirkliches Symbol der Hoffnung. Es dürfte spannend sein, zu verfolgen, wie Beck sich in der kompletten Serie noch wandeln wird. Paige als feuriges Kämpferweib, das ein Auge auf Beck geworfen hat, könnte ebenfalls noch für Spannung sorgen. Mandy Moores Rolle als gute Freundin und Arbeitskollegin Becks kam in der Pilotfolge noch nicht zur Geltung, versprach in den Interviews allerdings, dass sich dies ändern wird. Einen Volltreffer landeten die Serienmacher meiner Ansicht nach mit General Tesler, der einen sehr coolen Bösewicht abgibt und dessen Powerfäusten aus dem bisherigen Tron-Kampfarsenal herausstechen. Enttäuscht bin ich, wie die bisherigen Figuren umgesetzt wurden: CLU sieht gräßlich aus und die Stimme seines neuen Sprechers klingt eher wenig nach Jeff Bridges und Bruce Boxleitners Rolle hat nahezu keinerlei Mimik und ist in der Pilotfolge kaum mehr, als ein wandelnder Deus Ex Machina. Ich hoffe, dass dies in der Serie noch verbessert wird und auch, dass sie noch eine deutliche, tragische Wendung nimmt, da es sonst mit dem Filmkanon Probleme gibt.

Während die steife Mimik mir in der Pilotfolge durchweg missfiel, ist Tron: Uprising insgesamt betrachtet ein optischer Leckerbissen. Die Tron: Legacy-Welt wurde sehr gut ins (computergestützte) Zeichentrickmedium übersetzt und gewinnt auch wieder etwas von der Desorientierung zurück, die im Original-Tron herrschte. Mir persönlich ist das eigentlich schnuppe, so lange ich in den Episoden mehr ausmachen kann, als in den Trailern (ja, kann ich), aber ich kenne manche Tron-Fans, denen die Landschaft von Tron: Legacy zu leicht auszumachen war. Diese dürften sich an den genialen Hintergründen der Serie also umso mehr erfreuen.

Beck's Beginnings erzählt ein durchaus ansprechendes erstes Kapitel einer größeren Heldensaga, jedoch finde ich die Umsetzung nicht optimal gewählt: Rund die erste Hälfte der Folge wird in einer Rückblende erzählt, die mit sehr vielen Off-Kommentaren gespickt ist, wodurch der Story viel Dynamik verloren geht. Die Actionszenen wiederum sind großartig choreographiert und packend. Die Musik gefällt mir sehr, sie baut effektiv auf dem Tron: Legacy-Soundtrack auf und verleiht der Serie ein epochales Gefühl. Kritisch finde ich bloß, dass die große Kampfszene auf einer Monorail (yay, Monorail!) mit Musik untermalt wurde, die ziemlich dreist aus Inception kopiert wurde.

Alles in allem hat mir die Pilotfolge von Tron: Uprising gefallen, den Lobeshymnen würde ich mich aber nicht anschließen. Es ist noch einiges an Luft nach oben, und ich hoffe, dass das Potential in der Serie noch ausgeschöpft wird. Tron: Uprising könnte sich zu einem echten Disney-Seriengeheimtipp entwickeln, vorerst bin ich dagegen etwas vorsichtig und mag noch nicht in Jubelschreie ausbrechen.

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