Sonntag, 16. Dezember 2012

Darf ich vorstellen: Mark Andrews, mein neues Hass-Objekt bei Pixar


Mark Andrews fing unauffällig an. Er war der Regisseur hinter dem Pixar-Kurzfilm One Man Band, den ich dank des Slapstick-Timings zu meinen Favoriten unter den kurzen Pixar-Werken zähle. Dann wurde Mark Andrews zum Hauptregisseur des ursprünglich von Brenda Chapman erdachten Film Merida. Das allein ist in den Augen mancher sicherlich genug, ihn zu mögen, und in meinen Augen (und ich mutmaße einfach, damit nicht allein zu sein), ist es Grund genug, ihm gegenüber zweiflerisch aufzutreten. Ohne ein veröffentlichtes Storyboard der Chapman-Version kann man nur mutmaßen, allerdings ist es schon auffällig, wie viel des One Man Band-Slapsticks den zweiten Akt von Merida plagt. Und auch wenn Chapman ihn bereits gewünscht haben sollte, so bleibt Andrews der Regisseur hinter dem in meinen Augen schlechtesten Pixar-Film, der sich nicht auf hirnzermürbendem Drecksniveau befindet.

Auch wenn Pixar nach Cars 2 und Merida also bei mir einiges wieder gut machen muss, so ist das Studio dafür zu ehren, dass es Walt Disneys oberstes Gebot befolgt und keinerlei Furcht hat, Monate an Arbeit in die Tonne zu kloppen, um die Story zu verbessern. Nicht umsonst beschrieb Andrew Stanton den Story-Findungsprozess bei Pixar mit Archäologie: Man beginnt nach der Struktur und den Inhalten zu graben, findet  einen Anhaltspunkt, denkt, einen bestimmten Dinosaurier auszugraben, und am Ende ist es doch ein völlig anderer. Aber man hat ihn erfolgreich zusammengesetzt.

Mark Andrews kann mit dieser Denke herzlich wenig anfangen:

"Ich komme aus dem Bereich der TV-Animation, wo man mit einem Zeitplan arbeiten muss, der einem keine Zeit lässt, rumzutrödeln. Es war ein sehr guter Übungsplatz, es bringt einen dazu, aus dem Bauch heraus zu entscheiden, Dinge auszuprobieren und dann damit klarzukommen. Als ich dann in die Langfilmproduktion wechselte und sah, wie langsam alle arbeitent, dachte ich: 'Okay, ich behalte mein Tempo bei und schaff dann halt einfach mehr!' [...] [Bei Pixar] mögen sie es, die Eiswürfelform sehr vorsichtig, eine Einbuchtung nach der anderen zu füllen, bis alles gleichmäßig ist. Ich würde lieber die Spüle unter Wasser setzen, die Form reinpressen und sie dann rauszuzerren. [...] Ich sehe nicht, weshalb es nicht schneller gehen könnte. Wir haben definitiv die Technologie dazu. Es ist bloß eine Arbeitshaltung, es geht darum, innerhalb gewisser Parameter zu arbeiten, statt jeden Stein umzudrehen [um voranzukommen]. Wenn du sagen würdest 'Wir wollen den Film innerhalb von zwei Jahren für 100 Millionen Dollar fertig haben', könnte man es schaffen und er sähe fantastisch aus. Viele Spezialeffektfirmen haben ein viel geringeres Budget als wir, müssen mehr Szenen machen, haben weniger Zeit und deren Ergebnisse sehen fantastisch aus. Was machen die, was wir nicht machen?"

Mark, kleiner Hinweis: Sie setzen Effekte dort ein, wo der sich um die Story und den Gesamtlook sorgen machende Regisseur es will. Ihr erzählt Geschichten. Der ganze Storyprozess ist im Idealfall ageschlossen, wenn Effektfirmen dazustoßen. Ihr braucht so viele Jahre, weil ihr den Film so lange umwirft, bis die Geschichte stimmt. Naja, das habt ihr zumindest mal gemacht!

"Ich hatte letztens ein nettes Abendessen mit [General Manager] Jim Morris und [Präsident] Ed Catmull, wo ich ihnen meine Vorstellungen erklärte, und sie waren begeistert. Wieso es nicht ausprobieren? Es wird niemandem weh tun, eine andere Herangehensweise auszuprobieren."

(Zu Andrews mir Magenschmerzen verursachendem Interview)

Mensch, ist mir übel. Hat der Kerl noch alle Karos im Schottenrock? Hoffentlich bringt ihn der Pixar-Braintrust zum Schweigen. Pixar kam nicht zu seinen Ehren, indem Filme rausgehauen wurden. Der elendig lange Entwicklungsprozess ist Pixars Qualitätsgarantie. Ohne ihn ist Pixar bloß irgendein Trickstudio.

2 Kommentare:

Jaguar D Sauro hat gesagt…

Ich mochte Brave nicht, mochte ihn sogar weniger als Cars 2, allerdings lag das eher daran dass ich die Tochter-Mutter Beziehung relativ halbherzig abgearbeitet fand, den Slapstick anstrengend und ich echte Probleme habe mich an irgendwas aus dem Film zu erinnern (abgesehen von der Hexe). Bisher gab ich Andrews nur deswegen die Schuld, weil er ein Thema übernahm von dem er als Mann keine Ahnung haben kann. Jetzt hingegen zeigt sich, das er eine Geldhure ist.

Ja, Fernsehproduktionen müssen schnell raus, aber die sind halt vertraglich daran gebunden schnell fertig zu sein, sie müssen jährlich eine Staffel rausbringen, das gilt auch für Live-Action Serien. Filme, animiert als auch real, haben dieses Problem nicht in diesen Maße. Wenn man sich das durch liest könnte man glauben, er hätte beim Fernsehen bleiben sollen, der Kerl wirkt weit aus dümmer als Merida es einen glauben lässt. Und das soll was heißen...

Sir Donnerbold hat gesagt…

Schlimmer als "Cars 2" würde ich "Merida" niemals bezeichnen. Er sieht hübscher aus, die Musik ist besser und auch wenn die Charakterentwicklung unter dem mies getimten Slapstick leidet, so ist die Moral noch immer sinnig. Anders als bei "Cars 2" aka "Ich bin ein ignoranter, ungebildeter Trampel, und wenn dir mein asoziales Verhalten nicht passt, dann leck mich an meinem rostigen Hintern - Der Film".

Ich glaub aber, wir haben, wenngleich ich "Merida" noch immer besser fand als du, die gleichen Probleme. Der massive Slapstick und die zwischenzeitlich vergessene Vertiefung von Merida und Elinors Diskrepanz bezüglich ihrer Weltanschauungen bedingen ja einander. Bloß weil sich Merida und Elinor aus der Patsche helfen, heißt das doch keinesfalls, dass sie ihre Werte ändern müssen. Ich hab zu Schulzeiten auch schonmal Mitschülern aus der Patsche geholfen, denen ich in politischen Gesprächen bis heute am liebsten Sinn einbleuen würde (und wohl auch umgekehrt, fürchte ich). Und dieses Timing beim Slapstick, meine Güte ... (Geschweige denn die mangelnde Varianz an Pointen! Haha, ein Bär! Haha, nackter Hintern! Haha, ein Bär! Haha, drei Bären! Hihi, fettes Weib mit Schwabbelbusen! Haha, ein Bär!)

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