Samstag, 23. Februar 2013

Oscars 2013: Welche Drehbücher werden gewinnen?


Es ist überaus selten, dass ein mit der Auszeichnung der Writers Guild prämiertes Drehbuch bei den Academy Awards von einem ebenfalls WGA-nominierten Skript "bezwungen" wird. Wenn ein Drehbuch für einen Überraschungssieg sorgt, dann eines, das aus verschiedenen Gründen nicht für die WGAs qualifiziert wurde.

Und aus exakt dieser Perspektive wollen wir uns nun die beiden Drehbuch-Kategorien anschauen. Für den Oscar als bestes adaptiertes Drehbuch sind nominiert:

  • Argo (Chris Terrio) WGA-Gewinner
  • Beasts of the Southern Wild (Lucy Alibar und Benh Zeitlin) WGA disqualifiziert
  • Life of Pi (David Magee) WGA-Nominierung
  • Lincoln (Tony Kushner) WGA-Nominierung
  • Silver Linings (David O. Russell) WGA-Nominierung
Ein paar Preise "muss" Argo als "Bester Film"-Favorit ja einsacken, und das spannende, amüsante und unaufgeregte Skript zu diesem Thrillerdrama hat mit einigen sehr natürlich wirkenden, dennoch klar strukturierten Dialogen die Nase vorn. Die Indie-Überraschung Beasts of the Southern Wild könnte in einem anderen Jahr mit ihrer Umwandlung des gleichnamigen Bühnenstücks einen Außenseiter-Sieg hinlegen, aber im Zweikampf gegen Argo sehe ich den magischen Realismus, der auch sehr von der Regieführung lebt, unterlegen.

Kniffliger erscheint mir die Vorsage für das beste Original-Drehbuch:
  • Liebe (Michael Haneke) WGA disqualifiziert
  • Django Unchained (Quentin Tarantino) WGA disqualifiziert
  • Flight (John Gatins) WGA-Nominierung
  • Moonrise Kingdom (Wes Anderson & Roman Coppola) WGA-Nominierung
  • Zero Dark Thirty (Mark Boal) WGA-Gewinner
Sehr viele Oscar-Experten sagen einen Sieg für Liebe vorher, aber ich zweifle sehr daran. Auch wenn es doppelzüngig erscheinen mag, wenn ich mich auf Argos Seite schlage und nun die Statistik gegen Liebe anwende, dennoch: Zehn Jahre ist der letzte Sieg eines fremdsprachigen Drehbuchs her, 1966 gewann eine Produktion zuletzt diesen Preis und den für den besten nicht-englischsprachigen Film. Nader und Simin - Eine Trennung konnte sich vergangenes Jahr nicht durchsetzen, und diesen Film würde ich wegen seiner Vielschichtigkeit stärker drehbuchorientiert einschätzen als den auf die Inszenierung und Darstellung setzende, emotional mitnehmende Liebe.

Somit wird es sich wohl zwischen den wegen ihrer Gewalt kontrovers diskutierten Zero Dark Thirty (extrem gut recherchiert, sauber strukturiert, besonnen, aber rein handlungsbasiert und ohne denkwürdige Zeilen oder komplex geschriebene Figuren) und Django Unchained (bombastische Dialoge, kurzweilig, voller Referenzen, deutliche Autorenhandschrift, aber extrem selbstverliebt und in Augen mancher "nicht all zu originell") entscheiden. Aufgrund der Indikatorpreise und dass Django Unchained eine Leidenschaft seitens der Kinogänger genießt, wie kein Tarantino mehr seit Pulp Fiction, tippe ich auf den Rachewestern. Selbst wenn Inglourious Basterds nochmal um einiges findiger und elaborierter war ...

Nicht verpassen: In der Nacht von Sonntag auf Montag wird hier ab ca. 0.30 Uhr live zum Oscar gebloggt!

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