Freitag, 22. Februar 2013

Oscars 2013: Welches Design ist das schönste im ganzen Oscar-Feld?


In der Kategorie Bestes Produktionsdesign begegnen uns dieses Jahr drei "Bester Film"-nominierte Werke (darunter ein Historiendrama, ein visuelles Prunkwerk und ein Musical vor historischem Hintergrund), ein Fantasyepos und ein kunstvolles Drama, das Historie mit theatraler Stilistik vereint. Haken wir den meiner Ansicht nach unwahrscheinlichsten Gewinner zu erst ab:

Dan Hennah, Ra Vincent, Simon Bright dürfen sich bereits aufgrund der Nominierung für ihre Arbeit an Der Hobbit - Eine unerwartete Reise geehrt fühlen. Die meisten der aufwändigen und denkwürdigen Sets des Films, etwa das Innere von Bilbo Beutlins Daheim oder das Elben-Königreich, sind bereits aus Der Herr der Ringe bekannt und mit einem Oscar gewürdigt worden. Da es gelungene Arbeit ist, geht eine Nominierung in Ordnung (auch wenn ich viel, viel lieber Moonrise Kingdom nominiert gesehen hätte!), für einen Gewinn fiel die Eigenleistung jedoch zu gering aus.

Zwischen den verbliebenen vier Filmen ist das Rennen dagegen schon um einiges enger. Rick Carter und Jim Erickson brachen in Lincoln mit allen üblichen Erwartungen und bildeten keine romantische, helle und saubere Kulisse für Steven Spielbergs historisches Politdrama, sondern steckten Lincoln in unaufgeräumte, zappendustere und unsentimentale Zimmer. Zahllose, mit Bedacht in die Kulisse geschmissene Requisiten, Materialien, die alt und staubig wirken, die ausstrahlen, dass sie viel erlebt hätten ... Ein Sieg würde mich nicht überraschen.

Ein ganz anderes Verständnis des Historienfilms weisen Sarah Greenwood und Katie Spencer in Anna Karenina auf. Wie in diesem Blog bereits mehrfach bejubelt, geht Joe Wrights Film selbstbewusst und intellektuell-spielerisch mit der Künstlichkeit seines Inhalts um, indem er die Handlung in einem alten, verkommenden, allerdings noch immer impressiven Theater nacherzählt. Die stilisierten Bauten, die sich ineinander falten, Raum für neue Kulissen schaffen, durch wechselnde Ausschmückung verschiedene Orte repräsentieren, der variierende Grad von Realismus und Künstlichkeit ... die Dioramen in diesem Film sind hübsch, clever und aufwändig. Mein persönlicher Favorit und handwerklich sowie konzeptuell gewiss auch eine Leistung, die in der Academy Anklang finden sollte. Die Gewerkschaft der Szenenbildner zeichnete diesen Film in der Historienkategorie aus, die Handwerker wissen ihn also zu würdien. Aber stößt das Konzept hinter diesem speziellen Produktionsdesign vielleicht viele andere Abstimmungsberechtigten ab?

Ebenfalls mit dem Gewerkschaftspreis gesegnet (und zwar in der Fantasy-Sparte): Life of Pi, der über weite Strecken sehr CG-lastig ist. Digitale Sets vollbrachten mit Avatar, Alice im Wunderland und Hugo Cabret bereits den Oscar-Hattrick, doch ist dies als unbändiger Trend zu werten oder ist nun einfach wieder etwas handwerkliches dran? Ang Lees visuelles Meisterwerk lässt uns in jeder Szene den Ozean neu entdecken und die wenigen Schauplätze mit festem Boden (etwa die wandernde Insel) sind ebenfalls beeindruckend. Ein Sieg ist schwer auszuschließen.

Und dann wären da noch Eve Stewart sowie Anna Lynch-Robinson, die für Les Misérables einen BAFTA gewannen. Ihre aufwändige Rekreation des Frankreich zu Zeiten Napoleons ist massiv, wird allerdings nicht so in Szene gesetzt. Die digitalen Seterweiterungen sind stellenweise zu leicht als solche zu erkennen, dafür überragt das Produktionsdesign anderweitig wieder mit seiner Mächtigkeit (etwa die kleine Kirche zu Beginn).

Ich tendiere dazu, einen Anna Karenina-Doppelsieg in den handwerklichen visuellen Prunkkategorien vorherzusagen, was mich auch persönlich sehr erfreuen würde. Wenn Anna Karenina beim Produktionsdesign versagt, vermute ich, dass Life of Pi den Spielverderber gibt.

Beim Makeup & Hairstyling kann ich mich kurzfassen: Howard Berger, Peter Montagna und Martin Samuel konnten Anthony Hopkins in Hitchcock nicht überzeugend genug in den Meisterregisseur verwandeln, als dass ich sie mit einer Goldstatuette nach Hause gehen sehe.

Peter King, Rick Findlater und Tami Lane griffen für Der Hobbit - Eine unerwartete Reise tief in die Schminktrickkiste und zauberten Knollennasen, Doppelkinne, dicke Wangen und gaben den Zwergendarstellern auch ausgefallene Bärte. Beeindruckend, jedoch gehen Lisa Westcott und Julie Dartnell für Les Misérables einige Meilen extra und verpassten einem riesigen Ensemble den verhungernden, geschundenen, elenden Look der Unterschicht. Anne Hathaway geht dank der Schminke schon rein optisch in ihrer Rolle allmählich zu Grunde, Hugh Jackman altert beeindruckend, hinzu kommen Verletzungs-Schminkeffekte und ein paar wirre, ausgefallene Beispiele wie die der Barleute ... und erreicht ist er, der Oscar-Gewinn. Oder was mutmaßt ihr?

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo,

Da ich deine Meinungen zu den Oscarnominierungen mit Spannung verfolge- könntest du nicht vielleicht deinen Favouriten in jeder Kategorie küren? Es würde mich sehr interessieren wen du in welchem Feld forne siehst und warum!

Liebe Grüße
Babsi

Sir Donnerbold hat gesagt…

Hi,

folgt am Sonntag! :-)

Sonja | Zeilenkino hat gesagt…

Ich würde mich auch sehr über einen Doppelsieg von "Anna Karenina" freuen, glaube aber, dass "Les Misérables" in beiden Kategorien ausgezeichnet wird. Es sei denn, die Academy-Mitglieder sind von dem "Herr der Ringe"-Abräumer 2003 noch so mitgerissen, dass sie einfach blind den "Hobbit" ankreuzen. :-)

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