Posts mit dem Label Spielberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Spielberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 25. Dezember 2023

Die schlechtesten Filme 2023

Die Kritik an "Die schlechtesten..."-Listen nimmt konstant zu. Und per se bin ich sehr froh darum, dass sich wenigstens in manchen Winkeln des digitalen Kultur-, Entertainment- und Medienaustauschs die Freude an Häme allmählich in Zaum hält.

Dessen ungeachtet halte ich weiter an dieser Tradition fest, wie ich bereits 2022 erläuterte. Denn mir geht es mit diesen Listen weniger darum, weiter auf wen einzudreschen, der bereits am Boden liegt. Es geht mir um die Bereicherung, die eine Schlusslichtliste leistet. Dieser Beitrag hier gibt mir die Gelegenheit, über Filme zu schreiben, über die ich noch nicht geschrieben habe, oder weitere Gedanken zu Filmen festzuhalten, über die ich mich bereits geäußert habe.

Es ist die Möglichkeit, auf negative Texte von mir zu verlinken sowie neue zu schreiben, und euch so ein runderes Bild meines Filmgeschmacks zu präsentieren. Schließlich veröffentliche ich angesichts dessen, dass ich etwa Streaming- und Heimkino-Empfehlungen bei Filmstarts schreibe, deutlich mehr lobende als mahnende Texte. Nicht, weil ich kaum etwas schlecht finde, sondern weil ich in meiner Profession gehäuft Aufgaben übernehme, bei denen ich mich gehäuft Werken widme, die ich mag.

Als Ausgleich ist es da hilfreich, euch auch meine negativen Reaktionen zu präsentieren. Auch, weil man die Perspektive einer Person besser kennenlernt und einordnen kann, wenn man ihre Antipathien erfährt. Meine Lieblingskollegin Antje etwa weiß ich nicht nur zu schätzen, weil ich ihre positiven Meinungen meistens nachvollziehen kann, sondern auch, weil ich ihre Abneigungen kenne wie meine eigene Jackentasche (die Westen, die ich besitze, haben keine Taschen, also verzeiht das versaubeutelte Sprichwort).

Und, ja, vielleicht finden manche von euch in der nachfolgenden Liste sogar Anregungen, einzelne Filme nachzuholen, so, wie ich nahezu Jahr für Jahr bei den Flops des YouTube-Musikkritikers Todd in the Shadows mindestens einen Popsong finde, bei dem ich denke: "Moment, Moment, den finde ich eigentlich ganz in Ordnung!" Oder ihr findet Erleichterung, weil ihr euch weniger einsam findet, wenn auch ihr mal einen positiven Konsens partout nicht versteht. Oder, oder, oder... Kurz gesagt: Eine Negativliste kann so viel Mehrwert haben, ich fände es schade, auf sie gänzlich zu verzichten.

Langer Vorrede, kurzer Sinn: Finden wir heraus, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werde oder doch nur stumpf rumpöble! Und wie immer gilt: "Schlecht" ist hier nicht zwingend ausschließlich technisch, erzählerisch und darstellerisch katastrophal. Es kann auch ein kompetenter Film sein, der mich extrem gelangweilt hat oder aufgrund bestimmter Makel mehr geärgert hat, als es viele amateurhafte Projekte tun könnten, die ihr schöpferisches Herz aber am rechten Fleck haben. Das hier ist eine "Mein Filmherz schmerzt"-Flopliste, keine "Das Lehrbuch des Kinos geht durch die Existenz dieser Filme in Flammen auf"-Flopliste!

In diesem Sinne: Das sind sie, die Filme, für die ich 2023 die größte Antipathie empfunden habe!

Platz 10: Talk to Me (Regie: Danny und Michael Philippou)

Mehr Fragezeichen hat 2023 kein anderer Film bei mir hinterlassen. Nicht, weil ich Talk to Me auf thematischer Ebene, geschweige denn auf Plotebene nicht verstanden hätte. Ich denke, dass ich da gut mitgekommen bin: Eine einbalsamierte Hand ermöglicht Séancen und sogar das gewollte, gezielte Von-einem-Geist-in-Besitz-genommen-werden, was in der erweiterten Clique unserer Protagonistin (Sophie Wild)e zum neusten Party-Trend wird. Gruppendruck, morbide Neugier, Mutproben-Dynamiken und Lust daran, eigene Grenzen auszutesten, sei es gedankt.

Doch für die im Filmmittelpunkt stehende Halbwaise wird aus riskantem Grenzerfahrungsspaß alsbald eine Sucht, in die sie sich mit voller Wucht hineinstürzt. So lenkt sie sich von der Trauer um ihre Mutter ab. Das Element der Trauerbewältigung wird im (sehr deutlichen) Subtext durch Drogenmissbrauch ergänzt: Die Séancen in Talk to Me ähneln via Smartphone festgehaltenen und geteilten gemeinsamen Drogenexperimenten (und ähnlichem den Verstand attackierenden Schabernack, wie dem 2023er Trend zum Lachgasmissbrauch). So weit, so sinnig: Drogen gehören für viele zur Jugend dazu und sind sowieso gefährlich, auch wenn manche besser an den Nebenwirkungen vorbeisausen als andere. Doch sobald eine emotional angeknackste Person damit anfängt, das sprichwörtliche Steuer aus der Hand zu legen, und dem als sinnlos empfundenen Leben eine Richtung zu geben, nun... Der Ärger kündigt sich lautstark und deutlich an.

Was ich derweil nicht verstanden habe: Wieso kam Talk to Me dermaßen gut an? Ich war nach meiner Talk to Me-Begegnung vollkommen ratlos, fühlte mich, als hätte man mir einen anderen Film vorgesetzt als allen anderen.

Ich gebe Talk to Me eine engagiert spielende Sophie Wilde, eine mit Spannung inszenierte und glaubhaft mit untätigen, überforderten und daher falsch handelnden Figuren ausstaffierte Party- Séance sowie solide bis gute Make-up- und Trickeffekte, um Verletzungen und körperliche Folgen des Besessenseins zu illustrieren. Aber dem gegenüber standen eine meiner Auffassung nach ziemlich an didaktische 80er/90er-Jahre-PSAs erinnernde Anti-Drogenmetaphorik, eine leblose Lichtgebung, die generischste Teeniehorror-Farbdramaturgie, die ich seit langem gesehen habe, und klobigstes Foreshadowing. Klobiges Foreshadowing, das bei mir keinen "Oh nein, ein Damoklesschwert schwebt über unseren Figuren"-Spannungseffekt hatte, sondern den Ich seh, Ich seh-Effekt. 

Und ich fand die Dialoge überaus ernüchternd, wenn nicht sogar desillusionierend. Die jugendlichen Figuren klangen sich zu ähnlich, und daher hatten sie für mich wenig Charakter, was der Spannung nicht gerade zugutekam. Als ich nach meiner Sichtung erfuhr, dass die regieführenden Brüder ihren Cast viel improvisieren ließen (nicht storytechnisch, sondern hinsichtlich der Dialoge), schien mir klar, was das Problem sein dürfte: Nur, weil man schauspielern kann, kann man halt nicht automatisch schreiben.

Für jene, bei denen der Film funktioniert hat, ist das Impro-Element dagegen der Grund, weshalb alle so authentisch klingen. Und wo ich nur generische, leblose Regieführung sah, fanden unzählige andere Kreativität, Innovation und unverbrauchte Abwandlungen bekannter Versatzstücke. Das muss so eine "Entweder hast du die Hand berührt und kannst den Geist sehen, oder du bist die piefige Null, die spaßbefreit die Party verlässt"-Sache sein. Ich wünsche euch, dass ihr den Geist seht, den zum Beispiel Antje und Bea gesehen haben, kann mir aber nicht anders als weiter ratlos den Kopf schütteln. Es tut mir leid.

Platz 9: Five Nights at Freddy's (Regie: Emma Tammi)

Josh Hutcherson macht seine Sache gut, Elizabeth Lail hat mehr Spaß als ihr das Drehbuch zugesteht und die von Jim Henson's Creature Shop erbauten Animatronic-Kostüme können sich sehen lassen. Und im ersten Drittel greift Regisseurin Emma Tammi auf stimmungsvolles Foreshadowing zurück. Dann wird der Film über lange, lange Strecken langweilig. Übererklärungen, ungeschliffene Szenen, die danach schreien, hier und da noch ein paar Sekunden zu verlieren, und erzählerische Sackgassen. Ein paar selbstironische Momente lassen eine campigere Variante des Stoffes erahnen, die wohl mal in den Köpfen der Verantwortlichen herumgeisterte. Und dann geht's gen Fremdschamfinale. Joah. Für mich ein "Wäre gern ein guter erster Horrorfilm", Matt Donato beurteilt, dass er nicht nur als Genre-Einstiegsdroge funktioniert.

Platz 8: Totally Killer (Regie: Nahnatchka Khan)

Die moderne Welle an Slasherkomödien, die bewährte Konventionen dieses Horrorsubgenres mit anderen, altbekannten Plotideen kreuzt und die im Mittelpunkt der Erzählung stehenden demografischen Gruppen durchmischt, sagt mir sehr zu. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf Totally Killer, einen Film, dessen Grundidee quasi besagt: "Was, wenn Zurück in die Zukunft ein Slasher wäre?"

Kiernan Shipka hat noch durch Chilling Adventures of Sabrina Sympathien bei mir über, und innerhalb der ersten paar Minuten habe ich mehrfach herzlich über kompromisslose Seitenhiebe gen True-Crime-Wahn gelacht. Kaum ist die Protagonistin in die 80er zurückgereist, um sich dort dann darüber zu wundern, dass einige große Probleme mit diesem Jahrzehnt in der 80er-Nostalgie-Popkultur so überhaupt nicht abgebildet wurden, hatte ich auch Spaß daran. 

Aber dann hat mich Totally Killer zügig verloren: Die Dialoge sind klobig, der Cast schien damit zu hadern, die Balance zwischen den zwischenmenschlich-dramatischen Momenten, der Genre-Selbstironie und der Slasher-Anspannung zu finden. Und der Film sieht in Ermangelung eines mir erkennbaren visuellen Konzepts einfach hässlich aus. Schon nach der ersten Hälfte wollte ich einfach nur, dass es vorbei ist. Schade. Aber nehmt mich nicht sofort beim Wort: Für eine gut geschriebene Pro-Meinung zu Totally Killer empfehle ich Christy Lemires Review bei Roger Ebert.

Platz 7: Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes (Regie: Francis Lawrence)

Von allen Filmen in dieser Liste, ist das Die Tribute von Panem-Prequel der Film, dem ich die meisten Pluspunkte zusprechen würde:. Hunter Schafer hat zwar nicht viel zu tun, macht ihre Sache aber gut und erfüllt ihre Figur (die sich und ihrer Familie ein würdevolles Auftreten verschaffende Cousine eines zukünftigen Despoten) mit Empathie und Tatkraft. Rachel Zegler kann noch immer gut singen. Jason Schwartzman ist als eiskalter, spießig-albern auftretender Moderator ein großes Vergnügen und eine gute Fortführung (beziehungsweise: ein guter Vorbote) von Stanley Tuccis Gastgeber-Rolle in den anderen Panem-Filmen.

Viola Davis ist genüsslich-abscheulich als durchgeknallte Erfinderin. Und die Kostüme sowie Locations geben einmal mehr einen intensiven Eindruck davon, wie Panem so tickt. Auch die Idee, den in den vorherigen Filme etablierten Look nun mit Verweisen auf die (westeuropäische) Nachkriegszeit zu ergänzen, inklusive des 50er-Jahre-Designs bei der Übertragung der zehnten Hungerspiele, ist clever. Sie ergänzt sich stimmig mit der gesellschaftskritischen Komponente der Reihe.

Aber. Das große, große Aber. Das gigantische Aber: Die Faktoren, die mich am Panem-Prequel verärgerten, sind dermaßen drastisch und schwerwiegend, dass der Film halt trotzdem auf diesem Platz gelandet ist. Nicht nur, dass ich das Skript holprig fand, mit einem von vorhersehbaren Klischees übersäten ersten Akt und einem dritten Akt, in dem sich die Charakterzeichnung panisch überschlägt, um irgendwann halt dort auszukommen, wo der Film auskommen muss, damit er als Prequel zur bekannten Reihe funktioniert.

Erschwerend kam hinzu, dass ich nie den Eindruck gewonnen habe, irgendwer hätte gewusst, was man mit den beiden Hauptfiguren (District-12-Tribut Lucy Gray und ihr Mentor, der künftige Präsident Snow) anstellen soll: Weder Lawrence, noch die Drehbuchautoren Michael Lesslie & Michael Arndt, noch Rachel Zegler und Tom Blyth vor der Kamera.

Unentwegt ändert sich der Ansatz, wie die Figur zu verstehen ist, mal durch Mimik, Gestik und die Art, wie gesprochen wird, mal durch die Wortwahl im Dialog, andere Male durch Lawrences Regieführung. Aber nie, nicht einmal, änderte sie sich so, dass ich das als Charakterwandel verstanden habe, oder als Versuch einer nuancierten Figurenskizze. Für mich wirkte es stets unentschlossen. 

Das hinderte mich daran, mit ihnen / auf emotionaler Ebene gegen sie zu fiebern. Ihre Schicksale waren mir wahlweise egal oder ich war szenenweise einfach von ihnen genervt. Aber selbst das ist nicht das größte Verbrechen des Films. Der Hauptgrund, weshalb das Panem-Prequel in meiner Flopliste landete, ist der meiner Ansicht nach konfuse ethische Kompass dieser Erzählung.

Der Film beginnt mit einem etwas unter Ressourcenmangel leidendem, jedoch privilegiertem Snow, der mit den faschistischen Methoden in Panem fein ist und gerne aufsteigen würde, um mehr Vorteile dieses Systems auszukosten. Dann setzt eine Mitleidsparade in Gang, dass dieser arme, bedauernswerte Fascho-Bube ja leider, leider durch seine Umstände dazu gezwungen wurde, ein mörderischer Extremist zu werden, und eigentlich hätte er ja nur eine tröstende, liebende Umarmung mehr von Lucy benötigt, um gut zu werden. Snow ist ein Opfer, Leute! Er musste einfach gegen seinen Willen vom Faschismus-Begünstigten zum Über-Fascho werden, seufz!

Das jedenfalls war die Botschaft, die ich daraus gezogen habe, wie hier die Geschichte aufgezogen wurde. Es war garantiert nicht die intendierte Botschaft, und es ist auch nicht die, die beispielsweise Christoph Petersen in der Filmstarts-Kritik herausgezogen hat, also bin ich willens, den Fehler bei mir zu suchen. Und ich empfehle allen, die den Film noch nicht gesehen haben, Christophs Kritik zu lesen, statt hier nur auf mein Gemecker zu hören. Trotzdem weiß ich noch, wie nahe ich der Weißglut war, als der allerletzte Satz im Panem-Prequel fiel. Bis ich vielleicht eines Tages weiser werde, bleibt der Film in dieser Negativliste.

Platz 6: Indiana Jones und das Rad des Schicksals (Regie: James Mangold)

Ich kenne mehrere Leute, deren Filmgeschmack ich sehr respektiere, die diesen Film unterhaltsam oder sogar klasse fanden. Und es gibt viele, viele digitale Brandstifter, die liebend gerne beschließen dürfen, ihren Job niederzuschmeißen und fortan irgendetwas wertvolles für die Gesellschaft zu tun (etwa Brot backen für die Armen), die mir bei der Aufnahme von Indiana Jones und das Rad des Schicksals in meine Flopliste gratulieren würden. 

Anders gesagt: Hiermit baue ich mir ungewollt eine starke argumentative Rampe dafür, dass Floplisten eben doch mies sind. Aber es wäre halt gelogen, zu behaupten, dass mich James Mangolds Indiana Jones-Sequel nicht mit dem Gefühl zurückgelassen hat, als hätte mir wer während des Kinobesuchs die Lebensgeister aus dem Körper gesogen.

Die Dramaturgie wirkte auf mich bleiern, die Lichtsetzung und Bildkomposition war in meinen Augen derart ideenlos, dass mir dieser immergleiche butterig-braun-sonnengegerbte Look bereits auf die Nerven ging, bevor der dritte Akt losging, der dann auch nichts daran änderte. Und vor allem fehlte es mir bei diesem Wiederauflebenlassen der alteingesessenen Abenteuerreihe einfach an Esprit, Inspiration, Identität. Und sei es noch so wenig.

Die Indy-Reihe wird ja gerne als "Abenteuerfilm-Blaupause" bezeichnet, was angesichts ihrer großen Vorbildwirkung auch nicht völlig daneben ist. Aber für Blaupausen sind die ersten vier Teile der Reihe eigentlich zu charakterstark, alle von ihnen (selbst der eine, den ich nie mochte) haben eine tonale Persönlichkeit, eine klare Gangart. Indiana Jones 5 ist, von ganz wenigen Augenblicken, in denen der Gedanke aufblitzt, man könnte sich etwas kritischer und komplexer mit der Titelfigur auseinandersetzen, hingegen vollkommen generisch und frei von jeglichem Funken, der den Film beseelen würde. 

Während andere wirtschaftliche Big-Budget-Enttäuschungen des Jahres wie Shazam 2 und Ant-Man and the Wasp: Quantumania gemeinhin härtere, prominentere Verrisse abbekommen haben, nahm ich aus ihnen mehr mit als aus Indiana Jones 5: Shazam 2 ist ein filmgewordener Samstagmorgen-Abenteuercartoon mit Mythologie-Begeisterung, einfach ein munter-quirliger Comedy-Streifzug durch eine Antike-Ausstellung. Quantumania ist Peyton Reeds Sommerschlussverkauf an Hommagen auf B-Movies seiner Kindheit und Jugend, ein bewusstes Edelschundfilm-Allerlei, das als limitierte Blu-ray in VHS-förmiger Verpackung plötzlich nach Kult schreien würde, aber leider den Ballast tragen musste, Phase 5 im MCU zu eröffnen und daher an ganz anderen Maßstäben gemessen wurde. Es sind Ansätze, ich hatte Spaß mit ihnen, verstehe aber, wenn sie bei anderen nicht funktionieren.

Doch Indiana Jones 5? Der füllte mich bloß mit Leere. Kein Revisionismus, keine Dekonstruktion, keine Rekonstruktion, nicht einmal ein engagiertes "Ein letzter Ritt!" Der Film wirkte auf mich nach dem Schließen einer Programmlücke im Kinostartkalender, nicht nach der Ausführung einer Idee. Ich beneide alle, die auf der Wellenlänge liegen, auf der der Film irgendetwas gesendet hat. Bei mir kam nur weißes Rauschen mit bräunlich-weichgezeichneten Bildern an. Etwas deutlich Würdevolleres kam derweil bei Patrick Wellinski von Deutschlandfunk Kultur an, solltet ihr noch ein Gegengewicht zu meinem Sermon benötigen.

Platz 5: Ruby taucht ab (Regie: Kirk DeMicco)

Ich kann es nicht abwarten, bis eines Tages ein ausführlicher Artikel über die Produktionsgeschichte von Ruby taucht ab erscheint. Denn diese DreamWorks-Animation-Komödie über eine am Land lebende Teenie-Krake, die einer mit Meerjungfrauen verfeindeten, mächtigen Familie entstammt, wirkt wie das erschöpft und schulterzuckend ins Kino geschleuderte Endergebnis einer tumultartigen Produktionsgeschichte.

Vielleicht irre ich, und die Entstehung des Films lief glatt. Aber würde dieses Wissen es wirklich besser machen? Charakterzüge drehen sich unprovoziert um 180 Grad (und zurück, und wieder zurück), Subplots werden fallen gelassen, und die zu Filmbeginn mit hübsch-leichtfüßiger Selbstverständlichkeit ausgelebte Toleranzbotschaft wird durch den Hauptkonflikt attackiert, bis sich die Balken biegen. Schwergängige Expositionsdialoge und eine mit weiterem Filmverlauf immer niedrigere Gag-Trefferquote kommen erschwerend dazu. Tracy Brown von der LA Times erklärt euch, wie man mehr Spaß mit Ruby haben kann.

Platz 4: Heart of Stone (Regie: Tom Harper)

Die geschmacksarme Discountvariante von Mission: Impossible - Dead Reckoning: Eine besonders geheime Geheimorganisation, die regierungsunabhängig agiert, doppeltes und dreifaches Spiel, und eine künstliche Superintelligenz als alles berechnendes Ass im Ärmel. Nur, dass der Netflix-Actioner weitaus unkritischer mit KI und Algorithmen ins Gericht geht, die Superstunts und schmissig inszenierten Verfolgungsjagden fehlen und Gal Gadot halt kein Tom Cruise ist.

Der Fairness halber: Gadot war schonmal ein stärkerer Kritikpunkt an einem Film als hier. Vor allem, wie sie körpersprachlich zwischen den verschiedenen behaupteten Identitäten ihrer Figur switcht, ist echt passabel. Dennoch wird sie von ihrem restlichen Cast ausgestochen, etwa von einer quirligen Alia Bhatt, einem amüsant-schmierigen Jamie Dornan und einem sehr spaßigen Matthias "Fazzoletti" Schweighöfer als eine Art Q. Das tröstet nicht über die dröge Story, die bemühten Twists und den aggressiv-uninteressanten Look hinweg. Aber vielleicht bin ich auch nur garstig: John Anderson vom Wall Street Journal beweist euch, dass man doch Spaß am Film haben kann.

Platz 3: Trauzeugen (Regie: Finn Christoph Stroeks und Lena May Graf)

Ein Scheidungsanwalt und eine Paartherapeutin müssen für ein befreundetes Ehepaar die letzten Hochzeitsplanungen übernehmen. Zuerst hassen sie sich, sowohl aus berufsbedingten Prinzipien als auch aufgrund gegensätzlicher Gemüter: Sie stürzt sich begeistert und impulsartig ins kleinste Detail der Last-Minute-Planungen, er würde sich lieber weiter seiner Arbeit widmen und bevorzugt ein methodischeres Vorgehen.

Er ist der trocken-charismatische Edin Hasanović, sie die energiegeladene Almila Bagriacik. Beides Schauspieltalente, die ich sehr gerne sehe, und die auch in Trauzeugen eher punkten als danebenhauen. Sie trifft keine Schuld. Mit einem wortlos Wut, körperliches Begehren, Neid und Frust ausdrückenden Tanz sorgen die Zwei dank ihrer Körpersprache sogar für ein kleines Highlight im Film.

Aber das Drehbuch ist völlig zerschossen, ständig werden Logikkapriolen geschlagen und charakterliche Gemüter komplett uminterpretiert, um die Story am Laufen zu halten. Und die Inszenierung ist so profilarm, dass eine gewaltige Anti-Chemie zwischen den Hauptfiguren entsteht. Inniglich habe ich dagegen gefiebert, dass zwischen ihnen etwas entsteht. Ein drastischeres Urteil ist in einer RomCom kaum vorstellbar. Begeisterte Stimmen habe ich keine gefunden, aber Bianka Piringer von kino-zeit führt vor, dass man den Film sehr wohl zumindest solide finden kann. 


Platz 2: The Flash (Regie: Andy Muschietti)

Talk to Me hat bei mir zwar die meisten Fragezeichen hinterlassen, The Flash allerdings das größte: Das soll laut zahlreichen talentierten, fähigen Filmschaffenden, darunter laut James Gunn, einer der besten Superheldenfilme aller Zeiten sein? Das hier?! Diese kühl berechnete, seelenlose und grottenhässliche Nostalgieköderfalle, die in feinster Ready Player One-Manier oftmals nicht einmal versteht, was die künstlerische Essenz der meisten von ihr ausgebeuteten Werke ist, und sich einzig darauf verlässt, dass es durch den "Ja! Das kenne ich!"-Faktor funktionieren wird? Wirklich?

The Flash ist in einer Filmära, in der der Kritikpunkt "Es ist kein Film, sondern ein Produkt" inflationär durch die Gegend geschleudert wird, weil er der Filmpresse (und, viel intensiver: Film-YouTube) frisch unter den Nägeln brennt, die Produktion, wo ich dieses Buzzword wirklich zücken würde. Der Film wirkt wie etwas, das Don Cheadles schurkischer Algorithmus aus Space Jam: A New Legacy in Auftrag geben würde, nicht wie ein popcornaffines Kunstwerk, in dem ein Herz schlägt.

Das liegt unter anderem an Muschiettis unfokussierter Regieführung (oder an den vielen Faktoren, die den Produktionsprozess derart plagten, dass sie im fertigen Produkt so wirkt): Die Makel, die bereits Es: Kapitel 2 plagten, werden hier mehrfach potenziert, allen voran ein aggressiv-cartoonesker Humor, der sich mit dem Mindset der Figuren und der zuvor etablierten, inneren Logik der Filmwelten mischt wie Wasser mit Öl. 

Dass Muschietti irgendwann eine Vision hatte, zeigt ein turbulent-chaotisch eskalierender Einsatz der Flash-Superkräfte: Nachdem ein paar Looney Tunes-Bilder gezeigt wurden, zieht Flash eine ungewollte Schneise der Zerstörung nach sich, wie in einem Tex-Avery-Cartoon. Muschiettis Gedanke war gewiss: Inspirationsquelle zeigen, Hommage durchführen. Doch weder gefiel mir Muschiettis Hommage (zu verkrampft), noch hat es dem Erzählfluss geholfen, vor ihr erst einmal ausgiebig und unsubtil auf sie vorzubereiten.

Solche Dinge wiederholen sich im Film immer und immer wieder, was schon ätzend genug wäre, würde Ezra Miller nicht auch noch eine vollkommen weltfremd-kindsköpfige Flash-Interpretation spielen (die noch dazu, Zeitreise sei dank, eine noch kindsköpfigere Flash-Variante unterrichten muss). Ich fand Miller in Justice League (sowohl in Joss Whedons Version als auch in Zack Snyders Fassung) amüsant, neurotisch-sympathisch. Aber deren Darbietung in The Flash ist eine inkonsistente Ansammlung an nervlichen Macken, kein Gesamtbild einer immer noch an einem Verlust nagenden Person. Und den übermäßigen Slapstick scheint Miller eher erschöpft zu erdulden, statt pointiert auszuspielen.

Ein Autopilot-Michael-Keaton, dem sekündlich die Lebensfreude aus den Augen entfleucht und eine ihre eigene Emotionalität wiederholt betrügende Narrative kommen noch dazu, die Action im MMORPG-Kampfarena-Look schmerzt in den Augen und ich hoffe so sehr, dass die peppig-saucoole Sasha Calle noch viele, echt knallende Actionrollen bekommt, um diesen Fehlgriff vergessen zu machen. In der Zwischenzeit verrät Jannek Suhr bei epd film, was ich offenbar übersehen habe.


Platz 1: Ghosted (Regie: Dexter Fletcher)

Chris Evans und Ana de Armas hatten in Knives Out einen tollen Rapport mit- und gegeneinander, Dexter Fletcher hat dank Eddie the Eagle und Rocketman einen gewaltigen Stein bei mir im Brett, und das Konzept "Romantik- trifft Actionkomödie, weil ein Kerl nicht schnallt, dass seine Traumfrau Topagentin ist" hat 80er-Touchstone-Pictures-Komödien-Vibes, womit ich mich als Zielgruppe für Ghosted verstehe. Gute, wenn nicht sogar sehr gute Voraussetzungen.

Und um kurz beim wenigen (sehr, sehr wenigen) Positiven zu bleiben: Fletcher lässt vor allem im Auftakt gewiefte ironische Ansätze durchschimmern, wenn er den Film wie eine extra dumme RomCom inszeniert und schneidet. Und das Finale in einem durchdrehenden Dreh-Restaurant hat ein paar gute Einfälle zu bieten. Und da hören die Stärken auch schon auf.

Die Chemie zwischen de Armas und Evans kann den Film nicht tragen, die Action ist zumeist total lahm, es gibt den Film ausbremsende, förmlich verzweifelt wirkende Cameos, die Schnittarbeit ist konfus, der Plot lustlos und die Dialoge haben kaum Witz. Und wenn sie mal Witz haben, ist es zumeist Humor, der im Rohr krepiert. Dass Fletcher durchblicken ließ, dass Apple im Schnitt so manche Sonderwünsche hatte, lässt natürlich die Frage aufkommen, ob hier eine solide Komödie kaputtverbessert wurde. Den fertigen Film finde ich aber hauptsächlich öde und bedauernswert.

Felicitas Kleiner vom Filmdienst lag dagegen auf derselben Wellenlänge wie Ghosted, ich empfehle also für ein besseres Gefühl so spät im Jahr ihre Kritik.

Samstag, 11. März 2023

Oscars 2023: Meine Prognose für die 95. Academy Awards


Es ist wieder "Hinterher werden alle Gewinner:innen sowas von offensichtlich sein"-Zeit!

Bester Animationsfilm
  • Guillermo del Toro's Pinocchio
  • Das Seeungeheuer
  • Marcell the Shell with Shoes On
  • Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch
  • Rot
Auch wenn Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch seit Ende Dezember kontinuierlich neue Fans gewinnt und beispielsweise der Held des filmaffinen Internets ist (zweitbestbewerteter Film des Jahres 2022 bei Letterboxd): Ich denke, dass es hier keinen Weg gibt, der an Pinocchio vorbeiführt. Dafür ist sein Ansehen in der Filmbranche zu gut, sind seine Besprechungen in der Breite zu positiv, ist del Toros Anziehungskraft innerhalb der Academy zu groß.
Und auch wenn mein Herz etwas lauter für den Kater schlägt: Es wäre ein verdienter Sieger.

Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Im Westen nichts Neues, Edward Berger, Lesley Paterson & Ian Stokell
  • Top Gun: Maverick, Peter Craig, Ehren Kruger, Justin Marks, Eric Warren Singer & Christopher McQuarrie
  • Living, Kazuo Ishiguro
  • Glass Onion, Rian Johnson
  • Die Aussprache, Sarah Polley
Ich glaube, das Rennen wird sich zwischen Im Westen nichts Neues, der seit Wochen im englischsprachigen Raum ordentlich an Zugkraft zulegt, und Sarah Polleys wenig gesehene, aber viel bewunderte Romanadaption Die Aussprache entscheiden. Knapp sehe ich Polley vorne: Es ist die Kategorie, um dem Film etwas Liebe zukommen zu lassen, und vereint die Votingfraktion "Starke Dialoge" mit diejenigen, die eine starke Erzählstruktur würdigen.

Bestes Original-Drehbuch
  • Triangle of Sadness, Ruben Östlund
  • The Banshees of Inisherin, Martin McDonagh
  • Everything Everywhere All at Once, Daniel Kwan & Daniel Scheinert
  • Die Fabelmans, Steven Spielberg & Tony Kushner
  • Tár, Todd Field
Selbst in einem Jahr, in dem sich das Klima innerhalb der Filmindustrie nicht für die schräge Art von Everything Everywhere All at Once geöffnet hätte, wäre der Film hier ein Topkandidat. Dieses Jahr und nach den zahlreichen Auszeichnungen erst recht.

Beste Kamera
  • Im Westen nichts Neues, James Friend
  • Elvis, Mandy Walker
  • Empire of Light, Roger Deakins
  • Tár, Florian Hoffmeister
  • Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten, Darius Khondji
Ich denke, das machen Im Westen nichts Neues, Elvis und Tár unter sich aus. Und tippe mal auf die hypnotische Sogkraft von Elvis.

Beste Kostüme
  • Babylon, Mary Zophres
  • Black Panther: Wakanda Forever, Ruth E. Carter
  • Elvis, Catherine Martin
  • Mrs. Harris und ein Kleid von Dior, Jenny Beavan
  • Everything Everywhere All at Once, Shirley Kurata
Der "Wow, das und das und das ikonische Outfit haben die aber sehr gut getroffen"-Effekt könnte Elvis zum Sieg bringen.

Bester Schnitt
  • The Banshees of Inisherin, Mikkel E.G. Nielsen
  • Tár, Monika Willi
  • Elvis, Jonathan Redmond & Matt Villa
  • Everything Everywhere All at Once, Paul Rogers
  • Top Gun: Maverick, Chris Lebenzon & Eddie Hamilton
Noch bevor sich abgezeichnet hat, dass Everything Everywhere All at Once von den großen Filmpreisen akzeptiert wird, meinte ich: Dieser Film müsste den Oscar für den besten Schnitt gewinnen.
Ich werde diese Haltung jetzt nicht verraten, indem ich einen anderen als Sieger vorhersage.

Bestes Produktionsdesign
  • Avatar: The Way of Water, Dylan Cole, Ben Procter & Vanessa Cole
  • Babylon, Florencia Martin & Anthony Carlino
  • Elvis, Catherine Martin & Karen Murphy
  • Die Fabelmans, Rick Carter & Karen O'Hara
  • Im Westen nichts Neues, Christian M. Goldbreck, Ernestine Hipper
So viele detailreich ausstaffierte Sets in Babylon, kann das die generell spaltende Art des Films übertrumpfen?

Bester Dokumentarfilm
  • All that Breathes
  • All the Beauty and the Bloodshed
  • Fire of Love
  • A House Made of Splinters
  • Navalny
Die Doku-Sparte bringt mich regelmäßig zur Verzweiflung: Sage ich den vermeintlich sicheren Gewinnerfilm vorher, gewinnt eine Überraschung. Und umgekehrt. Für mich entscheidet es sich dieses Jahr zwischen Fire of Love (hervorragende Kritiken, wird für seine Bildgewalt und seine Emotionalität gefeiert, ist dank Disney+ leicht zugänglich und hatte somit viel Zeit, Buzz zu gewinnen) und All the Beauty and the Bloodshed (thematisch schwerer, aufwühlender und "wichtiger", spricht über die Relevanz von Medien). Ich gehe dieses Jahr auf "Relevanz" statt "Gefühl".

Bester Doku-Kurzfilm
  • Die Elefantenflüsterer
  • Haulout
  • How Do You Measure a Year?
  • The Martha Mitchell Effect
  • Stranger at the Gate
Meine Prognose: Die Horden an Walrössern ziehen die Aufmerksamkeit der Oscar-Stimmberechtigten auf sich.

Bester internationaler Film
  • Argentina, 1985, Argentinien
  • Im Westen nichts Neues, Deutschland
  • Close, Belgien
  • The Quiet Girl, Irland
  • EO, Polen
Pans Labyrinth verlor einst in dieser Kategorie gegen Das Leben der Anderen, obwohl del Toros Film auch in weiteren Sparten nominiert war. Es wäre also ausgleichende Gerechtigkeit, wenn dieses Mal ein vielfach nominierter deutscher Film den vermeintlich sicheren Oscar versäumt. Doch es wäre auch eine statistisch unweise Prognose. Müsste ich raten, wer in einer Wiederholung des 20 Jahre zurückliegenden Ereignisses dem Antikriegsfilm ein Schnippchen schlägt: Mein Gefühl sagt The Quiet Girl.

Bestes Makeup & Hairstyling
  • Im Westen nichts Neues
  • The Batman
  • Black Panther: Wakanda Forever
  • Elvis
  • The Whale
Die tollen Frisuren in Elvis (plus die zusätzlichen Pfunde an Austin Butler gen Ende) gegen die zusätzlichen Kilos on The Whale und Colin Farrell Verwandlung in The Batman. Oder zieht Im Westen nichts Neues mit seinem rundum großen Buzz davon? Nur das Marvel-Sequel erscheint mir hier trotz guter Arbeit eine unwahrscheinliche Wahl, und sage: Elvis hat einfach mehr Razzle Dazzle und gewinnt daher.

Beste Filmmusik
  • Babylon, Justin Hurwitz
  • The Banshees of Inisherin, Carter Burwell
  • Die Fabelmans, John Williams
  • Im Westen nichts Neues, Volker Bertelmann
  • Everything Everywhere All at Once, Son Lux
Eines Tages wird die Filmgeschichtsschreibung kollektiv den Kopf schütteln, weshalb Babylon bei den Oscars nicht mehr abgeräumt hat. Aber Justin Hurwitz' Ohrwürmer sind zu mitreißend, als dass sie ignoriert werden könnten.

Bester Song
  • Lift Me Up aus Black Panther: Wakanda Forever
  • This is a Life aus Everything Everywhere All at Once
  • Naatu Naatu aus RRR
  • Applause aus Tell It Like A Woman
  • Hold My Hand aus Top Gun: Maverick
Ich halte den Sieg von Naatu Naatu nicht für derart sicher, wie manche Kolleg:innen. Schließlich kommen zwar die Nominierungen aus der Musiksparte der Academy, während die gesamte Academy über den Sieg entscheidet. Und da rechne ich mit einigen, die RRR nicht gesehen haben und lieber diese Kategorie nutzen, um hier für einen favorisierten Film abzustimmen. Sollte sich hier also beispielsweise Top Gun: Maverick durchsetzen: Ich werde keine verwirrten Fragezeichen über dem Kopf haben. Dennoch: Mein Tipp geht gen Indien, weil sich die großen, ernst(er)en (Abspann-)Nummern gegenseitig auf den Füßen rumtreten.

Bester Animations-Kurzfilm
  • The Boy, the Mole, the Fox and the Horse
  • The Flying Sailor
  • My Year of Dicks
  • Ice Merchants
  • An Ostrich Told Me the World Is Fake and I Think I Believe It
Hoffentlich verleiht Riz Ahmed den Preis in dieser Kategorie, damit er diese Titel noch einmal vorlesen kann. Und obwohl die Trick-Kurzfilmkategorie seit vielen Jahren sehr mainstreamig ist und oft der niedlichste Nominierte gewinnt: Die stilistisch vielseitige, intim-ehrliche Coming-of-Sexual-Age-Geschichte My Year of Dicks wird gewinnen, so mein Gespür.

Bester Kurzfilm
  • An Irish Goodbye
  • Le Pupille
  • Nattrikken
  • The Red Suitcase
  • Ivalu
Indikatorpreise und "Es liegt Irland in der Luft" ergeben zusammen diese Prognose.

Bester Ton
  • Im Westen nichts Neues
  • Avatar: The Way of Water
  • The Batman
  • Elvis
  • Top Gun: Maverick
Top Gun: Maverick brachte die Kinos zum Beben und damit die Kassen zum Klingeln, nun ist es an der Zeit, dafür einen Oscar einzusacken.

Beste Effekte
  • Avatar: The Way of Water
  • Black Panther: Wakanda Forever
  • The Batman
  • Im Westen nichts Neues
  • Top Gun: Maverick
Es gewinnt nicht jedes Mal der teuerste Film, wie Ex_Machina bewiesen hat. Und nachdem monatelang fehlberichtet wurde, dass Top Gun: Maverick ja komplett praktisch gedreht wurde, könnte die Erkenntnis, wie viel hier top getrickst wurde, den Film an James Camerons Epos vorbeitragen.

Bester Nebendarsteller
  • Brendan Gleeson, The Banshees of Inisherin
  • Barry Keoghan, The Banshees of Inisherin
  • Ke Huy Quan, Everything Everywhere All at Once
  • Brian Tyree Henry, Causeway
  • Judd Hirsch, Die Fabelmans
Ke Huy Quan hat praktisch alles gewonnen, wofür er in den vergangenen Monaten nominiert wurde. Sehe diese Siegesserie nicht mehr abreißen.

Beste Nebendarstellerin
  • Kerry Condon, The Banshees of Inisherin
  • Jamie Lee Curtis, Everything Everywhere All at Once
  • Stephanie Hsu, Everything Everywhere All at Once
  • Hong Chau, The Whale
  • Angela Bassett, Black Panther: Wakanda Forever
Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, dass Bassett für "Ein bisschen streng und traurig gucken in einem Marvel-Film" einen Oscar gewinnt, und tippe daher auf "Oh, eine Ikone in einem vielfach beachteten Film"-Gewinnerin Curtis.

Beste Hauptdarstellerin
  • Ana de Armas, Blonde
  • Michelle Yeoh, Everything Everywhere All at Once
  • Cate Blanchett, Tár
  • Michelle Williams, Die Fabelmans
  • Andrea Riseborough, To Leslie
Es entscheidet sich zwischen Yeoh und Blanchett, in beiden Fällen habe ich jetzt schon die Schnauze voll von den reißerischen Essays und Tweets am Folgetag, in beiden Fällen gewinnt eine starke Schauspielerin in einer großartigen Rolle. Aber ich sage hier Blanchett vorher, die einfach noch eine Spur magnetischer ist in ihrem Film (so jedenfalls meine Meinung) und weil dies die Kategorie ist, wo Academy-Mitglieder, die Tár mögen, am ehesten ihre Begeisterung kanalisieren werden.

Bester Hauptdarsteller
  • Paul Mescal, Aftersun
  • Colin Farrell, The Banshees of Inisherin
  • Austin Butler, Elvis
  • Bill Nighy, Living
  • Brendan Fraser, The Whale
Es ist fatal, auf die "Willkommen zurück"-Narrative reinzufallen, schließlich hat Mickey Rourke auch keinen Oscar für The Wrestler bekommen. Aber da alle Zeichen darauf deuten, dass beim Nebendarsteller sehr wohl diese Karte gespielt wird, tippe ich hier ebenfalls darauf, dass sich die Academy in einer sentimentalen Stimmung befindet.

Beste Regie
  • Ruben Östlund, Triangle of Sadness
  • Martin McDonagh, The Banshees of Inisherin
  • Daniel Kwan & Daniel Scheinert, Everything Everywhere All at Once
  • Steven Spielberg, Die Fabelmans
  • Todd Field, Tár
Wenn die Daniels diesen Oscar nicht gewinnen, wird "Bester Film" nochmal richtig spannend.

Bester Film
  • Im Westen nichts Neues
  • Avatar: The Way of Water
  • The Banshees of Inisherin
  • Elvis
  • Everything Everywhere All at Once
  • Die Fabelmans
  • Tár
  • Top Gun: Maverick
  • Die Aussprache
  • Triangle of Sadness
Wären die vielen Indikatorpreise nicht gewesen, ich würde denken, dass der Film "zu seltsam" für Branchenpreise ist, aber so langsam zieht das Argument nicht. Aber wenn ein Film Everything Everywhere All at Once ausstechen könnte, dann The Banshees of Inisherin.

Freitag, 20. Januar 2023

Oscars 2023: Meine Prognose für die Nominierungen bei den 95. Academy Awards


Die Academy Awards bleiben auch in der Saison 2022/2023 ein undurchsichtiger Mischmasch aus offensichtlichen Antworten und Unberechenbarkeiten. Nach zwei stark von der Pandemie beeinflussten Jahren ist dieses Mal vor allem ein Element für meine Verwirrung zuständig: Zwiegespaltener Diskurs!

Babylon etwa hat zwar viele negative Kritiken und ein desaströses US-Einspielergebnis, doch diejenigen, die ihn lieben, lieben ihn. Sind genug Leute von diesem Schlag in der Academy, um ihm Nominierungen zu sichern? Top Gun: Maverick ist ein sehr gut gemachter, aber inhaltlich total normaler Action-Blockbuster - reicht das dieses Jahr aus, um die Academy in einen ähnlichen Taumel der Begeisterung zu versetzen wie die US-Presse, große Teile der internationalen Presse und das zahlende Publikum?

Everything Everywhere All at Once würde in jedem anderen Jahr als "zu schräg für die Academy" abgetan, aber reichte das monatelange Dauerfeuer an Hype seitens Filmfans und der Presse aus, um im Zusammenspiel mit der Verjüngung der Academy doch mehrere Nominierungen herbeizuwillen? 

Egal, wie es kommt: Am Ende wird es heißen "war doch klar!" Babylon, Top Gun: Maverick und Everything Everywhere All at Once sind drin? "Klar, deren Fans sind doch so vehement!" Sie werden aus dem Rennen ausgeschlossen? "War doch klar: Zu kontrovers, zu tumb, zu schräg!" 

Und was ist mit Die Fabelmans, einem Film, den viele als sichere Bank sahen, der in seinen ersten Schüben der Veröffentlichung auch viel und positiv diskutiert wurde, dann an den US-Kinokassen unterging und in der Industrie wenig besprochen wurde, bevor er gegen Ende der Nominierungs-Votingphase wieder an Fahrt zulegte, etwa durch die auf einmal wieder beachteten Golden Globes?

Ich bin sehr gespannt, was uns am Dienstag erwartet. Meine Vermutungen besagen, dass es folgendes Feld sein wird:

Bester Animationsfilm
  • Guillermo del Toro's Pinocchio
  • Der kleine Nick
  • Marcell the Shell with Shoes On
  • Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch
  • Rot
Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Im Westen nichts Neues, Edward Berger, Lesley Paterson & Ian Stokell
  • Glass Onion, Rian Johnson
  • Living, Kazuo Ishiguro
  • The Whale, Samuel D. Hunter
  • Die Aussprache, Sarah Polley
Bestes Original-Drehbuch
  • Aftersun, Charlotte Wells
  • The Banshees of Inisherin, Martin McDonagh
  • Everything Everywhere All at Once, Daniel Kwan & Daniel Scheinert
  • Die Fabelmans, Steven Spielberg & Tony Kushner
  • Tár, Todd Field
Beste Kamera
  • Im Westen nichts Neues, James Friend
  • Elvis, Mandy Walker
  • Empire of Light, Roger Deakins
  • Nope, Hoyte Van Hoytema
  • Top Gun: Maverick, Claudio Miranda
Beste Kostüme
  • Babylon, Mary Zophres
  • Black Panther: Wakanda Forever, Ruth E. Carter
  • Elvis, Catherine Martin
  • Mrs. Harris und ein Kleid von Dior, Jenny Beavan
  • The Woman King, Gersha Phillips
Bester Schnitt
  • Avatar: The Way of Water, David Brenner, James Cameron, John Refoua & Stephen E. Rivkin
  • Babylon, Tom Cross
  • Elvis, Jonathan Redmond & Matt Villa
  • Everything Everywhere All at Once, Paul Rogers
  • Top Gun: Maverick, Chris Lebenzon & Eddie Hamilton
Bestes Produktionsdesign
  • Avatar: The Way of Water, Dylan Cole, Ben Procter & Vanessa Cole
  • Babylon, Florencia Martin & Anthony Carlino
  • Elvis, Catherine Martin & Karen Murphy
  • Die Fabelmans, Rick Carter & Karen O'Hara
  • Glass Onion, Rick Heinrichs
Bester Dokumentarfilm
  • All that Breathes
  • All the Beauty and the Bloodshed
  • Fire of Love
  • Moonage Daydream
  • Navalny
Bester Doku-Kurzfilm
  • The Elephant Whisperers
  • The Flagmakers
  • Holding Moses
  • How Do You Measure a Year?
  • 38 at the Garden
Bester internationaler Film
  • Argentina, 1985, Argentinien
  • Im Westen nichts Neues, Deutschland
  • Close, Belgien
  • Die Frau im Nebel, Südkorea
  • EO, Polen
Bestes Makeup & Hairstyling
  • Babylon
  • The Batman
  • Black Panther: Wakanda Forever
  • Elvis
  • The Whale
Beste Filmmusik
  • Babylon, Justin Hurwitz
  • The Banshees of Inisherin, Carter Burwell
  • Die Fabelmans, John Williams
  • Guillermo del Toro’s Pinocchio, Alexandre Desplat
  • Die Aussprache, Carter Burwell
Bester Song
  • Lift Me Up aus Black Panther: Wakanda Forever
  • Til You're Home aus Ein Mann namens Otto
  • Naatu Naatu aus RRR
  • Applause aus Tell It Like A Woman
  • Hold My Hand aus Top Gun: Maverick
Bester Animations-Kurzfilm
  • The Boy, the Mole, the Fox and the Horse
  • The Flying Sailor
  • My Year of Dicks
  • New Moon
  • An Ostrich Told Me the World Is Fake and I Think I Believe It
Bester Kurzfilm
  • An Irish Goodbye
  • Le Pupille
  • Nakam
  • The Red Suitcase
  • Warsha
Bester Ton
  • Im Westen nichts Neues
  • Avatar: The Way of Water
  • Babylon
  • Elvis
  • Top Gun: Maverick
Beste Effekte
  • Avatar: The Way of Water
  • The Batman
  • Doctor Strange in the Multiverse of Madness
  • Nope
  • Top Gun: Maverick
Bester Nebendarsteller
  • Brendan Gleeson, The Banshees of Inisherin
  • Barry Keoghan, The Banshees of Inisherin
  • Ke Huy Quan, Everything Everywhere All at Once
  • Paul Dano, Die Fabelmans
  • Eddie Redmayne, The Good Nurse
Beste Nebendarstellerin
  • Kerry Condon, The Banshees of Inisherin
  • Jamie Lee Curtis, Everything Everywhere All at Once
  • Stephanie Hsu, Everything Everywhere All at Once
  • Hong Chau, The Whale
  • Jessie Buckley, Die Aussprache
Spätestens durch ihren Globe-Gewinn und ihre Nominierung bei den SAG Awards nehmen immer mehr Oscar-Expert:innen Angela Bassett mit in ihre Prognose auf. Doch ich kann mir nicht helfen: Weder Black Panther noch Avengers || Endgame haben es geschafft, eine erste MCU-Schauspiel-Nominierung zu bewerkstelligen.
Also lässt sich sagen, dass die Academy in Sachen Schauspielwürdigung nicht an das MCU denkt, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Film, dessen Blockbusterbuzz von Avatar: The Way of Water weggewalzt wurde, da groß was ändern wird. Zumal die Academy-Mitglieder, die etwas außerhalb des Rahmens denken schon ihr Stimmgewicht hinter Everything Everywhere All at Once werfen müssen...

Beste Hauptdarstellerin
  • Ana de Armas, Blonde
  • Michelle Yeoh, Everything Everywhere All at Once
  • Cate Blanchett, Tár
  • Danielle Deadwyler, Till
  • Viola Davis, The Woman King
Die vernünftige Prognose wäre, Michelle Williams für Die Fabelmans anstelle von Ana de Armas vorherzusagen: Die Academy liebt gut zusprechende Mutterfiguren, Steven Spielberg und Michelle Williams! Aber: Williams wurde nicht für den SAG Award nominiert, also den Preis der Schauspielgilde! Und selbst wenn SAG und die Academy Awards in dieser Kategorie nicht immer deckungsgleich sind, gehe ich dieses Jahr einfach diesen Weg.

Die jüngere, internationalere Zusammensetzung der Academy lässt sich, so meine Vermutung, eher auf den umstrittenen Blonde ein. Wir werden es sehen...

Bester Hauptdarsteller
  • Paul Mescal, Aftersun
  • Colin Farrell, The Banshees of Inisherin
  • Austin Butler, Elvis
  • Bill Nighy, Living
  • Brendan Fraser, The Whale
Beste Regie
  • James Cameron, Avatar: The Way of Water
  • Martin McDonagh, The Banshees of Inisherin
  • Daniel Kwan & Daniel Scheinert, Everything Everywhere All at Once
  • Steven Spielberg, Die Fabelmans
  • Todd Field, Tár
Bester Film
  • Im Westen nichts Neues
  • Avatar: The Way of Water
  • Babylon
  • The Banshees of Inisherin
  • Elvis
  • Everything Everywhere All at Once
  • Die Fabelmans
  • Tár
  • Top Gun: Maverick
  • The Whale
Kürzlich sicherte sich Im Westen nichts Neues satte 14 Nominierungen bei den BAFTAs - und da beide Akademien einige Überschneidungen in der Zusammensetzung haben, halte ich es also für sehr wahrscheinlich, dass Deutschland einen Film im "Bester Film"-Oscar-Rennen stellen wird. Kurios, dass aus dem Land des ständig selbstgeißelnden "Wir können keine guten Filme!"-Aufrufs bislang so wenig Begeisterung über das Awards-Abschneiden, ach, über den Film generell zu vernehmen war.

The Whale hat zwar abseits Brandan Frasers Performance eher für zwiegespaltene Reaktionen gesorgt, aber ab und zu ist der Academy sowas egal. Und: Filme mit einer lautstark zelebrierten männlichen Performance rutschen üblicherweise auch ins Rennen um diese Kategorie.

Dass Top Gun: Maverick letztlich nicht nominiert wird, halte ich für wahrscheinlicher als wohl viele Oscar-Tippspielende. Doch dieses Oscar-Rennen ist so kurios, ich möchte keinen als sicher geltenden Tipp für ein törichtes Wagnis abgeben, also behalte ich den Mega-Blockbuster in meiner Vorhersage. Aber sollte er oder ein anderer Titel rausfliegen und dafür Glass Onion reinkommen, ich wäre nicht erstaunt.

Samstag, 5. Februar 2022

Oscars 2022: Meine Prognose der Nominierungen


Die Oscar-Saison wirkte auf mich bislang so leise wie noch nie zu meinen Lebzeiten. Das Ausbleiben eines großen Golden-Globe-Happenings dürfte dazu beigetragen haben, und dass die Schmutzkampagnen (zum Glück!) eher kleiner sind als üblich, ist ebenso willkommen wie ein weiterer Aspekt, der den Rummel klein ausfallen lässt.

Das mag angenehm sein, hat mir die alljährliche Nominierungsprognose aber enorm erschwert. Doch ich glaube, dass das hier unsere Nominierungen 2022 sein werden:

Bester Kurzfilm
  • Censor of Dreams
  • Frimas
  • The Long Goodbye
  • Tala'vision
  • When the Sun Sets

Bester Kurz-Dokumentarfilm
  • Camp Confidential: America's Secret Nazis
  • Coded: The Hodden Love of J.C. Leyendecker
  • The Queen of Basketball
  • Three Songs for Benazir
  • When We Were Bullies

Bester animierter Kurzfilm
  • Affairs of the Art
  • Robin Robin
  • Mum is Pouring Rain
  • Step Into the River
  • Us Again

Bester internationaler Film
  • Drive My Car, Japan
  • The Hand of God, Italien
  • A Hero, Iran
  • Lamb, Island
  • The Worst Person in the World, Norwegen

Beste Dokumentation
  • Ascension
  • Flee
  • Procession
  • The Rescue
  • Summer of Soul

Bester Animationsfilm
  • Belle
  • Encanto
  • Flee
  • Luca
  • Die Mitchells gegen die Maschinen

Beste Effekte
  • Dune
  • Matrix Resurrections
  • Keine Zeit zu sterben
  • Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
  • Spider-Man: No Way Home

Bester Sound
  • Belfast
  • Dune
  • Keine Zeit zu sterben
  • The Power of the Dog
  • West Side Story

Bester Originalsong
  • So May We Start aus Annette
  • Down to Joy aus Belfast
  • Dos Oruguitas aus Encanto
  • Be Alive aus King Richard
  • No Time to Die aus Keine Zeit zu sterben

Beste Originalmusik
  • Hans Zimmer, Dune
  • Germaine Franco, Encanto
  • Alexandre Desplat, The French Dispatch
  • Alberto Iglesias, Parallele Mütter
  • Jonny Greenwood, The Power of the Dog

Bestes Produktionsdesign
  • Dune
  • The French Dispatch
  • Nightmare Alley
  • The Tragedy of Macbeth
  • West Side Story

Bestes Makeup & Hairstyling
  • Cruella
  • Dune
  • The Eyes of Tammy Faye
  • House of Gucci
  • The Suicide Squad

Bester Schnitt
  • Pamela Martin, Belfast 
  • Hank Corwin, Dont' Look Up 
  • Joe Walker, Dune 
  • Peter Sciberras, The Power of the Dog 
  • Sarah Broshar & Michael Kahn, West Side Story

Beste Kostüme
  • Jenny Beavan, Cruella
  • Massimo Cantini, Cyrano
  • Bob Morgan & Jacqueline West, Dune
  • Janty Yates, House of Gucci
  • Paul Tazewell, West Side Story

Beste Kamera
  • Haris Zambarloukos, Belfast
  • Greig Fraser, Dune
  • Ari Wegner, The Power of the Dog
  • Bruno Delbonnel, The Tragedy of Macbeth
  • Janusz Kaminski, West Side Story

Bestes Original-Drehbuch
  • Paul Thomas Anderson, Licorice Pizza
  • Zach Baylin, King Richard
  • Kenneth Branagh, Belfast
  • Adam McKay, Don't Look Up
  • Aaron Sorkin, Being the Ricardos

Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Jane Campion, The Power of the Dog
  • Maggie Gyllenhaal, Frau im Dunkeln
  • Ryusuke Hamaguchi, Drive My Car
  • Sian Heder, CODA
  • Kim Morgan & Guillermo del Toro, Nightmare Alley
Bester Nebendarsteller
  • Jamie Dornan, Belfast
  • Ciarán Hinds, Belfast
  • Troy Kotsur, CODA
  • Jared Leto, House of Gucci
  • Kodi Smit-McPhee, The Power of the Dog

Beste Nebendarstellerin
  • Caitriona Balfe, Belfast
  • Ariana deBose, West Side Story
  • Kirsten Dunst, The Power of the Dog
  • Aunjanue Ellis, King Richard
  • Ruth Negga, Seitenwechsel

Bester Hauptdarsteller
  • Benedict Cumberbatch, The Power of the Dog
  • Leonardo DiCaprio, Don't Look Up
  • Andrew Garfield, tick, tick... Boom!
  • Will Smith, King Richard
  • Denzel Washington, The Tragedy of Macbeth

Beste Hauptdarstellerin
  • Jessica Chastain, The Eyes of Tammy Faye
  • Olivia Colman, Frau im Dunkeln
  • Penelope Cruz, Parallele Mütter
  • Lady Gaga, House of Gucci
  • Nicole Kidman, Being the Ricardos

Beste Regie
  • Paul Thomas Anderon, Licorice Pizza
  • Kenneth Branagh, Belfast
  • Jane Campion, The Power of the Dog
  • Steven Spielberg, West Side Story
  • Denis Villeneuve, Dune


Bester Film
  • Belfast
  • CODA
  • Don't Look Up
  • Drive My Car
  • Dune
  • Licorice Pizza
  • King Richard
  • The Power of the Dog
  • tick, tick... Boom!
  • West Side Story
Ich habe bei dieser Prognose ziemliche Kopfschmerzen, aber, joah, das ist sie halt.

Dienstag, 22. Januar 2019

Die Nominierungen zu den 91. Academy Awards


Bester Film
BlacKkKlansman
Black Panther
Bohemian Rhapsody
The Favourite
Green Book
Roma
A Star Is Born
Vice
Slot neun und zehn bleiben leer
Prognosenerfolg: 9/10

Beste Regie
Adam McKay (Vice)
Alfonso Cuarón (Roma)
Pawel Pawlikowski (Cold War)
Yorgos Lanthimos (The Favourite)
Spike Lee (BlacKkKlansman)
Prognosenerfolg: 3/5

Beste Hauptdarstellerin
Yalitza Aparicio (Roma)
Glenn Close (Die Frau des Nobelpreisträgers)
Olivia Colman (The Favourite)
Lady Gaga (A Star Is Born)
Melissa McCarthy (Can You Ever Forgive Me?)
Prognosenerfolg: 4/5

Bester Hauptdarsteller
Christian Bale (Vice)
Bradley Cooper (A Star Is Born)
Willem Dafoe (At Eternity's Gate)
Rami Malek (Bohemian Rhapsody)
Viggo Mortensen (Green Book)
Prognosenerfolg: 3/5

Beste Nebendarstellerin
Amy Adams (Vice)
Marina de Tavira (Roma)
Regina King (Beale Street)
Emma Stone (The Favourite)
Rachel Weisz (The Favourite)
Prognosenerfolg: 4/5

Bester Nebendarsteller
Mahershala Ali (Green Book)
Adam Driver (BlacKkKlansman)
Sam Elliott für A Star Is Born
Richard E. Grant (Can You Ever Forgive Me?)
Sam Rockwell (Vice)
Prognosenerfolg: 4/5

Bester Song
"Shallow" aus A Star Is Born
"The Place Where Lost Things Go" aus Mary Poppins' Rückkehr
"I'll Fight" aus RBG
"All of the Stars" aus Black Panther
"When A Cowboy Trades His Spurs for Things" aus The Ballad of Buster Scruggs
Prognosenerfolg: 4/5

Beste Musik
Black Panther
BlacKkKlansman
Beale Street
Isle of Dogs
Mary Poppins' Rückkehr
Prognosenerfolg: 4/5

Bester Schnitt
BlacKkKlansman
Bohemian Rhapsody
The Favourite
Green Book
Vice
Prognosenerfolg: 2/5

Beste Kamera
Cold War
The Favourite
Werk ohne Autor
A Star Is Born
Roma
Prognosenerfolg: 3/5

Bestes Produktionsdesign
Black Panther
The Favourite
Aufbruch zum Mond
Mary Poppins' Rückkehr
Roma
Prognosenerfolg: 5/5

Bestes Make-up & Hairstyling
Border
Maria Stuart, Königin von Schottland
Vice
Prognosenerfolg: 2/3

Beste Kostüme
The Ballad of Buster Scruggs
Black Panther
The Favourite
Mary Poppins' Rückkehr
Maria Stuart, Königin von Schottland
Prognosenerfolg: 3/5

Bester Animationsfilm
Chaos im Netz
Mirai
Die Unglaublichen 2
Isle of Dogs
Spider-Man – A New Universe
Prognosenerfolg: 4/5

Bester fremdsprachiger Film
Capernaum
Cold War
Roma
Shoplifters
Werk ohne Autor
Prognosenerfolg:: 5/5

Beste Dokumentation
Free Solo
Hale County This Morning, This Evening
Minding the Gap
Of Fathers and Sons
RBG
Prognosenerfolg: 3/5

Bestes adaptiertes Drehbuch
BlacKkKlansman
The Ballad of Buster Scruggs
Can You Ever Forgive Me?
Beale Street
A Star Is Born
Prognosenerfolg: 4/5

Bestes Original-Drehbuch
The Favourite
First Reformed
Green Book
Roma
Vice
Prognosenerfolg: 4/5

Bester Tonschnitt
Black Panther
Bohemian Rhapsody
Aufbruch zum Mond
A Quiet Place
Roma
Prognosenerfolg: 3/5

Bester Ton
Black Panther
Bohemian Rhapsody
Aufbruch zum Mond
Roma
A Star Is Born
Prognosenerfolg: 4/5

Beste Effekte
Avengers | Infinity War
Christopher Robin
Aufbruch zum Mond
Ready Player One
Solo: A Star Wars Story
Prognosenerfolg: 3/5

Bester Animationskurzfilm
Animal Behaviour
Bao
Late Afternoon
One Small Step
Weekends
Prognosenerfolg: 3/5

Bester Kurzfilm
Detainment
Fauve
Marguerite
Mother
Skin
Prognosenerfolg: 3/5

Bester Doku-Kurzfilm
Black Sheep
End Game
Period. End of the Sentence.
Life Boat
A Night at the Garden
Prognosenerfolg: 3/5

Gesamtergebnis: 89/123

Montag, 24. Dezember 2018

Die schlechtesten Filme 2018 (Teil I)

Und schon ist es wieder jene Zeit des Jahres: Silvester rückt näher, und ich lasse die zurückliegenden Monate Revue passieren. Dazu gehört es selbstredend, über die Filme des Jahres zu sinnieren, und so sehr ich auch gerne meine Passion fürs Kino und die Filmkunst hochleben lasse: Wenn man, so wie ich, über 230 Mal im Jahr ins Kino geht, und obendrein auch im Heimkino eifrig Filme nachholt, bleibt man zwangsweise nicht von misslungenen Produktionen verschont. Bevor ich mich hier also den Zuckerstücken widme, möchte ich dafür sorgen, dass das euer Bild meiner Perspektive auf die weite Welt des Films auch rund bleibt und ergänzend zu den demnächst anstehenden Tops meine Flops des Filmjahres präsentieren.

Wie jedes Jahr gilt auch dieses Mal an dieser Stelle: Ich habe mit "Die schlechtesten Filme" eine zwar aufmerksamkeitserregende, allerdings reißerische, gar irreführende Überschrift gewählt. Mir fällt nur leider nichts besseres ein. Schließlich klingt "Hassfilme" leider noch aggressiver. Selbst wenn es treffender ist. Denn hier geht es nicht ausschließlich um handwerkliche Rohrkrepierer, sondern um Filme, die bei mir auf höchst persönlicher Ebene große Antipathiepunkte sammeln. Filme, die mich wütend gemacht haben, mich frustrieren und nerven oder auf ätzende Weise langweilen. Anders gesagt: Während in der kommenden Liste meiner Lieblingsfilme die Filme gefeiert werden, die mein Filmliebhaberherz haben höher schlagen lassen, stelle ich euch nun die vor, bei denen es sich vor Antipathie zusammengezogen hat. Los geht es mit ...

Platz 25: The Christmas Chronicles (Regie: Clay Kaytis)

Die Weihnachtskomödie The Christmas Chronicles hat einen großen Pluspunkt: Kurt Russell in der Rolle des rockig-coolen Weihnachtsmannes. Russell sieht nicht nur denkwürdig aus im Santa-Claus-Kostüm, er hat auch ansteckende Freude an dieser Rolle. Doch allein schon die Charakterisierung des Weihnachtsmanns ist reines Glücksspiel in diesem Film: Mal der weltfremde Typ mit dem Kopf in den Wolken, dann der saucoole Dad, den unsere Hauptfigur, der jugendliche Delinquent Teddy (Judah Lewis) dringend benötigt, dann ein strenger, aber spaßiger Sonderling, dann der freundlich-kitschige Weihnachtsmann, nur mit süffisanterem Blick. Der Rest des Films? Witze, die nicht zünden, konkurrierende Running Gags darüber, ob der Weihnachtsmann nun fett oder überraschend schlank ist, anstrengende Kinderfiguren und computeranimierte Fellelfen, die wie aus einem Werbespot der frühen 2000er-Jahre entflohen wirken. Netflix-Programmchef Ted Sarandos kann noch so viele irreführende Vergleiche und krumme Rechenversuche betreiben, um den Film zu feiern: Für mich heißt es bei diesem Film "Einmal und nie wieder."

Platz 24: Verpiss dich, Schneewittchen (Regie: Cüneyt Kaya)

Die erste (und eventuell letzte?) Kinokomödie des Komikers Bülent Ceylan wurde mehrfach verschoben und letztlich ziemlich sang- und klanglos in einige wenige Kinos geschüttet. Und es fällt mir nicht schwer, den Grund dafür zu mutmaßen: Dieses Fließbandvehikel hakt nahezu alle Klischees für "Komiker versucht es mit einem Spielfilm"-Produktionen uninspiriert und hölzern ab. Ohne Erzählrhythmus und mit einem recht schwammigen, die Pointen ins Leere laufen lassenden, Schnitt geht in dieser Komödie über einen Niemand, der Musikstar werden will, sehr oft der Spaßfaktor baden. Ceylan hat zweifelsohne Charisma, findet jedoch nicht so wirklich ins Schauspiel hinein, die Songs der Band, um die es hier geht, sind weder schmissig noch witzig. Die Nebenfiguren sind völlig nachlässig geschrieben, weshalb es schwer ist, mitzufiebern, und der Look ist auf dem Niveau einer RTL-Sitcom. Aber: Ein paar nette Seitenhiebe auf Rechtspopulismus bekommt der Film zustande und dass Bülent Ceylan, ein leider kaum etwas zu tun habender Kida Khodr Ramadan und eine mit wirklich voller Macht aufspielende Josefine Preuß, die alles tut, um irgendwie diesem Skript Lacher zu entlocken, mit völliger Selbstverständlichkeit als Geschwister dargestellt werden, hat auch was Positives an sich.

Platz 23: Egal was kommt (Regie: Christian Vogel)

Ein Journalist ohne Ahnung von Motorrädern nimmt sich ein Jahr frei, um (ohne seine motorradverrückte Partnerin) die Welt mit dem Motorrad zu umrunden, und hält (natürlich!) alles mit der Kamera fest. Denn heute kann niemand eine Reise unternehmen, ohne davon zu erzählen. Regisseur und Dokumentationssubjekt Christian Vogel schafft es, unentwegt von den aussagekräftigen, informativen Aspekten seines Materials wegzuschneiden. Er hat ungefähr so viel Ahnung von Motorrädern wie ich von Fußball und braucht daher einen intensiven Crashkurs? Ja, rasch zusammengefasst und daraufhin nicht weiter von Belang. Er trifft einen gastfreundlichen Homosexuellen in der Türkei, der ihm sein Herz ausschüttet, und von seiner kaputten Beziehung zu seiner Familie erzählt? Ach, handeln wir das in zwei, drei Sätzen ab und verwenden lieber mehrere Filmminuten dafür, um zu erklären, wie unfassbar unglaublich es ist, dass er es wagt, den deutschen Journalisten, um den es hier geht, anzuflirten! Irre Situation, nicht!? Christian Vogel lernt zahlreiche weitere Menschen mit bewegten Leben und interessanten Perspektiven auf Politik und Touristik kennen? Ja, alle kurz abhaken und dafür lieber immer wieder künstlich lange Spannungsmomente darüber kreieren, dass unser Journalist, der es sich leisten kann, ein Jahr lang frei zu nehmen, über seinem Budget sitzt und überlegt, ob er etwa seine Route ein bisschen kürzen muss! Schlimm! Würde Vogel nicht, ja man möchte fast sagen "aus Versehen", eben doch ein paar profunde Impressionen aus aller Welt einfangen (wie etwa das radikale Arm/Reich-Gefälle in Indien, wo zwischen Nichts und einer Baracke ein BMW-Protzbau steht), wäre diese Dokumentation deutlich höher in meinen Flops.

Platz 22: Vielmachglas (Regie: Florian Ross)

Bleiben wir bei Filmen darüber, dass weite Reisen den Charakter bilden: Die Road-Trip-Dramödie Vielmachglas handelt von der Stubenhockerin und Kinoenthusiastin Marleen (Jella Haase), die von ihrem älteren, globetrottenden und von ihren Eltern massiv bevorzugten Bruder (Matthias Schweighöfe) dazu angespornt wird, ein Einmachglas mit Zetteln voller Reiseerinnerungen zu füllen. So weit, so nachvollziehbar. Nein, echt, das war von mir ironiefrei: Haase gibt eine sympathische, halb-widerwillige, halb-interessierte Protagonistin und Regisseur Florian Ross sowie Finn C. Stroeks schaffen es, die in Trailern noch nach bevormundender "Wer die Welt nicht bereist, ist minderwertig!"-Plattitüde klingende Prämisse so aufzuzäumen, dass es greifbarer klingt. Was sich daraufhin aber entwickelt, ist ein sonderbar geschnittenes, zwischenzeitlich mit ätzig-cartoonigen Soundeffekten verfremdetes Roadmovie mit überzogenem Kitschfinale und grellen Randfiguren. Treffende Seitenhiebe auf schrille Social-Media-Influencer und ein paar süß-kurzweilige Momente zwischen Haase und Marc Benjamin als Love Interest (solch ein Film kommt nie ohne Love Interest aus!) bewahren Vielmachglas jedoch vor den Flop 20.

Platz 21: Ready Player One (Regie: Steven Spielberg)

Steven Spielberg, was ist nur los mit dir? Nach dem katastrophalen, unausstehlichen BFG - Big Friendly Giant folgt mit Ready Player One ein weiterer Flop vom hoch dekorierten Popcorn-Regisseur: Basierend auf "Ich zähle kultige Werke aus Film, Fernsehen, Musik, Comics und der Videospielkultur auf - Das Buch" liefert Spielberg hier "Oh, hey, das kenne ich! - Der Film" ab. Voll mit Referenzen, die nur dazu da sind, um da zu sein, Referenzen, die frei von Ironie, Selbstkritik oder Dekonstruktion der Intention des Originalwerkes widersprechen, und Referenzen, die erklärt werden, ist Ready Player One ein Film frei von kreativer, narrativer oder thematischer Raffinesse. Und dann wird aufgrund des ungelenken Skripts aus dem Versuch, eine Geschichte darüber zu erzählen, dass Eskapismus zwar schön ist, jedoch niemals die oberste Priorität im Leben haben sollte, stattdessen eine Geschichte darüber, dass es Fake-Fans und echte Fans gibt, und dass Fake-Fans niedergerungen gehören. Denn nur, wer die Zeit und den Willen zur komplett monotonen Lebensgestaltung hat, sich einem Stück Popkultur (hier: Alles, was dieser eine Videospielentwickler vor Ewigkeiten geil fand) so intensiv zu widmen, dass man jeden noch so trivialen Pups auswendig kennt, ist ein wertvoller Mensch. Äh, Fan. Ergänzt durch eine beschämend schlechte Darbietung von Mark Rylance als "Ich bin ein menschenscheuer tattriger Obernerd, habt mich lieb!" und ein matschiges Produktionsdesign voller halbgarer Trickeffekte, die diesen Referenzeneintopf zu einer braun-grau-dunkelblauen Plörre runterkochen, ist Ready Player One ein großes Warnsignal, ob wir Steven Spielberg vielleicht mal dringend wieder auf andere Stoffe ansetzen sollte als CG-Fantasy-Gewitter. Aber, hey: Die Shining-Hommage ist beeindruckend.

Platz 20: Aquaman (Regie: James Wan)

Ich will es nicht. Ich will DC nicht schon wieder in meinen Flops sehen. Ich liebe Christopher Nolans The Dark Knight-Trilogie, ich gehöre zu jenen, die emsig Man of Steel verteidigen. Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist keine Prinzipiensache, es ist kein "Ich bin Team Marvel, DC muss halt versagen"-Denken. Wirklich nicht. Und dennoch taucht auch Aquaman in meinen Flopbereich ab. Denn mir wurde offensichtlich ein ganz anderer Film vorgeführt als all jenen, die James Wans Superheldenspektakel als bunt und visuell imposant (ich finde ihn matschig und visuell weitestgehend einfallslos), mit überzeugenden Effekten (nein, einfach nein) und spaßig (nur dann, wenn Jason Momoa sich ironisch-süffisant über das Material erheben darf, was eher selten passiert) feiern. Amber Heard ist hölzern, die Action egal und wuselig (bis auf eine schneidige Szene in einem Mamma Mia!-haft überbelichteten Sizilien) und alles in allem finde ich Aquaman leider einfach: Neeee.

Platz 19: Alles Geld der Welt (Regie: Ridley Scott)

Ridley Scott hat es geschafft, die wahre Entführungsgeschichte des Erben des seinerzeit reichsten Mannes der Welt so zu erzählen, so zu takten, so zu filmen, so zu schneiden, dass aus ihr eines der mit Abstand langweiligsten Kinoerlebnisse des Jahres für mich wurde. Ich kam bei diesem gräulich gefilmten, schleppend aufgezogenen, keinerlei Charaktertiefe aufweisenden "Thriller" aus dem Gähnen einfach nicht mehr heraus. Mark Wahlberg spielt seine Figur völlig gegen das Skript gebürstet, was das Material weiter hemmt, Christopher Plummer ist einfach nur anwesend und bekommt dafür trotzdem Anerkennungen hinterhergeworfen und einzig und allein Michelle Williams agiert mit Inbrunst und Überzeugung. Ohne sie wäre dieser Film viel, viel schlechter positioniert.

Platz 18: Mogli: Legende des Dschungels (Regie: Andy Serkis)

Hässliche "fotorealistische" Tiere, die rückwirkend dafür sorgen, dass ich Jon Favreaus The Jungle Book direkt noch einmal eine dicke Spur beeindruckender finde, die mit unfertigem Shading durch den Dschungel spazieren und somit dafür sorgen, dass ich verzweifelt meinen Controller suche, um so lange auf die Aktionstaste zu hämmern, bis endlich die Cutscene vorbei ist und ich mit dem Game beginnen kann, keifen sich an. Yay ... So unsympathisch und abstoßend die Figuren allesamt auch sein mögen, traut sich Regisseur Andy Serkis aber nicht, seinen Ansatz so richtig durchzuziehen, und scheut vor härterer Gewalt und komplexeren Dilemmata zurück. Daher arbeitet er auf einen kitschig-kuschligeren Schluss hin als es sich Disney mit seinem Film gewagt hat. Was soll das alles?

Platz 17: Meg (Regie: Jon Turteltaub)

Wie kann ein Film, in dem Jason Statham und Ruby Rose gegen einen Riesenhai kämpfen, so egal, so unlustig, so spröde, so langweilig, so uninspiriert sein? Da standen wohl zu viele Köche zu lange in der Küche um den Brei herum. Gähn. Weiter geht's.

Platz 16: Early Man - Steinzeit bereit (Regie: Nick Park)

Um die Herangehensweise an diese Liste noch einmal zu erläutern: Würde man mich bitten, für eine andere Publikation die 20 schlechtesten Filme des Jahres zu wählen, ausgesucht nach dem Kriterium, welche Produktionen nach Lehrbuch am weitesten daneben greifen, wäre Early Man beispielsweise nicht dabei. Die Aardman Studios stecken zu viel Liebe zum Detail in ihre Knetanimation und strukturell ist diese animierte Sportkomödie unauffällig, aber solide. Doch in meinem Blog, in meiner Hitliste der Filme, die mir am meisten auf den Keks gegangen sind? Tut mir leid, Early Man, aber hier sind wir! Ginge es darum, dass Steinzeitmenschen und Menschen aus der Bronzezeit sich ums Kino kabbeln oder sonst was, du wärst nicht in dieser Liste. Aber mir ist es vollkommen egal, wer wann warum wie Fußball spielen darf und wenn dann ein Teil der Gags auf Fußballkultur abzielt, fliegen die halt völlig an mir vorbei. Dass das zentrale Figurendesign (bis aufs Wolfshundsäbelzahnferkel) das hässlichste ist, was Aardman bislang fabriziert hat und die Figuren obendrein alle lahm oder stupide (oder beides) sind, hilft dem Ganzen dann auch nicht. Ich kann Sportfilme mögen, gar lieben, wenn mich die Geschichte und die Figuren packen. Hier dagegen haben sie mich sogar noch weiter abgestoßen. Aber, hey: Es gibt eine Riesenente. Bonuspunkt!

Fortsetzung droht ...