Montag, 24. Dezember 2018

Die schlechtesten Filme 2018 (Teil I)

Und schon ist es wieder jene Zeit des Jahres: Silvester rückt näher, und ich lasse die zurückliegenden Monate Revue passieren. Dazu gehört es selbstredend, über die Filme des Jahres zu sinnieren, und so sehr ich auch gerne meine Passion fürs Kino und die Filmkunst hochleben lasse: Wenn man, so wie ich, über 230 Mal im Jahr ins Kino geht, und obendrein auch im Heimkino eifrig Filme nachholt, bleibt man zwangsweise nicht von misslungenen Produktionen verschont. Bevor ich mich hier also den Zuckerstücken widme, möchte ich dafür sorgen, dass das euer Bild meiner Perspektive auf die weite Welt des Films auch rund bleibt und ergänzend zu den demnächst anstehenden Tops meine Flops des Filmjahres präsentieren.

Wie jedes Jahr gilt auch dieses Mal an dieser Stelle: Ich habe mit "Die schlechtesten Filme" eine zwar aufmerksamkeitserregende, allerdings reißerische, gar irreführende Überschrift gewählt. Mir fällt nur leider nichts besseres ein. Schließlich klingt "Hassfilme" leider noch aggressiver. Selbst wenn es treffender ist. Denn hier geht es nicht ausschließlich um handwerkliche Rohrkrepierer, sondern um Filme, die bei mir auf höchst persönlicher Ebene große Antipathiepunkte sammeln. Filme, die mich wütend gemacht haben, mich frustrieren und nerven oder auf ätzende Weise langweilen. Anders gesagt: Während in der kommenden Liste meiner Lieblingsfilme die Filme gefeiert werden, die mein Filmliebhaberherz haben höher schlagen lassen, stelle ich euch nun die vor, bei denen es sich vor Antipathie zusammengezogen hat. Los geht es mit ...

Platz 25: The Christmas Chronicles (Regie: Clay Kaytis)

Die Weihnachtskomödie The Christmas Chronicles hat einen großen Pluspunkt: Kurt Russell in der Rolle des rockig-coolen Weihnachtsmannes. Russell sieht nicht nur denkwürdig aus im Santa-Claus-Kostüm, er hat auch ansteckende Freude an dieser Rolle. Doch allein schon die Charakterisierung des Weihnachtsmanns ist reines Glücksspiel in diesem Film: Mal der weltfremde Typ mit dem Kopf in den Wolken, dann der saucoole Dad, den unsere Hauptfigur, der jugendliche Delinquent Teddy (Judah Lewis) dringend benötigt, dann ein strenger, aber spaßiger Sonderling, dann der freundlich-kitschige Weihnachtsmann, nur mit süffisanterem Blick. Der Rest des Films? Witze, die nicht zünden, konkurrierende Running Gags darüber, ob der Weihnachtsmann nun fett oder überraschend schlank ist, anstrengende Kinderfiguren und computeranimierte Fellelfen, die wie aus einem Werbespot der frühen 2000er-Jahre entflohen wirken. Netflix-Programmchef Ted Sarandos kann noch so viele irreführende Vergleiche und krumme Rechenversuche betreiben, um den Film zu feiern: Für mich heißt es bei diesem Film "Einmal und nie wieder."

Platz 24: Verpiss dich, Schneewittchen (Regie: Cüneyt Kaya)

Die erste (und eventuell letzte?) Kinokomödie des Komikers Bülent Ceylan wurde mehrfach verschoben und letztlich ziemlich sang- und klanglos in einige wenige Kinos geschüttet. Und es fällt mir nicht schwer, den Grund dafür zu mutmaßen: Dieses Fließbandvehikel hakt nahezu alle Klischees für "Komiker versucht es mit einem Spielfilm"-Produktionen uninspiriert und hölzern ab. Ohne Erzählrhythmus und mit einem recht schwammigen, die Pointen ins Leere laufen lassenden, Schnitt geht in dieser Komödie über einen Niemand, der Musikstar werden will, sehr oft der Spaßfaktor baden. Ceylan hat zweifelsohne Charisma, findet jedoch nicht so wirklich ins Schauspiel hinein, die Songs der Band, um die es hier geht, sind weder schmissig noch witzig. Die Nebenfiguren sind völlig nachlässig geschrieben, weshalb es schwer ist, mitzufiebern, und der Look ist auf dem Niveau einer RTL-Sitcom. Aber: Ein paar nette Seitenhiebe auf Rechtspopulismus bekommt der Film zustande und dass Bülent Ceylan, ein leider kaum etwas zu tun habender Kida Khodr Ramadan und eine mit wirklich voller Macht aufspielende Josefine Preuß, die alles tut, um irgendwie diesem Skript Lacher zu entlocken, mit völliger Selbstverständlichkeit als Geschwister dargestellt werden, hat auch was Positives an sich.

Platz 23: Egal was kommt (Regie: Christian Vogel)

Ein Journalist ohne Ahnung von Motorrädern nimmt sich ein Jahr frei, um (ohne seine motorradverrückte Partnerin) die Welt mit dem Motorrad zu umrunden, und hält (natürlich!) alles mit der Kamera fest. Denn heute kann niemand eine Reise unternehmen, ohne davon zu erzählen. Regisseur und Dokumentationssubjekt Christian Vogel schafft es, unentwegt von den aussagekräftigen, informativen Aspekten seines Materials wegzuschneiden. Er hat ungefähr so viel Ahnung von Motorrädern wie ich von Fußball und braucht daher einen intensiven Crashkurs? Ja, rasch zusammengefasst und daraufhin nicht weiter von Belang. Er trifft einen gastfreundlichen Homosexuellen in der Türkei, der ihm sein Herz ausschüttet, und von seiner kaputten Beziehung zu seiner Familie erzählt? Ach, handeln wir das in zwei, drei Sätzen ab und verwenden lieber mehrere Filmminuten dafür, um zu erklären, wie unfassbar unglaublich es ist, dass er es wagt, den deutschen Journalisten, um den es hier geht, anzuflirten! Irre Situation, nicht!? Christian Vogel lernt zahlreiche weitere Menschen mit bewegten Leben und interessanten Perspektiven auf Politik und Touristik kennen? Ja, alle kurz abhaken und dafür lieber immer wieder künstlich lange Spannungsmomente darüber kreieren, dass unser Journalist, der es sich leisten kann, ein Jahr lang frei zu nehmen, über seinem Budget sitzt und überlegt, ob er etwa seine Route ein bisschen kürzen muss! Schlimm! Würde Vogel nicht, ja man möchte fast sagen "aus Versehen", eben doch ein paar profunde Impressionen aus aller Welt einfangen (wie etwa das radikale Arm/Reich-Gefälle in Indien, wo zwischen Nichts und einer Baracke ein BMW-Protzbau steht), wäre diese Dokumentation deutlich höher in meinen Flops.

Platz 22: Vielmachglas (Regie: Florian Ross)

Bleiben wir bei Filmen darüber, dass weite Reisen den Charakter bilden: Die Road-Trip-Dramödie Vielmachglas handelt von der Stubenhockerin und Kinoenthusiastin Marleen (Jella Haase), die von ihrem älteren, globetrottenden und von ihren Eltern massiv bevorzugten Bruder (Matthias Schweighöfe) dazu angespornt wird, ein Einmachglas mit Zetteln voller Reiseerinnerungen zu füllen. So weit, so nachvollziehbar. Nein, echt, das war von mir ironiefrei: Haase gibt eine sympathische, halb-widerwillige, halb-interessierte Protagonistin und Regisseur Florian Ross sowie Finn C. Stroeks schaffen es, die in Trailern noch nach bevormundender "Wer die Welt nicht bereist, ist minderwertig!"-Plattitüde klingende Prämisse so aufzuzäumen, dass es greifbarer klingt. Was sich daraufhin aber entwickelt, ist ein sonderbar geschnittenes, zwischenzeitlich mit ätzig-cartoonigen Soundeffekten verfremdetes Roadmovie mit überzogenem Kitschfinale und grellen Randfiguren. Treffende Seitenhiebe auf schrille Social-Media-Influencer und ein paar süß-kurzweilige Momente zwischen Haase und Marc Benjamin als Love Interest (solch ein Film kommt nie ohne Love Interest aus!) bewahren Vielmachglas jedoch vor den Flop 20.

Platz 21: Ready Player One (Regie: Steven Spielberg)

Steven Spielberg, was ist nur los mit dir? Nach dem katastrophalen, unausstehlichen BFG - Big Friendly Giant folgt mit Ready Player One ein weiterer Flop vom hoch dekorierten Popcorn-Regisseur: Basierend auf "Ich zähle kultige Werke aus Film, Fernsehen, Musik, Comics und der Videospielkultur auf - Das Buch" liefert Spielberg hier "Oh, hey, das kenne ich! - Der Film" ab. Voll mit Referenzen, die nur dazu da sind, um da zu sein, Referenzen, die frei von Ironie, Selbstkritik oder Dekonstruktion der Intention des Originalwerkes widersprechen, und Referenzen, die erklärt werden, ist Ready Player One ein Film frei von kreativer, narrativer oder thematischer Raffinesse. Und dann wird aufgrund des ungelenken Skripts aus dem Versuch, eine Geschichte darüber zu erzählen, dass Eskapismus zwar schön ist, jedoch niemals die oberste Priorität im Leben haben sollte, stattdessen eine Geschichte darüber, dass es Fake-Fans und echte Fans gibt, und dass Fake-Fans niedergerungen gehören. Denn nur, wer die Zeit und den Willen zur komplett monotonen Lebensgestaltung hat, sich einem Stück Popkultur (hier: Alles, was dieser eine Videospielentwickler vor Ewigkeiten geil fand) so intensiv zu widmen, dass man jeden noch so trivialen Pups auswendig kennt, ist ein wertvoller Mensch. Äh, Fan. Ergänzt durch eine beschämend schlechte Darbietung von Mark Rylance als "Ich bin ein menschenscheuer tattriger Obernerd, habt mich lieb!" und ein matschiges Produktionsdesign voller halbgarer Trickeffekte, die diesen Referenzeneintopf zu einer braun-grau-dunkelblauen Plörre runterkochen, ist Ready Player One ein großes Warnsignal, ob wir Steven Spielberg vielleicht mal dringend wieder auf andere Stoffe ansetzen sollte als CG-Fantasy-Gewitter. Aber, hey: Die Shining-Hommage ist beeindruckend.

Platz 20: Aquaman (Regie: James Wan)

Ich will es nicht. Ich will DC nicht schon wieder in meinen Flops sehen. Ich liebe Christopher Nolans The Dark Knight-Trilogie, ich gehöre zu jenen, die emsig Man of Steel verteidigen. Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist keine Prinzipiensache, es ist kein "Ich bin Team Marvel, DC muss halt versagen"-Denken. Wirklich nicht. Und dennoch taucht auch Aquaman in meinen Flopbereich ab. Denn mir wurde offensichtlich ein ganz anderer Film vorgeführt als all jenen, die James Wans Superheldenspektakel als bunt und visuell imposant (ich finde ihn matschig und visuell weitestgehend einfallslos), mit überzeugenden Effekten (nein, einfach nein) und spaßig (nur dann, wenn Jason Momoa sich ironisch-süffisant über das Material erheben darf, was eher selten passiert) feiern. Amber Heard ist hölzern, die Action egal und wuselig (bis auf eine schneidige Szene in einem Mamma Mia!-haft überbelichteten Sizilien) und alles in allem finde ich Aquaman leider einfach: Neeee.

Platz 19: Alles Geld der Welt (Regie: Ridley Scott)

Ridley Scott hat es geschafft, die wahre Entführungsgeschichte des Erben des seinerzeit reichsten Mannes der Welt so zu erzählen, so zu takten, so zu filmen, so zu schneiden, dass aus ihr eines der mit Abstand langweiligsten Kinoerlebnisse des Jahres für mich wurde. Ich kam bei diesem gräulich gefilmten, schleppend aufgezogenen, keinerlei Charaktertiefe aufweisenden "Thriller" aus dem Gähnen einfach nicht mehr heraus. Mark Wahlberg spielt seine Figur völlig gegen das Skript gebürstet, was das Material weiter hemmt, Christopher Plummer ist einfach nur anwesend und bekommt dafür trotzdem Anerkennungen hinterhergeworfen und einzig und allein Michelle Williams agiert mit Inbrunst und Überzeugung. Ohne sie wäre dieser Film viel, viel schlechter positioniert.

Platz 18: Mogli: Legende des Dschungels (Regie: Andy Serkis)

Hässliche "fotorealistische" Tiere, die rückwirkend dafür sorgen, dass ich Jon Favreaus The Jungle Book direkt noch einmal eine dicke Spur beeindruckender finde, die mit unfertigem Shading durch den Dschungel spazieren und somit dafür sorgen, dass ich verzweifelt meinen Controller suche, um so lange auf die Aktionstaste zu hämmern, bis endlich die Cutscene vorbei ist und ich mit dem Game beginnen kann, keifen sich an. Yay ... So unsympathisch und abstoßend die Figuren allesamt auch sein mögen, traut sich Regisseur Andy Serkis aber nicht, seinen Ansatz so richtig durchzuziehen, und scheut vor härterer Gewalt und komplexeren Dilemmata zurück. Daher arbeitet er auf einen kitschig-kuschligeren Schluss hin als es sich Disney mit seinem Film gewagt hat. Was soll das alles?

Platz 17: Meg (Regie: Jon Turteltaub)

Wie kann ein Film, in dem Jason Statham und Ruby Rose gegen einen Riesenhai kämpfen, so egal, so unlustig, so spröde, so langweilig, so uninspiriert sein? Da standen wohl zu viele Köche zu lange in der Küche um den Brei herum. Gähn. Weiter geht's.

Platz 16: Early Man - Steinzeit bereit (Regie: Nick Park)

Um die Herangehensweise an diese Liste noch einmal zu erläutern: Würde man mich bitten, für eine andere Publikation die 20 schlechtesten Filme des Jahres zu wählen, ausgesucht nach dem Kriterium, welche Produktionen nach Lehrbuch am weitesten daneben greifen, wäre Early Man beispielsweise nicht dabei. Die Aardman Studios stecken zu viel Liebe zum Detail in ihre Knetanimation und strukturell ist diese animierte Sportkomödie unauffällig, aber solide. Doch in meinem Blog, in meiner Hitliste der Filme, die mir am meisten auf den Keks gegangen sind? Tut mir leid, Early Man, aber hier sind wir! Ginge es darum, dass Steinzeitmenschen und Menschen aus der Bronzezeit sich ums Kino kabbeln oder sonst was, du wärst nicht in dieser Liste. Aber mir ist es vollkommen egal, wer wann warum wie Fußball spielen darf und wenn dann ein Teil der Gags auf Fußballkultur abzielt, fliegen die halt völlig an mir vorbei. Dass das zentrale Figurendesign (bis aufs Wolfshundsäbelzahnferkel) das hässlichste ist, was Aardman bislang fabriziert hat und die Figuren obendrein alle lahm oder stupide (oder beides) sind, hilft dem Ganzen dann auch nicht. Ich kann Sportfilme mögen, gar lieben, wenn mich die Geschichte und die Figuren packen. Hier dagegen haben sie mich sogar noch weiter abgestoßen. Aber, hey: Es gibt eine Riesenente. Bonuspunkt!

Fortsetzung droht ...

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