Mittwoch, 28. Januar 2015

Der CGI-Wahn fordert sein erstes Opfer


Ein Gastbeitrag von EdiGrieg

Nur kurz nach dem Golden-Globe-Erfolg von Drachenzähmen leicht gemacht 2 gab das in Redwood City, Kalifornien stationierte Studio PDI, welches ab 2000 fest bei Dreamworks Animation unter Vertrag stand, sein Aus bekannt. Mit der Schließung von PDI entlässt Dreamworks rund 500 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit.

Gegründet wurde PDI 1980 von Carl Rosendahl als Pacific Data Images und startete mit visuellen Effekten und computergenerierten Grafiken für Nachrichtensendungen, TV-Shows und Werbebeiträge. Durch eine neuartige Morph-Technologie, die 1991 in Michael Jacksons Video Black or White für Furore sorgte, gelang der Sprung in die Filmbranche. So unterstützten sie das Stan Winston Studio bei den legendären Special Effects in Terminator 2 (1991) und legten digitale Hand an in Toys (1992), Angels - Engel gibt es wirklich (1994), Batman Forever (1995) und The Arrival - Die Ankunft (1996). Daraufhin holte Jeffrey Katzenberg PDI zu Dreamworks für den kommerziellen Disney-Angriff Antz (1998). Bereits 1996 kaufte sich Dreamworks zu 40% in PDI ein. Nach dem Erfolg von Antz verkaufte Carl Rosendahl seine bestehenden Anteile und PDI/Dreamworks wurden zu einer Einheit. Fest integriert gelang dann mit Shrek der Sensationserfolg, der dem Studio 2001 einen Oscar einbrachte. Shrek 2 übertraf den Erstling kommerziell und gilt mit einem Gewinn von $441.2 Millionen als sechsterfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten.

Am 22. Januar 2015 gab Dreamworks nun bekannt, PDI im Zuge einer großen Umstrukturierung zu schließen. Jeffrey Katzenberg gab zu, dass man sich mit dem Plan von drei Filmen pro Jahr zu viel vorgenommen hatte. Die Hüter des Lichts, Turbo, Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman und insbesondere Die Pinguine aus Madagascar hatten einen Kapitalverlust von mehr als $290 Millionen zur Folge. Dazu kommt noch das schon im Vorfeld totgesagte Projekt Home, welches noch mit dem alten Budgettopf von rund $150 Mio. finanziert wurde. Für Trolls, der 2016 kommen soll, wurde die Kasse bereits auf $120 Mio. reduziert. Des Weiteren sollen die Veröffentlichungstermine künftig mehr auf den Anfang des Jahres verlegt werden, statt sich in den Sommer- und Herbstterminen mit der Konkurrenz zu messen. "Die Spielfilmsparte wieder zum Laufen zu bekommen, hat oberste Proirität", beteuert Katzenberg. Während B.O.O.: Bureau of Otherworldly Operations und das Bollywood-thematische Mumbai Musical erst einmal zurück geschraubt wurden, liegt der Fokus in den kommenden drei Jahren auf Kung Fu Panda 3 (18. März 2016), Trolls (4. November 2016), Boss Baby (13. Januar 2017), Die Croods 2 (22. Dezember 2017), Larrikins (16. Februar 2018) und Drachenzähmen leicht gemacht 3 (29 Juni 2018).

Der erste große Kopf rollte bereits am 4. Januar, als Co-Präsident Bill Damaschke auf seinen früheren Rang als Chef der kreativen Abteilung degradiert wurde und das Feld den Damen Bonnie Arnold und Mireille Soria räumte, den Hauptproduzenten der Madagascar- und Drachenzähmen-Reihen. Sowohl Damaschke als auch Arnold gehörten einst zu den Gefolgsleuten, die Katzenberg beim Weggang von Disney brav hinterher trotteten. Dieser baut erneut auf die starke Vertriebs-Allianz mit 20th Century Fox, die seit einiger Zeit die Distributionslast von Dreamworks Schultern genommen haben. Was dies für Auswirkungen auf Fox eigentliches CGI-Zugpferd hat, den Ice Age-Machern Blue Sky Studios, steht in den Sternen. Deren Gründer Chris Wedge arbeitete 2013 zum ersten Mal mit Paramount zusammen, Dreamworks' ehemaligem Partner. Wie gut, dass Pixar bei Disney in guten Händen ist. Allerdings sollten sich Lasseters Jungs auch mal wieder einen Hit einfallen lassen, sonst haben die Macher von Die Eiskönigin und Baymax bald auch nur noch einen lästigen Klotz am Bein .... 

Quellen: Variety (US), Wikipedia (US) und Focus on Animation (Fr)

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