Dienstag, 10. Februar 2015

Wie Marvel Spider-Man retten (oder aber Spider-Man Marvel verderben) kann ...

Mooooom! Sony und Disney haben endlich einen Deal geschlossen!

Es ist wohl die größte Filmnews des bisherigen Jahres. Und es wird schwer, sie zu toppen: Sony und Marvel / Disney haben sich erfolgreich an einen Tisch gesetzt und ein, sagen wir, gemeinsames Sorgerecht für Spider-Man herausgehandelt. Das Marvel-Studios-Team rund um Kevin Feige soll die kommenden Filme über den Netzschwinger mitproduzieren und mit seiner sicheren kreativen Hand zum künstlerischen wie finanziellen Erfolg führen. Darüber hinaus wird der neue Spider-Man (wie er im gemeinsamen Pressestatement genannt wird, also sollte Andrew Garfield seinen Spandexanzug wohl langsam einmotten, sofern es nicht schon geschehen ist) im 'Marvel Cinematic Universe' aufkreuzen.

Zunächst einmal ist Jubeln angesagt! Dennoch: Gewiss gibt es vereinzelte Infos bezüglich des Deals, die Dauerzweiflern Grund zum Fürchten geben. So behält Sony "das letzte Wort". Ich bin dahingehend aber gelassen. Hätte die Sony-Geschäftsleitung (und / oder die zur Produzentin herabgestiegene Amy Pascal) vor, ungebrochen eine eigene Agenda durchzudrücken, so hätte man Marvel gar nicht erst ins Boot holen müssen. Ich tue diese Klausel daher als reines Ego-Gehabe ab, als einen Versuch, nach außen hin die Oberhand zu behalten.

Viel mehr lässt mich grübeln, dass der frische Spider-Man in einem der bis 2017 anlaufenden Marvel-Cinematic-Universe-Filme seine Premiere feiern soll. Captain America: Civil War ist da die nahe liegende Option, und dies könnte (könnte!!!) im Falle einer effektverliebten Umsetzung dem Film und dem ganzen Marvel-Kinouniversum mehr schaden denn nutzen. In der Comicsaga Civil War spielt Spider-Man eine große Rolle, da er in der hitzigen, politischen Debatte über den Wert und die Problematik von Geheimidentitäten Farbe bekennt und sich selbst demaskiert. Marvel könnte sich dazu verführen lassen, diesen Umstand aus den Comics 1:1 zu übernehmen. Es wäre Fanservice, es würde den Plot mit einem Knall zum Laufen bringen ... und es wäre völlig unsinnig. Denn während in den Comics Geheimidentitäten eine große Sache sind (oder waren, je nachdem, wie man es nun sieht), eröffnete das 'Marvel Cinematic Universe' mit Iron Man, einem Superhelden, der einen feuchten Dreck auf derartige Geheimnisse gibt. Auch um Captain Americas wahres Ich wird kein Geheimnis gemacht, und je nachdem, wie man einzelne kleinere Dialogfetzen aus den restlichen Filmen auffasst, sind auch der Hulk und Thor im 'Marvel Cinematic Universe' als das weltbekannt, was / wer sie sind. Und spätestens seit The Return of the First Avenger aka Captain America: The Winter Soldier hat es sich im 'Marvel Cinematic Universe' eh mit Geheimnissen erledigt.

Bloß weil man Spider-Man in der Hand hat, die bisher von Feige, den regieführenden Russo-Brüdern und dem Autoren-Duo Christopher Markus & Stephen McFeely in Interviews angedeuteten Änderungen an der Storyline über den Haufen zu werfen, wäre fatal. Die innere Logik des 'Marvel Cinematic Universe' könnte leiden ("Oh, bu-huuu, nun sind wieder alle Superhelden gleich, ach, wie doof, das hat bisher zwar geklappt, aber nun doch nicht mehr!") und somit die Dramatik des dritten Captain America-Films zum Fall bringen. Außerdem könnte sich die Frage stellen "Wenn es in diesem Universum Spider-Man schon immer gab, wieso höre ich erst jetzt von ihm?"

Jedoch ist diese Sorge meinerseits nur ein sehr sanftes, leises Säuseln in meinem Hinterkopf. Denn gemeinhin habe ich großes Vertrauen in das Team hinter Captain America: Civil War. Der zweite Captain America-Part war zu gut, als dass ich den Machern nun völlige Inkompetenz unterstellen wollen würde. Zumal die Marvel Studios recht gut darin sind, ihr Pulver zurückzuhalten: Als der Hulk in ihre Hände zurückfiel, gab es nicht noch einen Origin-Film; als er zum Publikumsliebling in Avengers wurde, verheizte man ihn nicht sofort in drei neuen Produktionen, und bislang haben mir zwar nicht alle Marvel-Drehbücher zugesagt, die Umdeutungen von Comic- zu Filmuniversum waren aber schlüssig und hatten stets Hand und Fuß.

Daher würde ich zwar jederzeit darauf wetten, dass Spider-Man in Captain America: Civil War vorkommen wird, jedoch bin ich zuversichtlich, dass er dem bisherigen MCU-Ensemble nicht die Schau stiehlt und dass die Grundmechanik des Drehbuchs nicht für ihn geändert wird.

Um die Spidey-Solofilme mache ich mir aktuell sogar überhaupt keine Sorgen. Es kann nur besser werden! Eine dritte Adaption der Ursprungsgeschichte wird sich Marvel wohl sparen (erst recht, da der Film dann ja ein Prequel zum Film mit dem ersten neuen Spider-Man-Auftritt sein müsste, und das wäre reichlich verwirrend), und die ganze Weltenbildung, die The Amazing Spider-Man 2 plagte, dürfte ja auch wegfallen. Bleibt die Frage, wer Regie führt und in die Rolle der freundliche Spinne aus der Nachbarschaft schlüpft.

Einige Kandidaten kristallisierten sich in den vergangenen Stunden bereits als schauspielerische Fanfavoriten heraus, und mit vielen von ihnen könnte ich mich anfreunden. Community-Nebendarsteller Donald Glover wäre ideal, hat er doch den Esprit und den Witz für die Rolle, zudem kann er überzeugend nerdig sein ... und darüber hinaus ist er die Inspiration für Miles Morales, der in der Ultimate-Comickontinuität das Spinnenkostüm übernimmt. Will man bei Peter Parker bleiben (und weigert sich, ihn als Afro-Amerikaner umzudeuten), wäre auch der abenteuerfilmerprobte Logan Lerman eine sympathische Wahl.

Doch mein Favorit wäre jemand, von dem ich dachte, dass sich die Netzgemeinde gegen ihn verschwören wird. Aber weit gefehlt, er taucht auf vielen Wunschlisten auf: Zac Efron. Er hat den Humor, er ist extrem fit, er kann auch sehr gut schauspielern, wenn man ihn lässt (Regie und Skript müssen stimmen) und er ist gut darin, sich in ein Ensemble einzufügen.

Oh, und er weiß, wie man Wände entlang krabbelt:


Mic drop!

1 Kommentare:

kulii hat gesagt…

Ich gebe zu nie ein großer Fan des ganzen Marvel Film Universums gewesen zu sein, deswegen kann ich dass ganze nicht so ganz beurteilen. Als schlichte Filmguckerin die einfach unterhalten werden will kann ich aber sagen, dass mir die Amazing Spider Man Filme durchaus gefallen haben und ich gehofft habe da endlich meine Nische in den ganzen Superhelden Verfilmungen gefunden zu haben. Das Sony anscheinend nicht so großen Erfolg damit hatte habe ich gar nicht mitbekommen. Deswegen bin ich etwas traurig, dass das Spiderman Universum jetzt einfach eingestampft wurde und der große Bruder Marvel jetzt aushelfen muss um das wider hin zu biegen.

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