Dienstag, 9. Juni 2015

Auf den Erpel, der besser schnattert, als alle anderen


Die meisten Menschen feiern ihren Geburtstag jedes Jahr, und nicht nur, wenn ein Meilenstein ansteht. Manche Feiern fallen zwar größer aus als andere, doch der Umstand, dass sie stattfinden, gilt gemeinhin als normal. Unseren fiktionalen Helden ist eine alljährliche Feier hingegen nicht garantiert. Vergangenes Jahr überschlugen sich die Medien mit Glückwünschen für den besten aller Pechvögel, Donald Duck. Dachte aber alle Welt an den watschelnden Disney-Star, als er 80 Jahre alt wurde, so bleiben dieses Jahr vielerorts die Gratulationen aus. Ich finde, dass dies bekämpft werden muss! Und da ein simples Alles Gute, Donald! nicht ausreicht, nutze ich Donalds Wiegenfest, um mich mal in seinem Namen ungeheuerlich über eine ärgerliche Sache ... äh ... zu ärgern!

Es geht um die allseits beliebte Zeichentrickserie DuckTales. Versteht mich nicht falsch, auch ich liebe diesen Klassiker unter Disneys animierten Abenteuerserien, da das Storytelling zumeist mit einer zügigen, aber wirksamen Dramaturgie vonstatten geht, weil Dagobert hier ausnahmsweise mal recht konstant (und sympathisch) charakterisiert wird und oftmals auch das Design und die Musik zu gefallen wissen. Aber es gibt nunmal einige Episoden, die mich ungeheuerlich nerven. Und dies sind nicht unbedingt die direkten Carl-Barks-Adaptionen. Denn anders als einige Comic-Jünger, die DuckTales nicht mögen, weil die verfilmten Geschichten des zurecht gefeierten Enten-Künstlers inhaltlich von den Vorlagen abweichen, komme ich damit klar. Fernsehen ist ein anderes Medium als Comichefte, daher sind Abweichungen unvermeidlich.

Womit ich aber nicht d'accord gehe, ist die Darstellung Donalds in der Serie. Dass der Erpel Nummero uno kaum eine Rolle spielt, kann ich verstehen. Damals war er in den USA noch ungleich populärer als heutzutage, und angeblich hatten die Storykünstler Angst, er würde die Abenteuer in der Serie überschatten. Daher zogen sie es vor, mit eher sekundären sowie neuen Figuren zu arbeiten, weil so das Augenmerk der Zuschauer auf die Geschichten fiele. Für jene Zeit eine nachvollziehbare Entscheidung. Dass man die gelegentlichen Folgen, in denen Donald auftaucht, aber nahezu durchgehend mit einem einzelnen Running Gag bestreitet, bringt mich auf die Palme: Ohhhh, Donald brabbelt Schwachsinn und ist obendrein schwer zu verstehen!

Ja, Donalds heisere Stimme war schon zu Walts Zeiten Thema, man denke etwa an den Cartoon Donald's Dream Voice. Allerdings sind Geschichten, laut denen Donald für sein Umfeld als nahezu unverständlich dargestellt wird, eine Seltenheit. Zumeist wird er von anderen Figuren sehr wohl verstanden, und je nach Autor wird er auch als recht schlagfertig gezeichnet - und das nicht nur im nonverbalen Sinne. Wenn Donald in DuckTales also als dumm und sprachbehindert durch seine Episoden gereicht wird, grenzt das an Majestätsbeleidigung. Dass er in der Folge Sphinx for the Memories respektive Mein Gott, Donald eine der peppigsten Zeilen der ganzen Serie quaken darf, ehe er für den Rest der Episode den Deppen gibt, ist da ein ungewöhnlicher, aber nicht ausreichender Trost. In der englischen Originalfassung sagt Matrose Donald, ehe er Landgang hat: "The night is young, and I'm old enough!" Du toller Hecht, du ...

Für das angekündigte DuckTales-Revival wünsche ich mir, und natürlich auch dem heutigen Geburtstagskind, dass er wieder ins Hauptensemble aufgenommen wird. Mittlerweile hat es Donald in den USA ja leider durchaus nötig. Und wenn Donald schon regelmäßig aufkreuzt, so soll er bitte nicht weiter auf seine Aussprache reduziert werden - aber sein Genuschel dafür verwenden dürfen, öfter frechere Kommentare zu bringen. Halt so, wie zu seinen besten animierten Zeiten.

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