Sonntag, 11. Oktober 2015

Das erwartet uns mit "Zoomania"


Noch rund ein halbes Jahr müssen Disney-Liebhaber und Animationsfilm-Anhänger warten, bis mit Zootopia das nunmehr 55. Meisterwerk der Walt Disney Animation Studios in den Kinos anläuft. Einen ersten Einblick in die hierzulande auf den Titel Zoomania hörende Komödie hat die Traditionsschmiede aber bereits jetzt gewährt: Produzent Clark Spencer schneite diese Woche in Hamburg vorbei und präsentierte der geladenen Presse Konzeptbilder, Ausschnitte aus der Recherchearbeit der Filmcrew sowie erste Szenen. Um eins vorweg zu nehmen: Zoomania wurde von manchen der anwesenden Journalisten zunächst mit Zweifeln begrüßt – doch am Ende der Präsentation lag große Vorfreude in der Luft. Respektive Ungeduld. Denn das gezeigte Material weckte einhellig großen Durst nach Mehr!


Für alle, die bislang keinen Wind vom neuen Film des Rapunzel-Regisseurs Byron Howard und des Ralph reicht's-Regisseurs Rich Moore bekommen haben, fasste Spencer zu Beginn der Veranstaltung das grundlegende Konzept zusammen: Zoomania ist eine Detektivgeschichte, die in einer Welt spielt, die von anthropomorphen Tieren bevölkert wird. Genauer gesagt spielt sich der Animationsfilm in einer Megametropole ab, in der alle möglichen Arten von Säugetieren zusammenleben und -arbeiten. Doch der utopische Schein dieses artenübergreifenden Schmelztiegels trügt: Die Gesellschaft ist von Vorurteilen durchzogen. Die junge Häsin Judy Hopps möchte diese als Lüge entlarven und daher als erste Vertreterin ihrer Art eine erfolgreiche, knallharte Polizistin werden. Die größeren, stärkeren Tiere auf dem Revier nehmen sie jedoch nicht ernst und kommandieren sie daher zur Politesse herab. Judy lässt sich dies aber nicht gefallen und fordert ihr Recht darauf ein, ein ernstzunehmendes Verbrechen zu klären. Daher wird sie mit einem Vermisstenfall beauftragt – und der einzige Zeuge in diesem Verbrechen ist ausgerechnet Nick Wilde, ein Fuchs, wie er im Buche steht …



Die vier Disney-Prinzipien
Wie förmlich jeder Disney-Filmemacher, schwört auch Clark Spencer auf die großen Prinzipien des Disney-Vermächtnisses. Wie dieses zu verstehen ist, da scheiden sich bekanntlich die Geister, weshalb es auch unter großen Disney-Fans und belesenen -Historikern zu Streitereien kommt. Für Spencer besteht das Disney-Geheimnis aus vier goldenen Regeln, wie er in Hamburg erläutert:

Erstens: Bei Disney erzählen wir zeitlose Geschichten für ein Publikum von heute. Zweitens: Jeder Disney-Filme sind für Zuschauer jeden Alters gedacht, also für Jüngere und für Ältere. Drittens: Unsere Filme müssen auf irgendeine Weise sowohl die Lachmuskeln als auch das Herzen berühren. Und Viertens: Jede unserer Produktionen soll Walt Disneys Qualitätsansprüchen gerecht werden!

Ob Zoomania dem vierten Ziel gerecht wird, dass sich die Regisseure Howard und Moore sowie Produzent Spencer gesetzt haben, lässt sich selbstredend erst einschätzen, sobald das fertige Produkt vorliegt. Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, welch großer Kinospaß uns da bevorsteht – zumindest, sofern der Rest des Films den vorgeführten Ausschnitten in Nichts nachsteht. Und dass Zoomania die ersten drei Prinzipien einhält, würde ich auf jeden Fall schon jetzt unterzeichnen: Es wird eine zeitlose Geschichte darüber erzählt, dass wir alle unseren Träumen folgen sollten – wenn schon eine Häsin Polizistin werden kann, dann sollten wir uns auch nicht so schnell geschlagen geben. Als Fabel über Vorurteile und Doppelmoral hat diese Trickkomödie zudem bei all ihren Verrücktheiten und genüsslichen Albernheiten auch Hintersinn zu bieten, der leider noch immer hoch aktuell ist.


Da diese Lektion, basierend auf den ersten Ausschnitten, sehr amüsant vermittelt wird, sollte diese Mischung aus Herz und Witz weder zu moralinsauer für die Kids sein, noch zu seicht für das ältere Publikum. Und auch wenn sich eine kleine Fraktion innerhalb der Disney-Fangemeinde jedes Mal aufs Neue mokiert, wenn eine aktuelle Produktion in der Gegenwart spielt, so gibt es „moderne“ Filme schon seit Walt Disneys Zeiten. Dass in der langen Riege an Disney-Cartoontieren nach dem Tageszeitung lesenden Donald Duck und dem Telefonzellen benutzenden Micky Maus nun eine Judy Hopps via Smartphone einen Videochat mit ihren Eltern abhält, sollte streng genommen also keinen Disney-Chronisten erschüttern. Zumal die Modernisierung nicht die Handlung kapert, sondern primär im Detail geschieht – und auf Details wird in Zoomania eh großen Wert gelegt.



Der Look: Von Fellen, Gangarten und artübergreifender Architektur

Als Howard nach Fertigstellung von Rapunzel den Wunsch äußerte, einen Animationsfilm über vermenschlichte Tiere zu verwirklichen, wurde er von John Lasseter, laut Spencer, wie Baby Simba feierlich emporgehoben. Der Hawaiihemdenträger hatte allerdings eine Bedingung: Howards Film sollte sich von allen anderen Trickfilmen über sprechende Tiere unterscheiden. Auf gestalterischer Seite beschlossen Howard und sein Team daher alsbald, bei Zoomania, im Gegensatz zu anderen Produktionen dieser Art, durchgehend die Größenverhältnisse zwischen den Tieren zu beachten. Statt sich also Fantasiemaße auszudenken oder gar alle gleich groß zu machen, sollten die Relationen in diesem Film wirklichkeitsgetreu sein. Ein Gnu hat also ungefähr die Größe, die ein Mensch hätte, würde er im Filmuniversum existieren. Und um auf Augenhöhe mit einem Gnu zu kommen, müssten sich demnach über 20 Mäuse stapeln. Eine Giraffe wiederum ist in Zoomania so groß wie 95 Mäuse.

Dies wiederum provozierte eine große Herausforderung im Design des Handlungsortes: Die Welt von Zoomania muss deswegen auf Bewohner von überaus unterschiedlichen Ausmaßen ausgerichtet sein. Denn das Team hat beschlossen, alle möglichen Säugetiere durch die Metropole stapfen zu lassen, um so den Druck auf Howards Wunschprotagonisten 
(einen Fuchs, weil Howard Robin Hood liebt, sowie eine Häsin, weil er die so gerne zeichnet) zu erhöhen. Aufgrund ihrer vergleichsweise ähnlichen, geringen Größe werden die natürlichen Feinde urplötzlich zu notgedrungenen Partnern, wenn sie sich zwischen Riesen aufhalten müssen.

Um dies zu bewerkstelligen, haben sich die Produktionsdesigner allerhand pfiffige Details einfallen lassen. So umfasst ein Hotelbett in Elefantengröße auch Schubladen, aus denen sich kleinere Betten ziehen lassen. Und damit Nagetiere wie Hamster und Mäuse auf einem Zebrastreifen nicht totgetrampelt werden, gibt es in Zoomania Untergrund-Straßenübergänge speziell in Nagergröße. Diese und viele weitere künstlerische Feinheiten machen Zoomania zu einem sehr detailreichen, verrückten Film, bei dem das Auge amüsiert durchs Bild schweifen darf.

Hier endet die Detailliebe aber noch lange nicht. Denn zu Beginn der Produktionszeit haben sich die Disney-Künstler erst einmal in eine 18-monatige Recherchearbeit zum Thema Tiere gestürzt. Zunächst stand ein ausgedehnter Besuch in Disneys Animal Kingdom an, der es ihnen erlaubte, lange Gespräche mit Experten zu führen und hautnah an exotische Tiere zu gelangen. Darauf folgte ein Trip nach Kenia in ein Wildtierreservat, um auch einen Eindruck davon zu gewinnen, wie sich diverse Arten in ihrem natürlichen Umfeld begeben. Laut Spencer war dies für alle Beteiligten eine "lebensverändernde Reise", und zudem der Stein des Anstoßes für die Animatoren, den faszinierenden Eigenheiten sämtlicher Tiere gerecht zu werden und auch in ihrer vermenschlichten Form ihren jeweiligen Gang einzufangen. In der Computeranimation ist die Simulation eines typischen "Walking Cycles", also einer charakterisierenden Art zu gehen, mit das Erste, was in der Gestaltung einer Figur erfolgt. Und in Zoomania erhält jede der rund 50 Tierspezies ihre eigene Gangart, die sich am Original orientiert. So wackeln beim Kamel selbst in der auf zwei Beinen laufenden Zoomania-Version Hocker und Lippe im Takt mit. Obwohl dies viel Recherche- und Feinarbeit bedeutete, weckte dies die Inspiration der Animatoren, weil sie viele verschiedene Bewegungsmacken karikieren durften. Und sich zudem "endlich wieder mit anthropomorphen Tiere austoben" konnten. Zu welchen Verrücktheiten das führte, belegte Spencer mit einem Animationstest für einen zu Elektro-Dancemucke tanzendem Tiger, den die Disney-Künstler aus Jux erstellt haben.

Wie mittlerweile von Disneys abendfüllenden CG-Abenteuern gewohnt, bringt auch Zoomania zudem die Animationstechnik einen Schritt weiter. Wie Spencer mittels mehrerer Testclips und Filmausschnitte vorführte, lässt sich in Howards und Moores Film nicht nur bei jeder Spezies eine eigene Art zu gehen bestaunen. Die Trickkünstler aus dem Hause Disney haben sich obendrein dazu hinreißen lassen, bei jeder einzelnen Tierart genau das Fell zu untersuchen: Welche Textur hat es, welche Dichte, welche Farbe, und wie wird es vom Wind beeinflusst? Statt Eisbären etwa mit weißem Fell auszustatten, orientieren sie sich in Zoomania an der Natur und verleihen ihnen durchsichtiges Fell, das jedoch so beschaffen ist, dass es durch Lichtreflexionen weiß, leicht vergilbt aussieht. Auch die verschiedenen Rottöne an einem Fuchshaar werden berücksichtigt, und, und, und ... Zu guter Letzt sorgt ein neues Programm namens Keep Alive dafür, dass das Bild stets lebendig ist. Jedes einzelne Blatt in einem Baum wiegt sich nunmehr im Wind, und auch jedes Haar der animierten Tiere wird dadurch beeinflusst. Spencer zeigte als Beleg eine Szene, in der Nick und Judy durch eine Gasse gehen, die vom Schatten eines Baums verdunkelt wird. Der Schatten bewegt sich, windbedingt. "Das ist etwas, das nur wenige Zuschauer sehen, aber alle Zuschauer fühlen es", so der Produzent.




Gut gebrüllt, Löwe?


Die im Netz seit Monaten von einigen Fans gestellte Frage, weshalb es in Zoomania nur Säugetiere zu sehen gibt, beantwortete Spencer in Hamburg übrigens ebenfalls: Laut ihm gibt es zwei Beweggründe. Einerseits mussten Vögel, Insekten, Fische und Reptilien weichen, weil man ein rund 90-minütiger Film nur ein bestimmtes Maß an Erklärungen tragen kann, ehe er zusammenbricht. Neben der Story möglichst nonverbal Weltenbildung zu betreiben, erwies sich schon unter der bloßen Berücksichtigung von Säugetieren als schwer genug. Das Portfolio an Tieren dann noch auszubauen, erwies sich studiointern als nahezu unmöglich. Darüber hinaus begnügte man sich mit Säugetieren, weil man mit ihnen am effektivsten eine reizvolle Geschichte über Jäger und Gejagte erzählen könnte.


Auf die Antwort auf eine weitere Frage dürfen wir uns laut Spencer ebenfalls freuen: Den Komponisten des Films. Diesen möchte Disney noch einige Wochen geheim halten, aber der Produzent bezeichnet ihn als ganz große Nummer sowie als Debütanten im Disney-Meisterwerke-Kanon, der es hervorragend versteht, die multikulturelle Seite der Filmwelt einzufangen.

Doch auch ohne dieses abschließende Rätsel Spencers war es eine sehr gelungene Präsentation, die mich noch heißer auf den Film gemacht hat. Denn ich bin seit jeher ein Freund der sprechenden, vermenschlichten, witzigen Disney-Tiere. Wieder einen Film aus dieser Disney-Ecke zu erhalten, spricht mich eh an. Und selbst wenn ich unsicher bin, ob Zoomania ohne große Actionsequenzen oder alternativ Musicaleinlagen ein derartiger Hit wird wie Baymax und Die Eiskönigin, so ist es ein Film, auf den ich große Stücke halte. Es scheint primär eine Komödie zu werden, aber anders als die meisten Trickkomödien der Non-Disney-Studios eine, die charaktergesteuert ist und eine durchdachte, komplexe Welt vor unseren Augen ausbreitet. Lachen, mit dem gewissen Funken Disney-Magie. Also, ich freu mich drauf!

Zoomania startet am 3. März 2016 in den deutschen Kinos!

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