Freitag, 12. August 2016

Batman v Superman – Dawn of Justice


Batman und Superman: Zwei der bekanntesten Superhelden der Comicgeschichte. Wenn diese Beiden gegeneinander antreten, ist dem daraus resultierenden Duell große Aufmerksamkeit sicher. Im Comicbereich kommt es daher in unregelmäßigen Abständen zum Kampf der Giganten, mit Zack Snyders Batman v Superman: Dawn of Justice findet der Heldenzwist erstmals als Realfilm den Weg ins Kino. Doch nicht nur aufgrund des Eventcharakters der feindlichen Begegnung zwischen Batman und Superman lastet viel auf den Schultern dieses Films: Als zweiter Part im ‚DC Extended Universe‘ führt die Big-Budget-Produktion zahlreiche Figuren und mythologische Aspekte ein, die in weiteren Filmen noch eine Rolle spielen werden. Und zudem gilt es nach dem kontroversen Man of Steel, eine Kurskorrektur der Rezeptionsgeschichte des Kinofranchises vorzunehmen. Große Aufgaben, die da auf Batman v Superman: Dawn of Justice warten. Doch leider wird Snyders Epos diesen nicht gerecht.


Kein Plot, sondern eine Ansammlung an zusammengeklöppelten Filmkonzepten
Obwohl die Trailer bereits gefühlt 80 Prozent der Story enthüllt haben, bat Warner vor Kinostart die Kritikerzunft, in ihren Artikel nicht zu viel zu verraten. Davon abgesehen, dass dieser Widerspruch zwischen eigener Kommunikation und dem Wunsch dessen, was Medienjournalisten schreiben sollten, schon albern war, als Sony ihn vor den SPECTRE-Pressevorführungen äußerte: Sofern nicht irgendein Spoilerfreak in jeder seiner Kritiken zwanghaft die letzten 15 Minuten erläutert, wüsste ich nicht, was wir Kritiker im März groß über Batman v Superman: Dawn of Justice hätten spoilern können.

Denn das Drehbuch Chris Terrio und David S. Goyer besteht nicht etwa aus stringenten Geschichte oder aus mehreren aufeinander zulaufenden, einen eigenen Antrieb aufweisenden Subplots. Viel mehr besteht es aus einer Ansammlung von Handlungsansätzen, die einen eigenen Film tragen könnten, nun aber in rudimentärer Form halbherzig zusammengeklöppelt wurden: Der Unternehmer Bruce Wayne (Ben Affleck), muss hilflos mit ansehen, wie durch den in Man of Steel geschilderten Kampf zwischen zwei Aliens zahlreiche seiner Angestellten einen grausamen Tod sterben. Daher beschließt er, mehr über den in diesen Akt der Zerstörung involvierten Außerirdischen namens Superman (Henry Cavill) herauszufinden: Was sind seine Schwächen, und wie könnte er ihn im Gewand seines Superhelden-Ichs Batman töten, sollte es nötig sein?

Bruce Wayne ist nicht der einzige, der Superman kritisch beäugt: Zwar wird er gemeinhin als Retter der Menschheit erachtet, jedoch erzürnt diese Heldenverehrung jene, die bei Supermans erstem Einsatz schwer verletzt wurden oder einen geliebten Menschen verloren haben. Der US-Senat, insbesondere Senatorin Finch (Holly Hunter), denkt sogar laut darüber nach, ob er Supermans Einsätze nicht regulieren könnte. Der geniale Jungunternehmer Lex Luthor (Jesse Eisenberg) offenbart Finch alsbald, dass er ein Mineral gefunden hat, das gegen Superman und seine Artgenossen als Waffe eingesetzt werden könnte – von solch harten Maßnahmen will sie allerdings nichts wissen. Bruce Wayne alias Batman kommt unterdessen Luthors Entdeckung auf die Schliche, während Supermans Alter Ego Clark Kent seine Stellung als Journalist nutzt, um gegen Batman zu wettern: Ein Mann, der das Recht in seine eigene Hand nimmt? Das geht doch nicht!

Zwei Lichtblicke: Die Amazone und die Instrumentalmusik

Darüber hinaus umfasst Batman v Superman: Dawn of Justice den ersten Auftritt von Gal Gadot in der Rolle von Wonder Woman, einer weiteren populären Figur aus den Heften des DC-Comics-Verlags. Obwohl die Leinwandzeit der Kampfamazone knapp bemessen ist, zählt sie zu den raren Glanzmomenten dieses Films: Gadot verleiht Wonder Woman nicht etwa nur das in solchen Rollen wohl obligatorische gute Aussehen, die Fast & Furious 7-Mimin sticht vor allem durch kesse, vergnügte Gesichtsausdrücke aus dem betont ernsten, grau-schwarz-blauen Einheitsbrei dieses Films hervor. Hier ist sie, die eine Figur, die genießt, was sie tut! Begleitet von einer temporeichen, wilden Erkennungsmelodie mit energischen Kriegstrommeln, ist Wonder Woman in ihren wenigen Filmminuten eine dringend nötige frische Brise. Generell liefern die Komponisten Hans Zimmer und Junkie XL sehr gute Arbeit ab, selbst wenn abseits des Amazonenmotivs sämtliche Stücke sehr getragen daherkommen: Das Duo variiert clever Stücke aus dem Man of Steel-Score, findet ein exzentrisches, verspielt-psychotisches Thema für Eisenbergs launig dargebotenen Lex Luthor und die neuen Batman-Nummern reichen zwar nicht an die aus der The Dark Knight-Saga heran, trotzdem sind sie sehr effektiv.

Während die dick auftragenden, aber inspirierten Kompositionen überzeugen, lässt der Rest des Films die Kraft des Soundtracks vermissen: Die Geschichte wird unfassbar zäh erzählt, weder der Konflikt zwischen Batman und Superman, noch die inneren Konflikte der beiden Titelfiguren nehmen jemals so richtig Fahrt auf. Die Passagen, die nicht durch schwerfällige Dialoge oder eine behäbige Inszenierung weit über ihren Reizpunkt hinausgehen und somit dröge werden, lassen sich an einer Hand abzählen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Verantwortlichen die Vorarbeit für weitere DC-Filme mit dem Vorschlaghammer vornehmen. Wiederholt bremst Batman v Superman: Dawn of Justice völlig aus und legt die eigentliche Story bei Seite, um weitere Figuren zu etablieren, die im Moment jedoch noch keine Rolle spielen. Alternativ werden in ausgedehnten Traumsequenzen/Visionen potentielle, spätere Plotlines angedeutet. Vor allem Batmans Handlungsfaden wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen, der mit Rückblenden, Vorausblicken und Traumsequenzen immer wieder auf der Stelle tritt und so ziellos wirkt. Zwar ließe sich argumentieren, dass Bruce Waynes unruhige Gedanken seine Wut auf Superman verstärken, allerdings wird somit nur seine eh etablierte Motivation weiter ausgewalzt – dabei wäre bei diesem hochdramatischen Tonfall etwas mehr Tiefe eher angebracht.

Jede Menge verschenktes Potential

Dabei ist Ben Afflecks Version von Batman gar nicht so uninteressant: Der Oscar-Preisträger spielt den Rächer im Fledermauskostüm als jemanden, der seine Wut in sich hineinfrisst und in dem die Gefühle pausenlos brodeln, obschon er versucht, es sich nicht anmerken zu lassen. Statt laut polternd seinen Gegnern gegenüberzutreten, tritt er mit immensem Selbstbewusstsein, kühn und stoisch auf, was ihm eine äußerst einschüchternde Qualität gibt. Die Idee eines Solo-Batman-Films mit Affleck hat daher enormen Reiz, während Henry Cavills Superman in Batman v Superman: Dawn of Justice längst nicht mehr so interessant ist wie noch in Man of Steel: Zwar sind die Gedanken, die andere Figuren über Superman haben, von Belang, deren Komplexität werden die hölzernen Dialoge aber ebenso wenig gerecht, wie die Handlung selbst, die nach dem konfliktschürenden ersten Akt jegliche Ambiguität verliert. Der Kampf zwischen Batman und Superman fällt nicht etwa in die Kategorie „Beide Seiten haben irgendwie recht“, sondern in die keinerlei Spannung zulassende Sparte „Beide sind auf der falschen Fährte“. Verbunden mit Cavills steinerner Miene weist der Superman-Part dieses grimmen Superheldentreffens die Dynamik einer bleiernen Ente auf.

Durch die dramaturgisch schwach unterfütterten Motivationen und Lex Luthors teils haarsträubenden Pläne müssen die Actionpassagen allein auf ihrer visuellen Ebene punkten. Und während der im Marketing lang versprochene, im Film eher knapp gehaltene Kampf der Superhelden immerhin solide choreografiert ist, hat der große Finalkampf angesichts eines halbgaren CG-Endgegners einige unfreiwillig komisch aussehende Anblicke zu bieten. Der träge Epilog wiederum treibt Snyders eintönig-pathetische Bildsprache auf die Spitze, so dass der Anfang des Abspanns fast einer Erlösung gleich kommt: Keine lustlosen Szenenübergänge durch Schwarzblenden mehr. Keine Ultranahaufnahmen oder ungelenke Dialoge mehr. Keine bemühten Vorausdeutungen mehr. Sondern einfach nur ein satter Score!

Die Extended Edition ist trotz rund 30 Minuten zusätzlicher Laufzeit nicht fähig, die eklatantesten narrativen Makel auszubügeln. Die Psychologie der Figuren bleibt auf dem dahinbrütenden, grantig-oberflächlichen Niveau, den schon die Kinofassung bietet, die komplett neuen Szenen geben lediglich klarere Antworten auf zuvor wacklige Randnotizen des Plots. Was die Extended Edition jedoch vorführt, ist die Macht eines guten Schnitts und einer Hand und Fuß aufweisenden Dramaturgie innerhalb einzelner Sequenzen: In der Langfassung werden viele Szenen ausführlicher aufgebaut, während die Kinoversion nur den intensiveren Mittelpart zahlreicher Augenblicke überlässt. Somit ist die über 180 Minuten lange Version weniger konfus – und diese ruhigere Erzählweise lässt eine stärkere Immersion in Snyders wenig optimistische Filmwelt zu, wodurch sich die Langfassung nicht so quälend lahm anfühlt wie die Kinoversion.

Fazit: DC Comics baut mit Batman v Superman: Dawn of Justice sein Filmuniversum weiter aus – und stellt hoffentlich fest, dass ein anderer Architekt herbei muss. Eine schwerfällige Inszenierung und ein dröges Skript, das genauso überfrachtet ist wie es ihm an einer dem Tonfall entsprechenden Tiefe mangelt, machen dieses Superheldentreffen zu einer ungeheuerlich frustrierenden Angelegenheit.

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