Samstag, 23. August 2008

Warner Bros. hat das Patentrezept für Superheldenfilme

...oder meint das Studio zumindest.
Im Zuge des überwältigenden Erfolgs von The Dark Knight kündigte Warner Bros. an, verstärkt auf Adaptionen von DC-Comics zu setzen. Als Konsequenz des eher verhalten angenommenen Superman Returns möchte man die Reihe um den blauen Mann aus Stahl jedoch neustarten, ähnlich wie es Marvel mit dem Hulk tat.
Die neue Superman-Reihe soll, genau wie die anderen geplanten Comicadaptionen um Green Lantern, Flash, Green Arrow und Wonder Woman, in einem ähnlich düsteren Stil wie The Dark Knight gehalten werden, meldet Moviegod.de.

Ich kann verstehen, weshalb man bei Warner Bros. nun auf eine düstere Atmosphäre in den Comicadaptionen zielt, nachdem man ironischerweise vor rund einer Dekade Tim Burton aufgrund seines düsteren Stils rauswarf. Schließlich bewies The Dark Knight, wie erfolgreich eine ernsthafte und dunkle Comicverfilmung sein kann.

"Warum denn so ernst?" - Ja, warum eigentlich?

Allerdings sehe ich bei all dieser Düsternis schwarz für kommende DC-Comicadaptionen. Denn nur weil dieser Ansatz bei Batman funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass auch alle anderen Comichelden in ihrer dunkelsten Reinkarnation am besten funktionieren, oder dass die Fans anderer Comichelden genauso wie die Batman-Fans gerne eine düstere Verfilmung sehen wollen. Geschweige denn das restliche Kinopublikum.
Am meisten lässt mich jedoch dieser vorschreibende Ton des Studios an der Idee, sämtliche kommende DC-Verfilmungen düster zu halten, zweifeln. Es kann einfach nicht funktionieren, wenn ein Studio aktuelle Erfolge analysiert, meint eine Formel gefunden zu haben und diese hypothetische Erfolgsformel auf andere Filme anwendet. Diese kühle Berechnung wird über kurz oder lang nicht aufgehen, allein schon deshalb weil man den Filmschaffenden so Grenzen aufsetzt.

Nolans Batman-Filme funktionieren nicht allein deshalb, weil sie düster sind, sondern vor allem weil Christopher Nolan und alle anderen Beteiligten so viel Arbeit in diese komplexen Filme gesteckt haben. Eine solch ambitionierte Herangehensweise kann nur dann entstehen, wenn die Filmschaffenden ihre Vision auf Film bannen können - und Nolans Team hatte halt eine dunkle Vision Batmans.
Mit einem "Macht es düster"-Diktat wird man keine durchdachten Filme erzwingen können.

Generell erscheint mir Warners Reaktion sehr kurzfristig gedacht. Man bedenke - die erfolgreichsten Superheldenfilme, die nicht The Dark Knight heißen, sind Sam Raimis Spider-Man-Filme, die zwar nachdenklich sind und einige dramatische Szenen aufweisen können und sich mit Peter Parkers Persönlichkeit beschäftigen, aber als Gesamtwerk bei weitem nicht düster sind. Einzelne Sequenzen durchaus, aber nicht die Gesamtstimmung der Filme.

Vom anderen erfolgreichen Superheldenfilm dieses Jahres (Iron Man) ganz zu schweigen. Der funktionierte im Grunde genommen allein durch seine lockere Herangehensweise.

Ein Detail aus Warners Ankündigung möchte ich jedoch ohne jede Kritik erwähnen: Ein dritter Batman-Teil ist nun offiziell. Mehr Informationen wollte (oder konnte) man leider noch nicht geben.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Sir D.
Du hast ja sicher recht, das eine "Verdunkelung" der Comicverfilmungen sinnlos ist, aber die Comic und Filmproduzenten sind Herdentiere. Wenn der Weg mal eingeschlagen ist, muß man die Herde nach der Stampede erst wieder beruhigen. Auch bei den Comics war es in den USA lange Jahre auch so, das alle Figuren immer dunkler, aggressiver und härter wurden, wodurch dann der Ruf nach Serien, die auch von jüngeren Lesern gelesen werden durften immer lauter wurde.
Ich weiß ja nicht, ob du außer Phantomias auch US-Superhero-Comics liest, aber dieser ganze Prozess führte ja dazu, das zB bei Marvel quasi drei verschiedene Zeitebenen und dadurch auch verschiedene Versionen der Helden und Teams gibt (Marvel Age für Kiddies/das reguläre Marvel Universe/das Ultimate Universe).
Und je nach Altersfreigabe werden die Helden "zurechtgestutzt" oder hast du schon mal wirklich jemanden gesehen, den Wolverines Klauen zerfetzt haben?
Aber um wieder auf die "grim and gritty" Welle zu kommen: Superman ist für das Problem das Beste Beispiel: wenn da kein starker Autor hinter dem Charakter steckt, ist der wirklich nur der "Boyscout", der allzeit bereit ist, die Welt zu retten. Und Green Lantern ist ohne Selbstzweifel auch nur ein normaler Mensch, der eine Waffe hat, die Welten vernichten kann und der Flash jemand, der vor der Mikrowelle steht und sich langweilt, weil das Popcorn so lange braucht.
Wahrscheinlich könnten die meisten Superhero-Movies eine spassige Komponente brauchen (Robin wurde ja auch 1940 eingeführt um Batman etwas freundlicher und familientauglicher werden zu lassen), aber mir gehen manche Sprüche bei Spider-Man auch schon auf die Nerven, aber das ist Geschmachsache. Wenn Watchmen ein Erfolg wird (und davon gehe ich aus!) werden uns wohl noch einige dunklere Filme ins Haus stehen!
Aber zur Not leg ich die "Batman hält die Welt in Atem" - DVD ein und alles wird gut.

WildBillKelso

Sir Donnerbold hat gesagt…

Hallo WildBill,

erstmal vielen Dank für den ausführlichen Kommentar.

Die US-Superhelden reizen mich zwar durchaus, jedoch beschränkt sich meine Kenntnis bislang auf ein paar größere Eckpfeiler, wie etwa Millers erste zwei Batman Graphic Novels. Irgendwann sind Zeit und Geld nunmal am Ende angelangt, aber das Problem kennst sicherlich jeder.

Von der Ultimate-Reihe hatte ich mal gelesen (war wohl im Rahmen des Spider-Man 3 Starts), aber dass es eine "Marvel Age"-Reihe gibt war mir neu. Wie kinderfreundlich muss ich mir die vorstellen?

Das Problem mit Superhelden-Verfilmungen ist nunmal, dass man vielleicht parallel zueinander drei Reihen (mit anderer Stimmung) des selben Helden in die Comicläden bringen kann, aber wohl schwerlich drei verschiedene Filme parallel ins Kino. Da muss man sich schon fest für eine Richtung entscheiden (bis der Regisseurwechsel ansteht :-D ). Wenn jetzt ALLE eine Richtung wie Nolan einschlagen kann es kaum gutgehen. Wenn alle bunt werden aber genausowenig. Pre-Dark Knight sah ja alles recht positiv aus: Mit Iron Man gab es was ironisch-wildes, mit Nolans Batman was düsteres, ernstes und mit Raimis Spider-Man was in der Mitte.

Aber nun sehen alle in der dunkelsten Ecke den großen Dollar. Ich sehe schon den ersten großen Flop aus uns zukommen. Und im schlimmsten Fall bekommen wir danach 10 Filme im Joel Schumacher-Stil. Super.

Viele Grüße und danke für die Lesertreue,

Sir Donnerbold

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