Freitag, 23. Juli 2010

Knight and Day

Es ist faszinierend, auf Tom Cruises Karriere zurückzublicken. Mit drei Oscar-Nominierungen lässt sich Cruise sicherlich als ernstzunehmender Darsteller in dramatischen Stoffen bezeichnen. Mit Filmen wie Top Gun und der Mission: Impossible-Reihe bewies sich Cruise zugleich als Actionheld. Und zeitweise galt er als Charmebolzen, der sein Publikum um den Finger wickeln kann. Diese Magie verspielte Cruise mit seinem ins Scheinwerferlicht gezerrten Beziehungsleben und seinen missionarischen Aussagen über die Sekte Scientology. Weite Teile des Publikums kehrten ihm den Rücken und dennoch erreichten manche seiner Projekte Blockbuster-Status. Nicht Cruises Erfolg, sondern seine Beliebtheit lag angeschlagen am Boden. Das aber genügt in Hollywood das Vertrauen der Studios zu verlieren. Industrie-Insider berichteten, dass Paramount Pictures, das Studio hinter Mission: Impossible, zahlreiche Entscheidungen bezüglich eines vierten Teils der Reihe davon abhängig machen wollte, wie das Publikum auf Knight and Day reagiert. Von negativen bis mittelmäßigen Kritiken begleitet strömte das US-Publikum Knight and Day trotz eines verlängerten Startwochenendes zögerlich in die Kinos. Jetzt wird hinter den Kulissen von Paramount mit dem Schicksal Ethan Hunts gespielt. Und wenn man sich Knight and Day ansieht, dann kann man Paramounts Panik vor einem weiteren Cruise-Actionvehikel bestens nachvollziehen. Viel mehr noch, man kan mittlerweile fest davon ausgehen, dass Cruises Karriere nie wieder den alten Glanz erreichen wird.

Es zeichnet sich nämlich ab, dass Crusie nur noch als Witzfigur funktioniert. Sei es freiwillig (wie in Tropic Thunder) oder unfreiwillig, wie in diesem Film.

Denn Knight and Day ist ein herausragendes Beispiel dafür, weshalb ich keine Punktewertungen gebe und für einen schnellen Überblick lieber auf das Fazit im letzten Abschnitt meiner Kritiken verweise. Abhängig davon, welchen Maßstab man an seine Punktewertung legt, muss Knight and Day nämlich völlig unterschiedlich benotet werden. Gehe ich als ernster Filmkritiker an Knight and Day heran und beurteile, ob der Film gut oder schlecht ist, dann muss der eine üble Bewertung erhalten. Das hat nicht einmal mit der "Kunstvoller Film vs. Blockbuster"-Thematik zu tun. Denn auch als Unterhaltungsfilm versagt Knight and Day, betrachtet man ihn aus einem "nüchternen" Blickwinkel. Die Thrillermomente versagen, die Romantik ist unglaubwürdig, die Story platt sowie abgedroschen und in vielen Comedymomenten schwingt ungewollte Fremdscham mit. Wenn ich aber mit meiner Note ausdrücke, ob ich es bereue Zeit und Geld in Knight and Day gesteckt zu haben oder ob ich ihn mir jetzt sogar auf DVD holen will, dann hat er eine sehr gute Wertung verdient, denn bei all der Cruise-Fremdscham und der hypnotischen Wirkung der mangelnden inszenatorischen Kohärenz hat Knight and Day verboten viel Spaß gemacht.

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