Montag, 7. November 2011

Noch SEHR VIEL mehr Erfolge im Kino, deren unglaublich hohes Einspielergebnis mir unerklärlich bleibt

Im September kramte ich sie wieder hervor: Die EiKduhEmubs, Kinofilme, deren Erfolg mich so sehr verwundert, dass ich ihn mir nicht erklären kann. Es können Produktionen sein, vor denen ich mit Fragezeichen über'm Kopf stehe und mich frage, wie sie überhaupt jemand klasse finden kann. Aber auch Filme, bei denen ich niemals einen Blockbuster erwartet hätte, selbst wenn ich es ihnen gönne. Etwa Aristocats. Einer der unbekannteren Disney-Filme, häufig vom Studio selbst ignoriert, von mir allerdings überaus geliebt. In Deutschland ist Aristocats ein EiKduhEmubs, ist er doch erfolgreicher als Die Schöne und das Biest und Arielle, die Meerjungfrau ZUSAMMEN! Denkt mal darüber nach, wenn ihr euch das nächste Mal eine Luxus-Sammleredition von Arielle kauft...

Letztes Mal versprach ich euch einen Rücksturz in die Vergangenheit, und daran will ich mich auch halten. Also holt eure Digitaluhren raus, schmeißt das Neue-Deutsche-Welle-Mixtape in den Kassettenrekorder und klebt die Farbsticker wieder an euren Wunderwürfel. Hier sind sie, die überraschenden, unerwarteten, unglaublichen... schlicht unerklärlichen Kino-Megaerfolge der 80er!

Tootsie (US-Start: 1982 / dt. Start 1983)
US-Einnahmen: 177.200.000 Dollar
Kinobesucher in Deutschland: 4.513.953

Nun, vielleicht ist dies auch eine rein subjektive Sache, aber wenn ich an die großen Filme der 80er denke, komme ich selbst beim besten Willen nicht auf Tootsie. Und auch ein schneller Überblick auf nostalgische Diskussionen im Internet und von Erinnerungen verklärte Filmlisten besagt: Tootsie hat stattgefunden, aber das war's auch. In Wahrheit lief Tootsie nicht bloß einfach über die Leinwände, sondern ließ die Kassen ordentlich klingeln! Die Komödie mit Dustin Hoffman, deren Grundkonzept bald mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle als Rubbeldiekatz neu in die Kinos kommt,nahm in den USA mehr Geld ein, als so essentielle 80er-Granaten wie Star Trek II - Der Zorn des Khan, Poltergeist, Rain Man oder Top Gun. In Deutschland schlug Tootsie wiederum Beverly Hills Cop, Ghostbusters, Flashdance, Das Boot und die ursprüngliche Indiana Jones-Trilogie.
Während diese Filme allesamt Teil der Popkultur sind, kommen Erinnerungen an Tootsie nur dann wieder, wenn Kabel Eins den Film wieder aus dem Archiv kramt, oder ein Rückblick zu Ehren Dennis Hoffmans ihn wieder in Frauenklamotten packt. Denn Tootsie zeigt, wie Hoffman in der Rolle eines nervtötenden Schauspielers gezwungen ist, sich als Frau auszugeben, um neue Aufträge zu bekommen. Nun, vielleicht ist dies das Geheimnis des Films. Männer in Frauenklamotten waren groß in Mode im Kino der 80er... Und nein, ich will Tootsie keinesfalls mit den Gottschalk-Komödien auf einer Stufe stellen. Ich mein nur - für einen so großen Erfolg (auch bei den Kritikern) ist Tootsie recht stark in Vergessenheit geraten. Oder?

Porky's (Start: 1982)
US-Einnahmen: 105.492.483 Dollar
Kinobesucher in Deutschland: 1.829.663

Eigentlich haben wir hier den selben Fall vorliegen, wie bei Tootsie. Nur dass ich Tootsie immerhin kannte, und bei ihm auch die Wild Card der von allen Seiten zugesprochenen Qualität anhängt, wenn es um die Frage geht "Ja, wie zum Teufel hat der denn so viel eingenommen?" Porky's wiederum sagte mir  bis vor kurzem überhaupt nichts, und dennoch steht diese pubertäre Filmklamotte in Deutschland unter anderem über American Werewolf, Die verrückte Geschichte der Welt und Mad Max II und in den USA über Klassiker wie Miss Daisy und ihr Chauffeur, Der Club der toten Dichter, Flashdance, Poltergeist, 48 Stunden und Rambo! Und das völlig ohne Star-Aufgebot oder charmante Ideen, die das Subgenre der High-School-Komödie bereicherten.

Kentucky Fried Movie (dt. Start: 1980)
Kinobesucher in Deutschland: 1.186.576

Dass der spottbillig produzierte Karrierestart des Comedy-Trios Zucker-Abrahams-Zucker in den USA mit 15 Millionen Dollar ein Achtungserfolg war, der sich Kultstatus erarbeitete, kann ich nachvollziehen. Die parodistische Sketchreihe unter der Regie von John Landis pariodiert sich munter durch die Medienwelt. Dass aber der im Rest der Welt eher gefloppte Streifen ausgerechnet in Deutschland über 1,1 Million Besucher anlockte und so den ersten Star Trek-Film, Watership Down und sogar den Muppet Movie (nur 898.000 Besucher) schlug, erstaunt mich außerordentlich. Zunächst einmal funktioniert der Film in der Synchro nahezu gar nicht - wie haben sich dann so viele Kinobesucher gefunden? Und dann nimmt er sich mancher Phänomene an, die in Deutschland nur dem Entertainment-Liebhaber was sagen dürfte. Ich komme wirklich nicht dahinter, wie Kentucky Fried Movie so viele Besucher anlocken konnte - während die bereits aus dem Fernsehen bekannten Muppets floppten.

Kentucky Fried Movie inspirierte sogar einen Sketchfilm namens German Fried Movie. Von Uwe Boll. Jaja, Ehre, wem Ehre gebührt.

Das schwarze Loch (dt. Start: 1980)
Kinobesucher in Deutschland: 2.126.800

Nach dem Tode Walt Disneys hangelte sich der Disney-Konzern lange an dem entlang, was die Führungsetage für die Weiterführung der Vision des verstorbenen Gründervaters hielt. Im Laufe der Siebziger wurde aus der mutlosen, aber stabilen Fortführung der Studiolinie ein verstaubtes Tief der Kreativlosigkeit. Diesem versuchte man dann entgegenzusteuern, indem man sich dem jugendlichen Publikum öffnete. Der erste Schritt war die Produktion von Das schwarze Loch - Disneys erstem Film, der keine uneingeschränkte Altersempfehlung enthielt und wie eine recht pessimistische Nacherzählung von 20.000 Meilen unter dem Meer anmutete. Bloß mit etwas Space-Opera-Schmalz.
Kurzum: Die Kritiken waren nicht sonderlich vom Film angetan und in den USA galt er als irgendetwas zwischen schwachem Erfolg und Flop. In Deutschland, seit jeher kein sonderlich Sci-Fi-freundliches Land (es sei denn, Wil Smith ärgert sich mit Aliens rum oder es ist Star Wars ... wenn man das wiederum überhaupt als Sci-Fi sieht ...) wiederum verpasste Das schwarze Loch nur knapp den Einzug in die Jahres-Top-Ten! Über 2 Millionen Besucher sind ein stolzes Stück, von dem wesentlich größere und wohl auch massentauglichere Disney-Megaproduktionen wie Tron: Legacy nur träumen können. Der gerne als Schandfleck in der Disney-Geschichte belächelte Spielfilm schlug 1980 solch populäre und angesehene Klassiker wie Blues Brothers und Shinig (je 2 Mio.), Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1,9 Mio.) oder Das Leben des Brian (1,3 Mio.)! Das schwarze Loch ist weder ein riesiger Familienmagnet, noch profitiert der Film von jedweden kulturellen Unterschieden, dass deutsche Kinogänger ihn womöglich besser verstünden als amerikanische. Die einzige Erklärung, an der ich mich klammern kann, ist dass deutsche Kinogänger von Maximillain Schell, der das Pendant zu Käpt'n Nemo spielt, wohl magisch angezogen wurden. Wie sonst wurde der Film, der eigentlich erst durch nostalgische Rückblicke für einige Disney-Fans zu einem akezptablen Teil der Konzern-Filmographie aufstieg, hierzulande auf Anhieb zum Kassenschlager?
Nicht, dass ich Das schwarze Loch seinen unerklärlichen Erfolg missgönne... Aber das ist eine andere Geschichte!

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2 Kommentare:

John hat gesagt…

Aha, 4 Filme von denen ich noch nie was gehört habe. Die 80er war eher die Zeit der Action-Filme.

Herbert de Vaucanson hat gesagt…

Oh, was habe ich das schwarze Loch geliebt: Das Buch von Alan Dean Foster verschlungen, den Comic gesammelt, meine armen Eltern ins Kino gequatscht. Heute gönne ich mir noch gerne das eine oder andere Highlight des Films im Heimkino ... und spule schnell am öden Intro, den albernen Kampfrobotern und den beiden Zombies vorbei, die Kapitän und Steuermann der Palomino spielen. (Schell ist Cool: "Was ist der Grund? Und was ist der Grund für diesen Grund?" ... ;-)

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