Mittwoch, 21. Dezember 2011

M:i:III

"Können wir uns nicht endlich auf eine Schreibweise einigen?"

Mit nichtmal 400 Millionen Dollar Einspielergebnis ist Mission: Impossible III der kommerziell erfolgärmste Teil von Tom Cruises Agentenreihe. Der Film kam nur ein Jahr nach Cruises Sofa-Hüpferei bei Oprah in die Kinos, was zusammen mit Cruises öffentlich immer heißer diskutierten Mitgliedschaft bei Scientology sicherlich ein Scherflein zu den sinkenden Kinoeinnahmen beigetragen hat. Gut möglich, dass die Qualität von Teil 2 ebenfalls einige potentielle Kinogänger verscheuchte.

Geschadet hat der Film bekanntlich dennoch niemandem: Mission: Impossible erhielt einen vierten Teil und Regisseur J. J. Abrams gelang erfolgreich der Sprung vom Fernsehen ins Kino. Genauso gut hätte Abrams ja auch für immer und ewig zu Alias und Lost zurückkehren können. Aber mit Star Trek und Super 8 hat er sich einen Namen in den Cineplexen dieser Welt gemacht.

Andere Studios hätten bei weltweiten Einnahmen von 397 Millionen Dollar für den dritten Teil eines erfolgreichen Franchises garantiert rumgezetert, doch Paramount hielt an Abrams fest und brachte nicht nur seine Regiearbeiten, sondern auch die von ihm produzierten Cloverfield und Morning Glory ins Kino. Obendrein sicherte man sich Abrams als Produzenten für Mission: Impossible IV. Und das völlig zu recht: Zwar macht Mission: Impossible storymäßig manchmal den Eindruck, als wolle Abrams innerhalb von zwei Stunden den Storybogen einer verworfenen Alias-Staffel durchhetzen, allerdings ist das nach dem inhaltsarmen zweiten Teil nur erfreulich. Es ist die konsequente Weiterführung des Ansatzes aus Teil 1, der ja wie eine epochale Doppelfolge wirkte. Nun halt eine ganze Staffel einer Agentenserie im Kinoformat - wieso nicht?

Seit den Ereignissen aus Teil 2 ist Ethan Hunt glücklich verlobt. Nicht mit der uns bereits bekannten, hilflos in die Kamera glubschenden Dame, wohlgemerkt. Sondern mit der Krankenschwester Julia (Michelle Monaghan), die nicht von seinem Agentenleben weiß. Hunt zog sich zu Gunsten des Familienlebens aus dem aktiven Dienst zurück, ist aber für das IMF weiter als Ausbilder tätig. Während ihrer Verlobungsfeier erhält Hunt die Nachricht, dass seine Schülerin Lindsey (Keri Russell) während eines Einsatzes gefangen genommen wurde. Üblicherweise würde das IMF jegliche Verbindung leugnen und sie ihrem Schicksal überlassen, jedoch erhofft man sich, durch sie an einen mächtigen Gangsterboss heranzukommen. Also wird Hunt darum gebeten, Lindsey zu befreien. Mit diesem Einsatz ist Hunts Rückkehr in den aktiven Dienst noch nicht beendet: Kurz darauf steigt er mit seinem Team in den Vatikan ein, um den Kriminellen Owen Davian (Philip Seymour Hoffman) aufzuhalten ...

Abrams Erfahrungen mit Alias sind kaum zu übersehen. Erstmals fühlt sich Tom Cruises Strahleagent wie eine menschliche Figur an, für die etwas wertvolles auf dem Spiel steht und die verletzt werden kann. Bei dieser Vermenschlichung bedient sich Abrams sehr deutlich bei seiner Agentenserie, die gesamte Verlobungsparty hat ein gewaltiges Alias-Feeling, von der Inszenierung über das Setdesign bis hin zum kurzen Auftritt von Abrams Glücksbringer Greg Grunberg. Auch die Struktur des Films bedient sich unmissverständlich bei Alias (im Gegenzug läuft das Staffelfinale von Season 3 bei Alias wie ein zeitlich verdichteter Mission: Impossible-Film ab), was dem Unterfangen nicht gerade einen Originalitätspreis einbringt. Doch es ist äußerst effektiv und sorgt für eine großere emotionale Fallhöhe.

Mission: Impossible III läuft technisch auf einem schmalen Grat: Einerseits erklärt es technische Spinnereien aus dem Vorgänger und ist eher in der Realität verwurzelt, andererseits gibt es mehrere von Abrams typischen, leicht abgedrehten Alias-Gagdgets und -Waffen. Das muss man als Zuschauer einfach hinnehmen.
Der Film lässt sich auch als Geburtsort des typischen Abrams-Looks beschreiben: Dreckige, verwaschene Farben, die trotzdem etwas edles an sich haben und natürlich Lensflares (wenngleich weniger intensiv, als es später bei Star Trek sein sollte). Die Action ist rasant und hat Pepp sowie einen wuchtigen Effekt, ohne völlig zu überwältigen oder so ikonische Bilder wie in 1 und 2 zu generieren. Ja, die Ethan Hunt zur Seite pressende Explosion ist einprägsam, aber die Vorgängerfilme hatten noch denkwürdigere Einzelmomente. Das ist allerdings leicht zu verkraften, ist Mission: Impossible III doch der erste Teil der Reihe, der eine zusammenhängende Geschichte erzählt, statt sich von Actionpassage zu Actionpassage zu hangeln. Dadurch ist der Spannungsbogen gesamtübergreifender. Und auch die Darsteller versprühen mehr Spaß, insbesondere Ving Rhames, neben Cruise das einzige zusammenhängende Element in allen Filmen der Reihe.

Auch Michael Giacchinos dynamischer Score sagt mir mehr zu, als Hans Zimmers brummend-gewaltiger Sound von Teil 2. Zum Ende hin überschlagen sich die Storytwists etwas zu sehr, insgesamt dennoch ein klar ausgereifter Agentenactioner in gelungenem Look und gut eingearbeiteten Actioneinlagen. Deutlich besser als seine Vorläufer - und eine gute Hinleitung zum vierten Teil.

Siehe auch:

4 Kommentare:

CodeNaga hat gesagt…

Ohne MIIII (oder wie war die Abkürzung für den dritten Teil noch?) zu kennen: Sollte man ihn sehen? (bevor man Teil 4 sieht?)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ich halte es nicht für zwingend nötig. Inhaltlich hängen sie nicht zusammen, es gibt allerdings (anders als in den Teilen zuvor) ein paar kurze Sätze, die erklären, dass zwischen III und IV sich einige Dinge geändert haben. Wenn man III kennt, denkt man da natürlich "Aha, gut, dass das mal gesagt wird", ohne III zu kennen haben die natürlich kaum eine Funktion. Aber das sind wirklich nur sehr kurze Momente.

Sag bloß, du willst dir Teil IV allein wegen Brad Bird anschauen? ;-)

CodeNaga hat gesagt…

quark, wegen simon pegg und jeremy renner! ;-)

Ich hab deine Review nun nicht gelesen, weil ich mich nicht spoilen wollte: ist denn MIIII insgesamt ein sehenswerter Film? Ich mag Abrams' Werke im Grunde. Und den zweiten Teil hab ich - ähnlich wie du - für nicht wiedersehenswert schlecht befunden.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Wenn du Abrams generell magst, dann würde ich klar sagen, dass sich M:i:III für dich lohnt. Hat ein paar Parallelen zu "Alias".

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