Donnerstag, 12. Januar 2012

Morning Glory


Eine von Alias-Schöpfer J.J. Abrams produzierte Komödie? Was kann das nur geben? Erfährt die weibliche Hauptfigur nach halber Laufzeit, dass ihr Vater ein Geheimagent ist und sich ihre Mutter in schwarzen Rauch verwandeln kann? Und entdeckt unsere Protagonistin in den letzten zehn Filmminuten eine Zeitmaschine, mit der sie nicht nur den halben Film ungeschehen macht, sondern auch die Mondlandung, den Fall der Mauer und die Produktion von Cinderella III?

Nein, nein, nein. Morning Glory riecht nicht nach dem Stoff, aus dem der übliche Abrams-Stoff ist. Einzige Ausnahme bilden die Vorspann-Credits, welche die Namen der zentralen Darsteller und Crew-Mitglieder in Form von Lensflares auftauchen lassen. Und das ist bei diesem Titel und dem Thema durchaus gerechtfertigt. Denn Morning Glory ist eine sonnige Komödie über eine Frühstücksfernsehen-Produzentin.

Becky Fuller (Rachel McAdams) ist eine junge, aufgeweckte Lokalfernsehproduzentin, die trotz unbändiger Arbeitswut von ihren Kollegen bei einem Morgenmagazin in New Jersey geliebt wird. Umso schwerer fällt es ihrem Chef, sie aufgrund finanzieller Probleme des Senders vor die Tür zu setzen. Händeringend sucht Becky nach einer neuen Stelle und bekommt nach zahlreichen Absagen eine Chance bei Daybreak, dem quotentechnisch letztplatzierten US-weit übertragenen Frühstücksfernsehmagazin. Wie es senderintern beschrieben wird: "Es hat nur 2 Sorten von Zuschauern: Die, die ihre Fernbedienung nicht mehr finden, und die, die darauf warten, dass der Pfleger kommt und sie umdreht."

Mangels Alternativen nimmt Becky das Stellenangebot an, woraufhin sie mit dem unengagierten, exzentrischen und unkooperativen Team der Sendung konfrontiert wird. Zu allem Überfluss muss Becky als eine ihrer ersten Arbeitshandlungen nach einem neuen Co-Moderator für die eitle Ex-Schönheitskönigin Colleen Peck (Diane Keaton) Ausschau halten. Da sämtliche andere Alternativen unzumutbar sind, greift sie auf den grimmigen Starjournalisten Mike Pomeroy (Harrison Ford) zurück. Dieser hält sich für zu schade, um im Frühstücksfernsehen zu versauern, und macht der um ihren Job und akzeptable Quoten ringende Becky das Leben schwer ...

Irgendwo zwischen lebensbejahendem "Slice of Life"-Film und liebenswertem Seitenhieb auf die Medienwelt ist Morning Glory eine dieser immer rarer werdenden, erfrischen leichtfüßigen Komödien, die einem einfach ein Strahlen aufs Gesicht zaubern. Ohne auf Niveaulosigkeiten zurückzugreifen oder den Intellekt des Publikums zu unterschätzen schafft Regisseur Roger Michell (Notting Hill) einen amüsanten, gutherzigen Film, der gewiss ein weibliches Publikum ins Visier nahm, aber dank seines geschlechterübergreifenden Charmes ganz universell vergnügt. Dank der Natürlichkeit des Ensembles und einer vor jeglicher Überdramatisierung zurückschreckender Erzählweise empfinde ich Morning Glory bei all seinem "Feel Good"-Faktor auch niemals als zu zuckrig oder kitschig, selbst wenn er bei weitem kein Film für Tage ist, an denen man seinen inneren Zyniker ausleben möchte.

Am meisten wird Morning Glory von Rachel McAdams (Midnight in Paris) geschultert, die als richtiges Energiebündel auftritt. Ungeheuerlich engagiert spielt sie die liebenswerte Quasselstrippe Becky, die fest an ihren Traum, als landesweit agierende Fernsehproduzentin arbeiten zu können glaubt, und sich mit einem Lächeln in der Arbeit festbeißt. McAdams legt genügend leise Zwischentöne in ihr Spiel, so dass Becky sehr gut als Identifikationsfigur fungieren kann, statt bloß eine x-beliebige Protagonistin aus einer Hollywoodkomödchen zu bleiben.

Wem das nicht genügt, findet in Harrison Ford einen weiteren guten Grund, Morning Glory eine Chance zu geben: Ford macht als grumpeliger, alter Mann eine richtig gute Figur, da er sich klar als Antagonist Beckys sonnigem Naturell positioniert, ohne ins widerliche abzugleiten. Er hat was von Statler & Waldorf, wären sie renommierte Nachrichtensprecher, die im für sie falsche Sendeformat festgehalten werden.

Sehr viel Charme des Films wird auch dadurch gewonnen, wie leichtgängig und zugleich clever er sich dem medialen Wettstreit zwischen unterhaltsamem Fluff und ernstzunehmenden Nachrichten nähert. Beckys Frischzellenkur für Daybreak führt nach einiger Zeit äußerst engagiert in eine Richtung, die auf inszenierte, telegene Momente setzt, darauf, den Fernsehzuschauern einen schwungvollen Start in den Tag zu bieten. "Nachrichten" lassen sich Beckys spätere Ideen kaum noch nennen, jedoch zeigt sie eine so ehrliche Motivation, eine so ansteckende, kindliche Freude an ihrem Programm, dass man sich nicht gegen sie stellen mag. Nimmt oberflächliches und inszeniertes Fernsehen mit Reality-Formaten wie Mitten im Leben in der Realität doch eine giftig-kalkulierte Natur an, die nichts von Beckys lebensfrohem Morgenmagazin hat.
Jedoch ist es Pomeroys journalistische Integrität, die unseren Respekt erhält, der wir einen Erfolg wünschen, weil es seine enthüllenden und informativen Berichte sind, die wirkliche Bedeutung haben. Dadurch, dass der zuvor nur als grimmiger Altherr gezeichnete Figur solch lobenswerte Absichten hat, lernen wir sie neu und besser kennen, nämlich als einen ideellen Gegenpart zu Becky.

Ob Morning Glory schlussendlich einfach nur eine glücklich machende Komödie ist, die nebenher gar nicht mal so dumm das Fernsehgeschehen kommentiert und andeutet, wie man Quote und Anspruch, Menschlichkeit und Informativität unter einen Hut bringen könnte, oder ob der Film sogar als amüsante Hommage an Journalismusformen zu verstehen ist, die ihren Rezipienten ein Wohlgefühl schenken können, ohne jeglichen Gehalt missen zu lassen ... Darüber vermag ich nicht mit Klarheit zu urteilen.

Sicher bin ich mir aber darin: Morning Glory setzt nicht auf Kalauer oder Schenkelklopfer, sondern den ein wenig ruhigeren, herzlichen Witz. Mit einer herrlich unkomplizierten, zuckersüßen Lovestory, einer großartigen, aufgeweckten Rachel McAdams und einem effektiven, unaufdringlichen sowie sehr schönen Finale lässt sich diese Produktion von J. J. Abrams jedem empfehlen, der nach einer aufmunternden, kleinen Hollywoodkomödie sucht.

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1 Kommentare:

Cooper hat gesagt…

Hach wie schön. Nac lobenden Worten zu meinem laaaaaaangen Kommi in der Entengold-Reihe im Schatten der Maus erwartete mich heute nun ein Film den ich seit dem Trailer bereits fest vorgemerkt habe.
Mit einem Zitat des Autors Sir D. mag ich meine Erwartung durch den Trailer in Worte fassen:
"Harrison) Ford macht als grumpeliger, alter Mann eine richtig gute Figur,..."
--> Das möchte ich doch stark hoffen! Immerhin hat mich neben einer wieder einmal bezaubernden Amy Adams v.a. die Figur, die unser älter & stiller werdender Mr. "Indy" Ford darstellt, angetan!!!

Ich freu mich jetzt schon darauf die DVD in Händen zu halten!

LG Coop *wink*

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