Montag, 9. Januar 2012

Transporter


Jason Statham fand zwar durch Guy Ritchie vom Sport und Modeln zum Film, aber den Sprung von Gangsterfilm-Nebenrollen zum Actionstar machte der Brite 2002 mit The Transporter. Dieser Film sollte es auch sein, der Statham in die Schublade seiner zukünftigen Paraderollen steckte: Der prügelnde, schießende und rasant Auto fahrende Brummbär. Die Idee zum Film stammt wiederum von Luc Besson, dem französischen Überregisseur der im Actionfilm bereits mit Nikita und Léon - Der Profi sehr erfolgreich seine Spuren hinterließ und sich an The Transporter als Autor und Produzent beteiligte.

Der ehemalige Elitesoldat Frank Martin führt ein exklusives Dasein an der französischen Küste. Über Wasser hält er sich, indem er zwielichtigen Gestalten einen besonderen Transportdienst anbietet. Ob heiße Ware oder die Beute aus dem frisch getätigten Banküberfall: Frank stellt keine Fragen und liefert todsicher. Bei ihm gibt's nur drei Regeln zu beachten: Deal ist Deal. Was abgemacht wurde, darf also nicht geändert werden. Namen sind bei ihm rauszuhalten. Und niemals, niemals wird das Paket geöffnet.
Es kommt natürlich, wie es kommen muss: Bei einem Einsatz öffnet Frank das Paket und bemerkt so, dass er eine gefesselte und geknebelte Frau transportieren sollte. Dennoch liefert Frank wie vereinbart. Direkt darauf erhält er von der selben unberechenbaren Person, die ihm die Geisel in den Kofferraum packte, einen neuen Auftrag. Dieser ist eine Falle mit explosiven Folgen, denen Frank nur knapp entkommen kann. Das schreit nach Rache, und wenn er schon dabei ist, kann Frank sich ja nun auch um die Geisel kümmern ...

Es klingt für manche Leser wohl etwas widersprüchlich, dass ich mit Sylvester Stallones und Arnold Schwarzeneggers reiner Ballerware (wie Phantom Kommando) nichts anfangen kann, Jason Statham hingegen richtig klasse finde. Nun, sie alle stehen für anspruchsarme Action und Storys, deren Logiklöcher ganze Kleinstaaten verschlingen können. Das ist wohl wahr. Aber für mich weisen die guten Statham-Filme, wie nunmal Transporter, eine leicht andere Mentalität auf. Eine, durch die mich bloße, dumme Action ohne Charaktertiefe fesselt, statt ermüdet. Obwohl Statham sehr durchtrainiert ist (was er auch in nahezu jedem Film durch eine Oben-ohne-Szene vorführt), spielt er keinen unschlagbaren Supermann, sondern einen anfangs unterschätzbaren Irgendjemand, der im Kampf auch mal improvisieren muss. In der Transporter-Reihe haben wir diese durch ihre beeindruckende Variabilität bestechenden Kampfchoreographien dem Hongkong-Regisseur Corey Yuen zu verdanken, der beim ersten Teil der Filmreihe auch gemeinsam mit Louis Leterrier als Regisseur genannt wird. Yuen und Leterrier verleihen Transporter eine Stimmung irgendwo zwischen frankophilem Martial-Arts-Streifen und handlungstechnisch simplifiziertem Stirb langsam. Eine wie ich finde bestechende Mischung, hat man so doch die bodenständige Coolness des unschlagbaren, und dennoch leidendem John McClane, als auch die Körperlichkeit der östlichen Kampffilme. Bloß mit französischem Gusto, einem Sinn für Stil. Man merkt Transporter einfach an, dass Luc Besson am Skript beteiligt war. Der Film trägt seine kultiviert-coole Handschrift, ist bloß viel stärker auf das Popcorn-Element ausgelegt, als Bessons eigene Regiearbeiten.

Transporter könnte auch als einer der Filme gelten, die den "kleinen" Actionfilm aufrecht erhielten. Während Hollywood zu Beginn des letzten Jahrzehnts nur noch gigantische Materialschlachten abfeuerte, geht es in diesen Filmen nicht um die schiere Menge an Zerstörung, sondern darum, wie ausgeklügelt die Autostunts sind. Auf manche der Szenen waren die Macher allerdings wohl etwas zu stolz. Etwa der Kampf, in dem sich Jason Statham letztlich mit Motoröl einreibt: Die Idee ist clever und hat auch eine leichte Ironie an sich, was das Vergnügen steigert, aber die Szene läuft und läuft und läuft, so dass die äußerst dürre Handlung völlig zu einem Stopp kommt. Auch die Turtelei zwischen Stathams Figur und ihrem menschlichen Paket ist zu klischeehaft, als dass sie mein Interesse aufrecht halten könnte.

Trotzdem ist Transporter ein wirklich sehr cooler, schneller, knackiger Actionfilm, der weder durch seine Gewalt, noch seinen Bombast definiert wird, sondern seine distinktive, nicht zu dick aufgetragene Inszenierung, einer Prise französischem Humor sowie den toll choreographierten Kämpfen.

1 Kommentare:

Klotz hat gesagt…

Du disst Phantom Kommando? Du hast hiermit einen Leser weniger. ;) :D

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