Montag, 13. Februar 2012

Moon


Ich habe mich zugegebenermaßen lange davor gedrückt, aber ich habe endlich Duncan Jones' Spielfilm-Regiedebüt Moon gesehen. Jones gilt unter vielen Filmliebhabern als eine der größten Nachwuchshoffnungen, allerdings fand ich seine zweite Regiearbeit Source Code recht überschätzt, weshalb ich mit etwas Abstand von meinem Kinobesuch langsam die Befürchtung hatte, dass Jones einer dieser ungerechtfertigt umjubelten Scharlantane ist, die nur halbwegs gut klauen, aber ihre Versatzstücke schlecht zusammensetzen können.

Ich kann erleichtert verkünden, dass ich mich geirrt habe. Moon hält mehr, als mir von Source Code versprochen wurde. Insofern bin ich sogar froh, dass ich den actionreicheren Sci-Fi-Thriller mit Jake Gyllenhaal vor dem ruhigeren Sci-Fi-Thrillerdrama mit Sam Rockwell sah, denn ansonsten hätte mich Source Code höchst wahrscheinlich noch deutlich mehr enttäuscht. So hingegen konnte mich Moon überaus freudig überraschen.

Diejenigen, die den Film nicht kennen, werden sich aber zunächst etwas anderes fragen: "Wovon handelt Moon denn eigentlich?" Angesiedelt ist Moon in einer nicht zu fernen Zukunft, in der ein Unternehmen eine saubere Energiequelle erschlossen hat: Mondgestein. Es deckt nunmehr für 70 Prozent des irdischen Energieverbrauchs, und die Schürfung des wertvollen Minerals wird von Sam Bell (Sam Rockwell) überwacht, der für drei Jahre in einer kleinen Station auf der Rückseite des Mondes seinen Dienst macht. "Gesellschaft", wenn man das so nennen mag, leistet ihm dabei nur der wortkarge Computer/Roboter GERTY (Stimme: Kevin Spacey). Die Handlung von Moon setzt gegen Ende von Sams Dienst auf dem Mond ein, als er bereits vollkommen überarbeitet ist und sich nur noch danach sehnt, zu seiner jungen Familie zurückzukehren. Schlafstörungen und Halluzinationen machen die letzten Tage auf dem Mond zur gefährlichen Tortur ...

Durch eine klaustrophobisch-klinische Szenerie, einer minimalistischen, todtraurig-hypnotischen Musikuntermalung vom Requiem for a Dream-Komponisten Clint Mansell und die Einsamkeit in stimmigen Bildern einfangende Kameraarbeit erzeugt Duncan Jones in Moon eine sehr dichte Atmosphäre der Isolation. Es ist ein leichtes, Sam Bells schleichende Verrüttung nachzuvollziehen und man fühlt sich auch ohne hyperdirekte Referenzen an das "Hard Sci-Fi"-Kino der späten 70er und frühen 80er erinnert. Allerdings täuscht Duncan Jones lediglich an, eine Referenzensammlung an 2001, Lautlos im Weltraum und ähnliche Genregrößen abzufeuern. Nach dem ersten Akt entwickelt er diesen bewussten Rücksturz an frühere Genretage zu einem eigenständigen, irgendwo zwischen philosophischem Drama und psychologischem Thriller hängenden Sci-Fi-Kammerstück. Dieses ahmt die genannten Klassiker nicht nach, sondern hätte genauso gut zu ihrer Zeit entstehen und sich mit ihnen Schulter an Schulter stellen können.

Der Schwerpunkt von Moon liegt konsequenterweise nicht auf seiner beklemmenden Atmosphäre, denn statt eines Paranoia-Thrillers erwartet den Zuschauer ein von Sam Rockwell furios und facettenreich gespielter Sci-Fi-Film, der trotz (oder viel mehr gerade wegen) seiner Menschenleere überaus menschlich ist. Er wirft einige philosophische Fragen auf, behandelt sie jedoch weitaus weniger intensiv und abstrakt, als es etwa bei Kubricks 2001 der Fall war. Moon behandelt seine Thematik eher im Vorbeigang (ohne sie zur Nebensache zu deklassieren), und stützt sich auf seiner ehrlichen, plausiblen und nahegehenden emotionalen Komponente. Was aufgrund des Schauplatzes, der inszenatorischen Umsetzung und des grundlegenden Konzepts wahrlich genial ist. Science-Fiction tendiert oftmals entweder zum reinen Schauwert oder dazu, seine Ideen gefühlsmäßig sehr unterkühlt auszuspielen, weshalb ich diese so menschliche Umsetzung nur begrüßen kann. Allerdings muss ich, auf die Gefahr hin, leicht widersprüchlich zu klingen, dass mir ein paranoiderer Einstieg in den Film gefallen hätte. Ein Sci-Fi-Horror-Prolog hätte meines Erachtens die bald darauf auftauchende, emotionale Note von Moon noch stärker unterstrichen, sie noch nachhaltiger gestaltet.

Wenn ich noch etwas an Moon ankritteln müsste, wäre es eine sehr kurze Entgleisung des generellen Tonfalls. Dass der frühe Plottwist, den ihr euch entweder im Laufe des Films selber ansehen oder woanders spoilern müsst, erst nur hingenommen wird, ist zwar erzählerisch befremdlich, jedoch plausibel. Die dann kurz einsetzende, skurrile Komik erscheint mir in diesem Film jedoch als unangebracht. Sobald diese allerdings überwunden ist, erzählt Duncan Jones mit sicherer Hand, spielt Sam Rockwell begnadet und die Geschichte entwickelt sich spannend, konsequent und berührend ihrem schwer vermeidlichen Ende entgegen.

Wäre doch nur Source Code ebenso konsequent und würde seine eigene "atmosphärische Emotionalität" (wie ich es einfach Mal nennen mag) nicht gen Ende so dreist verraten ... Naja, vielleicht führt David Bowies Sohn seinen mit Moon eingeschlagegen Kurs im bereits angekündigten Mute fort. Ich würd's mir wünschen.

Siehe auch:

10 Kommentare:

Antje hat gesagt…

Ich LIEBE Moon! Damals hat mich der Film, bzw. das Schauspiel von Sam Rockwell zu Tränen gerührt und den "Gerty" hätte ich am liebsten mit Nachhause genommen. Nun warte ich also immer noch vergeblich auf einen "Gerty" für den Hausgebrauch (natürlich nur mit der Synchronstimme vom Kevin Spacey!). :-)

Anonym hat gesagt…

So'n "Gerty" will Ich aber auch! Moon ist meiner Meinung nach ein sehr guter Sci-Fi-Film, der besonders durch seine Atmosphäre besticht; hervorzuheben ist dabei der großartige Soundtrack von Clint Mansell.
Rockwell (der übrigens im Artikel zweimal zu Worthington wird...) spielt wunderbar, schade, dass seine Leistung nicht mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt wurde.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Korrektur: Er WURDE zu Worthington. Ist nun korrigiert. :-p

Danke für den Hinweis - Worthington steht solch ungerechtfertigtes Lob noch langen icht zu. *g*

Antje hat gesagt…

Dank dieses Berichts bin ich nun auch noch 1,29€ im iTunes-Store losgeworden, um "To the Moon" von Bruno Mars zu downloaden. Ich mag es nicht, aber Dank der Kritik geht's mir nicht mehr aus dem Kopf. Vielen Dank auch!! -.-

Sir Donnerbold hat gesagt…

Wenn du wenigstens Clint Mansells Musik gedownloadet hättest, könnte ich vielleicht auch etwas Verständnis aufbringen ... ;-)

Antje hat gesagt…

Ich hab jetzt spontan den Soundtrack zu "Black Swan" gekauft. Der ist auch von Mansell. Zählt das auch? :-)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Mansell UND Teil meiner Soundtrack-Top-Ten des Jahres 2011. Zählt sogar doppelt. ;-)

Antje hat gesagt…

Na Gott sei Dank, dann hab ich ja nochmal Glück gehabt! Hab ich dadurch jetzt irgendwas gewonnen? *blinzel blinzel*

Sir Donnerbold hat gesagt…

Geschenke für Leserinnen und Leser sind derzeit leider nicht in meinem Budget. *unschuldig pfeif*

Antje hat gesagt…

Immer diese Materialisten... *augenroll*

Kommentar posten