Samstag, 12. Mai 2012

4 Artists Paint 1 Tree: An Adventure in Art

4 Artists Paint 1 Tree widmet sich dem titelgebenden Kurzfilm „4 Artists Paint 1 Tree“ und seinen vier Protagonisten Eyvind Earle, Joshua Meador, Marc Davis und Walt Peregoy. Von Walt Disney ausgewählt, ihren individuellen Stil auf der großen Leinwand darzustellen, geben der Film und seine Hauptdarsteller Einblicke in das künstlerische Leben hinter den faszinierenden, doch minutiös dirigierten Zeichentrickfilmen im Schatten der Maus.

Diese kurze Serie ist in fünf Artikel unterteilt. Heute soll ein Blick auf den Film selbst geworfen werden, die folgenden vier Beiträge werden sich den einzelnen Künstlern widmen. Da der Kurzfilm bisher nur als DVD-Extra veröffentlicht wurde, soll allen Lesern die Möglichkeit gegeben werden, das Werk selbst zu begutachten, was sich zumindest in der Hinsicht empfiehlt, als dass eine Inhaltsangabe dem Film kaum gerecht werden kann.



Der rund sechzehn Minuten lange Kurzfilm wurde erstmals am 30. April 1958 als Segment der Folge An Adventure in Art der Fernsehserie Disneyland ausgestrahlt. Veröffentlicht als 25. Episode der vierten Staffel wurde die Folge – und damit auch der Kurzfilm, dem dieser Artikel gewidmet ist – ursprünglich nur in Schwarz-weiß ausgestrahlt, vorsorglich aber in Farbe gedreht, was insbesondere 4 Artists Paint 1 Tree zu Gute kommt, der erst in Farbe seine ganze Wirkung entfaltet. Das Werk fristete jedoch nicht bis zu seiner Veröffentlichung als DVD-Extra zu Beginn des dritten Jahrtausends im Archiv, sondern wurde schon bald als Lehrfilm weiterverwendet und erlangte so eine gewisse Bekanntheit. Nach der Mitveröffentlichung auf der Dornröschen-DVD im Jahr 2003 setzte dennoch eine Art „Wiederentdeckung“ ein, besonders im Internet. Auch ein halbes Jahrhundert nach der Produktion gilt das Werk immer noch als große Inspiration und zeichnet sich durch seine unkomplizierte, direkte aber dennoch einzigartige Herangehensweise an das Thema aus.

Walt Disney in der Eröffnungssequenz (© Disney)

Dass dieser Ausschnitt der Disneyland-Serie seinen Weg auf einen modernen Datenträger gefunden hat, ist dem Umstand zu verdanken, dass er im Vorfeld der Veröffentlichung von Dornröschen 1959 die Werbetrommel für ebendieses Meisterwerk rühren sollte und auch Ausschnitte aus der Produktion zeigt. Nach Einblendung von Titel und Protagonisten wird Walt Disney gezeigt, der in seinem legendären Büro sitzt und eine Ausgabe von Robert Henris Buch The Art Spirit in Händen hält. Hinter ihm stappeln sich die Oscars schier bis zur Decke und wer nur diese Einführung betrachtet, dem wird schon deutlich gemacht, weshalb Walt Disney, hinter dem massiven Schreibtisch, im schweren Ledersessel, mit dieser Fernsehserie endgültig zum Märchenonkel der amerikanischen Nation aufstieg. Walt Disney erzählt von Briefen, die von Schülern an sein Studio geschrieben werden und häufig die Frage beinhalten, welchem stilistischen Vorbild man folgen solle und woran man sich orientieren könne. Er zitiert Henri, dessen Leitmotiv lautete: „Be yourself.“ Man solle seinen eigenen Gefühlen folgen und nicht versuchen, irgendjemanden zu imitieren.

Im folgenden fungiert Disney als Erzähler und erklärt die Rolle der vier Künstler des Films bei der Umsetzung von Dornröschen. Zunächst werden Marc Davis, seine Arbeit als Chefzeichner der Prinzessin und der Entwicklungsprozess ihrer Gestaltung gezeigt. Es folgt Joshua Meador, der für die Effekte und damit die Gestalung des glitzernden Feenstaubs verantwortlich ist. Hiernach wird Eyvind Earle in der Rolle des stilistisch hauptverantwortlichen Hintergrundmalers gezeigt. Abschließend wird Walt Peregoy gezeigt, der als Künstler mit einem sehr eigenen Stil vorgestellt wird, für diesen Film aber Eyvind Earle zuarbeitet und seine eigenen Gestaltungsideen zurückstellen muss.

Hieran anschließend wird gezeigt, wie die vier Künstler in die Natur fahren und ihre Staffeleien um eine alte Eiche herum aufbauen. Sie beginnen, mit den verschiedensten Werkzeugen und Techniken, ein Abbild des Baums zu malen. Sie erklären ihr Vorgehen und werden von der Kamera beobachtet. Zum Abschluss werden noch einmal alle Gemälde gezeigt und der Film kehrt zurück zum Ausgangspunkt, in Walt Disneys Büro. Der Film schließt, wenn Disney abermals Robert Henri zitiert: „The great painter has something to say. He does not paint men, landscapes or furniture, but an idea.“

Die Eiche, Objekt der Portraits (© Disney)

Erstaunlich ist das Maß an Individualität, das der Film vermittelt. Nicht nur wird die Eiche in Perspektive, Schattierung, Detailvielfalt und weiteren Aspekten unterschiedlich dargestellt, auch sind die Techniken äußerst verschieden und sogar das Maß der Leinwände. Den einzelnen Künstlern wird viel Raum gegeben. Vergleicht man den Pinselstrich der Gemälde des Films mit anderen Werken der Protagonisten, werden letzte Zweifel, es könne sich letztendlich doch um ein „Malen nach Disneys Wünschen“ handeln, bereinigt.

Eine wesentliche Frage, die sich stellt, ist, inwiefern Disneys Engagement für die Perspektive Robert Henris mit seinen eigenen Filmen zu vereinbaren ist. War es 25 Jahre zuvor nur durch einen Zufall dazu gekommen, dass die Beteiligten eines Films zukünftig genannt wurden und stand die Marke Walt Disney immer im Vordergrund, im gleichen Maße, wie das Streben nach der Produktion von Trickfilmen, deren perfekte technische Ausarbeitung einen wesentlichen Aspekt ihres großen Erfolgs ausmachte, trat Walt Disney nun als Förderer individualistischer Kunstvorstellungen hervor. Wo liegt die Vereinbarkeit zum Zeichentrickfilm, der sich durch die abgesprochene Arbeit eines Teams auszeichnet?

Die „Lösung des Rätsels“ ist simpel: beide Verhältnisse unreflektiert in Verbindung zu bringen entspräche dem oft zitierten Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Walt Disneys vordergründige Leidenschaft war der Trickfilm, aber er pflegte eine große, private Kunstsammlung und suchte für seine Produktionen immer neue Inspirationsquellen. Es herrscht damit kein Widerspruch zwischen dem Wunsch, die Rolle des „taktgebenden Dirigenten“ bei der Produktion eines Zeichentrickfilms zu übernehmen, der die Arbeitskraft hunderter, auf ein Ziel ausgerichtete Künstler bedarf und dem Fördern individuellen künstlerischen Ausdrucks. Disneys Kunstinteresse war schlichtweg vielfältig. Auch stellte für ihn der Trickfilm nicht das Werk Vieler nach dem Stil eines Einzelnen dar, sondern die Bündelung der Fähigkeiten von Künstlern zum Bestmöglichen. Nicht umsonst wird beim seit Jahren ausgefochtenen Streit zwischen Gegnern und Befürwörtern von teilweise und vollständig computeranimierten und -gestützten Trickfilmproduktionen darauf hingewiesen, dass Walt Disney selbst wohl der erste gewesen wäre, der sich begeistert der neuen Technologie zugewandt hätte. Nur hätte auch das nicht bedeutet, dass sich Disney im Gegenzug vom klassischen Zeichentrickfilm abgewandt hätte. Gerade das breitgefächerte Feld der Kunst ist doch prädestiniert dafür, in vielen Erscheinungsformen Begeisterung wecken zu können.

Die Künstler mit ihren Bildern (© Disney, Quelle: bodegabayheritagegallery.com)

Übrigens ist die Behauptung, der Film zeige vier gemalte Eichen, wenn man es genau nehmen möchte, gar nicht korrekt, wird doch bei Einblendung von Titel und Protagonisten zu Beginn im Hintergrund ebenfalls ein Baum gezeigt, der sich stilistisch wiederum sehr von den anderen Werken unterscheidet. Wer einen ausführlicheren Blick auf Robert Henris Buch und seine Inspirationsgedanken werfen möchte, sei auf die vierzigseitige Vorschau bei Google Books verwiesen.

2 Kommentare:

Boris hat gesagt…

Riesen Dankeschön für dieses Video, es hat wirklich ganz viel Aussagekraft und ich hab einiges davon mitgenommen.

Dr-Lucius hat gesagt…

Man kann das Video auch unter
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=OAl9P4T12Rs
in sehr guter Qualität zum selber herunterladen finden (allerdings ohne Vorspann und "The End")

Beim weiteren Suchen nach Veröffentlichungen von "Sleeping Beauty" bin ich auf eine interessante Site gestossen (Sir D kennt sie sicherlich)
www.dvdbeaver.com/film2/DVDReviews42/sleeping_beauty_blu-ray.htm
bei der man sehr deutlich die Unterschiede von DVD versus blu-ray erklärt und auch in den Captures bzgl. Details erkennen kann.

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