Sonntag, 3. Juni 2012

Warner-Veteran soll Disneys Kinosparte aufbessern


 Nachdem Disneys Filmchef Rich Ross vor dem Hintergrund des US-Misserfolgs von John Carter gezwungen war, seinen Hut zu nehmen, häuften sich die Spekulationen, wer als nächstes die Geschicke der Disney Studios leiten wird. Aber mit der Donnerstag getätigten Ankündigung hatte wohl kaum jemand gerechnet: Alan Horn, ein langjähriger Warner-Bros-Veteran der das Studio mit Filmen wie der Harry Potter-Reihe, The Dark Knight, The DepartedInception oder Sherlock Holmes zu massiven Erfolgen führte und April 2011 unglamourös seinen Posten abgab.

Dass auf den TV-Mann Rich Ross, der im Kinogeschäft unerfahren war und sich stärker auf die strukturelle Neugestaltung Disneys konzentrierte, statt sich um ein ansehnliches und breit gefächertes Film-Portfolio zu kümmern, nun einen ruhigen, erfahrenen und durchaus auch produktionsfreudigen Kinokenner folgt, ist eine deutliche Aussage. Disneys CEO Bob Iger scheint mit nahendem Ende seiner Amtszeit die Lust an Experimenten und Rundumerneuerungen zu verlieren. Stattdessen traf er mit Horn eine ebenso sichere, wie prominente Wahl.

Branchenmagazine wie Variety sprechen davon, dass der sehr bescheiden auftretende 69-Jährige in der Filmindustrie bereits als "Anti-Rich-Ross" beschrieben wird, doch vollkommen entgegengesetzt sind Ross' und Horns Philosophien nicht. Während seiner Zeit bei Warner setzte auch Horn zunehmend auf Eventfilme, die Teil eines weiter vermarktbaren Franchises sind oder ein eben solches starten können, er erhöhte den Budgetrahmen für Warners wichtigste Produktionen des Jahres. Er sah allerdings davon ab, den jährlichen Filmoutput stark einzugrenzen und bemühte sich um ein kreatives Klima im Studio. Die LA Times zitiert ihn diesbezüglich: "Ich glaube, dass ich dazu beitrug, ein Klima zu schaffen, dass Warner zu einem Ort machte, wo man gerne arbeitet. Aber ich bin auch stolz darauf, unsere "Großes Event"-Strategie mit vorangetrieben zu haben. Als ich 1999 zum Studio dazu stieß, hatten wir bloß einen Eventfilm, The Perfect Storm. Über die Jahre haben wir uns so weit entwickelt, dass wir sechs oder sieben im Jahr hatten."

Viele Filmschaffende und Stars werden ihm da wohl zustimmen, entwickelten doch Leute wie Christopher Nolan eine enge Bindung zum Studio und schlossen zum Beispiel Clint Eastwood, Leonardo DiCaprio, Morgan Freeman und Robert Downey Junior einen "First-Look-Deal" mit Warner.

Horn überwachtbei Disney nun die Produktion, den Vertrieb und die Vermarktung der Disney-Realfilme, -Trickfilme, Pixar-Produktionen und Marvel-Filme sowie das Marketing und den Vertrieb der durch Touchstone veröffentlichten DreamWorks-Produktionen. Darüber hinaus berichten ihm Disneys Musik- und Theater-Divisionen. Somit wird ihm mehr Verantwortung überlassen als noch Rich Ross, der keinen direkten Einfluss auf die Projekte von Disneys Trickstudio hatte. Gegenüber THR erklärte Horn, dass Iger von ihm sechs bis acht Filme im Jahr zusätzlich zu den Marvel- und DreamWorks-Filmen erwartet, eine Budgetgrenze wurde ihm auch nach den wirtschaftlich schlechten Erfahrungen mit Rich Ross nicht gesetzt, Iger verlange hingegen, dass er "einfach gute Filme" macht. Was Ross' Nachfolger abhebt, ist seine Einstellung zur Stärkung der Disney-Marken: "Ich glaube nicht, dass es ein wertvolles Kriterium ist, ob jeder einzelne Film Markenpotential hat. Jeder Film wird, so weit wie wir Entwicklung und Produktion gestalten können, ein guter Film." Die weiterführende Marktverwertung von Kinofilmen soll nicht weiter die eigentliche Filmentwicklung vordiktieren. Gegenüber The Wrap erklärte er, Disney weiter bei seinen Eventfilmen zu stärken, aber auch wieder kleinere Produktionen anzuschubsen. Lediglich Horrorfilme habe man unter ihm nicht als Disney-Produktion zu erwarten.

Die Zeichen stehen also nicht schlecht, dass Disneys Kinosparte in den kommenden Jahren wieder an Fahrt gewinnt. Kurz nach Bekanntgabe, dass Horn die Führung übernimmt, wurden auch neue Starttermine für Thor 2 und The Lone Ranger angesetzt - Ross' Erbe wird also auch in Position gebracht.

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