Dienstag, 28. August 2012

Darkwing Duck: F.O.W.L. Disposition


Der dritte Storyarc der Boom!Studios-Comicreihe rund um Darkwing Duck bietet nach dem wilden, schnellen Comedybombast der ersten beiden Geschichten einen atmosphärischen Tapetenwechsel. Mit der Fiesen Organisation für weltweite Lumpereien hält nämlich nicht nur ein den Drive der Darkwing-Comics auffrischender Hauch Spionagespaß und Infiltrierungsspannung Einzug in diese Reihe, mit seinem dritten Streich bekommt es Darkwing Duck zudem mit einer entenstarken Persiflage von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos zu tun. Denn selbst wenn die F.O.W.L.-Episoden von Darkwing Duck ein vergnügliches Überbleibsel seiner konzeptuellen Anfänge als Agentenparodie waren, so kokettierten die Schattenmänner hinter dem eitlen Gockel Eisenbeiß öfters mit abgedrehten Aufträgen und paranormalen Plänen. Unter den ambitionierten Händen der etwas kantiger denkenden Boom!Studios führt dies alles zu einer sehr atmosphärischen, wenngleich auch hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibenden Mischung aus Anarcho-Humor, Agenten-Spinnereien, schauriger Lovecraft-Parodie und ... einem richtig deftigen Mindscrew-Moment.

Um den Imageschaden zu kompensieren, den Darkwing die Ereignisse von Crisis on Infinite Darkwings einbrockten, wendet sich der extravagant gekleidete Held an eine Marketingagentur, deren Vorschläge allerdings seiner Eitelkeit und seinem Narzissmus zuwiderlaufen. Entnervt und mit zerknitterter Haltung beschließt Darkwing, diese Nacht auf eigene Faust seine Wachrunde durch St. Erpelsburg zu ziehen. Dabei begegnet er den Schuften Eisenbeiß, durch den er in Erfahrung bringen kann, welche Pläne das F.O.W.L.-Oberkommando momentan ausheckt: Sie wollen das fürchterliche, übermächtige Wesen Duckthulhu erwecken und dadurch die Welt unterjochen. Und die Schattenmänner der Schurkenorganisation sind mit ihrem Vorhaben weiter vorangeschritten, als einem lieb sein dürfte ...

Nach dem Gagfeuerwerk Crisis on Infinite Darkwings schalten Ian Brill und James Silvani einen Gang zurück und lassen in F.O.W.L. Disposition etwas mehr Raum für eine ambivalente Atmosphäre, die sich zwischen chaotischer Agentenspannung und verplanter Mystik einordnen lässt. Statt auf jeder einzelnen Seite eine Vielzahl an visuellen Gags zu bieten, setzt der dritte Darkwing Duck-Band darauf, mit der Prämisse rund um die Erweckung Duckthulhus und den Interaktionen zwischen Darkwing und Eisenbeiß zu unterhalten. Zwischendurch schimmert auch, viel mehr als in Crisis on Infinite Darkwings, ein ernsthaft ausgespielter Handlungsfaden rund um Darkwings Heldendasein durch: Darkwing will sich, wie einst im TV-Zweiteiler Heldenmut tut selten gut, als Einzelkämpfer beweisen und entwickelt auch Neid auf die Ausrüstung F.O.W.L.s, was selbstredend keine Geisteshaltungen sind, die dem gefiederten Schurkenbekämpfer gut bekommen.

Dass die Gagdichte nach den ersten beiden Storylines runtergeschraubt wurde, ist nur gut zu heißen, denn zu versuchen, nach Crisis on Infinite Darkwings noch einen draufzusetzen, hätte nur schiefgehen können. Witzig ist Darkwings Abenteuer mit dem stahlschnäbligen Gockel dennoch: Die Wortgefechte zwischen den beiden selbstverliebten Hauptakteuren sind scharfzüngig geschrieben, Quack ist für einige Lacher gut, der alleinige Gedanke an Duckthulhu dürfte viele Nerds zum Schmunzeln bringen und auch die Running Gags rund um F.O.W.L.s Ausrüstung sind pointiert. Leider wurde jedoch nicht die Menge an Fanservice ähnlich gekürzt, weshalb die Kerngeschichte mehrfach durch kleine, teils augenzwinkernde Action-Slapstickeinlagen unterbrochen wird, was die interessante Story schwächt. Obendrein leidet F.O.W.L. Disposition, wesentlich mehr als die ersten Darkwing Duck-Comicbände, an einem sehr ungleichmäßigen Spannungsbogen sowie an unkonzentriertem Storytelling, wodurch sehr viel Potential des zugrunde liegenden Konzepts verschenkt wird. Während das Duo Quack/Morgana Witz hat und auch für die Charakterentwicklung taugt, nimmt die ins Leere laufende Storyline um Kiki und Alfred bloß Platz weg.

Außerdem entwickelt sich der Drang der Boom!Studios, mehrere Serienschurken pro Band zu verfeuern lästige Züge an, indem neben Eisenbeiß und den Dotterköpfen weitere Bösewichter in die Handlung gequetscht werden, bloß um daraufhin schnell und witzarm aus dem Weg geräumt zu werden. Dieser Platz hätte stattdessen für die Figurenentwicklung genutzt werden sollen, da Darkwings neuster Egotrip zwar in seinen Grundzügen verständlich ist, jedoch als massiver Stützpfeiler dieser Geschichte nur passabel aufgebaut wird. Es war eine clevere Idee, ausgerechnet diesen Aspekt Darkwings in einer Story mit dem eitlen Eisenbeiß auszuleuchten, aber gerade die dramatischen Folgen von Darkwings Egozentrik, die in F.O.W.L. Disposition vorkommen, können ihre volle emotionale Wirkung nicht entfalten, da sie zuvor so abgehetzt werden. Insofern ist F.O.W.L. Disposition der ärgerliche Gegenpart zu Crisis on Infinite Darkwings: Hatte dieser Band eine dünne Story, die durch viel Humor und Action gut gestreckt wurde, wohnt F.O.W.L. Disposition eine gut durchdachte, eng mit dem Charakter Dakrwings verknüpfte Handlungsidee inne, die durch Nebensächlichkeiten und Humor zerstückelt wird. Auch die neu eingeführte Figur einer kessen Fuchskollegin von Eisenbeiß ist für mich eher überflüssig.

Auch einige Zeit nach Lesen des Bandes bin ich mir vollkommen unschlüssig, was ich vom Finale halten soll, das aus dem eingangs erwähnten, großen Mindscrew-Moment besteht. Ich möchte nicht zu sehr in die Details gehen, um niemandem die Überraschung zu verderben, aber es sei gesagt, dass die Stimmung und der Stil des Finales vollkommen aus dem Nichts kommt und selbst für Darkwing Duck äußerst eigen ist. Immerhin ist die Aussage deutlich, was bei Abstechern ins Absurde nicht immer gegeben ist, allerdings wird sie so schnell ausformuliert und mit so wenig Voraufbau bedacht, dass es mich tatsächlich verwirrte, dass sie überhaupt so ein relevantes Element der Darkwing-Comics ist. Skurril und kreativ ist die Auflösung des Comics zweifelsohne, doch sie hätte meiner Meinung nach besser gestützt werden sollen. Es ist ohne Grund so schräg, weshalb es wie eine Notlösung anmutet, wenngleich eine denkwürdige.

Obwohl die Geschichte das Zeug dazu hätte, die Vorläuferbände in den Schatten zu stellen, ziehen die nicht sehr zielstrebige Erzählweise, das Platz verschwendernde Verfeuern mehrerer Schurken und der effekthascherische Schlussakt F.O.W.L. Disposition weit unter das Niveau der Vorläuferstorys. Es ist noch immer ein vergnüglicher Comic, zumindest sofern man bereits Darkwing Duck kennt (für Neulinge ist der Band weniger geeignet), aber bei weitem nichts besonderes. Wenn man PkNA zum Vergleich nimmt, wird überdeutlich, was bei einer atmosphärischeren, dramatischeren Disney-Superheldenentenstory alles möglich wäre, doch an die Dramaturgie und Komplexizität der italienischen Kultcomics kommt dieser noble Versuch niemals heran.

Siehe auch:

0 Kommentare:

Kommentar posten