Freitag, 31. August 2012

To Rome with Love


Das nächste Ziel von Woody Allens filmischer Europareise: Die Ewige Stadt. Rom. Dort erzählt der neurotische Oscar-Preisträger in vier den Flair der Stadt atmen wollenden Geschichten von Liebe, Zuneigung und Sex. Doch im Gegensatz zu Midnight in Paris fehlt To Rome with Love die stringente künstlerische Vision, weshalb der Nachfolgefilm zu Woody Allens europäischen Glanzstück eher in den niederen Rängen seiner Filmographie anzusiedeln ist.

Zwei der vier Geschichten sind eigentlich ganz fantastische Sketche: Roberto Benigni spielt mit planloser Unschuldigkeit den Durchschnittsitaliener Leopoldo, der nach seiner Klage, die Welt würde ih nnicht genug achten, über Nacht zum großen Star wird. Mit verschrobener, sich selbst aber ohne ironische Brechung ganz trocken nehmender Komik zeigt Woody Allen den Wahn der Promiverehrung auf und kreiert intellektuell-klamaukige Situationen, in denen der Das Leben ist schön-Star toll chargieren kann. Doch Allen überreizt diese Geschichte, wendet sie gen Schluss noch ein wenig, und raubt ihr so ihren anachronistischen Charme.

In einer weiteren Story reist Woody Allen in der Rolle eines exzentrischen Opernregisseurs mitsamt seiner Frau nach Rom, um seine Filmtochter zu treffen und ihren Verlobten kennen zu lernen. Dessen Vater ist ein begnadeter Sänger, und so setzt er es sich in den Kopf, mit seiner Hilfe wieder von der Opernszene anerkannt zu werden. Auch diese Geschichte verfügt über einen ebenso klugen wie dämlichen Grundwitz, außerdem begeistert Woody Allen als eine nervöse, sarkastische Leinwandversion seiner selbst, aber mehr noch als bei Leopoldo ist hier der Witz früh ausgelutscht.

Unspektakulärer, dafür stets auf adäquatem Qualitätslevel und genau so lang, wie die Story sein soll, ist die Geschichte eines frisch vermählten Paars (Allessandro Tiberi und Alessandra Mastronardi), welches sich zu Beginn der Flitterwochen aus den Augen verliert. Sie trifft bei der Suche nach einem Friseur ihren Lieblingsschauspieler, er wird von einer Edel-Bordsteinschwalbe (Penelope Cruz in einer herzensguten wie feurigen Rolle) für einen Kunden gehalten. Es folgten durchwachsen durchdachte, aber amüsant vermittelte Liebesweisheiten und Verwechslungsspielchen.

Frustrierend ist die Geschichte rund um den Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg), der in Rom seinem Idol John (Alec Baldwin) begegnet und zu sich einlädt. Dort wird John Zeuge, wie Jack seine besonnene, glückliche Liebesbeziehung in Gefahr bringt, weil er sich in die beste Freundin seiner Freundin verguckt, die prahlerische Freigeistige Monica (Ellen Page). Schauspielerisch ist es dank einer beeindruckenden Page und dem sympathischen Gespann Baldwin/Eisenberg das beste Element des Films, doch die Story ist vorhersehbar, die Figur des John so gewollt ambivalent und die ganze Erzählung so wiederholungslastig, dass viel des potentiellen Flairs flöten geht.

Nach Midnight in Paris war es klar, dass To Rome with Love ein Abstieg wird. Aber diese ambitionierte, letztlich allerdings ziellose Mixtur aus dem Kulturtouristen-Woody und dem klamaukigen Stadtneurotiker-Allen geht nur in sehr wenigen Szenen auf. Die Episoden sind mäßig zusammengestellt unddauern in drei von vier Fällen länger, als es für sie gut wäre. Schade.

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