Mittwoch, 5. September 2012

Darkwing Duck & DuckTales: Dangerous Currency


Kaum starteten die Boom!Studios neben der Darkwing Duck-Comicreihe auch eine Comic-Fortsetzung der DuckTales, war sowohl den Comicmachern als auch den Fans klar, was geschehen muss: Nach zwanzig Jahren sollte das Warten ein Ende nehmen und endlich ein ausgewachsenes Crossover zwischen den Duck-Formaten stattfinden. Nicht von Beginn an vorgesehen war hingegen, dass dieses Crossover beide Comicreihen mit einem Knall beenden wird, denn über den nahenden Verlust der Disney-Lizenz wurden die Macher erst informiert, als das Grundkonzept entworfen war. Zwar genügte die Zeit, um das endgültige Skript mit dieser wertvollen Information im Hinterkopf zu verfassen, dennoch wirkt die Darkwing Duck-Comicreihe durch das bombastische Crossover verfrüht und hastig zu einem Abschluss geführt. Wenn das doch nur das geringste Problem mit Dangerous Currency wäre ...

Ohne größere Vorbereitung stürzen die Autoren Warren Spector (Epic Mickey) und Ian Brill das Publikum ins Geschehen: Wir erfahren, dass der Quackwerks-Konzern eine Tarnorganisation ist, die Dagobert Duck nutzt, um in ihrem St. Erpelsburger Hauptquartier wichtige Besitztümer zu verstecken (worum es sich dabei handelt bleibt ein Geheimnis der Autoren) und dass sich Gundel Gaukeley mit dem Schwarzen Phantom zusammengetan hat, um erst St. Erpelsburg und dann Entenhausen (inklusive Dagoberts Geldspreicher sowie der Nummer Eins) an sich zu reißen. Ersterer Schritt gelingt auch vollkommen reibungslos: Sie entlassen die dmönische Tinte / den verwunschnen Schleim des Phantoms unterhalb der Quackwerks-Büros, woraufhin sich das Gebäude in eine Albtraumversion seinerselbst verwandelt. Der Einfluss der undefinierbaren Masse breitet sich über die gesamte Stadt aus, die zu einem düsteren, verregneten Pfuhl verkommt. Dies veranlasst Dagobert mitsamt seinen Großneffen und Nicky dazu, Geschäftsführer Quack in seiner "zweitklassigen" Wahlheimat zu besuchen. Zugeich macht sich auch der seit einem Jahr verschollen geglaubte Fenton Crackshell auf dem Weg zu Quack, um ihn vor den bevorstehenden Ereignissen zu warnen. Ehe er aussprechen kann, verschluckt ihn allerdings vor den Augen von Quack, Eddie Erpel und Dagobert mitsamt Anhang der Boden. Den Ernst der Lage erkennend, eröffnet Eddie Quacks anderem Arbeitgeber seine Geheimidentität und tut sich mit ihm zusammen, um das bedrohliche Mysterium zu ergründen und die zu erwartende Katastrophe abzuwenden.

Was so holprig, doch atmosphärisch startet, hätte ein dramatisches, bombastisches Disney-Comicspektakel werden können, in dem Egos aufeinanderprallen und sowohl die Darkwing Duck- als auch die DuckTales-Reihe mit einem Trommelwirbel ihrem Höhepunkt entgegenschreiten. Stattdessen beginnt ein heilloses erzählerisches Durcheinander voller eilig vorangetriebener Subplots, Logiklöcher und alberner Effekthascherei, die den Charakteren die Luft zuschnürt. Sprachen und handelten die Disney-Trickhelden in vorherigen Bänden 1:1 wie aus den Serien gewohnt, sind sie in diesem vollgestopften Crossover lediglich Abziehbildchen ihres wahren Ichs. Dagobert ist nichts weiteres als ein mürrischer Geheimniskrämerer, die durchaus interessante Idee, dass Quack Angst hat, zwischen Darkwing und Dagobert wählen zu müssen, wird zwar angesprochen, jedoch nicht entwickelt, Darkwing, der zuletzt noch die Gefahren einer durchsichtigen Geheimidentität lernen musste, gibt sie ohne zu zögern preis und die Entenjünglinge sind charakterlich kaum definiert.

Was dem finalen Storyarc der Boom!-Darkwing-Comics aber jegliche Fallhöhe raubt, ist der inhaltlich ungerechtfertigte Sturm an Schurkenauftritten. Es scheint, als wären sich die Autoren uneinig gewesen, wer der alle Strippen ziehende Obermotz dieses Comicfinales sein soll, weshalb sie einfach jeder Figur einen Alibiauftritt gaben. Um Gundel Gaukeley schart sich die "League of Eve-il", welche von sich selbst als geniale Fieslingsorganisation spricht, allerdings nichts weiteres tut, als böse von den Comicseiten zu starren. das schwarze Phantom ist nur ein ahnungsloser Schatten dessen, was es eigentlich darstellen müsste und als finaler Twist kehrt ein weiterer Fiesling zurück, der angeblich alles geplant hat. Wie schlüssig dies ist, ist überaus fraglich und der auf seinen Monolog anschließende Kampf ist antiklimatisch sowie lachhaft, da sich die Serien-Inkarnation dieser Figur niemals so einfach schlagen ließe. Als wäre dem nicht genug, tummeln sich zwischen den dauernden "Haha, ich bin der Puppenspieler in diesem perfiden Plan!"-Enthüllungen weitere Schurken, die durch die dämonische Tinte in schrille, pseudo-schaurige, deformierte Monsterkopien ihres normalen Ichs verwandeln. Was offenbar gruselig oder bedrückend wirken soll, ist nach wenigen Seiten nur noch peinlich, zumal diese Horrorvariationen nicht sonderlich fähiger als die Normaloversionen sind. Dass obendrein eine der besten Handlungswendungen der gesamten Darkwing Duck-Geschichte (TV und Comic) ohne zu zögern null und nichtig gemacht wird, schlägt dem Fass endgültig den Boden aus.

Dangerous Currency verkommt früh zu einer überfrachteten, keinerlei Sinn für Dramaturgie zeigenden Aneinanderreihung von absurdem Comicbombast. Es ist so, als hätte man aus den megalomanischen Schlussideen für mehrere Darkwing-Handlungsfäden eine Pseudostory gesponnen, die all jene "Over the Top"-Momente enthält, nicht aber die notwendigen Hinleitungen, die diese Parade an Chaos erden würden. In all diesem kreativen, undurchdachten Tohuwabohu, das auch noch schamlos Werbung für Warren Spectors Epic Mickey macht, wusste mich einzig und allein der Star-Gastauftritt einer von den frühen Disney-Zeichentrickserien ungeschätzten Figur zu begeistern, und selbst diese Wende fällt bei näherer Betrachtung in sich zusammen, da sie zwar Fanservice ist, zugleich aber die Kompetenz der eigentlichen Helden in Frage stellt.

So traurig es auch sein mag: Das wundervolle Experiment der Darkwing Duck-Comics fand mit Dangerous Currency ein unrühmliches, anstrengendes sowie chaotisches Ende, das in Sachen aufgezwungener Überdrehtheit selbst den berüchtigten Kaschperlmicky-Comics Konkurrenz macht.

Siehe auch:

2 Kommentare:

Green Ninja hat gesagt…

Hmmm... dieses Crossover war eigentlich der Grund, warum ich mich überhaupt für die Darkwing Duck-Comics interessiert habe. Schade, dass es nix taugt. :(

Beatrix Alfs hat gesagt…

Das enttäuscht mich jetzt aber auch. Nach dieser Besprechung vergisst man das besser. sad_smile

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