Mittwoch, 11. September 2013

Robert Zemeckis und Charlie Kaufman ... passt das?


Being John Malkovich, Adaption, Confessions of a Dangerous Mind, Vergiss mein nichtSynecdoche, New York und auch der gern vergessene Human Nature: Kaum ein Drehbuchautor bewies eine derart hohe qualitative Trefferquote wie Charlie Kaufman. Dieser soll Lionsgate dabei helfen, aus der Jugendbuchreihe Chaos Walking ein erfolgreiches Kino-Franchise zu machen und verfasste bereits das Drehbuch zum ersten Film in der eventuell dreiteiligen Filmreihe. Schon allein das liest sich etwas seltsam, da Kaufman bislang zwar bekannte, nicht aber sonderlich multiplexfreundliche Filme verantwortete. Aber vielleicht ist Lionsgate ja mutig und plant mit einem sehr kunstvollen Franchise. Oder aber Kaufman will sich dringend eine neue Villa kaufen und schraubt daher seine künstlerische Integrität zurück.

Nun aber wird es noch interessanter: Kaufmans Drehbücher wurden bisher allein von Michel Gondry, Spike Jonze, George Clooney und ihm selbst verfilmt, die allesamt mit Kaufmans Skripts ihr Spielfilmdebüt feierten und in den ersten beiden Fällen noch eine zweite Kaufman-Inszenierung hinterherschoben. Kino-Regieveteranen gab es nicht in Verbindung mit dem verschrobenen, intellektuellen und einfallsreichen Autoren zu goutieren. Bislang! Denn laut The Wrap führt Lionsgate derzeit Verhandlungen mit Robert Zemeckis, um ihn für die Regie bei Chaos Walking zu gewinnen, und offenbar schreiten diese sehr gut voran.

Nachdem Zemeckis rund eine Dekade seines Schaffens für fragwürdige Motion-Capturing-Filme verschwendete, kehrte er mit Flight wieder zu dramatisch-herzlichen Stoffen wie Cast Away oder Forrest Gump zurück. Chaos Walking, die Geschichte eines Jungen und seines Hundes, die in einer futuristischen, allein von Männern bevölkerten Welt, in der die Gedanken aller Menschen zu hören sind, das einzige Mädchen des Planeten entdecken und rausfinden, dass ihre Gedanken unhörbar sind, könnte Zemeckis im Normalfall zu seinem Zurück in die Zukunft- und Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten-Stil führen. Aber mit einem Kaufman-Skript kann ich mir dies nicht vorstellen.

Generell ist die Kombi aus Mini-Spielberg Zemeckis und dem intellektuellen Kaufman nichts, was ich jemals erwartet hätte und ich wüsste nicht, wie beide Formen des Geschichtenerzählens unter einen Hut gebracht werden können. Da Zemeckis sich im Laufe seines Schaffens aber halbwegs flexibel zeigte und Falsches Spiel mit Roger Rabbit schon relativ "Kaufman goes Disney" war, drücke ich ab sofort die Daumen, dass der Oscar-Preisträger sein Können einsetzt, um eine düster-intellektuelle, verrückte Filmreihe mit Blockbuster-Look durchzudrücken. Wär doch was; was?

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