Mittwoch, 10. September 2014

James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie


In der öffentlichen Wahrnehmung scheinen drei Bond-Filme der Pierce-Brosnan-Ära Vorrang zu haben: Der allseits beliebte (meiner Ansicht nach überbewertete) Erstling, der mit Denise Richards in einer ihr schlecht stehenden Rolle als Wissenschaftlerin und der gemeinhin verhasste Jubiläums-Bond mit grausigem Madonna-Titellied. Brosnans zweite Mission als 007 dagegen wird generell eher übersehen. Und um meine Parade an unpopulären Bond-Positionen fortzuführen, verkünde ich liebend gern, dass ich die eher geringe Popularität von Der Morgen stirbt nie nicht nachvollziehen kann.

Aufgrund der selbst für einen Bond-Streifen recht unkonzentrierten Erzählweise macht sich zugegebenermaßen spürbar, dass Autor Bruce Feirstein ursprünglich ein Skript ablieferte, das von der bevorstehenden Übergabe Hongkongs an China handelte, Regisseur Roger Spottiswoode daraufhin die Story jedoch hastig überarbeiten ließ. Der Stop! Oder meine Mami schießt!-Filmer befürchtete nämlich, dass diese politische Entwicklung bereits aus den Schlagzeilen verschwunden sei, bis die Produktion abgeschlossen ist. Spottiswoode lag richtig, und verlieh seiner Regiearbeit mit der neuen Story eines machthungrigen Medienmoguls einen zeitloseren Aufhänger – auch wenn er sich nicht mit all zu großer Kohärenz durch den Film zieht.

Wenn aber der von Jonathan Pryce mit glühender Spielfreude verkörperte Elliot Carver die Szene betritt, komm ich als Zuschauer kaum aus dem Grinsen heraus. Und das heutzutage mehr denn je, schließlich tritt der Schauspieler, der Jahre später Elizabeth Swanns Vater in Fluch der Karibik zum Leben erweckte, stets in hoch geschlossener, eng anliegender schwarzer Kleidung auf und trägt eine runde Nickelbrille. Steve Jobs lässt grüßen. Ebenso sehr schwingt in Carvers Reden aber auch ein großer Rupert-Murdoch-Vibe mit, sowie der Singsang von Stanley Tuccis urkomischer Rolle in Transformers: Ära des Untergangs. Somit hat Pryces Performance rückblickend einen noch viel größeren Spaßfaktor als wohl damals. Aber auch ohne die jüngeren Assoziationen zählt Carver zu meinen liebsten Bond-Schurken: Seine selbstverliebten Monologe sind mit spitzer Feder geschrieben und mit kindischem Eifer vorgetragen, darüber hinaus ist die Idee eines weltweit agierenden Medienmoguls, der Unglücke provoziert um als erster darüber berichten zu können, in ihrem Irrsinn einfach wundervoll bondmäßig ohne in der 007-Reihe abgenutzt zu sein.

Des Weiteren gelingt Pryce, Spottiswoode und Feirstein mit diesem Oberschurken ein Spagat, der meiner Ansicht das Geheimrezept für einen großartigen Bond-Widersacher darstellt: Sein Auftreten ist ikonisch, sein übertrieben ehrgeiziger Plan hat genügend realistische Zwischentöne, um die Figur bedrohlich zu machen und gleichzeitig ist Carver mit seinen gewitzten Sprüchen sehr, sehr komisch. Auch seine Handlanger schlagen in diese Kerbe: Götz Otto als blonder Hüne ist zwar auf dem Papier austauschbar, aber seine körperliche Präsenz und sein komödiantisches Timing lassen ihn dann eben doch aus der langen Reihe aus Bond-Film-Handlangern herausragen. Und Vincent Schiavelli ist als theatralischer Auftragskiller mit dickem Akzent einfach nur Gold wert.

Die Actionszenen in Der Morgen stirbt nie derweil haben zwar nahezu immer eine dermaßen lange Laufzeit und sind fast ausnahmslos so eigenständig geschrieben, dass sie die eigentliche Handlung energisch in den Hintergrund drängen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Action jemals ermüdet. Dafür sind die Sequenzen viel zu energetisch, einfallsreich und für sich genommen auch spannend genug. Höhepunkt des Films ist Bonds ausführliche Verfolgungsjagd quer durch ein Hamburger Parkhaus, während der er vom Rücksitz aus via Fernbedienung allerlei immer kurioser werdende Gadgets ausprobiert. Dank einer Prise Selbstironie (man achte auf Brosnans strahlendes Gesicht, wann immer Bond neue Funktionen an seinem BMW entdeckt) kann sich diese Sequenz ihre Verrücktheit erlauben, ohne in zu lachhafte Bereiche abzudriften.

Fast genauso gelungen ist die sich immer weiter steigernde, von Kameramann Robert Elswit mitreißend eingefangene Motorradverfolgung durch Saigon, die mit guten Stunts, flotten Sprüchen und einer feschen Dosis Slapstick aufwartet. Michelle Yeoh und Brosnan ergänzen sich in dieser Sequenz sehr gut und auch sonst zählt Yeoh zu den sympathischeren unter den kämpferischen Bondgirls. Teri Hatcher wiederum strahlt zwar viel Glamour aus und trägt ihre Rolle der früheren Bond-Gespielin, die nun mit seinem Rivalen verbändelt ist, mit so viel Würde, wie man so eine Rolle halt tragen kann, jedoch treibt ihre Figur die Handlung kaum voran, so dass ihre wenigen Filmminuten dennoch wie Ballast wirken (wenngleich ganz ansehnlicher).

Judi Dench unterdessen scheint sich in ihrer Rolle der M noch wohler zu fühlen als zuletzt, Desmond Llewelyns Q hat sich nunmehr ganz auf Brosnans Interpretation von Bond eingeschossen und David Arnolds Score ist zwar einseitig, aber extrem effektiv. Traurig nur, dass die stylische Titelsequenz von einem enervierend-öden Popsong untermalt wird.

Alles in allem ist Der Morgen stirbt nie  aber ein sehr spaßiger Agentenknaller mit herrlich übertriebenen Seitenhieben auf ausufernde Medienkonzerne und launigen Actionszenen. Viel unterhaltsamer als GoldenEye, wenn ihr mich fragt!

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