Donnerstag, 25. Juni 2015

Ted 2


Der Unterschied zwischen "einen Film mögen" und "einen Film gut finden" ist schwer zu erläutern. Sofern er denn existiert, denn so einige Filmfreunde bezweifeln arg, dass solch eine Differenzierung möglich ist. Ich aber erhebe vehement Einspruch gegen diese These. Mir scheint es durchaus möglich, Film A mehr zu respektieren und Film B mehr Zuneigung zukommen zu lassen. Dass ausgerechnet die Rüpelkomödien rund um den kiffenden, schimpfenden, vulgären Stoffbären Ted mir eine Steilvorlage liefern, um diesen Unterschied zu skizzieren, kann ich selbst kaum fassen. Aber so sehr meine Perspektive auf Ted und Ted 2 auch von geringer Begeisterung geprägt ist: Das bisschen positive Attitüde, die ich für Seth MacFarlanes Komödienreihe aufbringen kann, variiert bei Teil eins und Teil zwei radikal!

Die Faszination hinter dem Original will sich mir nämlich so überhaupt nicht erschließen. Ich kann kaum über die Erlebnisse von John (Mark Wahlberg) und seinem besten Kumpel, Kuschelbär Ted, lachen. Der altbekannte Plot des nicht erwachsen werden wollenden Mannes, der sich für die Liebe seines Lebens (Mila Kunis) mit dem in ihm schlummernden Potential auseinandersetzen muss, entwickelt kaum neue, eigenständige Ideen und zieht eh regelmäßig den Kürzeren, um Teds Vulgärhumor Platz zu verschaffen. Der Reiz eines derben Teddybären geht mir aber rasch verloren. Dennoch ist mir das Einspielergebnis von annähernd 550 Millionen Dollar weltweit kein Dorn im Auge. Ich muss mir Ted so rasch wahrlich nicht noch einmal anschauen, und großen Spaß hatte ich bei meiner einzigen Sichtung auch nicht. Aber ich habe mich auch nicht gelangweilt (dafür ist Ted dann im Gegensatz zu A Million Ways to Die in the West zu flüssig erzählt) und ich kann respektieren, dass viele Kinogänger Freude am locker-flockigen Zusammenspiel des knuffigen Wahlbergs mit seinem CG-Kollegen haben. Die altbekannten Storypunkte trifft Ted wenigstens mit einer grundlegenden Ehrlichkeit und die Cameos sind gut eingesetzt. Kurzum: Ich mag all das nicht, habe aber ein ausreichendes Maß an Achtung vor Ted.

Drei Sommer nach dem überraschenden Siegeszug von Ted kommt der unerzogene Flauschkumpel zurück auf die Leinwand. Und muss eine kleine Schlappe hinnehmen. Anders als etwa Hangover 2, der an den Kassen den Erstling weit hinter sich ließ, schreibt Ted 2 deutlich kleinere Zahlen als sein Vorgänger. Die positiven Kritikerstimmen sind ebenfalls rarer gesät, und ich kann sehr gut erkennen, womit sich Ted 2 seine durchwachsenere Rezeption verdient hat.

Allein schon der Umstand, dass Mila Kunis' Figur nach allem (versucht) romantischen Hokuspokus aus Teil eins rausgeschrieben wurde, ist kein netter Zug den Fans gegenüber. Gewiss, dass Kunis zur Drehzeit schwanger war, drängte MacFarlane in eine Ecke, dennoch wird der Plot des Originals in Ted 2 durch ihre Abwesenheit und die begleitende Erklärung mit Füßen getreten. Und auch die zentrale Story von Ted 2 ist nicht die stringenteste. Wird das Original relativ zielstrebig erzählt, plagt Ted 2 das unkonzentrierte Chaos, das schon MacFarlanes Comedywestern qualitativ runter gezogen hat. Nach einem Prolog, der Ted und seine Freundin Tami-Lynn bei einer innigen Hochzeit zeigt, suhlt sich MacFarlane erst in zwei ellenlangen Szenen, die das Paar gegeneinander aufbringen. Es ist zu überzogen, um Sorge um die zerstörte Liebe zwischen ihnen zu erzeugen, aber zu angestrengt und eintönig-aggressiv, als dass es lustig wäre. Daraufhin kommt die Idee eines gemeinsamen Kindes auf, ab dann wird die Krise zwischen Ted und Tami-Lynn nie wieder angerissen. Und auch die Hoffnung, ein Kind zu bekommen, tritt in den Hintergrund, sobald Teds Status als Person angezweifelt wird. Der eigentliche Plot startet: Ted kämpft vor Gericht um seine Rechte - unterbrochen von sketchartigen Einlagen die mal treffen, mal völlig versacken. Und zudem unterbrochen von einem selten zündenden Subplot mit Giovanni Ribisi, der wieder den verpeilten Donny spielt, der Ted ganz für sich haben will. Dieses Mal mit Hilfe von Hasbro - was lästiges Product Placement provoziert, aber auch mutig vom Spielwarenkonzern ist, denn wann wollen große Firmen schon in einem Film als Schurken dargestellt werden?

Aus handwerklicher Sicht sehr ernüchternd ist zudem, dass viele Gags aus Ted 2 bereits in Family Guy zu sehen waren, teils sogar 1:1 in der nun im Kino gezeigten Form. Von einem Soul singenden Ted, einer Improcomedy-Sabotagenummer hin zu einer John-Hughes-Hommage: Resteverwertung ist MacFarlane hier wahrlich nicht fremd. Diese Faulheit äußert sich sogar im Sounddesign: Nach dem Prolog über Teds Hochzeitsfeier erfolgt eine Vorspannszene in bester Busby-Berkeley-Manier mit Showbühne, Glitzer, Zylindern, Fracks und Steppeinlagen. MacFarlane, der lautstarker Liebhaber des alten Hollywoods ist, verkneift sich hier jegliche ironische Überhöhung und vulgären Ausrutscher, was vielleicht am Zielpublikum vorbeigedacht ist, aber per se charmant. Doof nur, dass diese Szene auf akustischer Ebene nur aus einem Instrumentalstück besteht - und völlig ohne sonstige Klangeffekte. Ted wirbelt durch die Gegend, haut mit einem Stock über die spiegelglatte Fläche, jedoch ist nichts zu hören, wodurch die Tanzeinlage leer und nichtig wirkt. Der Moment geht zwar vorbei, steht aber stellvertretend für eine gewisse Nachlässigkeit in der Umsetzung dieses Films. Erschwerend kommt letztlich hinzu, dass Ted 2 zwar mehrere Minuten länger ist als der Erstling, aber spürbar kürzer als der Vorgänger hätte sein sollen, ist das Sequel klar schwächer gemacht. Gewissermaßen ein Film, der weniger Achtung verdient.


Dennoch: So sehr ich die handwerklichen und erzählerischen Schwächen von Ted 2 sehe, die ihn abschwächend vom grundsolide erstellten Ted abgrenzen, so habe ich das Sequel beim Anschauen mehr genossen. Ich würde es auch eher wieder anschauen als den Erstling. Zum einen, weil es zwar faul von MacFarlane ist, viele Gags aus Family Guy zu recyceln, ich die Tricksitcom aber schon seit langer Zeit nicht mehr schaue und über die "geklauten" Witze im Kontext dieses Films gut lachen konnte. Insbesondere die Impro-Comedy-Club-Einlage wird wunderbar trocken rüber gebracht. Darüber hinaus scheint sich Amanda Seyfried in ihrer Rolle deutlich mehr zu genießen als Mila Kunis in ihrem Ted-Part, was für mich eine ansteckende Wirkung hat. Die großäugige Blondine bringt eine Herzlichkeit mit in den Film und ein Engagement, das selbst einige ihrer lahmeren Sprüche wenigstens in Schmunzler verwandelt. Dass ich ihr zudem die Rolle der unerfahrenen, jedoch überzeugten Junganwältin abkaufe und sie darüber hinaus in den Gerichtsszenen mit Material hantiert, das für eine Justiz-Kiffer-Vulgärkomödie überraschend handfest-ehrlich geschrieben ist, macht aus Seyfrieds Präsenz endgültig einen saftigen Pluspunkt.

Auch Wahlberg gefällt mir in Ted 2 mehr als in Teil eins. Seine Figur ist nun zwar überzeichneter und verpeilter, allerdings mag ich Wahlberg als großen, kindischen Dummkopf. Seine Missgeschicke in der Samenspender-Klinik oder während des Trips quer durchs Land haben mir daher mehr Kurzweil beschert als die eher standardmäßigen, wenngleich charakterlich konsistenteren Eskapaden im Original. Überhaupt sind es zumeist die haarsträubenderen Momente von Ted 2, die mir zusagen. Wobei hier auch die Plage anzutreffen ist, die verhindert, dass ich diese Komödie auch nur im Ansatz zu meinen Lieblingsfilmen des Jahres zu zählen: Ja, ich kann über die Jurassic Park-Parodie, Seyfrieds Gesangseinlage (und die Reaktion der Fauna darauf), und diverse bescheuerte Running Gags lachen. Aber MacFarlane treibt all diese Späße nach dem Lacher weiter und weiter, so dass es in Ted 2 zu einigem Leerlauf kommt, den ein guter Cutter mit genügend Freiraum hätte tilgen können. Einzig ein gewisser Cameo eines Actionhelden läuft genau so lang, wie er sollte!

Deshalb bleibt Ted 2 ein mir sympathischer, makelbehafteter Film, den ich mir in einigen Monaten nochmal anschauen werde. Bei dem ich aber sehr gut verstehen kann, wieso er unter den finanziellen Erwartungen läuft, und bei dem ich kaum sagen kann "der arme Film, das hat er nicht verdient!"

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