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Montag, 26. Dezember 2011

Weihnachten im Schatten der Maus III: Disney, Santa's Workshop und die Gestalt von Weihnachten


Robert Tieman, Verfasser des Disney-Geschichte zum Erlebnis machenden Buchs The Disney Treasures, erklärt den phänomenalen Erfolg, den Walt Disney auf dem internationalen Markt feierte, mit den folgenden Worten:

"Der vielleicht einleuchtendste [Grund] ist, dass Zeichentrickfilme eine besondere Wirkung auf das internationale Publikum haben. Die Eigenheiten gezeichneter Fantasien und Ideen stoßen selten auf Übersetzungs- oder Verständnissschwierigkeiten. Walt Disney verstand das beinahe intuitiv und er vermied es bewusst, Figuren zu erfinden, die einzig auf amerikanischen oder christlich religiösen Traditionen beruhten. Es gibt zum Beispiel keinen Kurztrickfilm, in dem die Figuren Erntedankfest oder den 4. Juli feiern - nur eine Hand voll, die von Weihnachten handeln, und nur einen über Ostern."

Die Scheu vor der Weihnachtsthematik hat sich über die Jahrzehnte hinweg gelegt. Allein fürs Kino produzierten die Walt-Disney-Studios gleich drei Adaptionen von Charles Dickens A Christmas Carol, welche durch Tiny Tims obligatorischen Wunsch "Gott segne uns, jeden von uns" auch die von Disney üblicherweise ignorierte Religion direkt ansprechen. Darüber hinaus verzichten nur wenige Disney-Fernsehserien auf eine Weihnachtsepisode, gleich dreimal trat Tim Allen in den Santa Clause-Kinofilmen als Weihnachtsmann auf, und, und, und ... Nicht zu vergessen, dass die Weihnachtssaison in den Disney-Themenparks zu den geschäftigsten Tagen gehört.

Dass zu Beginn von Walt Disneys Eroberung der Filmwelt Weihnachten noch als internationales Kassengift gefürchtet wurde, und es nunmehr zum Stammrepertoire des weltumspannenden Unterhaltungskonzerns gehört, ist eine von der Säkularisierung der Festtage und der Globalisierung getragene Entwicklung. Und es ist mittlerweile wohl eine unvermeidliche Tradition, dass Jahr für Jahr irgendwo in den Medien über Coca-Cola und die Erschaffung des uns heute bekannten Weihnachtsmanns referiert wird. Fast genauso unvermeidlich sind die darauf reagierenden Berichte, die diesen populären Mythos zu korrigieren versuchen.

Nein, Virginia, Coca-Cola hat unser Bild des Weihnachtsmanns nicht erfunden. Dass er rot-weiße Kleidung trägt, kommt dem mit bunt beleuchteten Weihnachtstrucks werbenden Erfrischungsgetränkehersteller zwar gewiss entgegen, jedoch existierten schon vor Coca-Colas Weihnachtskampagnen Darstellungen eines älteren, rundlichen Santa Claus in rot-weißem Mantel.

An dieser Stelle die Geschichte der sich wandelnden Darstellung des Weihnachtsmanns umfassend nachzuerzählen, wäre zweifelsohne müßig und würde uns zu weit von unserem Kernthema entfernen. Deshalb sei schlicht zusammengefasst, das bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Weihnachtsmann oder Nikolaus üblicherweise als Herr in dickem Pelz beschrieben wurde. Farbige Illustrationen tendierten normalerweise zu Brauntönen oder in manchen Fällen einem dunklen Grün. Der deutsch-amerikanische Karikaturist Thomas Nest wird gemeinhin als "Erfinder" des modernen Weihnachtsmannes beschrieben, inklusive der rot-weißen Farbe, die er ihm in den 1860er-Jahren erstmals verlieh.

Allerdings beeinflussten die Illustrationen Nests zunächst die US-amerikanischen Vorstellung des Weihnachtsmanns. 1927 waren die Schaufenster New Yorker Geschäfte bereits völlig standardisiert, 1931 begann Coca-Cola seine erste Weihnachtskampagne, womit sich in den USA endgültig dieses Bild durchsetzte.

Dass sich dieses festgelegte Bild des Weihnachtsmanns auch in anderen Teilen der Welt durchsetzte, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts oft noch eigene Traditionen und der religiöse Ursprung des Fests vorherrschten, ist jedoch wirklich der weltweiten Werbemaschinierie Coca-Colas zuzuschreiben. Sowie den wenigen frühen Weihnachtscartoons Walt Disneys, die den US-amerikanischen Santa Claus in die Kinos dieser Welt brachten.

Dass der alte Mann im Rauschebart viel Humor hat, zeigt auch schon dieser Cartoon. Sei markantes "Ho ho ho!" war 1932 hingegen noch nicht unverzichtbar. Dieser Santa Claus hat noch ein sehr schneidendes "Ha ha ha!" als Standardlache

Die Silly Symphony Santa's Workshop von 1932 popularisierte in Europa nicht nur die mittlerweile allbekannte Vorstellung des Weihnachtsmanns. Zudem war er auch für viele die erste Konfrontation mit dem aus US-amerikanischen Kinderbüchern und -gedichten entliehenen, damals noch sehr jungen Gedanken, dass Santa Claus am Nordpol lebt, wo seine Elfen eine Spielzeugwerkstatt betreiben.

Um bei amerikanischen Weihnachtslegenden zu bleiben: Für moderne Zuschauer ist der Cartoon Santa's Workshop eventuell verwunderlich, weil das Rentier Rudolph mit Abwesenheit in den Stallungen des Nordpols oder an der Spitze des Schlittengespanns glänzt. Das liegt daran, dass dieses Element des zeitgenössischen Weihnachtsmann-Mythos erst sieben Jahre nach Santa's Workshop in die US-Kultur eingeführt wurde. Auch die mittlerweile in Weihnachtsfilmen und -cartoons standardisierte Form der Elfen als sehr jung gebliebene Wesen ist noch neueren Datums, weshalb die Elfen in Santa's Workshop noch wie kleine, grün gekleidete Weihnachtsmänner aussehen.

Der Cartoon, der unter der Regieführung von Wilfred Jacksons entstand, ist von der atypischen Weihnachtsthematik abgesehen, eine ganz und gar klassische Silly Symphony. Es gibt keine echte Handlung oder einen Konflikt, stattdessen bietet dieser Kurzfilm vor einem bunten Hintergrund kurze, amüsante Sequenzen in denen sich die Figuren perfekt zur Musik abgestimmt bewegen. Santa's Workshop gehört dabei zu den ersten Cartoons seiner Reihe, in dem die Hintergründe sehr detailliert sind, und er stellte auch die Vorlage für den 1934 veröffentlichten Cartoon Funny Little Bunnies dar. Dieser zeigte die Arbeitsabläufe im Tal der Osterhasen und verfolgte nicht nur einen sehr ähnlichen Ablauf, sondern kopierte auch vereinzelte Gags aus Disneys erstem Weihnachtsmann-Film.

Zu den fidelen Spielzeugen in diesem Kurzfilm gehört nicht nur eine Aufziehvariante von Walt Disneys befreundetem Kollegen Chaplin sondern eine Spielzeug-Arche. Was gehörige Fragen in der ganzen "Können der Weihnachtsmann und das Christentum koexistieren"-Diskussion aufwirft ...

Santa's Workshop ist Teil des Walt-Disney-Weihnachtsspecials From All of Us to All of You, welches 1958 im Rahmen der Anthologieshow Walt Disney presents ausgestrahlt wurde. Seit 1960 ist es alljährlicher Bestandteil des schwedischen Weihnachts-Fernsehprogramms, seit Mitte der 70er in veränderter Form auch anderer skandinavischer Länder. Ähnlich wie hierzulande Dinner for One trotz mangelnder Synchronisation zu einem richtigen Silvester gehört, betrachten viele Schweden Kalle Anka och hans vänner önskar God Jul (Donald Duck und seine Freunde wünschen fröhliche Weihnachten) als unerlässliche Weihnachtstradition. Das Programm landet stets in den Top 5 der meistgesehenen Fernsehsendungen des Jahres (zwischen Sportgroßereignbissen, dem Eurovision Song Contest sowie dem Melodiefestivalen) und einige der Filmzitate sowie die darin vorkommende Musik wurden Teil der schwedischen Populär- und Weihnachtskultur. Als der Sender SVT bekannt gab, die Tradition aufgrund der hohen Lizenzkosten enden zu wollen, löste dies massenhaft Proteste aus und die Kosten sparende Idee musste begraben werden.

Santa's Workshop ist allerdings nicht nur ein faszinierendes Untersuchungsobjekt für jeden, den die Internationalisierung von Weihnachten sowie den Aufbau einer standardisierten Weihnachtsmann-Sage interessiert. Der Kurzfilm ist auch Teil einer Reihe von Disney-Cartoons, an denen sich die veränderte Mentalität bezüglich rassistischer Stereotypen verfolgen lässt. In einer Sequenz überprüft der Weihnachtsmann blonde Püppchen, die "Mama" sagen, wenn man sie ein wenig kippt. Als letztes rutscht energisch eine schwarze Puppe auf den Tisch des Weihnachtsmanns und brüllt ihm kess ein "Mammy!" entgegen, bevor sie sich selbst den "O.K."-Stempel aufdrückt. Da die Puppe den Blackface-Figuren einer typischen Minstrel Show nachempfunden ist, wird diese als eventuell rassistisch interpretierbare Szene häufig aus TV-Wiederholungen und Heimkino-Veröffentlichungen geschnitten.

"Und dich schenke ich den Machern von Fantasia! Ho ho ho! Ich meine: Ha ha ha!"

Santa's Workshop fand im Folgejahr eine indirekte Fortsetzung in Form von The Night Before Christmas, in welchem der Weihnachtsmann seine Geschenke verteilt. Natürlich, indem er den Kamin runterrutscht. Damals allerdings ohne die Hilfe hoch technisierter Elfen. Wer weiß, ob in siebzig Jahren nicht die Welt von Prep & Landing (Elfen helfen) und Aardman Animations Arthur Weihnachtsmann für jedes Kind ganz selbstverständlich zeigt, wie der Weihnachtsmann vorgeht ...

Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachten im Schatten der Maus II: Grüße von Familie Sears

Weihnachten! Es gibt Menschen, die viele Wochen mit dem Geschenke kaufen, Plätzchen backen und dekorieren verbringen. Andere widmen sich dem am 23. Dezember. Doch selbst die Spätentschlossenen müssen ihre Grußkarten rechtzeitig zur Post bringen, wenn sie möchten, dass sie bis Heiligabend ihre Adressaten erreichen. Wer das mit dem Terminus Aufwand verbindet, hat mit Sicherheit noch nie etwas von den Weihnachtskarten gehört, die Ted Sears viele Jahre lang, mit der Unterstützung seiner Familie, zu verschicken pflegte. Und zu erdenken. Und zu gestalten. Und zu drucken. Und zu kaligraphieren.

Ted Sears bediente sich des Mittels der Trickfotographie, die in Zeiten digitaler Bildbearbeitungen nurmehr als Mittel von Nostalgikern angesehen wird. Die Entwicklung der einzelnen Motive dauerte viele Monate, ganz zu schweigen vom Schreiben des Textes. Es handelte sich um aufklappbare Karten, die er seit den 1930er Jahren gestaltete. Der Ursprung seiner Leidenschaft lag weitere fünfzehn Jahre zurück und begann mit seiner Ausbildung zum Schildermaler und der Arbeit für das Barré-Studio. Nachdem er 1931 bei Walt Disney zum Leiter des Story Department ernannt wurde und seine Frau Vee geheiratet hatte, begann er, leidenschaftlich an Weihnachtskarten zu arbeiten. Die Begeisterung der Empfänger animierte ihn, immer aufwändigere Werke anzustreben. Während die Meisten zu Beginn des neuen Jahrs noch mit den zusätzlich aufgelasteten Pfunden aus dem alten kämpften, saß Ted Sears schon an seiner nächsten Karte. Die Zahl derjenigen, die von seiner Familie bedacht wurden, stieg schlussendlich auf über 300 Familien an, die zu pünktlich zu Weihnachten mit einer persönlichen Karte beschenkt wurden.

Die schönsten dieser Karten entstanden ab den 1940er Jahren, als Tochter Marcia die Familie Sears vergrößerte. Die Motive sprühen vor Kreativität, besonders beeindruckend sind diejenigen, in denen Ted Sears mit Größenverhältnissen spielt und verschiedene Welten vermischt. Es wäre vermessen, die Schönheit und den Humor der Arbeiten in Worte fassen zu wollen. Stattdessen sei nur jedem empfohlen, sich die Motive genau anzusehen (bitte für die große Ansicht, zu der unbedingt zu raten ist, auf das Bild klicken). Der Blick in jeden Winkel des Motivs zeigt die Detailliebe des Künstlers, der so lange nicht zufrieden war, bis ein hohes Maß an Perfektion erreicht war. Wer behauptet, man erkenne, dass alles nicht echt und von den heutigen Möglichkeiten durch Photoshop und Co. meilenwert entfernt sei, der ist, bei allem Respekt, ein Aufschneider.

Mein Lieblingsmotiv ist im Übrigen die letzte Weihnachtskarte, die hier gezeigt wird. Wer sie weniger als fünf Minuten betrachtet, kann genausowenig von sich behaupten, alles gesehen zu haben, wie ein Kinozuschauer, der nach der Hälfte des Films den Saal verlässt.

Zu den einzelnen Motiven ist leider nur sehr wenig bekannt. Auf eine Angabe der Jahreszahlen verzichte ich, die ungefähre Einordung gelingt dem aufmerksamen Betrachter schon alleine durch die Abbildung der Beteiligten. Viel Freude damit!










Alle in diesem Beitrag gezeigten Karten wurden von molliesc auf Flickr hochgeladen. Wer weitere Karten sehen möchte, sei auf das dortige Album verwiesen. Mehr über Ted Sears erfahrt ihr in seiner ausführlichen Biographie, die vor einigen Wochen Im Schatten der Maus veröffentlicht wurde.

Samstag, 24. Dezember 2011

Weihnachten im Schatten der Maus I: Die Poesie der Bäume

Fantasia is timeless. It may run 10, 20 or 30 years. It may run after I'm gone. Fantasia is an idea in itself. I can never build another Fantasia. I can improve. I can elaborate. That's all.“ - „We all make mistakes. Fantasia was one, but it was an honest mistake. I shall now rededicate myself to my old ideals.
- Walt Disney


Ganz im Sinne dieser geradlinigen Beurteilung seines Schöpfers möchte ich in dieser Artikelreihe Im Schatten der Maus Walt Disneys zeitlosen Fehler näher beleuchten.

Wer den Ablauf von Fantasia im Kopf hat, wird wissen, dass es nun Zeit wäre für Beethovens Pastorale. Doch anlässlich des heutigen Festtages tue ich mich schwer, einen Artikel über den griechischen Pantheon zu schreiben und stattdessen werde ich den Anlass nutzen, mich einem passenden Segment aus einem anderen Disney Meisterwerk zuzuwenden.

Man kann sagen, dass Disney sich seit jeher bemüht, um das Christentum - oder allgemein um lebende Religionen - sorgsam einen Bogen zu schlagen. Eindeutig christliche Themen in Disney-Filmen lassen sich an einer Hand abzählen: Abgesehen vom Kurzfilm „Der Esel von Bethlehem“ handelt es sich meist um persönliche Gebete oder Gute-Nacht-Lieder der Figuren, und selbst das Ave Maria, dass den krönenden Abschluss von Fantasia bildet, wird durch die Kombination mit dem vorangehenden Hexensabbat eher in einen mythologischen Kontext gebracht.
Gerade im oft unterschlagenen Film Musik, Tanz und Rythmus kommt aber eine Szene vor, die einen ganz anderen Ansatz zu der Thematik bietet. Es ist für mich eine der subtilsten und außerordentlichsten Szenen, die Disney zum Thema Gott geschaffen hat:

Die Poesie der Bäume

Das Segment beruht auf einem Werk von Alfred Joyce Kilmer. Der amerikanische Schriftsteller sagte von sich selbst, er habe 1912 durch die Kinderlähmung seiner Tochter zum Glauben gefunden. Ein Jahr später schrieb er sein mit Abstand berühmtestes Gedicht Trees:

I think that I shall never see
A poem lovely as a tree.

A tree whose hungry mouth is prest

Against the earth's sweet flowing breast;

A tree that looks at God all day,

And lifts her leafy arms to pray;

A tree that may in summer wear
A nest of robins in her hair;

Upon whose bosom snow has lain;

Who intimately lives with rain.

Poems are made by fools like me,

But only God can make a tree.

Das Werk erlang bald außerordentliche Beliebtheit und wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach vertont. Schließlich verwendete Walt Disney die musikalische Bearbeitungen von Oscar Rasbach für eine Aufnahme von Fred Waring and the Pennsylvanians, die dann für Musik, Tanz und Rythmus visuell untermalt wurde.

Zusätzlich zu seiner Ode an Bäume hat das Gedicht eine selbstreferenzierende Meta-Ebene; es versucht, seine eigene Qualität zu bewerten. In diesem Sinne wird die bescheidene Aussage auch durch das besonders einfache Reimschema noch verstärkt.
Da (wie im englischen Vorspann explizit erwähnt) für Disneys Version mit Ton und Bild noch zwei andere Medien zum Zuge kommen, stellt sich die Frage, wie Kilmers Ansatz hierbei übertragen wurde.

In der Vertonung werden die Strophen des Gedichtes mit unterschiedlichen Melodien unterlegt, so dass das Lied im Endeffekt aus zwei Strophen und einem Zwischenspiel besteht. So hat Rasbach es geschickt geschafft, das simple Reimschema aufzubrechen und eine Komposition zu schaffen, in der keine Gleichförmigkeit mehr auffällt.
Das Ergebnis ist eine sehr gefühlvolle Musik, die an die Soundtracks von Bambi oder Die alte Mühle erinnert, aber dafür die Bescheidenheit des Gedichtes vollkommen untergräbt.

Auch die Bilder, die verschiedene Bäume durch die Jahreszeiten begleiten, erinnern stark an die wundervolle Natur-Animation von Bambi oder Fantasia. Leider reicht das Segment - wie auch der ganze Film - von seiner Popularität her nicht an diese großen Vorbilder heran, und dadurch ist es schwierig, an nähere Informationen zum Entstehungsprozess zu gelangen.
Für einen kleinen Überblick sorgt diese Zusammenstellung von moremosaics.blogspot.com:
Das Konzept des Stückes, nicht einen einzelnen Baum durch das Jahr zu verfolgen, passt übrigens zu Kilmers Intention: Inspiration für das Gedicht bildete nicht ein spezieller Baum, sondern die Idee der Bäume allgemein.

Die Personifizierung, die die Bäume in dem Gedicht erfahren, wurde dagegen nicht unmittelbar übertragen - eine derartige anthropomorphe Darstellung hätte dem Segment auch nicht gut getan. Stattdessen werden, wiederum vergleichbar zu Bambi, Waldtiere als Empathieträger genutzt. Es verwundert nicht, dass die Hirsche von Don Lusk animiert wurden, der bei Bambi entsrechende Erfahrungen sammeln konnte.

Bemerkenswert sind auch die genialen Übergänge zwischen den einzelnen Szenen, die mit ihrer leichten Surrealität wiederum an Fantasias Nussknacker-Suite erinnern.










Die Kombination von Kilmers Worten und der spärischen Bilderflut regt zum Nachdenken an.

Es gibt wohl keine Kunst, der es so extrem gelingt, wie der Animation - sei es nun Computeranimation oder Zeichentrick - aus buchstäblich „Nichts“ eine lebensnahe Welt neu zu erschaffen. Dieses schöpferische Prinzip spiegelt sich schon in dem Wort Animation, das sich mit Beseeligung übersetzen lässt.
Nun könnte man argumentieren, dass die visuelle Darstellung von Trees dem Sinn des Gedichts widerspricht: Es wird sehr wohl versucht, den Göttlichen Genius durch menschliche Kunst einzufangen.

Andererseits muss man die schlichte, stilisierende Natur der Bilder anerkennen. Die Zeichner bemühten sich nicht um einen photorealistischen, lebensnahen Ansatz (der wohl kaum so beeindruckend geworden wäre), sondern versuchten vielmehr, die Seele der Natur einzufangen.

Etwas prätentiöser ausgedrückt: Das Segment würde so nicht funktionieren, wenn der Zuschauer das Bild eines Baumes nicht im Herzen trüge.

Das Schlussbild des Stückes zeigt in einem wundervollen Übergang die Vereinigung von Natur, Kultur und Religion - untermalt durch den ausklingenden Chor, der durch sanfte Glockenschläge unterstützt wird. Man könnte diese Zusammenstellung als eine ideale Darstellung von der Idee des Panentheismus verstehen.
Bemerkenswert an diesem Schlussbild scheint mir auch, dass man sich für einen derart nachdrücklichen Ansatz entschieden hat. Disney hätte den religiösen Kontext der letzten Zeile in problemlos ignorierern können und vielleicht wäre eine neutralere Darstellung eher zu erwarten gewesen. Stattdessen wird der religiöse Kontext am Ende eindeutig herausgestellt und beschert uns so ein einmaliges Stück Zeichentrick-Kunst.