Samstag, 20. November 2021

Ein Loblied auf den "neuen" Phantomias

Ein Zeitreisender will eine zahlreiche Menschenleben kostende Explosion abwenden, doch die Polizisten der Zeitbehörde möchten nicht, dass dieses vorbestimmte Ereignis verhindert wird. Egal, wie schrecklich es ist. Ein idealistischer, aber kompromissfeindlicher Wissenschaftler will die zugebaute Westküste eines Kontinents zerstören, um unberührtes Land freizulegen und der Menschheit einen ökologischen Neustart zu schenken. Selbst, wenn dabei Millionen sterben werden … Wer setzt sich mit diesen Dilemmata auseinander? Donald Duck.

Eine Rasse Außerirdischer, die die Emotionen und Lebensenergie ihrer Opfer aussaugt, nimmt die Erde als nächstes Ziel ins Visier – und das Militär kooperiert willentlich mit ihnen. Zu den wenigen Widerstandskämpfern gehört … Donald Duck. Eine Androidin verliert den Lebenswillen und stürzt sich in den Tod. Als sich Techniker anschicken, sie zu reparieren, redet es ihnen jemand aus. Nämlich … Donald Duck.

Das klingt für Uneingeweihte womöglich wie die Zusammenfassung finsterer Fanfiction, die nichts mit echten Disney-Comics zu tun hat. Aber wer in den späten 1990ern ein bestimmtes, in Deutschland sehr nischiges monatliches Disney-Magazin gekauft hat, oder jetzt zur treuen Leserschaft des edel aufgemachten „LTB Premium“ gehört, weiß, was Sache ist. Diese dramatischen, moralisch komplexen Disney-Comicgeschichten existieren. Und sie sind außerordentlich gut.

Die Rede ist von der in Italien erfundenen Comicsaga „Paperinik New Adventures“, oder wie sie hierzulande getauft wurde: „Der neue Phantomias“.

Vom Pechvogel zum Rächer zum sanften Helden zum „neuen Phantomias“

Dass sich Donald Duck in Maske und Umhang kleidet, um als Teilzeiträcher und Superheld Phantomias durch die Nacht zu springen, ist seit 1969 Teil des Disney-Comic-Kanons aus Italien. Erdacht wurde das Alter Ego des zornigen Erpels, weil vielfach der Wunsch geäußert wurde, Donald doch mal auf der Siegerseite zu sehen. Also bekam er eine Geheimidentität, die ihm half, sich an Peinigern zu rächen oder Diebe in die Flucht zu schlagen. Phantomias erfreute sich großer Beliebtheit – bis diese Popularität in den frühen 1990er-Jahren kurzzeitig abnahm.

Bei Disney Italia erkannte man, dass die einst sehr forsche Figur zuletzt zu zahm wurde – und dachte sich daher, dass es an der Zeit sei, Phantomias endlich in eine Superwelt zu hieven, die sich neben die an Jugendliche und junge Erwachsene orientierenden Marvel- und DC-Reihen gesellen kann. Eine Truppe von italienischen Disney-Comicschaffenden, die damals als junge Wilde den Status quo hinterfragten, nahm sich diesem Gedanken an. Und so erschufen Claudio Sciarrone, Alessandro Barbucci und Silvia Ziche sowie die Autoren Tito Faraci und Francesco Artibani ein futuristisch angehauchtes Entenhausen, in dem fortlaufende Geschichten mit immensen Bedrohungen und fahrigen moralischen Dilemmata erzählt werden.

Donalds Alter Ego Phantomias tauscht in „Paperinik New Adventures“ seine wie kindische Wasserpistolen gestalteten Waffen und seine Sprungfeder-Stiefel gegen einen Transformerschild und berät sich nicht weiter mit dem kauzigen Erfinder Daniel Düsentrieb, sondern mit der Künstlichen Intelligenz Eins, die im Laufe der Saga erst noch Empathie lernen muss. Die Comics sind reich an Action, die teils ordentliche Blessuren beim Titelhelden hinterlassen, und Donald alias Phantomias ackert sich mit großem Sarkasmus und viel Galgenhumor durch die vielen Situationen, die weit schwerwiegender sind als alles, was er von früher gewohnt ist.

Dieser Humor ist sehr schnippisch geschrieben – und lässt zugleich weiter durchschimmern, dass sich hier ein Pechvogel und Faulpelz in Kämpfe stürzt, die er lieber Anderen überlassen würde. Würden sich doch nur Andere finden, die diese Kämpfe zu schlagen wüssten. Doch weil es halt sonst niemand übernimmt, löffelt halt Donald Duck ebenso emsig wie augenrollend für uns alle die Suppe aus.


Anfangs ordentlich am Markt vorbei gebrettert

In Deutschland startete der Verlag Ehapa 1996, nur kurze Zeit nach dem Debüt in Italien, den ersten Versuch, diese Comicreihe ans Publikum heranzutragen. Als monatliche Heftreihe in etwas edlerer Aufmachung, aber ähnlichem Format wie das altbekannte „Micky Maus Magazin“, bekam es eine Aufmachung verpasst, die wie ein Hybrid aus klassischen Disney-Heftchen und den Superheldenheften von DC und Marvel anmutete. So weit, so gut. Aber die Saga startete in Deutschland direkt mit einem gigantischen Problem:

Die allererste Geschichte, die erklärt, weshalb Donald Duck nun in einem 151 Stockwerke hohen Wolkenkratzer lebt, mit einer Künstlichen Intelligenz befreundet ist, keinen Kontakt mehr zu seinen Neffen und alten Weggefährten hat, und in der Gestalt von Phantomias nicht etwa Diebe, sondern Killer-Aliens und Diebe aus der Zukunft jagt, wurde ausgelassen. Anspielungen auf „kürzliche Ereignisse“ wirkten nicht wie ausgereifte, innere Kontinuität, sondern wie schlechtes Geschichtenerzählen.

Jahre später wurden „lizenzrechtliche Schwierigkeiten“ als Grund dafür öffentlich gemacht, der Schaden ließ sich aber nicht rückgängig machen: Im deutschen Disney-Comicmarkt, der sich Mitte der 1990er-Jahre noch weniger um Erwachsene bemühte als heute, und für den „PkNA“ somit eh ein schwer zu positionierendes Projekt darstellte, wurde diese Reihe so gestartet, dass sich beim Publikum die Fragezeichen nur so stapelten. Nach bloß neun Heften gab der Verlag die Reihe auf. Vorerst.

1999 folgte ein zweiter Anlauf – mit weniger Inhalt pro Ausgabe, aber zu einem höheren Preis. Die Ursprungsgeschichte der Saga wurde streng limitiert nachgereicht. In Schwarz und Weiß. Und nicht etwa zu Beginn dieses erneuten Versuchs, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Wer braucht schon eine chronologische Veröffentlichung bei einer kontinuierlich erzählten, eng verwobenen Geschichte? Mehr Leute, als dem Verlag damals wohl lieb war: Erneut spielten nur wenige Menschen dieses Spiel mit – nach insgesamt 15 Bänden war mangels Erfolg Schluss.

Das Taschenbuch-Format bringt die späte Rettung

Am 1. März 2012 gelang es dem futuristischen, verwegenen Phantomias endlich, seine Pechsträhne in Deutschland zu überwinden: Unter dem Titel „Der neue Phantomias“ wurde ihm der zweite Band der hochpreisigen, gezielt an ältere Disney-Fans vermarkteten Reihe „LTB Premium“ gewidmet. Darin wurden erneut die Geschichten abgedruckt, die den Grundstein dieser Saga darstellen und die relevantesten Gegner sowie Unterstützer des Helden im Cape einführen – inklusive des zuvor so sagenumwobenen, erst ausgelassenen, dann limitierten „Band 0“. Dieses Mal sogar in Farbe!

Seither sind die „PkNA“-Chroniken fester Bestandteil der Premium-Reihe unter dem „Lustiges Taschenbuch“-Banner. Die Bände vier und sieben folgten mit einer Kombination aus chronologischen Nachdrucken bereits veröffentlichter Hauptgeschichten und deutschen Erstveröffentlichungen pointierter Kurzgeschichten, die die Nebenfiguren der Saga vertiefen. „LTB Premium 9“ belohnte im Oktober 2015 geduldige Fans des neuen Phantomias endlich mit seit vielen Jahren herbei ersehnten, deutschen Erstveröffentlichungen langer Geschichten aus dem zentralen Handlungsstrang. In den „LTB Premium“-Ausgaben elf, 14, 16, 18, 20, 23 und 25 ging die Saga auf zunehmend komplexere Weise weiter, mit lang im Voraus geleistetem Foreshadowing, weit zurückreichenden Kontinuitätsrückgriffen und einer steigenden Schlagzahl an Comics, die entweder sehr actionreich sind oder sehr dramatische, verschachtelte Plots erzählen.

Donald alias Phantomias stellt sich Robo-Auftragskillern, begegnet Aliensöldnern und entwickelt ein ihn immens beißendes, schlechtes Gewissen für Dinge, die er seit Jahrzehnten in seinen klassischen Spaßgeschichten tut. Die Zeitreisegeschichten werden immer verzahnter – und nach dem tragischen Ausgang der Reise einer peppigen Nebenfigur sowie nach einer „Predator“-Parodie findet die Sage in Band 25 einen esoterischen Quasi-Abschluss.

Quasi-Abschluss daher, weil „PkNA“ in Italien so beliebt und erfolgreich war, dass die dortige Disney-Dependence die Reihe fortführte – erst mit einer 18-teiligen Comicsaga, die unmittelbar nach den „PkNA“-Comics spielt, aber zunehmend auf Mystery, charakterbezogene Dramatik und grau-graue Moralität, statt auf Action setzt. Diese Sequel-Saga feierte in Deutschland im August 2020 in „LTB Premium 27“, 19 Jahre nach ihrem Debüt in Italien, ihre Premiere und hat ihre Geheimnisse mittlerweile auch vor dem hiesigen Publikum vollständig enthüllen dürfen. 

Es ist noch lange nicht Schluss!

Mit Witz, Emotion, Action und Dramatik sind die „PkNA“-Geschichte richtige Juwelen im Disney-Comictresor, und da die Ursprungssaga in Deutschland nach all den Fehlstarts letztlich doch komplett erschienen ist, können sich alle Neugierigen endlich ohne Sorge, etwas zu versäumen, in sie hineinzustürzen. Beim „Binge Reading“ entwickelt die Reihe eine noch größere Sogkraft als bei einer über viele, viele Monate hinweg erfolgten Veröffentlichung, werden so durch die Charakterbögen erst richtig deutlich.

Und es ist schon für viel, viel Nachschub gesorgt. Eine alternative Dimension rund um einen ähnlichen, aber nicht exakt gleichen neuen Phantomias spaltete einst die italienischen Fans und hält nun Einzug ins Premium. Aber die „PkNA“-Kontinuität schlägt zurück: In Italien wurde vor wenigen Jahren ein neuer Handlungsstrang rund um den schnippische Sprüche klopfenden, sich durch explosive Auseinandersetzungen wuselnden Erpel mit Maske aufgenommen. Während Comic-Deutschland sich also gerade in die dramatische Zwischenphase des neuen Phantomias begeben hat, arbeitet Italien munter weiter an der Zukunft des futuristischen Phantomias. Wenn ihr mich fragt: Immer nur her damit!

Mittwoch, 3. November 2021

Eternals

 


Regisseurin/Autorin Chloé Zhao ist bislang vornehmlich für ihre leisen Arbeiten bekannt, die sich im semi-dokumentarischen Stil zwischenmenschlichen Dynamiken nähern. Songs My Brothers Taught Me widmet sich einem Sioux-Geschwisterpaar. The Rider ist ein beeindruckendes Porträt eines Rodeo-Reiters, der bei einem schweren Unfall enorme Verletzungen davongetragen hat und sich dennoch wieder in den Sattel schwingen will - und Zhao fängt seinen Antrieb ebenso akribisch ein wie die Reaktionen seines überforderten, hin- und hergerissenen Umfelds. Und Nomadland widmet sich im selben Tonfall der bittersüßen Poesie darin, wie wacker sich von der rücksichtslosen Wirtschaft abgehängte "Jobnomaden" ein Leben in Würde erkämpfen, wo das System keine Würde mehr vorgesehen hat.

Es ist nur konsequent für eine Filmemacherin, die große Passion für die dornige Komplexität von Situationen und Gefühlslagen aufbringt, dass sich auch Chloé Zhao nicht einfach in eine einzelne Schublade stecken lässt. Denn selbst wenn ihre ersten drei Regiearbeiten zweifelsohne aus demselben Holz geschnitzt sind, so sind Zhaos Interessen breiter gefächert als "unmittelbar aus dem Leben gerissene, leise Schicksalsgeschichten". Die unter anderem von Spike Lee unterrichtete Verehrerin der Arbeiten von Werner Herzog, Ang Lee, Wong Kar-wai und Terence Malick ist auch comicvernarrt, inniger Sci-Fi-Fan, fieberte daher beispielsweise Denis Villeneuves Dune entgegen (und war letztlich überaus begeistert vom Endergebnis), schwärmt von James Camerons Terminator und hat einen weiterhin aktiven Fanfiction-Account (den sie jedoch nicht offenlegen will). Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Zhao sich in die Genrewelten des Fantastischen bewegt.

Mit ihrem vierten Film ist es nun so weit: Bereits nach The Rider ging Zhao mit einer umfangreichen Präsentation bewaffnet auf die Marvel Studios zu - sowie mit der Bitte, ein Projekt zu übernehmen. Sie war daher sowohl für Black Widow als auch für Eternals im Gespräch. Sie erhielt für den Letztgenannten den Zuschlag und entwickelte ihn während ihrer Arbeit an Nomadland. Wir werden wohl nie erfahren, wie Zhaos Black Widow geworden wäre, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass der Agentinnen-Actioner eine bessere Wahl für Zhao dargestellt hätte: Zwar ist einer der Schwerpunkte des Auftaktfilms der Phase IV im Marvel Cinematic Universe die diffizile Familiendynamik, in der sich Natasha Romanoff befindet, allerdings bietet Eternals Zhao eine viel breitere Spielwiese, um ihren Stil und ihre schreiberischen Sensibilitäten in fabulöse Welten zu übertragen.

Eternals handelt von einer zehnköpfigen Gruppe nahezu unsterblicher Personen, den Eternals. Ihnen wurde von den gottgleichen Wesen namens Celestials der Auftrag gegeben, sich auf der Erde unter die Menschen zu mischen und sie vor blutrünstigen Monstern namens Deviants zu beschützen. Aber auch nur vor ihnen. Vor Jahrhunderten schienen sie alle Deviants bezwungen zu haben, doch nach den Ereignissen aus Avengers || Endgame tauchen die drahtig-muskulösen Viecher wieder auf. Also müssen sich die über den ganzen Globus verteilten Heldinnen und Helden sammeln. Doch frühere Konflikte und jahrtausendelang verschleppte Gewissensbisse erschweren die Mission ... 

Zhao und die ebenfalls für das Drehbuch verantwortlichen Patrick Burleigh, Ryan Firpo & Kaz Firpo überfrachten ihr Publikum im Prolog mit mythologischen Begrifflichkeiten, Erklärungen und Andeutungen. Nach diesem etwas erzählerisch holprigen Einstieg breiten sie allerdings eine ruhig, doch konzentriert aufgezäumte Geschichte vor ihrem Publikum aus, in dem sich nahezu unsterbliche, menschenähnliche Wesen mit massiven Kräften von einer Zwickmühle in die nächste begeben. Diese sind interpersoneller Natur, kämpferischer Art oder betreffen ethische/philosophische Fragen.

Vor allem letzter Aspekt ist von Interesse: Zhao macht in Eternals nämlich das, was sich im Superheldenkino aufgrund der dort agierenden, mächtigen Figuren nahezu aufdrängt, abseits ihr jedoch nur Zack Snyder mit Man of Steel im Mainstream auf auffällige Weise tat. Sie widmet sich dem Dilemma, wie denn als gütig behauptete und überaus mächtig geschilderte Figuren Leid zulassen können - geht also einer vercomicten Version der Theodizeefrage nach. Bedenkt man, dass Snyders "Superman kann ja auch nicht andauernd alle retten"-Film mein klarer Favorit unter seinen DC-Filmen ist, damals jedoch auch viel Schelte abbekommen hat, kommt mit angesichts der bisherigen Eternals-Reaktionen prompt ein Déjà-vu ... 

Mit Man of Steel teilt sich Eternals auch die zwischen Zeitebenen springende Erzählweise, wobei Zhao in den Rückblenden durch die Menschheitsgeschichte düst und dies gleichermaßen für Kostüm- und Kulissenprunk nutzt wie für das sehr beiläufige Säen von Zwietracht, Misstrauen, Zuneigung und Vertrauen innerhalb der titelgebenden Truppe. Beispielsweise wird der von Kumail Nanjiani mit viel Witz verkörperte, jedoch auf's Kämpfen spezialisierte Kingo als jemand gezeigt, der im privaten Umfeld ein lockeres Mundwerk hat und neidisch auf die Gabe von Sprite (Lia McHugh) ist, die lebensechte Projektionen erzeugen kann und diese in ruhigen Momenten nutzt, um die Sterblichen zu unterhalten. Dass Kingo in der Gegenwart der Handlung als seit Jahrzehnten tätiger Bollywood-Star aufkreuzt, der nach all der Zeit im Showbiz noch vorlauter und schnippischer ist und mehr flotte Sprüche raushaut als zuvor, ist eine fast schon erschreckend schlüssige Begründung Zhaos, mit Kingos Wiedereingreifen in die Handlung ein Comic Relief einzuführen.

Nicht alle Eternals bekommen gleich viel erzählerische Aufmerksamkeit, der koreanische Filmstar Don Lee etwa fällt mit seiner Rolle nahezu unter den Tisch, wohingegen beispielsweise die taube Lauren Ridloff ihrer Heldin in ihren wenigen Szenen eine fesselnde Energie verleihen kann und McHugh als Sprite überzeugend zwischen ewig-jugendlicher Frische und jahrtausendealtem Frust balanciert. Gemma Chans Sersi dient mehr oder minder als Protagonistin, hält sich jedoch zurück, statt dem Film mit Nachdruck ihren Stempel aufzudrücken. Das reibt sich mit den MCU-Sehgewohnheiten, sind die Filme der Marvel Studios, klammert man Black Panther und Chadwick Bosemans sehr stark die Bälle zum Nebencast passende Performance aus, ja gemeinhin stark auf ihren zentralen Star ausgerichtet. Trotzdem (oder gerade deshalb) sollte man Chans Leistung in Eternals nicht unterschätzen - wenn ich schauspielerisch was zu mäkeln habe, trifft das viel mehr Kit Harrington als Sersis Love Interest und Richard Madden als ihr Ex und Eternal-Kollege zu. Beide ackern sich für meinen Begriff zu steif durch ihre Szenen, wobei Ramin Djawadis urig-epochaler Soundtrack durchaus die eine oder andere Szene ordentlich vorantreibt und dabei auch das Spiel der beiden Herren im besten Sinne zu übertönen versteht.

Visuell ist Eternals die Handschrift Zhaos noch stärker anzumerken als darin, in welchem Duktus sie die Dialogpassagen taktet. Kameramann Ben Davis schafft allerhand hübsche Panoramen, und die digitalen Trickeffekte sind nach den in ihren schwächeren Momenten etwas angestaubt wirkenden Black Widow und Shang-Chi eine echte Wonne. Wenn manche dieser digital getricksten Elemente mit mahnender Schwere im Bild stehen bleiben, darf sogar Gänsehaut aufkommen - vorausgesetzt, man ist zu diesem Zeitpunkt noch emotional und gedanklich in das Geschehen involviert.

Die durchwachsenen Vorabkritiken zu Eternals machen mir deutlich, dass das längst nicht auf alle zutreffen wird, ich aber würde nur den Einstieg des Films etwas begradigen und beim nahezu obligatorischen Actionfinale (das sich allerdings viel organischer entwickelt und zügiger abspielt als bei den vergangenen zwei Phase-IV-Filmen) ein paar Minuten stutzen. Sonst bin ich echt angetan vom Film und bin gespannt, ob (und wenn ja: wie) Zhaos nachdenklich-kurzweilige Sci-Fi-Vision weitergeht. Vielleicht werden wir bei ihrer achten Regiearbeit schlauer sein?

Fazit: Eternals gut. Gerne mehr. Weitere große Worte überlasse ich den zehn Eternals.