Mittwoch, 16. April 2008

Bully sucht die starken Männer

- Die Bonus-Disc, die noch vor dem Film ins Fernsehen kommt


Wie sich mittlerweile ja herumgesprochen hat, dreht Bully demnächst eine Realverfilmung der Trickserie Wickie und die starken Männer.

Die Rollen der starken Männer werden, im Gegensatz zu den restlichen Rollen des Films, in einem öffentlichen TV-Casting gesucht. Jedoch möchte Bully kein TV-Casting a la DSDS veranstalten, in dem das Publikum mittels SMS und Telefonanrufen seinen Favoriten zum SUperstar kürt, und auch kein dramatisiertes Heulsusen-Soap-Gedönse wie "Germany's Next Topmodel". Viel mehr möchte er das Filmcasting als Unterhaltungssendung präsentieren. Kein Einfluss des Publikums - dass es eine TV-Show ist vergrößert im Grunde genommen nur die Anzahl der Bewerber und füllt eine Programmlücke bei ProSieben.

Kann so etwas denn gut gehen?

Durchaus. Man muss allein schonmal bedenken, dass ein Filmcasting viel natürlicher und weniger fragwürdig ist, als ein Musikcasting (Ausnahme bilden hier natürlich Castings für Musicalrollen u.ä.).

Für Filme wird generell gecastet, es sei denn ein Kleinregisseur macht einen Film mit seinen Freunden. Musikcastings sind zwar auch häufiger, als man es glauben mag - schließlich finden sie auch außerhalb der Fernsehshows statt - aber dennoch ist das Filmcasting von Beginn an eine "grundlegendere" Sache. Ein Regisseur / Autor sucht jemanden, der seine Vision einer Rolle erfüllen kann. Leute, die sich diese Rolle zutrauen sprechen für diese vor, und kommen entweder in die engere Auswahl, oder nicht.
Es gibt eine klare Vorstellung von dem, was erwartet wird. Und primär geht es bei diesem Casting auch darum, ob diese Erwartung erfüllt wird - ob jemand in die Rolle passt. Sekundär werden natürlich auch generell talentfreie Personen aussortiert, aber eine Ablehnung von Seiten der Jury muss nicht gleich bedeuten, dass man eh mies ist.

Das Musikcasting - vor allem das im Fernsehen - ist da schon anders. Eine Jury / ein Musikverlag möchte wieder Geld verdienen und sucht jemanden, der hoffentlich das meiste einbringt. Wer rausfliegt, ist entweder nicht massentauglich genug oder einfach nur schlecht - und in den meisten Fällen verwechselt die Jury diese beiden Begriffe auch noch.

Wenn man sich diese Unterschiede zwischen Musik- und Filmcasting klarmacht, kennt man auch sofort den Unterschied zwischen Bully sucht die starken Männer und Deutschland sucht den Superstar und Konsorten: Filmemacher und Komiker Bully sucht gemeinsam mit seiner Casting-Chefin und Schauspieler Jürgen Vogel Leute, die die Wikinger hinter dem kleinen Wickie so darstellen können, wie er es sich vorstellt. Es geht nicht darum, den neuen Über-Super-Megaschauspieler zu suchen, der von nun an jeden Rotz vorträgt, der jemandem wie Dieter Bohlen so auf dem Klo alles einfällt. Wer nicht in die Vision passt, wird freundlich abgewiesen - und manchmal noch mit einem witzigen Spruch von der Castingbühne geholt. Dabei bleibt alles freundlich - Bully beleidigt niemanden, er blödelt nur herum, tanzt zum Beispiel zusammen mit Jürgen Vogel wie deppert zu einem Lied, das einer der Kandidaten schrieb um Eindruck zu schinden. Doch das Gegenteil war der Fall.
Und das ist generell unterhaltsamer als ein frech-nörgelnder Bohlen, der Leute in Grund und Boden beschimpft. Und sympathischer ist das sowieso, zumal sich hier niemand rausnimmt das allgemeine Talent von jemandem zu beurteilen. Es geht um das Talent für die gesuchten Rollen.

Die typischen Castingshowversager, die einfach nur mal vor eine Kamera wollten gibt es natürlich trotzdem. Die werden aber in kurzen Einspielern gezeigt. Sie haben ihren Willen und sind im Fernsehen, und der Zuschauer hat kurz was zum Lachen und / oder Fremdschämen.

Dazwischen gibt es Einblicke in die Entstehung des eigentlichen Filmes: Kindercasting, Locationsuche, Lesungen des Drehbuchs. So könnte Bully sucht die starken Männer tatsächlich wie eines dieser unterhaltsamen Filmchen wirken, die sich ab und zu beim Bonusmaterial von großen Filmen verstecken.

Doch da gibt es noch diesen überdramatischen Off-Sprecher, der versucht dort Castingshowdramen entstehen zu lassen, wo keine sind. Da kann die Chemie in der Jury noch so sehr stimmen - wenn sie sich die Bälle zuspielen und der Offsprecher aus dieser besonderen Sache wieder ein 08/15-Casting machen möchte, wird der ein wenig Spaß getrübt.

Es bleiben noch fünf Folgen über (dienstags, 20.15 Uhr auf ProSieben). Und vielleicht wird dieser Mackel an der Show noch gefixt. Sollte dies nicht passieren, ist es aber auch egal. Die kurzweilige Sendung macht auch so Lust auf den Kinofilm. Und das soll sie ja auch.

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