Donnerstag, 3. Juli 2008

Hancock - Flop oder Top?

Tonight, He Comes

Hancock - die Trailer waren wirklich klasse und bei der Prämisse "Will Smith ist ein versoffener, verkaterter und genervter Superheld, der macht was er will und bei seinen Aktionen mehr zerstört als rettet" kann man doch nicht viel falsch machen, oder? Zumal es sich bei Hancock um die lang erwartete Adaption des in Hollywood bereits legendären Drehbuchs Tonight, He Comes von Vincent Ngo handelt, welches aufgrund seiner unkonventionellen Weise so hoch gelobt wurde, aber auch genau deshalb als unverfilmbar galt.

Das Projekt wanderte durch mehrere Hände. Tony Scott wollte es verfilmen, Michael Mann nahm sich den Film vor, verwarf diese Idee jedoch zu Gunsten des (grausigen) Miami Vice-Films.

Das Buch wurde umgeschrieben, Will Smith kam als Hauptrolle ins Gespräch. Jonathan Mostow kam als potentieller Regisseur an Bord, nur um seinen Platz bald darauf an Gabriele Muccino abzugeben, der letzten Endes durch Peter Berg ersetzt wurde.

Und hier setzt dann die Schattenseite der Erwartungen an Hancock ein: Laut den meisten Kritiken ist der Film zerfahren und aus dem harschen, eigensinnigen und intelligenten tragikomischen Skript sei ein moralinsaures Etwas geworden.

Entsprechend neugierig ging es für mich dann in die Vorpremiere des Films - konnte die vielversprechende Idee tatsächlich so sehr in den Sand gesetzt werden? Oder erwarteten die Kritiker einfach zu viel?

Zumindest zu Beginn liefert Hancock genau das, was die Trailer versprachen: Will Smiths Figur Hancock ist mies gelaunt und gibt sich nur motzend seinen Heldentaten hin, bei denen alles zu Bruch geht. Wegen eben diesen Aktionen ist der schlecht gelaunte Kerl mit Alkoholproblem alles andere als ein gern gesehener Gast der Bevölkerung von Los Angeles. Doch als er (mal wieder mit viel provozierenden Sachschaden) das Leben eines PR-Agenten rettet, soll sich für Hancock alles ändern: Aus Dankbarkeit will Ray Embrey (Jason Bateman) Hancock dazu verhelfen beliebt und geachtet zu sein. Sehr zum Widerwillen seiner Frau (Charlize Theron).

Doch bereits dieses knappe erste Drittel von Hancock ist nicht ganz das politisch inkorrekte, rotzfreche und derbe Anti-Superheldenspektakel, dass man sich möglicherweise versprach. Zwar ist Hancocks Verhalten und Zerstörungswahn sehr unterhaltsam und stammt nicht von der auf Hochglanz polierten Seite des Superheldenspektrums, doch nach all den Verlautbarungen, die man im Vorfeld zu hören und lesen bekam, fehlte irgendwie noch der letzte Kick. Ein, zwei Schritte weiter hätte Hancock locker noch gehen dürfen. Auffällig ist auch, dass eine der Szenen, die für die MPAA geändert wurde (um anstatt eines R-Ratings nun ein PG-13-Rating zu erhalten) nun gänzlich fehlte. Eine Unrated-DVD-Special-Edition ist also unvermeidbar.

Ab dem zweiten Drittel geht Hancock in beinahe schon regelmäßigen Abständen mehrere Stimmungs- und Tempowechsel durch, die für den knapp über 90 Minuten laufenden Film einfach zu viel sind. Zwar stammen die meisten dieser Elemente anscheinend bereits aus dem Originalskript, doch man kann mit Sicherheit sagen, dass dort die Übergänge zwischen den Phasen sanfter waren und dass das Skript auch einen längeren Film vorsah. Im Endergebnis wirkt einiges etwas gehetzt, oder so als ob aus dem Nichts der Einfluss eines der vorherigen Regisseure das Steuer übernehmen würde.

Es ist keinesfalls schlecht, dass Hancock nach den humorigen Anfangssequenzen an Dramatik hinzugewinnt, doch dieser eher urplötzliche Wechsel nimmt vor allem dem letzten Akt des Films sehr viel Potential, verschenkt etwas der möglichen Wirkungskraft.

Schlecht ist Hancock dennoch nicht. Er ist immer noch ein spaßiger Sommerfilm der frecheren Art, und in ihm glüht hie und da auch der Funken Genialität auf, den man uns versprach - vor allem wenn man sich trotz der zerrissenen Darstellungsweise auch auf das letzte Drittel einlässt. Nur ist Hancock (in dieser Form) auch meilenweit von dem entfernt, was er hätte sein können.

Fazit: Erwartungen etwas lockern, sich auf die Wendungen ab dem zweiten Drittel einlassen und den Film so nehmen, wie er ist. Dann hat man knapp eineinhalb Stunden netten bis recht guten Kinospaß. Und dann schauen wir Mal, wie der Film in der DVD-Fassung wirkt.

1 Kommentare:

Kevin Kyburz hat gesagt…

Ich hatte den Film auch schon am Mittwochabend gesehen und gehe mit meiner Kritik in deine Richtung, mein positives Fazit ist jedoch ein wenig gedämpfter. Die "Arschloch"- und "Kopf in den Hintern"-Gags kommen einem vom Stil her zu gezwungen vor und zeugen nicht wirklich von Kreativität. Bei "Kopf in Hintern" musste ich spontan an "Bruce Almmächtig" denken.

Wie von dir gesagt, Hancock blieb einfach zu harmlos. Und dieses Saubermannimage + Götter-schufen-uns-Gerede bringt den Film von den erstklassigen Trailerinhalten einfach zu weit weg.

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