Montag, 22. Juni 2009

Die Zehn-Satz-Rezension zu "Ananas Express"


  1. Die Action-Kifferkomödie Ananas Express vereint ein weiteres Mal Judd Apatow (dieses Mal in der Rolle des Produzenten, außerdem war er an der Story beteiligt), Darsteller und Comedyautor Seth Rogen und seinen Coautoren Eric Goldberg, während der Independet-Regisseur David Gordon Green neu zum Apatow-Comedyclan dazustößt.
  2. Die Idee zum Film kommt von Judd Apatow, der gern sehen wollte, was passieren würde, wenn Brad Pitts Kiffercharakter aus True Romance mal aus dem Haus kommt und von Bösewichtern gejagt wird (ihm schwebte vor, es wie "Bad Boys wenn alle bekifft sind" zu gestalten), während Hauptdarsteller und Autor Seth Rogen die 80er-Giganten von Huey Lewis and the News dazu einlud den Titelsong zu schreiben.
  3. Wie jede gute Apatow-Produktion, stehen auch bei Ananas Express zwei liebenswerte, chaotische Verlierer / gesellschaftliche Außenseiter im Vordergrund, in diesem Fall der Gerichtszusteller Dale Denton (Seth Rogen) und sein verpeilter und relaxter Dealer Saul Silver (James Franco), die sich auf der Flucht vor den Tätern eines Mordes befinden, den Dale zufälligerweise beobachtet hat.
  4. Der Drogenkonsum der beiden Protagonisten liefert natürlich eine gewaltige Vorlage für die meisten der Pointen im Film und schlägt sich konsequenterweise in zahlreichen Gags über ihr verzögertes Reaktionsvermögen, Gedächtnisprobleme und infantile Logik nieder.
  5. Wo andere Komödien dieses Sub-Komödiengenres sich jedoch in Regionen weit unter der Gürtellinie begeben, begeistert Ananas Express mit einer erfrischenden Mischung aus Dialogwitz, Nonsense-Humor, den oben beschriebenen Folgen des Drogenkonsums von Dale und Saul sowie slapstickartiger Cartoongewalt.
  6. Eingebettet ist das ganze, typisch Apatow, in herzlich-ehrliche Sequenzen über Männerfreundschaft, die dank Greens Regie einen geradezu anarchischen Balanceakt zwischen komödiantischer Albernheit und lyrischer Inszenierung vollführen.
  7. Während Seth Rogen eine routiniert gute Leistung als Loser abgibt, spielt Franco (überraschender- aber verdienterweise hierfür Golden Globe-nominiert) richtig auf und liefert einen brüllend komischen Charakter ab, dem man anmerkt, dass er hinter all dem Marihuanarauch noch eine weitergehende Geschichte hat
  8. Beeindruckend ist auch die hohe Qualität der Actionszenen, welche mit einem mickrigem Budget (der gesamte Film kostete 25 Mio. $) auf die Beine gestellt wurden und sich trotzdem nicht vor denen in richtigen Actionfilmen verstecken müssen (abgesehen davon, dass sie wesentlich übersichtlicher geschnitten wurden, als so manch hektisches Kameragewackel, das heut' so ins Kino kommt).
  9. Ananas Express braucht zwar ein klein wenig, um in Fahrt zu kommen, doch sobald er erstmal ins Rollen gerät, steigert sich der Film immer weiter und wird immer irrer, er erinnert von daher ein wenig an Superbad, bloß dass Ananas Express um einiges besser ist und weitaus weniger träge ist.
  10. Ananas Express gehört für mich zu den besten Apatow-Produktionen und ist jedem, der an Seth Rogens und/oder Apatows Humor Gefallen findet nur zu empfehlen, vor allem weil er sich vom fast zur Konvention gewordenen Romantiksubplot verabschiedet und somit den Apatowclan mit etwas Abwechslung segnet.
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