Dienstag, 25. August 2009

Sieg der Erzählkunst - Die endgültigen Zahlen vom letzten Kinowochenende

Kinodeutschland, August 2009. Gleichzeitig starten zwei gänzlich unterschiedliche Kinofilme. Mit 650 Kopien und von einer gigantischen Werbekampagne begleitet stürmt mit Horst Schlämmer - Isch kandidiere der beliebte Unterhaltungskünstler Hape Kerkeling in seiner derzeit prominentesten Rolle die Kinos. Inglourious Basterds, der neuste Film von Kultregisseur Quentin Tarantino schafft es derweil mit circa 450 Kopien in Deutschlands Filmtheater.

Wer denkt, dass die Kinocharts leicht vorhergesagt sind, der irrt.

Oder wer hätte gedacht, dass das multilinguale, schauspielerisch erstaunende und erzähltechnisch Wagnisse eingehende Epos Inglourious Basterds bei diesem Szenario auf Platz Eins der deutschen Kinocharts landen wird?
In seinen ersten vier Tagen lockte die ungewöhnliche Verarbeitung des Zweiten Weltkriegs 362.685 Besucher an, was nach Kill Bill, Vol. 2 (380.786 Besucher) den bis dato zweitbesten deutschen Tarantino-Start bedeutet.

Die von Kerkelings Lebensgefährten Angelo Colagrossi gefilmte Komödie Horst Schlämmer - Isch kandidiere erreichte nach Angaben von Insidekino in der selben Zeit lediglich rund 320.000 Besucher, was sicherlich unter den Erwartungen liegen sollte.

Für mich noch überraschender ist das Abschneiden von Inglourious Basterds an den US-Kinokassen. Bereits am ersten Wochenende überrundete der zu circa 2/3 untertitelte, mit europäischen Schauspielern überbevölkerte Film das bei 25.037.897 Dollarn liegende US-Gesamteinspiel des wesentlich leichtherzigeren, wilderen und augenscheinlich "amerikanischeren" Grindhouse und brachte 38.070.437 US-Dollar in die Kassen der Weinstein Company ein. Tarantino-Startrekord!

Wer nun denkt, dass ein gewaltiger Einbruch der US-Einnahmen von Inglourious Basterds zu befürchten sei, da die amerikanischen Zuschauer dank der irreführenden, einen spaßigen, gewalttätigen Brad-Pitt-Spaßkriegsfilm versprechenden Trailer mit falschen Erwartungen in den Film gingen und negative Mundpropaganda betreiben, wird glücklicherweise eines besseren belehrt. Repräsentative Marktforschungsumfragen an Kinosaalausgängen führten zu (unerwartet) außerordentlich positiven Ergebnissen, der durchschnittliche US-Kinobesucher bewertete den Film am vergangenen Wochenende mit einem "A-". Hollywood-Businessbloggerin Sharon Waxman schreibt für The Wrap, dass sich zahlreiche Besucher mit falschen Erwartungen (darunter ihr Sohn und seine Freunde) von der Qualität des Films überzeugen ließen und Inglourious Basterds weiterempfahlen.

So soll's sein.

3 Kommentare:

milan8888 hat gesagt…

Offtopic: Was ist eigentlich aus der Kommentarfunktion geworden die die Kommentare direkt unter dem Beitrag anzeigte?

Sir Donnerbold hat gesagt…

Wenn du auf die Artikel-Überschrift klickst, werden die Kommentare weiter unter dem beitrag angezeigt. Wenn du auf den "Kommentare"-Link gehst, kommt die extra Seite.

Habe das geändert, weil die Extraseite für Leute ohne Google-Konto brauchbarer sein soll. (Das Kommentarformular auf der extra Seite ist nicht so zickig wie das unter den Artikeln)

Wieso fragst du? Hättest du die alte Variante lieber wieder zurück?

Dann haben wir nämlich das tolle Problem, dass es keinen Kompromiss gibt (es sei denn Google sieht ein, dass sie hier Müll programmiert haben).

milan8888 hat gesagt…

Die alte Version sieht halt nicht so aus als würde man plötzlich auf ner vollkommen anderen Website landen. So wirkt das ganze etwas unelegant.

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