Mittwoch, 16. September 2009

PotC - On Stranger Tides: Weshalb der Titel fair ist

Um fair zu spielen und komplizierte Streiterein zu vermeiden, gingen die Autoren bei der Fortsetzung der erfolgreichen Piraten-Trilogie einen anderen Weg als zuvor.

Bereits gestern beendete Terry Rossio, Co-Autor der Pirates of the Caribbean-Saga, die Spekulationen um den vierten Teil der Reihe, indem er den zahlreichen Fans ein paar handfeste Informationen zuwarf. Jetzt konkretisieren sich Rossios Aussagen bezüglich Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides ein wenig, und für mich als großen Fan von Rossios und Ted Elliotts Künsten als Drehbuchautoren sind es wirklich hervorragende Neuigkeiten.

Laut Rossios Aussagen im Wordplayer Forum wurde die Richtung, die das vierte Piratenspektakel mit Jack Sparrow einnimmt stark von den Autoren und ihrer Kenntnis des Tim Powers Romans On Stranger Tides beeinflusst:

"we were aware of the Tim Powers book, and elements of the book, prior to wanting to do a story about Pirates and the Fountain of Youth.It was exactly that prior awareness that put the whole topic off limits, without having the book. There is no way you could fairly write anything on that topic (supernatural pirates and the Fountain of Youth) and avoid each and every similarity to Tim Powers work"

Kurz gesagt wollten Rossio und sein Schreibpartner Ted Elliott im vierten Pirates of the Caribbean den Jungbrunnen einbringen, hatten jedoch das "Problem", dass ihnen bereits Tim Powers Roman bekannt war. Es war also nahezu unmöglich für sie das Drehbuch zu ihrer Wunschgeschichte zu verfassen, ohne unterbewusst bei Tim Powers abzuschreiben.

Es ging Rossio und Elliott dabei jedoch nicht um eine rechtliche Problematik (da man Disney/Bruckheimer bei zu vielen Parallelen um Entschädigung verklagen könnte), sondern um eine moralische Einstellung:

"This was not a legal question, but rather a question of a fairness to another writer who got there first." (Quelle)

Weil Elliott und Rossio liebe und faire Autorenkollegen sind (und unbedingt eine Geschichte mit Piraten, übernatürlichen Elementen und dem Jungbrunnen erzählen wollten), überredeten sie also Disney tatsächlich dazu, sich die Rechte am Roman von Tim Powers zu sichern und den vierten Teil der Pirates of the Caribbean-Reihe nach ihm zu benennen, selbst wenn es rechtlich nicht zwingend notwendig war. Verstehe ich das richtig?

Das ist ja großartig!

Was mir besonders zusagt ist, dass darin mitschwingt, dass der Disney-Konzern und Jerry Bruckheimer sich wirklich auf das Autorenduo verlassen und ihnen großes Mitbestimmungsrecht einräumen, statt ihnen reinzuquatschen und vorzuschreiben, in welche Richtung sich das Franchise zu bewegen hat.
Es gibt nichts schlimmeres, als erfolgreiche Filmreihen, die kreativ begannen und dann aus kommerzieller Berechnung inhaltlich immer schwächer wurden. Bei Pirates of the Caribbean dagegen liegt sichtbar viel Macht bei den kreativen Kräften hinter dem Film, während die Disney-Geschäftsleitung sich angenehm zurückhält. Und das macht mir Mut, dass der vierte Teil dene rsten dreien in nichts nachstehen wird.

Außerdem lässt sich problemlos herauslesen, dass Teil 4 höchstwahrscheinlich von der Suche nach dem Jungbrunnen handeln wird. Okay, das wurde bereits in Am Ende der Welt mehr als bloß offensichtlich angedeutet, jedoch gab es immer wieder anderslautende Gerüchte, nach denen dieser Handlungsfaden ausgelassen wird, weshalb ich eine Bestätigung der Jungbrunnengeschichte weiterhin nennenswert finde.

Rossios Posting deutet weitergehend daraufhin, dass Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides nichtmal eine freie Adaption von Powers Geschichte ist, sondern dass Elliott und Rossio genau wie bei Fluch der Karibik und seinen Fortsetzungen einfach ihr Ding durchziehen. Powers Buch dient nichtmal als direkte Inspiration, zumindest nicht im frühen Planungsstadium. Wie bereits erklärt, wollten die Autoren nicht (aus Versehen oder unterbewust) bei Powers klauen. Da sie sein Werk kannten wäre es unmöglich gewesen sich auszutoben und Parallelen zu vermeiden. Klar. Würde man mich bitten einen Piratenfilm mit einem besoffenen, charmanten, witzigen und durchtriebenen Piratenkapitän in der Hauptrolle zu schreiben, würde er auch einige Parallelen zu Fluch der Karibik haben. Ich müsste nichtmal absichtlich abschreiben - der Film ist einfach zu präsent in meinem Gedächtnis, als dass ich vermeiden könnte ihn als Vorbild zu nehmen.

So scheint es also bei PotC - On Stranger Tides auch abzulaufen. Es gibt sicherlich ein paar Parallelen, und jetzt wo sie die Rechte dazu haben, werden Elliott und Rossio möglicherweise auch an manchen Stellen bei Powers nachschlagen, aber vordergründig entwickeln sie eine eigene Idee und geben Powers und seinem Roman nur aus moralischen Gründen diese Form von Aufmerksamkeit.

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1 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Nicht nur, dass du unglaublich lesenswert schreibst, du hast auch noch imemr die neuesten Infos! Unglaublich praktisch - so kann ich es mir sparen, auf gewissen Fanforen nach News zu suchen und mich erstmal durch Unmengen an "Hach, sah er nicht wieder heeiiiß aus?", "Daaaanke! ich freeeuuu mich sooo! Johnny ist ein GOTT!!!" etc wühlen zu müssen. Wunderbar!

Ähem, zum eigentliche Post.^^ Das gefällt mir! Soviel Fairness wünscht man sich doch öfters in Hollywood. Es ist auch unter dem Aspekt beruhigend, dass Disney natürlich nach wie vor aufs Geld schielt - aber dennoch nicht versucht, den Kreativen reinzureden bzw. eigene Ansichten durchzusetzen. Zumindest klingt das Ganze so.

Ich hoffe einfach wieder auf eine schöne Abenteuerstory mit Humor und liebgewonnen alten Bekannten.

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